bumi bahagia / Glückliche Erde

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Archiv der Kategorie: Eckehard

ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – 71. von 144 – Boden unter den Füßen

„Bis ans Ende der Tage“

Eckehardnyk

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Das sichere Nest, das du für deine Kinder gebaut hast, besteht nicht nur aus den vier Wänden, dem Fußboden und der Decke. Außer diesem „Würfel“, in dem wir hausen, brauchen wir alle nicht nur Nahrung und Wärme, sondern ach Ansprache (und Anforderung) aus unserer Umgebung. Ein Experiment von Friedrich II. aus dem Mittelalter des 13. Jahrhunderts, das von René Spitz in seiner Tragweite bestätigt wurde, zeigt uns Säuglinge, die zwar gefüttert und gewickelt, aber ohne Worte und Zuneigung versorgt – heute würde man schon sagen: „entsorgt“ wurden. Die Babys im Mittelalter starben; die von Spitz untersuchten Heimkinder litten unter Marasmus, also Kräfteverfall und Abmagerung, Schäden also, die man „Hospitalismus“ (oder anaklitische Depression) nennt.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE 70. von 144 – Wieviel Punkte haben wir gesammelt?

Soviel wie Sternlein stehen?1

Eckehardnyk

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Ob „Gott, der Herr“ sie wirklich alle „gezählet“ hat? Auf jeden Fall meint das Kinderlied, daß sie alle ihm gehören. Doch er scheint sich nicht allzu viel daraus zu machen, denn ziemlich wahllos und unendlich weit verstreut hat er seine Sammlung ausgedehnt. Manche denken auch, er kümmere sich gar nicht mehr darum. Ein Kinderzimmer dürfte, bürgerlich gedacht, wohl so nicht aussehen, wie das, was wir die „Schöpfung“, den „Kosmos“ oder das „All“ nennen.

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Eltern, Kind und Kinderstube – 64. von 144 – Das All

Gebt mir Gelegenheit!

Eckehardnyk

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Beschäftigen wir uns also mit dem All der Möglichkeiten! Du möchtest aus den vielen Reaktionen etwas herausfinden, das deinem Kind sofort das Richtige abverlangt? Es steht dir eine unbegreifliche Zahl von Maßnahmen zur Verfügung, meinst du, und keine will etwas fruchten. Das scheint nur so. Du triffst im All der Möglichkeiten schon immer eine Vorauswahl. Du wählst voraus Stimmlage, Lautstärke, Häufigkeit, Haltung, ja sogar „Laune“, in der du etwas äußerst, ohne dich vor der Riesenmöglichkeit deiner (zu allermeist unbewusst getroffenen) Auswahl zu fürchten. Panik trifft dich erst, wenn du keinen Erfolg hast, scheu wirst und dich frägst: Was soll ich denn noch alles machen?

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Eltern, Kind und Kinderstube – 62. von 144 – Gott oder Knall?

Warum Kinder zu ihren Eltern ein immenses Zutrauen haben

Eckehardnyk

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„Wer erklärt und die Welt?“ titelte das Monatsmagazin GEO schon im Dezember seine Ausgabe von Januar 1999. Man berichtete über die Annäherung zwischen Mystik und Naturwissenschaft. Sicher, da wird viel Wissenswertes bewegt. Aber ist es nicht doch so, daß immer nur du gefragt wirst, wenn dein Kind die Welt erklärt haben möchte? Steckt nicht in jedem seiner ungezählten Warums eine solche Bitte, die Zumutung zugleich höchsten Ausmaßes und tiefster Wirkung ist? Sieh doch selbst: Die Sache ist sehr einfach: Der, der die Welt geschaffen hat, soll sie auch erklären!

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Eltern Kind und Kinderstube – 2. von 144 – Die Einstellung entscheidet *

Warum bin ich ich?

Eckehardnyk

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Wo beginnt eigentlich ein Kind? – Darüber gibt es zwar Diskussionen, doch ihr habt euch dazu entschlossen, ein Kind in die Welt zu setzen, und mit dem Entschluß beginnt es auch für euch zu existieren. Es gehört also zu jedem Elternpaar ein anderer, eigener Anfang seiner Elternschaft. Vom Entschluss an beginnt es für sein Kind zu denken, zu fühlen und zu handeln. Erinnert sei nur an Strickarbeiten, die manche Mütter beginnen, ohne dass die medizinische Indikation einer Schwangerschaft vorliegt.

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Eltern, Kind und Kinderstube 58. von 144 „Friede auf Erden“

Der Mensch ist „teils frei, teils unfrei“… Unfrei in der „Welt der Wahrnehmungen“ und frei verwirklicht im Geist 1)

Eckehardnyk

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Übereinstimmung sichert Frieden. Worum sollten zwei übereingekommene Wesen auch streiten? Der Weg zur Übereinkunft, die Frieden sichert, sollte in der Kinderstube nicht Jahrhunderte dauern wie zwischen griechischen und italienischen Stadtstaaten der Antike und Renaissance oder zwischen Franzosen und Deutschen bis ins letzte Jahrhundert. Als einer der frühst bekannten Philosophen gilt Heraklit von Ephesos, dessen Denkweise nur in Fragmenten überliefert ist. Damals, im sechsten und fünften Jahrhundert vor Christus gab es wie immer auch Kriege. Sein Ausspruch dazu war diesen Ereignissen abgelauscht: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge.“ 2) Er muss wohl gesehen haben, daß die großen, unveräußerbaren Fortschritte der Menschheitsentwicklung zustande kamen trotz der Kriege um vergängliche Dinge. Und jedes eroberte „Ding“ hatte als seinen Vater erst mal den Krieg, der neuen Krieg erzeugte.

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Eltern, Kind und Kinderstube 53. von 144 Wer fragt, der führt!

Erfühle die Antwort

Eckehardnyk

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Mütter, die zum ersten Mal ein Kind erwarten, fürchten sich vor der ungewissen Frage: „Werde ich alles richtig machen? Wie erzieht(1) man überhaupt ein Kind?“ Manche Väter teilen diese Furcht. Die meisten Eltern sind auf diese Aufgabe nur vom Hörensagen und durch die Erfahrung ihrer eigenen Kindheit präpariert. Dabei ist es „ganz einfach,“ sagen Andere, „du weißt schon instinktiv, was du machen mußt. Wart‘s nur ab, beim zweiten Baby läuft dann alles von alleine.“ Sehr richtig, auch diese Einstellung. Im Leben ist eben alles richtig. Trotzdem, was machst du gegen Verunsicherung angesichts deiner Erstgeburt?

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Eltern, Kind und Kinderstube: 50. von 144. Alles vom Feinsten

Wohin führt der Weg?

Eckehardnyk

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In Korinth zur Zeit Alexanders des Großen gab es eine Menge Reiche, vor allem Neureiche. Sie besaßen wohl viel, aber eines fehlte ihnen: Zufriedenheit. Ganz anders Diogenes (412-324 vor Christus). Der lebte nur in einer Tonne; die war sein Zuhause und er war zufrieden. Deshalb hatte er Schüler. Einer von ihnen – oder er selbst? – sollte zum Ansehen eines etablierten Korinthers beitragen und wurde in dessen neue Stadtvilla eingeladen. Mosaiken, Täfelungen, Kassettendecken, geschliffene Marmorsäulen, goldenes Besteck, Elfenbeinsessel – wohin das Auge blickte: Nur erlesenes Material. Am Ende der Hausbesichtigung verspürte der Gast Druck im Rachen und erleichterte sich, indem er seinem Gastgeber ins

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE 1.von 144 Wie wird mein Kind pflegeleicht und erfolgreich?

Rückbesinnung, wie dieser Text begann

Eckehardnyk

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Wie es das wird? Bedenke – es ist es schon. Nur ehrlich, hättest du ein Buch mit dem Titel: „Wie wird mein Kind schwierig und mißraten?“ erwerben mögen? Ja es gibt solche lesenswerte Büchlein, denken wir an Irina Prekops Taschenbuch: Der kleine Tyrann. (Welchen Halt brauchen Kinder? München: Kösel-Verlag, 1988, 150 Seiten), worauf wir später noch eingehen werden.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE 45. von 144 – In uns die Sintflut ? (1)

Eckehardnyk

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Sicher dachtest du, jetzt redet er wie ein Pfarrer. Das hängt wohl damit zusammen, daß, wer diesen Beruf ausüben will, sich mit Geist und Seele abgeben muß. Manche Geistliche oder Seelsorger sagen ganz Vernünftiges. Was mich an diesem Amt jedoch stört, ist der „Vorgesetzte“. In Sachen der Seele oder des Geistes kann man kein Untergebener sein, wenn man für die bei sich selbst gefundene Wahrheit gerade zu stehen hat. Wie sollte ein Bischof oder Papst beurteilen, was mein Ergebnis von Wahrheitssuche ist? Ist er nicht selbst in eigener Sache ein Suchender? Er könnte mich bei dieser Suche zwar brüderlich unterstützen, aber Erteilen von Weisungen – unmöglich, es würde allein Herrschaft aber nichts Wahrhaftiges hervorbringen.

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ELTERN KIND UND KINDERSTUBE 44. von 144 / Seelenstärke

Keine Stärke ohne Seele

Eckehardnyk

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Aus den vereinigten Staaten von Amerika kamen und kommen Neuerungen, die auch unser Leben revolutionieren, ohne daß ein Tropfen Blut vergossen wurde oder wird. Das liegt an den vielen Erfindern und Eltern von Erfindern, die dorthin ausgewandert sind und dort bessere Möglichkeiten hatten, ihre Ideen für die übrige Welt zur Brauchbarkeit zu entwickeln. „Amerika, du hast es besser!“ hat Goethe noch im Jahrzehnt vor seinem Tod gedichtet1 Mit mehr understatement könnten wir heute sagen: Amerika – das etwas andere (vor allem massigere) Europa. Was kam nicht alles von dort!2 Neulich (also 1998) kam von dort auch ein Film, der eine Erfindung zeigte, mit der man in die Erinnerung eines anderen Menschen eintauchen kann. Bei Schock-Erfahrungen funktionierte das, indem jemand sich Körperflüssigkeit dessen, der unter Schock gewesen war, injiziert. (Damals hielt ich das für Filmgeschichte und mutmaßte:) Wer sowas dreht, kennt Leute, die an entsprechenden Projekten arbeiten und womöglich mal Erfolg haben werden. (Was heute als MK-Ultra bekannt wurde, bedient vermutlich ähnliche Verfahren. Doch warum sollte uns das hier beschäftigen? Gibt es Wege, die Kinder seelisch so zu stärken, dass sie solchen Praktiken gewachsen sind? Das setzt voraus, dass wir der Seele Selbständigkeit zuerkennen, die für sich auch gestärkt werden kann.)3

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE: 43. von 144 Ich will gehört werden!

Eckehardnyk

Stell dir vor, du seist ein Baum!

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Vergleiche sind oft eine gewagte Sache, sie kommen mitunter behindert zur Welt und brauchen dann orthopädische Behandlung: Sie hinken. Warum sagt man nicht: sie schielen? Oder: sind schwerhörig, heiser oder verschnupft? Wohl deshalb, weil Vergleiche etwas darstellen, was bewegt und ins Auge fällt.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE: 42. von 144 – Mit welcher Stimme hörst du dich am liebsten?

Wo Liebe anfängt und aufhört

Eckehardnyk

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Mit der eigenen Person fängt die Liebe an und bei der eigenen Stimme hört sie meistens auf. Leute von Funk und Fernsehen, Theater und Politik lieben berufsmäßig den Klang ihrer Stimme. Die meisten anderen Menschen sind zumindest überrascht, wenn sie sich zum ersten Mal selber hören müssen. Ich empfehle dir, den ersten Eindruck beim Hören der Stimme von dir selbst aufzuschreiben. Dieses Gefühl hast du ziemlich genau auch dir selbst gegenüber, ohne dir dessen bewußt zu sein.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – 41. von 144 Angst essen Seele auf? – Nö! Liebe essen Angst auf!

eckehardnyk

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Richtig Angst haben wir heute gar nicht mehr. Man hat „Ängste“. Doch woher kommen und was bedeuten sie? Unter Angst wollen wir etwas Diffuses, nicht konkret Faßbares, Emotionales, verstehen, weshalb Ängste, also die Mehrzahl, das Unfaßbare besser zu greifen scheint. Im Gegensatz davon kennen wir Furcht als etwas sehr Konkretes (1) Und niemand versucht, seine Fürchte in den Griff zu bekommen. Furcht kann der Mensch haben vor der ungebremsten Gewalt, die sich in Naturkatastrophen austobt, aber auch in chaotischen Verhältnissen, die der Mensch selbst in Gang gesetzt oder zugelassen hat, wie der Strahlen-GAU von Tschernobyl am 26. April 1986, Der Smog im Sommer 1997 in Südosten oder die AIDS-Seuche, die um 1984 aufgekommen ist. Es gibt eine unbekannte Zahl von Menschen, die in örtlichen Katastrophen, wie beim Flugtag-Unglück von Ramstein 1988, dabei waren und bleibende Angstzustände, sogenannte reaktive Neurosen, davongetragen haben und bis auf den heutigen Tag wegen dieses Traumas nicht mehr berufsfähig waren.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – 40. von 144 – Und die Natur?

Eckehardnyk

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Allzu leicht wird heute Natur mit „Umwelt“ gleichgesetzt. Für unsere Stellung in der Welt ist der Unterschied jedoch bedeutender, als es zunächst scheinen mag. Die Umwelt ist nichts weiter, als das was unmittelbar in der Umgebung liegt. Ein Tier braucht seine Umwelt zum Überleben, es ist daran angepaßt mit seiner speziellen, genetisch festgelegten Ausrüstung.

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ELTERN KIND UND KINDERSTUBE – 39. von 144 / Wie ist die Zweiteilung der Menschheit zu vermeiden?

ELTERN KIND UND KINDERSTUBE – 39. von 144 – Wie ist die Zweiteilung der Menschheit zu vermeiden?

Eckehardnyk

Die Eltern und all die lieben Menschen

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Wer hat mich begleitet durch meine Kindheit und Jugend? Meine Eltern, Geschwister, Verwandte, Nachbarn, Freunde, Freundinnen, Kameraden, Untermieter, Hausmädchen, Handwerker, Briefträger und all die vielen Menschen, von denen ich Eindrücke mitbekommen habe? In der Regel konnte ich alle liebgewinnen, wie sie zu meinem Leben gehörten. Die Ansichten dieser Menschen wurden für mich wichtig. Ich fing unwillkürlich an, damit umzugehen und in das Gesagte hineinzuschlüpfen. Wie ein junges Kätzchen habe ich alles beschnuppert, beleckt und damit gespielt, weil es neu war. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, daß die bekannten Figuren Neuigkeiten mitbrachten. Zu diesen Mitbringseln entwickelte ich Zuneigung, die sich dann auf die entsprechenden Personen übertrug. So baute ich damals meine Beziehungen auf. Menschen waren lieb und wertvoll durch die mitgebrachten „Erkenntnisse“. (mehr …)

Osteralmanach

Eckehardnyk

Karsamstag 11. April

Versperrter Blick auf schöne Osterziele, der Frühling kommt auch ohne Angstgefühle. Bis wir uns einmal sehn ist diese Sicht reifenden Laubs geschlossen. Noch kann dem Leben keiner widerstehn – Bleibt frohgemut und unverdrossen. Das höchste Blut bleibt uns nicht unvergossen.

Tulpenbaums frisches Grün verdeckt Schloss Eberstein
Unter Schloss Eberstein Murgfluss, Straße 462 und Kartonfabriken von Obertsrot

Ostersonntag 12. April

Wer hatte seine Hand im Spiel, dass unser Blick dem Moos verfiel? Es blieb im Winterzimmer grün. Im Osterwald die Glocken blühn. Es strandete verwelkt die Zeit; du, Mensch, mach dich im Herz bereit, das einfach alles neu beginnt und lieben, was wir taten, kann. Die schlimmen Tage werden enden.

Im Wald bei der Stourdza Kapelle

Ich mag dir schöneres nicht senden. Der Mai kam früher als bekannt, und segne unser Haus und Land. Es türmten Wolken sich mit Gift, wer sowas wendet, hat den Stift – genommen, die Rechnung aufgemacht und die beklommen Fragenden angelacht – habt ihr nicht je das Heil gewollt? Es sei, die ihr den Geist gefunden, sollt in die Welt hinaus. – Die Stunden werden gefeiert, wobei sich das Leben der Menschen erneuert. Wer ohne Angst die Zeit verbringt, wird mit des Fischers Schmuck beringt. Es halte treu zum Stamm das Laub. Das Moos wächst über alten Raub. Gelingt in Freiheit dir das Wahre, geht nur dein Totes auf die Bahre. Verklungen ist das alte Leiden, in Frühlingslieder lässt’s euch kleiden. Fisch, der Schlittschuh läuft, ruft an!

Ostermontag 13. April 2020

Hernborger Schießkonane

Es war einmal ein Königssohn, sein Vater schwerkrank von der Kron. Er hatte drei Söhn, befahl ihnen rasch ihm Wasser des Lebens zu bringen. Der erste Sohn sucht in Wald und Gebirg, der zweite in der Fabrik. Doch keines hilft und die Krankheit wird schlimmer. Da schickt der König seinen jüngsten Sohn, der galt als der Dümmste immer. Der setzt sich kurz auf die Stufen vorm Schloss. Ein graues Männlein kommt heimlich herbei und spricht: „Ich höre dich denken, du willst dem König das Leben neu schenken?“ „Ja“, spricht der Jüngling, „doch weiß ich nicht wie“. „Ich schon“, sagt der Alte und erklärt ihm, was zu tun sein werde. Der Andere reist bis ans Ende der Erde. Da liegt ein Zettel im Gras. Dort war nicht viel los und er las: „Kehr zurück über den großen Teich, am Strand findest du Gut, doch hab auf ein Eimerchen acht, es füllt sich mit Wasser des Lebens, das aus dem Atem des Wales sinkt, den du als Boot benutzest. Der Walfisch bringt Reisende auf seinem Rücken ans Ziel, doch rede mit ihm kein Wort. Er kennt jeden Heimatort.“

Da lang! (auf Usedom)

Der Jüngling macht sich sogleich auf den Weg, er findet den Strand das Gefäß und den Steg und steigt auf den Rücken des Wals. Der streift durch das Meer so schnell wie der Wind, an der Rückenflosse hält sich das Königskind und passt auf sein Eimerchen auf. Die Fontäne des Wals enthält jenen Tau, nachdem ihn der Vater gesendet. Und als dann die Überfahrt endet, schützt er das kostbare Nass im Gefäß und gleitet von dem Wal herab aufs Gesäß. Da spricht ihn das Ungetüm an: Warum nur bin ich dazu verdammt, Leute wie dich herzuführen? Sein geretteter Gast nickt nur freundlich „Bis dann!“ und erreicht das sichere Gelände. Ihn durchzuckt eine Antwort und er ruft: „Du würdest als frei eingestuft, hättest du Menschen gefressen. Statt bis an dein Ende zu schuften, verbirgst du dich schlau in den Gruften und lässt deine Beute dir schmecken!“ Der Wal peitscht wütend die See. Doch was half’s? Der nächste muss ihm verrecken. Die Flut von der tobenden Flosse verrinnt in natürlicher Gosse. Und zum Könige eilt der Knabe geschwind und bringt ihm die heilende Labe, doch des Kindes Mut war die Gabe. Sie teilen das Reich in der Mitte. Graumännlein lacht als der Dritte.

Stettin, Hauptstadt eines neuen Reichs?

Nach einem slowakischen Märchen, heute neu gefasst von Eckehard Hilf

ELTERN KIND UND KINDERSTUBE – 38. von 144 – Wem folge ich?

Was gibt der Seele Format?

Eckehardnyk

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Wem folgen wir? Gibt es irgendwen und irgendetwas, das uns zu irgend etwas drängt? Dann gibt es auch unterbewußt eine Angst, die droht: Wenn Du dem Drang nicht nachgibst, wirst du mich zu spüren kriegen. Danach folgt das Ritual, das besagte Hände Waschen oder sonst irgendein absurdes Manöver, und die Angst, der grausame Gott, hat sein Opfer und ist befriedigt. Aber sind wir es dann auch? Welchen Preis bist du, sind wir alle bereit, zu zahlen nur dafür, daß wir keine Angst haben müssen? Welche Lügen sind wir bereit einzusetzen, um uns kurzfristig vor Angst zu retten? Wie viel Geld, Schutzgeld, haben wir, um uns gegen eine Drohung zu sichern?

2

Kommt das alles in deinem Leben nicht vor, dann bist du ein zufriedener Mensch. Was ist aber mit der Meinung deiner Freunde, Nachbarn, Kollegen? Läßt die dich auch so in Ruhe? Was hältst du von Anrufen aus der Schule: „Ihr Kind hat noch nie seine Aufgaben gemacht?“ Wem folgst du, wenn du dann mit deinem Kind sprichst? Der Meinung dieser Lehrerin? Oder hältst du zu dem, was deine Freunde richtig finden? Hast du Auseinandersetzungen mit dem Ehepartner – ich meine nicht Krieg – bevor du handelst? Hast du Angst, „etwas falsch zu machen“? Und was dann? Dann würde dein Ansehen womöglich leiden. Ignorierst du hingegen das alles und machst frech nur das, was du selber, zwar nicht besser, weißt, aber, weil du dir nicht drein reden lassen willst, für das Nächstbeste befindest, könnte Angst vor dem Alleinsein im Untergrund auf dich warten und die Folge davon sein, daß du, in Einsamkeit von der Außenwelt abgeschottet, für dein Kind keine vernünftige Sozialisierung hinbekommst.

3

Wir sehen, die verborgene Angst kann überall hervorbrechen und übertönen, was unser eigenes Gefühl zu uns sagt.

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Wir sprachen davon, daß Gefühle oder Empfindungen ein Format besitzen. Gehen wir auf das oben Gesagte ruhig nochmals ein. Dir gefällt nicht, was die Lehrerin über dein Kind heute am Telefon geredet hat. Aber wenn sie Recht hätte? Wäre zu dumm! Du warst sicher, dein Kind mache seine Hausaufgaben. Du konntest dich darum nicht kümmern, weil du nachmittags auswärts zu arbeiten hattest und auf deine Frage am Abend, ob alles erledigt sei, bekamst du überzeugend mit Ja beantwortet. Die Aussagen deines Kindes brauchtest du bisher nie in Frage zu stellen. Und nun das? Wie konnte es dir das antun? Du fühlst dich einem Verlust an, was weiß ich? ausgesetzt. Und noch ein Gefühl tritt hinzu und läßt dich unmittelbar laut oder leise ausrufen: „Ich muß mit ihm reden!“ Jetzt aber gehst du erst mal in einen inneren Dialog mit deinem Kind. Du stellst ihm die Frage, ob sein Wort wohl eventuell mit dem Tathergang nicht übereingestimmt habe und was der Grund dafür sein könne, und lässt dir verschiedene Reaktionen durchs Gemüt ziehen.

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Im inneren Dialog mit deinem Kind folgst du deinem Gefühl, deiner Erfahrung, die du mit dem Wesen deines Kindes gemacht hast. Du wirst vorbereitet sein, im anschließenden realen Gespräch eine weise Verabredung zu treffen.

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Nachwort: Wenn selbst Spitzenskiläufer sich vor dem Rennen ihre Piste anschauen und mit jedem Tor und jeder Kuppe „ins Gespräch“ kommen, warum nicht auch du und ich bevorwir ein heikles Thema berühren? Es ist wichtig, daß wir unbelastet „ins Rennen“ starten. Keine Schwierigkeit sollte uns überraschen können. Beim Handeln nämlich braucht man sein Gefühl gedankenschnell. Deshalb: kläre alle gefährlichen Stellen, solange du Gelegenheit hast, das Format oder die Qualität deines Auftritts in Ruhe mit dir selbst zu bestimmen.

© eah 22. November 1982 und 8. April 2020

ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – 36. von 144 Von Kopf bis Fuß

Bin ich verkrampft, wenn ich meine Zehen in der Erde versenke?

Natürlich nur dann, wenn ich an nichts anderes mehr denke.

Eckehardnyk

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Das Wesentliche am „Vor Anker Gehen“ liegt im Austausch. Um im Bild zu bleiben: Das Schiff vor Anker entläßt Menschen und Waren und nimmt neue auf. Dazu braucht es die Verankerung mit der Umgebung. Wenn du dich durchsetzen willst, gehe innerlich vor Anker, weil du mehr hergibst als sonst und auch mehr bekommen wirst. Dieser Austausch bereitet, bildlich gesprochen, einem „Kapitän auf der Brücke“ Lampenfieber, bevor das Manöver losgeht. Das bedeutet für dich, bevor du einen Befehl, eine Anordnung oder diesen Zwitter, den man heute mit „bitte“ einzukleiden beliebt, oder sonst eine wichtige Willensäußerung an die Welt nach draußen gibst, vergewisser dich deiner inneren und äußeren Zuständigkeit. Dann erklinge in dir: „Ich bin vom Kopf bis Fuß auf (Liebe oder was sonst jetzt zu tun ist) eingestellt.“ So kannst du den Song der Marlene Dietrich jederzeit in dir wirken lassen, falls du dich nur unsicher oder nicht so recht zuständig fühlst.

2

Das Loslassen der Leinen oder das Anker Einholen nach dem Umschlag an der Reede gehört mit zum Bild. Während des Austauschs bist du ruhiger und freust dich an der Umsetzung deines Kommandos. Das trägt alles dazu bei, daß du in einer ausgeglichenen Haltung an all dem teilnehmen wirst, was du selbst in Szene gesetzt hast. Und da sind wir bei einem anderen Aspekt dieser „Bildbeilage“: Du bist der Schöpfer deiner Anordnungen. Vom Kopf bis zu den Füßen bist du Gottes Bild. Als solches lernt dich auch dein Kind sehen und auf alles, was du tust und sagst, acht geben. Wenn du Sorge hast, dein Kind gehorche dir nicht aufs Wort, dann prüf dieses Bild von dir selbst: Bin ich dieses Bild, bin ich der „Ozean aus Liebe“, bin ich das „Schiff, das ankert“, bin ich „der Kapitän“, der hier das Sagen hat, bin ich eingestellt auf das, was ich will und liebe? Du bist es einfach, so wie auch Gott alles das ist, was ist. So ist jeder Gott1, weil Gott2 alles ist, nur du bist es bewußt in diesem Augenblick, weil du deinen Kopf bis in die Füße bringst, weil du dein gedachtes Vorhaben in eine nachweisbare Tat für die Welt verwandelst.

3

Ein Zehnjähriger fragte mich einmal „was passiert, wenn man einen Finger hebt?“ Diesen Jungen hätte ich umarmen können für diese Frage! Sie betrifft schließlich die Entstehung des Universums. Was passiert, wenn du einen Zeh „versenkst“? Du leitest Energie „vom Kopf bis zum Fuß“. Dazwischen liegt das, was du bist, auf immer und ewig. Du schickst also einen Gedankenblitz durch die Ewigkeit in leblose Materie und sie bewegt sich, gehorcht dir, nimmt Gestalt an. Genau so hat „der Allmächtige“3 den Adam und die Eva geschaffen. Es kommt nur auf die Verbindung von der Augenblicksgeschichte, die wir in der Gedankenschnelle, die der Zahl Null entspricht, kennen und der Substanz, die wir träge, tot oder „ohne Ende“ nennen, an. Und diesen Zusammenschluß nennen wir das Sein. Dazu brauchen wir weder Zeit noch Geld noch Gesetze4. Du brauchst allerdings Zugang zu der Masse, die du bewegen willst. Der „Kopf“ allein ist zu wenig, du brauchst auch den „Fuß“, mit dem du im Schlamm, in der Materie steckst. Aus deinem Drinstecken entsteht immer wieder dasjenige neu, was man „das Leben“ nennt.

4

Jetzt weißt du, warum es auch im Leben kein „Nichts“ oder kein „Zurück“, kein „Falsch“, kein „Richtig“, kein „Schwarz“, kein „Weiß“ geben kann. Das Leben ist immer Leben, es enthält alle Farben, es ist immer Hüh und Hott und immer Ja, Nein und ganz besonders: Vielleicht. Grenzen gibt es nur dort, wo wir eine Unendlichkkeit vor uns haben, in die wir noch nicht vorzudringen wagen. Doch wenn wir es wagen, tun wir es „von Kopf bis Fuß“ darauf „eingestellt“, was uns am Herzen liegt, „und sonst gar nichts.“ Das gibt uns das Gefühl, das wir in unserer Mitte sind. Mit Empfindung oder Emotion haben wir zu tun, wenn der Gedankenblitz unterwegs zu den Füßen ist. Dabei hebst du den Finger…

5

Und wenn du nur einen Befehl – oder „Bitte“ – bei einem oder deinem Kind bis zur Befolgung anbringen konntest, dann hast du diesen Abschnitt verstanden, auch wenn dir die Erklärungen „spanisch“ vorgekommen sind.

1 Und, für diejenigen, die es so brauchen,“jede Göttin“

2 Oder„Göttin“

3 Oder „die Allmächtige(n)“

4 Also gemeint sind hier „Vorschriften“, zu denen man gewohnt ist, „Gesetze“ zu sagen.

In eigener Sache: Ab sofort gibt es auf meiner Seit: www.eahilf.de einen Link zu dem bei tredition verlegten Buch Abenteuer Erziehung (Hamburg 2013), das auf der hier erzählten Geschichte fußt. Wie schon früher gesagt, sind die dortigen Seiten gegenüber der hier zugrunde liegenden Urschrift von 1998/99 „delikater“ überarbeitet, aber erscheinen als Dialog mit den Lesern in der Sie-Form.

ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE: 35. von 144 – Vom Ankern

Wo sind die Zehen, wenn du was erreichen willst?

Eckehardnyk

1

Spürst du Aufregung, wenn du etwas durchsetzen, ins Ziel bringen, erreichen willst? – Wir werden uns auf den nächsten Seiten damit beschäftigen, was da zu tun, wenn du dich dabei aufregst. In den zurückliegenden Etappen haben wir etwas darüber erfahren, was wir sind und was wir durch Dazulernen werden können. Im Folgenden wird erörtert, wie wir etwas machen, damit es „ankommt“. Deshalb schon die erste Frage: Wo sind jetzt gerade deine Zehen? Berühren sie den Boden? Oder schweben sie frei an den Füßen? Oder sind sie etwa etwas nach oben gestreckt? – Warum das so wichtig sein soll, hör ich dich fragen.

2

Freilich kannst du’s halten wie du willst und die nächsten Seiten überspringen. Solltest du aber wissen wollen, wie du einer Sache und deiner selbst mächtig wirst, dann sollte dich die Frage nach deiner Fußstellung interessieren. Natürlich spielt der ganze Körper dabei mit, wenn du dich für etwas engagierst. Wir werden auf das Rollenspiel der anderen Leibespartien später noch zu sprechen kommen.

3

Die Zehen sind zunächst zu betrachten, weil sie unser „Anker“ sind. Hätten wir Krallen und müßten sie beim Klettern einsetzen, wüßten wir, was wir von den Zehen haben. Aber sie führen im Schuhwerk ein domestiziertes und meist vergessenes Leben. Deshalb wollen wir ihnen den Vortritt lassen und die Energie betrachten, die sie uns schenken. Machen wir ein Experiment zusammen:

4

Erstens: Auf festem Boden stehen und sich nach vorn neigen, sodaß wir gerade noch stehen bleiben. Dann neigen wir uns zurück in die Senkrechte. Zweitens: spreizen wir die Zehen bewusst nach oben und neigen uns noch einmal nach vorn. Ist da ein Unterschied zu vorher? Kann es sein, dass wir die Neigung früher zurücknehmen mussten, um nicht umzufallen? Das gleiche Experiment machen wir nach hinten und zur Seite. Am besten natürlich barfuß, aber worauf es ankommt, spüren wir auch in Schuhen an den Füßen: Beim ersten Versuch, haben wir unwillkürlich die Zehen in den Boden gedrückt, als wollten wir uns fest krallen. Beim zweiten Versuch haben wir uns absichtlich oder „künstlich“ diese natürliche Reaktion versagt und konnten wohl einen Verlust im Stand-Halten bemerken.

5

Diesen Versuch wiederhole nun in einem Moment, wenn du eine Anweisung oder einen Befehl gibst oder eine Bitte aussprichst, beispielsweise in einem Gedränge, wo du Durchlaß brauchst. Sprich einmal ohne und bei der nächsten Gelegenheit mit „versenkten“ Zehen. Du wirst beim „Versenken“ der Zehen in dir eine Art von Aufmunterung spüren, lauter, deutlicher, präziser zu sprechen. Es ist klar, daß sich dieses Vorgehen besonders gut eignet, wo immer du eine Rede halten oder vor einer Prüfungskommission sitzen musst. Hmm, prüft dich dein Kind nicht Tag und Nacht?

6

Diesen Vorgang wollen wir uns als „Ankern“ merken. Von deinem „vor Anker liegenden Schiff“ kannst du die „Insel“ versorgen, von der wir auf der vorigen Etappe gesprochen haben. Diese „Insel“ muß nicht nur dein Kind sein; jeder, der mit dir in Beziehung tritt, wird von dir besser, sachlicher, energischer behandelt, wenn du dich mit dem Grund verbindest, dich verankerst, sich „erdest“. Das bedeutet auch für dich selbst besseren Empfang, weil auch deine „Antenne“ leistungsfähiger wird.

7

Bislang gilt die Meinung, Ellenbogen, auch im übertragenen Sinne, wären dazu gut, um sich durchzusetzen. Manchmal spricht man auch vom „Über Leichen Gehen“. Wenn du weder Tote hinterlassen noch anders brutal vorgehen willst, musst du dann auf die Durchsetzung deiner Interessen oder was du für richtig hältst verzichten? – Wir werden es erfahren.

© 1982/83 und 2020

ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – 34. von 144 – Nun lernt mal schön!

Urvertrauen

Eckehardnyk

1

Am Ende sagt jemand so einen Satz und läßt uns mit unserem Programm allein. So könntest auch du zu deinem Kind sagen: Nun spiel mal schön! Oder: Nun schlaf mal schön! Jemand Prominentes soll mal zu Soldaten, die beim Manöver waren, gesagt haben: Nun siegt mal schön! Es war der erste Bundespräsident Theodor Heuß. Wie auch immer: Wer solche Sätze sagt, ist sich einer Sache völlig sicher: Die so Angesprochenen können mit der ihnen zugewiesenen Aufgabe allein fertig werden. Was heißt das in unserer Sprache, die wir hier gemeinsam entwickeln wollen?

2

Die Sicherheit, mit der man solch einen „Befehl“ geben darf, fällt nicht vom Himmel, obwohl sie sich wie ein Geschenk des Himmels anfühlt. Diese Sicherheit muß erworben, erlernt und geübt worden sein, wenn sie denn je für die Praxis relevant werden soll. Und es gibt diese Sicherheit. Aber wie gelangst du zu ihr? Darüber werden wir auf den folgenden Etappen mehr heraus bringen. Zunächst einmal möchte ich noch mit dir verweilen um zu erkennen, was im Kind angelegt sein muß, damit es einer solchen Aufforderung ohne Mühe folgen kann.

3

Wie bekannt befindet sich das Kind nach seiner Geburt isoliert, zum ersten Mal von der Mutter getrennt auf der Welt. Es begrüßt dieses Getrenntsein, dieses erste Alleinsein mit seinem winzigen Geschrei, das keineswegs einem Freudentaumel entspringen muss. Wirst du als Mutter zu ihm sagen: Nun leb mal schön! Gewiß nicht, aber du wirst es auf deine Arme oder deinen Bauch betten und ihm so viel von seiner vorgeburtlichen Geborgenheit anbieten, wie nur irgend möglich, um es zu beruhigen. Es wird gut sein, wenn es deine Stimme schon als Sound von innen her, durch das Fruchtwasser vermittelt, vernommen hat. Möge es sie bald wieder erkennen, nun von außen, durch die Luft übertragen, etwas trockener an sein Gehör dringend. Der erste Gedanke wird in ihm aufleuchten: Das tönt vertraut! Und Ruhe wird einkehren.

4

In dieser ersten Umarmung, Liebkosung, Beruhigung deines Säuglings hast du unwillkürlich das gebildet, was wir auf Blatt 32. von 144 als einen Ozean der Liebe kennen bezeichnet haben und was Andere Urvertrauen nennen. In dieser ersten Phase besteht die „Insel“ deines Kindes nur aus ihm selbst, und das schöne blaue Meer um es herum – bist Du! Aus dir erhält es seine Nahrung, seine Wärme, seine Nähe, sein inneres Licht und wird antworten mit Engelslächeln und mit Lauten, die eine himmlische Zufriedenheit ausdrücken.

5

In dieser Idylle darfst du deinem Neugeborenen zuflüstern: Nun trink mal schön! Und es wird genau das tun, weil es das braucht. Es wird aber auch Babys geben, die nicht trinken, sondern unablässig schreien. Weil mit ihrer „Insel“ was nicht in Ordnung ist, sie unter Wasser steht, der „Ozean“ sich quasi über sie gestülpt hat. Oder sie treibt wie losgerissen auf dem Meer. Zu viel, zu wenig Liebe? Keins von beidem, aber Liebe an einem Ort, wo sie nichts bewirkt. Manchen Müttern fällt es schwer so etwas zuzugeben, aber irgendwann lassen sie es jemanden Vertrautes wissen: Im Verstand liebe ich mein Kind, aber im Gefühl kommt nichts davon an.

6

Wo immer ein Gefühl „verschwindet“, gibt es einen „Gefühlsfresser“, wie in dem Filmtitel: „Angst essen Seele…“ [Rainer W. Fassbinder, München 1974]. Jawohl, Angst frißt Gefühle auf! Wenn irgendwo im Unterbewusstsein eine Angst despotisch behauptet, du könntest dem nicht gewachsen sein, dein Kind groß werden zu lassen, wird deine Milch „bitter“, ja deine ganze Zuwendung wird „nicht ankommen“. Es ist, als wäre deinem Säugling die „Insel“ davon geschwommen oder gar gesunken. Deshalb trachten wir danach, das „Ankern“ zu lernen.

©️🦄 1982/83 und 2020


ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE: 33. von 144 – Vigilanz und Kognition, bitte was?

Eckehardnyk

„Kustodient“ ein Kind begleiten

1

Psychiater, Psychologen und Pädagogen halten eine Menge Fremdwörter für dein Kind parat, genau genommen für alles, was so seine Entwicklung und seinen „Apparat“ ausmacht. Diese drei Berufsgruppen haben außer dem Kinderarzt und der Kindergärtnerin eine Menge über dein Kind heraus gekriegt, es aber zum großen Teil in für den normalen Leser uneinnehmbare Festungen von Begriffen lateinischer oder griechischer (oder englischer) Herkunft verbarrikadiert. Wir wollen eine Zugbrücke in eine dieser Burgen legen und kurz zwei Begriffe behandeln, die deiner Aufgabe als Mutter oder Vater dienen.

2

In der christlichen Weihnachtsgeschichte (nach Lukas, zweites Kapitel) gibt es eine Stelle, die heißt: Es waren Hirten auf dem Feld, wachend und hütend ihre Schafherden. „Wachend und hütend“ heißt in der lateinischen Bibel vigilantes et custodientes. Das trifft auch für dich genau zu, wenn du Kinder hast: Du hütest und wachst über sie. Nicht mehr und nicht weniger verlangt die gekonnte Erziehungsaufgabe[1] von dir: Vigilant und kustodient zu sein. Leider hat sich das zweite Wort in der Wissenschaft nicht so stark beheimatet wie das Wort vigilant und Vigilanz.

3

„Kustodient“ bist du nämlich immer dann, wenn du, wie im vorigen Kapitel dargestellt, den „Ozean der Liebe“ um dein Kind ausbreitest und es von seiner „Insel“ aus sich mit alledem versorgen lässt, was seinem Entwicklungsstand entspricht und ihn sich entfalten läßt.

4

Unter „Vigilanz“ verstehen Forscher ganz einfach nur die Wachheit. Sowohl du als auch dein Kind verfügen zu unterschiedlichen Zeiten über ein unterschiedliches Maß an wachem Bewußtsein. Dein Neugeborenes hat längere Somnolenzperioden, das Gegenteil vom Wachzustand, als dein Schulkind. Auch du hast Vigilanzperioden. Das ist die Zeit, in der du nicht müde bist (und auch nicht schläfst), sondern dich am Klarsten zum Ausdruck bringst. Es dürfte einleuchten, daß Lernen am besten klappt, wenn Lernender und Lehrender im Vigilanzstadium sind, also ganz wach und munter bei der Sache. Dieses Wissen solltest du nutzen, wenn du dem Kleinen etwas Neues „beibringen“ willst.[2]

5

Von dem großen Denker des 17. Jahrhunderts, René Descartes (1596-1650) kennst du vielleicht schon den lateinischen Ausdruck cogito ergo sum“, zu Deutsch: „Ich denke also bin ich“. Denken, Überlegen, Planen werden wissenschaftlich mit dem Ausdruck Kognition zusammengefaßt. Und Descartes hatte die Idee, daß alles ungewiß sein könne, nur eines nicht: Daß ich denke. Solange ich denken kann, weiß ich auch sicher, daß es mich gibt. Du wirst gewiss schon bemerkt haben, daß du auch im Traum denken kannst und daß die Gewißheit zu sein auch im Traum bestehen bleibt. (Den Tiefschlaf hat der Philosoph mit seinem Spruch wohl ausgelassen.) Also sind die Phasen der Kognition nicht unbedingt gleich zu setzen mit denen der Vigilanz. (Wenn es träumt oder schläft, solltest dudein Kind nichts lehren).

6

Kognitive Fähigkeiten entwickeln sich beim Kind langsam und verfallen auch wieder ab, falls der Mensch altersschwachsinnig wird. Du aber lebst mit deinem Kind und wirst deshalb seine Fortschritte im Denken bemerken, feiern und womöglich niederschreiben. Schon beim Säugling können wir die ersten Denkakte beobachten und zwar, wenn er etwas „erkennt“ und solchem „Bekannten“ zulächelt. Das „erfahrene“ Zurückkehren an denselben Ort muß für die Seele ein Festakt sein, dem der Leib folgt und mit einem Lächeln oder einem anderen Ausdruck von Glück belohnt [3] Daran sehen wir: Denken hat etwas zu tun mit „Sich Bekanntmachen“. Für ein Kind ist es ein „Freudenfest“[4] , wenn es von einem Menschen sagen kann: Den kenne ich! Ohne irgendeine Zutat erzeugt allein das Bekanntsein solch Glücksgefühl und – Sicherheit! Die kognitiven Fähigkeiten sind so wichtig, weil dein Kind mit deren Hilfe sich die Welt bekannt und sich zu eigen macht. ©🦄 1982/83 und 2020

[1] Oder „Kinderbegleitungsaufgabe“.

[2] „Beibringen“ ist ein hässlicher Begriff. Sein Ausdruck wird noch oft für diesen Vorgang verwendet, in welchem einem Lernenden etwas „klar wird“, eine Art von Transparenz, also Durchsichtigkeit in ein Verfahren oder für einen Tatsachenbestand entsteht, zum Beispiel Schleife binden, was im Zeitalter vor dem Klettverschluss für Kind und Eltern eine Zerreißprobe an Geduld darstellte.

[3] Quietschen oder plötzlich mit beiden Ellbogen, Unterarmen oder Beinchen reflexartig ins Kissen stoßen.

[4] leider auch möglicherweise ein „Schreckensfest“.

Eltern, Kind und Kinderstube – 31. von 144 – Welche Grenze hat der Mensch?

Eckehardnyk

Unbegrenztes Lernen
1
Du kannst und darfst alles wissen, an alles glauben und auf alles hoffen; nur eines wirst du damit nicht: Weiterkommen im Sinne von dazu Lernen! Denn was ist Lernen? Es ist eben das Absehen von etwas, das man schon weiß. Wenn dein Kind schon wüßte, wie man schreibt, müßte es das nicht lernen. Wenn Soldaten und Feldherr schon den Sieg errungen hätten, dann bräuchten sie daran nicht zu glauben. Wenn du schon im Himmel wärest, dann müßtest du nicht darauf hoffen, einstens dorthin zu gelangen. (mehr …)

Eltern, Kind und Kinderstube: 28. von 144 – Wieviel Aufmerksamkeit haben wir dazugelernt?

von Eckehardnyk

Wer oder was heilt alle Wunden?

Viele Jahre ist dein Leben bestimmt durch dein Kind.

Warum ist dann Aufmerksamkeit so wichtig? Denk dir Folgendes: Du hast ein Gefühl von Beklemmung in der Herzgegend. Der Atem geht schwer, dir wird etwas schwindlig, Flimmern, schwarz vor Augen, Panik. Jemand in deiner Nähe ruft den Notarzt. Bis der Arzt kommt, ist alles vorbei und er kann nichts mehr feststellen, außer daß es dir peinlich ist, daß du ihn hast kommen lassen. Das oder Ähnliches passiert aber ständig und in jedem Alter. Kinder haben plötzlich ein Bauchweh. Spricht man davon, zum Arzt zu fahren oder ist man auf dem Weg dorthin oder kurz vor der Untersuchung, ist alles schon vorbei.

Aufmerksamkeit, nicht Zeit, heilt alle Wunden! Es scheint, als habe nur Zeit vergehen müssen, bis das körperliche Symptom wieder verschwunden ist. Aber mit der Zeit allein werden wir nicht immer diesen Erfolg haben. Zeit ist abstrakt und vor allem relativ; aber sie hat allen anderen nicht materiellen Phänomenen etwas voraus: Zeit läßt sich messen. Dadurch ist sie ein Baustein für die Naturwissenschaft und ihre Beweiskultur geworden. Bedenke, wie unterschiedlich lang fünf Minuten sein können, wenn du auf jemanden wartest, den du lieb hast, oder wenn du vor einer Reise Koffer packst! Gehen wir aber in Wildnisse, Wüsten, Einsamkeiten, so merken wir die Zeit dort nicht. Aber wir, unsere Denkweisen, Gefühlslagen und Willensregungen drücken sich für andere und besonders für unsere Kinder in der Zeit aus. In diesen Zuständen spüren wir nämlich unsere Anwesenheit. Und das ist es, was wir wahrnehmen und was unser Kind wahrnimmt.

Schon durch Wahrnehmen oder Diagnostizieren kann ein Arzt Heilungen bewirken.[1] Er läßt sich schildern, was vorgefallen ist und beobachtet aufgrund der Erzählung. Er wird aufmerksam und lenkt und vergrößert unsere Wahrnehmungskraft. Es kann sein, daß die Heilung durch eine verbesserte Aufbereitung der von seinen Patienten aneinandergereihten Fakten erfolgt und es dafür ein zusammenfassendes Medikament oder ein sonstiges Heilmittel gibt. Dadurch wird unsere Immunabwehr konzentriert auf die Anwendung des Mittels (oder der entscheidenden Aussage des Arztes), und das kann in vielen Fällen schon die Heilung in Gang bringen. Die gezielte Hervorhebung der medizinisch relevanten Merkmale entlastet den Patienten von seiner „Todesangst“.

In unserem Beispiel zu Anfang zeigte sich, daß wir selbst diese Leistung bewirken und uns scheinbar entlastend „heilen“ können. In Wahrheit haben Aufmerksamkeitskräfte jedoch Erfolg gehabt, dadurch daß sie umfassend konzentriert, vollständig gebündelt auf mehr Leben gerichtet wurden. In Panik dagegen greift Aufmerksamkeit nur einen Teilaspekt heraus, und dieser wird ins Riesenhafte vergrößert, bis Angst entsteht. Durch die Besprechung mit dem Arzt, dem „Fachmann“, (oder nach Einwirkung der „Droge Arzt“) reduziert sich das Problem auf den „Punkt“ seiner Entstehung, der, einmal erkannt, auch behandelt und geheilt werden kann. Unser Bewußtsein kann wieder aufmerksam und gezielter eingreifen.[2]

©️🦄 1998 und 2020


[1] Mit der weitgehend unerforschten „Pharmakologie der Droge Arzt“ hat sich Michael Balint in seinem Buch:“The Doctor, his Patient and the Illness“ (London 1964) deutsch “Der Arzt, sein Patient und die Krankheit“ (7. Auflage, Stuttgart: Klett-Cotta, 1988) sehr lesenswert auseinandergesetzt. Schon die Einbandtexte zeigen, dass es bei Ärzten genau um das hier Besprochene geht. Leider wird dank der staatlich reglementierten Gesundheits“verwaltung“ die Umsetzung in die Praxis ebenso behindert wie die Kultur der hier geschilderten Elterneinstellung durch die staatlich gelenkten Kinderverwahranstalten, welche angeblich die „Vereinbarung von Beruf und Arbeit“ bahnen.

[2] Diese hier publizierte Urschrift von „Abenteuer Erziehung“ von 1998/99 mutet gerade in diesem Kapitelchen gegenüber der auf http://www.eahilf.de vorgestellten verlegten Ausgabe etwas „wild“ an (Seite 70-72). Behauptungen erschienen dann dort relativiert oder erklärlicher dargestellt. Doch die Urschrift verdient es in dieser Form zur Kenntnis genommen zu werden, da in ihrem Entstehen ein spontaner Strom von Erkenntnis entstand, der sich insgesamt für den erfahrenen Leser genauso segensreich auswirkt, wie die „gepflegtere“ Ausgabe des tredition-Verlages von 2013.

Blattschneid EA Meise

No 37 (Gruppe AndroMeda auf Fb)

(von Eckehardnyk)

Das Eis das Wolken frisst

entbindet Fleischesfeuer

das Blatt, das von der Sprache

sein ausgedehntes Feld bemisst,

erlaubt auf jeder Linie eine

Stanze,

das ist ein Renaissance-

Gedicht. Wer weiß wofür ich

tanze?

Mal sehen sagt ein kluger

Kopf,

mal sehen, wo du

landest.

In Persien, sag ich,

wo man jetzt, …

du weißt nicht

dass du strandest?

Doch

sag ich dir, das Herz erbebt,

die Säule auch, ja diese,

die in Hg

die Höhe misst,

auf der das Blut gedrückt

in seinen Wänden,

die Welt

von vorn bis Ende misst,

wir frieren vor Entzücken.

Auf Wolke sieben, wo das

Eis mit Mangosplittern

süß durchsetzt, und

warte nur, die Reichen

2

auf die man alles schiebt,

die Täter, mein ich doch

verschlampen

das Geld,

was durch die Adern

rinnt, am Brunnen weinend

steht ein Kind, es möchte

in die Tiefe

nicht blicken –

von der Höhe aus erspäht

uns hier das Gästehaus,

da soll’n wir rein? Oh nein,

gefährlich ist das Beste

in

dieser Zeit,

die Seligkeit

sie macht bereit

selbst wenn

es schneit

zu kranken

in der Weste.

3

Schweig jetzt

du ewig frei

zu werdender

Geselle.

Es

dämmert

schon,

der Morgen aus dem

Brunnen steigt.

Wir feiern

wieder Feste!

©️🦄 24. Januar 2020

Eltern, Kind und Kinderstube: 27. von 144, Tagebuch über das Kind?!

 

Beim Bildungsprozess für das Menschengeschlecht

Von Eckehard

Segelst du gern? Dann wird dich eine Anekdote erfreuen. Ein bekannter Segler aus Berlin wurde bei einer Regatta, die er schon gewonnen glaubte, von einem Wettbewerber überholt. Kurz vor der letzten Boje rief er dem unliebsamen Konkurrenten zu: Wenden Sie…!? Woraufhin dieser prompt eine Wende machte, und der andere wieder an die Spitze und so als Erster ins Ziel kam. Nach dem Rennen hat der genarrte Zweite dann begreiflicherweise protestiert und den Sieger wegen unfairer Wettkampfführung vor ein Sportgericht gebracht. Der jedoch wußte sich zu helfen und obsiegte noch einmal. Er habe, sagte er, dem Unterlegenen ja nur eine Frage: – Wenden Sie? – zugerufen. Dagegen konnten die Kampfrichter nichts einwenden. Deshalb die Frage an dich, [die jedoch um die Anekdote widerzuspiegeln in der Sieform (der Urausgabe dieser Schrift) gestellt werden muss]:

Führen Sie Tagebuch über Ihr Kind? (mehr …)

Eltern, Kind und Kinderstube, 26. von 144: Impfen mit „Vitamin B“?

„In Dank verschlingt sich alles Sein“ (Goethe)

von Eckehard

B? Das hat mit Beziehung zu tun. Gemeint ist aber eigentlich D, D wie Dankbarkeit oder Diplomatie. Oder P wie Patenschaft. Aber nun mal eins nach dem andern. (mehr …)

Eltern, Kind und Kinderstube: 25. von 144 – Spiel und Beruf

 Was kann Geschicklichkeit, Karriere ?

Von Eckehard

Geschicklichkeit ist eine Voraussetzung für Gleichberechtigung.[1] Und wann und wo beginnt Karriere? Wenn die Startchancen gewahrt wurden? Doch langsam: Denken wir daran, daß  Geschicklichkeit einer jener Weggefährten ist, die aus dem Kindesalter mitgebracht werden, aber in unserer früheren Aufzählung noch nicht erschienen sind. Ich vermute, es werden noch weitere solcher Kameraden auftauchen, die durch die Reifeperiode im jugendlichen Menschen ein geschäfts- und gesellschaftsfähiges Profil erreichen können.

Hast du dich schon gewundert, wie geschickt ein Kind es anstellt, an Sachen heranzukommen, die es nicht haben soll? Plötzlich hantiert es mit Schere, Meißner Porzellantasse oder dem Parfüm seiner Mutter, hat sich Stecknadeln ins Leibchen gespickt oder probiert im Mund aus, wie Reißnägel schmecken. Und in der Regel passiert nichts. Erst Schreckensschreie lassen Kinder Reißnägel verschlucken.

Einst beobachtetest du bei seinen Gehversuchen, wie klug es umsinkt und gleich wieder aufsteht. Hör auch, welche neuartigen Wörter es erfindet, um ein neues Phänomen zu begreifen.[2]

Geschicklichkeit ist einer der ersten Begleiter jedes Lebewesens. Geschlecht oder Rasse spielen keine Rolle. Doch Freizügigkeit ist Voraussetzung. Geschicklichkeit wird ständig geübt. Auf daß sie als Übung nicht langweilig werde, hat die Natur das Spiel „erfunden“. Spielend lernen Tier und Mensch alles; ich meine, auch Pflanzen kommen spielend auch durch Asphaltdecken ans Tageslicht. Man muß sie nur lassen. Einem Katzerl brauchst du nicht befehlen: Spiel jetzt! Seine eigene Schwanzspitze, eine leere Garnrolle oder ein Filmdöschen reichen um dahinter wie einer „Maus“ nachzujagen. Deinem Kind braucht hoffentlich niemand zurufen: Spiel! Das macht es von selbst, aber womit? Als Neugeborenes mit seinen Händchen und Fingerchen. Dazu sollte es freilich auf dem Rücken liegen dürfen.

Mit den einfachsten Mitteln wird am ausdauerndsten gespielt. Vermeide allzu fertige Sachen. Dein Kind soll selber etwas fertigen – davon bekommt es seine „Fertigkeit“, ein anderes Wort fürs Geschicktsein. In jeder Lebensphase erlernt dein Kind spielerisch etwas hinzu, wenn du es nicht mit Neuigkeiten überfütterst. Du machst das gewiß nicht, aber das Fernsehen (und inzwischen die Smartfone). Ein junger Hund hat es in dieser Beziehung besser, er braucht und kann nicht fernsehen (oder smartfonieren), deshalb wird er immer gerade soviel Neues aufspüren, wie er nötig hat, um weiter zu kommen. Und „Weiterkommen“ ist die Übersetzung für das romanische Wort „Karriere“ (französisch carrière, von italienisch carriera).

Aus irgendeiner besonders nachhaltig gepflegten kindlichen Geschicklichkeit kann in der Pubertät ein bleibendes Interesse werden, und daraus sich ein Berufswunsch entwickeln. Aus den Übungsspielen an Klavier oder Klarinette könnten professionelle Veranstaltungen werden. Das erste Geld wird damit heim geschafft und eine Karriere zeichnet sich ab. (Natürlich auch umgekehrt: Aus dem Nichtspielen eine nihilistische) Überall das gleiche Bild: Ein Spiel wird Profession. Natürlich hängt das mit Talent, Begabung oder Anlage zusammen; alles Begriffe, die heran gezaubert werden, um etwas Unerklärliches mittels Unbegreiflichem zu deuten wie, daß der Regen vom Niederschlag komme (und die Armut von der Povertät). Je nun: Es gibt hervorragende Genies, denen weder in Schule noch Hochschule Talent oder Begabung, sogar Denkfaulheit nachgesagt wurde wie dem Mathematiker Gauss. Solche einstigen Kinder haben allerdings etwas überwintern lassen, was zahllosen Kindern, deren Talent bewundert aber unter dem Eis der Pubertät abhanden kam: Neuigkeiten wittern, auskundschaften, ausprobieren, weiter wollen und unablässig, spielerisch Geschicklichkeit in professionelle Meisterschaft verwandeln. Und noch etwas kommt hinzu; das hat mit Dankbarkeit zu tun.

© EAHilf 1998 und 2020


[1] Ein kühner Satz, der in der Buchform von ABENTEUER ERZIEHUNG unter den Augen einer lektorierenden Pädagogin abgeschwächt wurde durch den Klammersatz:“(Wer hätte das gedacht?)“

[2] Beim Anblick eines pyramidenförmig großen Springbrunnens machte ein Kind in Baden-Baden seine Mutter auf einen „Wasserbaum“ aufmerksam. Ein anderes Kind im Frankfurter Zoo rief einmal angesichts eines Okapi zu seinem Vater: Kuck mal, ein Zebra-Esel!

Die Nacht der Nächte

Von Eckehard

Die Nacht der Nächte

denkst sie sei die echte die längste

Winternacht. Vergraben in Schächte

wähnst du dich frei von Leid?

Es kommen vorher

nachher, so lange wie die längste,

die Winters Herrschaft dehnen.

Vorbei ist ihre Macht. Du siehst

im tiefen Kummer viel weiter als

das Kleid. Das Wahre Schöne Rechte

es starb in düstre Schächte bis

jene längste kam. Sie war nur

halb vergangen als unerschrocken

klangen von Stimmen hell und

klar. Die sangen hohe Freuden

versunken aus dem Leiden erwacht.

Dein Blick der schönste, voll

Fruchtbarkeit belohnt er

die Herzen feinster Macht. Es lag

ein Büblein nackend im Stroh

voll rosa seine Backen von strengem

Ton befreit; er blickt, die alle kamen

zu preisen seinen Namen, er bringt

das Licht zurück. Wer ihnen glaubt           

denkt Gutes, wird sterbend guten Mutes.

Den Mächtigsten der Welt, hat er ge-

räumt das Feld. Dass keime wachse

blühe, in Fruchtbarkeit erglühe was uns

zusammen hält.

Erkenne deine Triebe, er lächelt dir

zuliebe, und meint doch wahren Ernst,

damit du das entfernst, was deinen

Willen trübt. Erfahre nun das Echte,

„von dem Jesaja sagt“: Es wohnt in

eurer Mitte und hört auf jede Bitte,

die dir dein Herz befiehlt. Es wandelt

um die Triebe, du findest im Geschiebe

der nackten Körper Halt. Erfüllt von

zartem Staunen erhörst du stilles Raunen

das diese Nacht behielt. Zu tragen

in die Weiten des Raumes und der

Zeiten, was dir die Zunge löst.

Du stehst im Hier und Heute,

vor dem, der sich nicht scheute,

das Größte in dem Kleinsten

zu finden, im Gemeinsten,

der Tage, die gezählt,

den Abschluss aller Freien,

in neuer Welt Getreuen.

Komm rüber, ruft er, schau,

dass Wasser, Wind und Erde verlassen

sterben werde. Die Tür, dir offen steht.

Tritt ein, sei mir willkommen,

von Wolkenduft beklommen,

Vergiss Mein Nicht, der Schuft,

darf sich zu uns gesellen. Wir

kennen seine Stellen, die er uns

offen zeigt; im Rausch von

neuem Wein wird er getröstet sein

dass er die andern rufe,

zu wandern, eilen, Stuf‘ um Stufe,

hoch das Bein: Heut soll wer

will, das Beste in euch ergossen

sein.

Eltern, Kind und Kinderstube: 24. von 144

Von Eckehard

Und was aus Selbstsicht wird. Etwa Liebe?

Alle Tugenden der kindlichen Zeit haben wir noch gar nicht aufgeführt. Aber was daraus wird, soll uns hier weiter beschäftigen. Ist es denn wirklich so, daß aus diesen im Kindesalter erworbenen, gelernten Eigenschaften die schon (zum Beispiel in 18. von 144) genannten Errungenschaften werden? Ist jemand, der als Kind keine Achtung vor Wesen und Dingen erworben hat, als Erwachsener nicht liebesfähig? Manche mögen das umdrehen und sagen: Wenn ein Kind keine Achtung bekommen habe, könne es später nicht lieben. Was daran stimmt, ist schwierig zu sagen, weil wir unter Liebe zu viel einander Widersprechendes verstehen.

Liebe, sagen wir vorläufig, soll uns eine Art der Verbindung und des sich angehörig Fühlens zwischen Menschen sein. Daß dies gelingt, sind einige Voraussetzungen erforderlich. Ohne Freiheit ist überhaupt keine Liebe denkbar, wohl aber Abhängigkeit in verschiedenster Form, sexuell, finanziell, emotional, intellektuell. Aber wie erringt ein Kind Freiheit? Indem es Achtung vor anderen Personen erwirbt. Solange es eine andere Person achtet, kann diese machen was sie will, das Kind wird ihr folgen. Die andere Person hat dadurch dem Kind gegenüber einen unbegrenzten Freiheitsspielraum und ist in der Lage, den Spielraum des Kindes zu bestimmen. Doch bei ihr (oder solchen achtbaren Personen) mischen sich Gefühle ein, Einstellungen, die sich beteiligt empfinden bei dem, was das Kind in seiner Freiheit macht. Dieses sich beteiligt Empfinden ist bereits Liebe. Es geschieht aus Achtung vor dem Freiheitsbereich des Kindes. Es ist mit Verantwortung und Macht verbunden.

Das Kind bekommt durch Achtung eine Voraussetzung für Liebe. Die Liebe, die es dabei wohl schon empfindet, ist so lange keine eigenständige, als es von der geliebten Person abhängig ist. Erst das Verschwinden der Abhängigkeit durch selbständiges verantwortlich Werden für sein eigenes Tun durch die Geschlechtsreife läßt Liebe blitzartig in der ihr eigenen Weise entstehen.

Nun ist es also nötig, unsere Abhängigkeiten zu überdenken, wenn wir vorhaben, auf irgend einem Gebiet oder mit einer anderen Person liebesfähig zu werden. Das spielt sich im Leben eines Erwachsenen tatsächlich ab. Du kannst zu deiner Erziehungsaufgabe keine Liebe entwickeln, so lange du nach irgend jemandes Meinung fragen mußt, um handeln zu können. Seien wir an dieser Stelle ganz offen mit uns: Ein Austausch, mit deinem Mann oder deiner Frau über die Erziehung eurer Kinder wird ja wohl erlaubt sein, oder? Darunter ist keine Abhängigkeit zu verstehen. Austausch bedeutet Dialog 1), Abhängigkeit dagegen – „weisungsgebunden“ zu sein. Was? rufst du, ich soll mir von meinem Mann oder meiner Frau befehlen lassen? Niemals! Recht hättest du.

Dennoch läßt du dir unbemerkt Weisungen erteilen und orientierst dich daran. Du verbuchst die daraus entsprungenen Taten sogar als Handlungen aus eigener Vollmacht. Überprüfen wir das in Ruhe.2) Wir benötigen nur unser Denken und unsre Bereitschaft, danach zu handeln. Um dieses Denken in sich zu finden, sollten wir es in seiner ganzen Freiheit und Wildheit kennen und achten gelernt haben.3) Dann können wir es lieben und unwillkürlich in Taten umsetzen. Lieben wir, was wir tun? Lieben wir, was wir tun!

1)Siehe das entsprechende Kapitel Dialogische Selbsterziehung in Abenteuer Erziehung, Seite 60-62. www.eahilf.de

2)In der hier rekonstruierten Urfassung von Abenteuer Erziehung (Seite 24) steht als Beispiel: „Vor wenigen Jahren konnten Ehefrauen ohne eigenes Einkommen oder Vermögen für ihren Mann eine selbstschuldnerische Bürgschaft übernehmen. Heutzutage sind solche Bürgschaften nichtig, weil die Gerichte die Abhängigkeit dieser betreffenden Ehefrauen anerkannt und sie juristisch als nicht handlungsfähig eingestuft haben. In Erziehungsfragen, wo sich die Juristerei in der Regel so detailliert nicht einmischt, verhält es sich allerdings genau so.“

Eltern, Kind und Kinderstube: 23. von 144 – Selbstgestaltung

23. von 144 – Wie sieht man sich selbst?1

Lebensentwürfe fangen im Eisernen Zeitalter an, bewußt zu werden. Innerliche Spiegel werden neben den äußeren aufgehängt und intensiv befragt: Wie bin ich? Wer bin ich? Was bin ich? Einer Mutter mit einem jugendlichen Sohn, der unter Akne litt, hat Milton Erickson einmal geraten, während eines vierzehntägigen Skiurlaubs auf einer Hütte sämtliche Spiegel zu entfernen, auch ihren Taschenspiegel. Der Junge soll nach dieser Kur geheilt gewesen sein. Warum entsteht denn Akne und warum könnte sie aufgrund einer so banalen Maßnahme an Umgebung überwunden werden?

In der Pubertät schauen wir auf unser äußeres Bild und sagen mehr oder weniger bewußt: Das bin nicht ich! Mädchen versuchen, mit vorgeschobenen Schultern ihre Brüste zu verstecken. Jungen ziehen sich zurück, werden blaß und leben in einer Traumwelt von Idolen, von Batman bis zur Kelly Family. Verkleidungen mit schwarzem Leder, Entstellungen durch farbige Perücken oder Glatzen, Piercings oder Tattoos sind „in“. Alles soll vom Kern des Wesens ablenken, das entweder sexy, cool, soft oder kraß in die Arena tritt und laut oder leise zu verstehen gibt: Seht, wie ich nicht bin! Ohne Spiegel – wozu auch der Beifall der Kameraden gehört – würde diese Welt von Scheinauftritten zusammenbrechen wie die Akne jenes jungen Mannes.

Je mehr Mut Jugendliche haben, die eigene Wirklichkeit zu sein, desto weniger Mummenschanz, desto weniger jugendliche Körperbeschwerden sind nötig. Kinder bringen oft die schönsten Begabungen mit. In der Pubertät wird das durch die von den anderen übernommene Wirklichkeit so stark verfremdet, daß von der Anfangsgenialität nicht viel übrig bleibt. Vielleicht ein wehmütiges: Ach ja, ich hab auch mal gedacht, ich sei was Besonderes. Kommt dann eine Verbindung aufgrund sexueller Bedürfnisse zustande, wird dieses mal vorhandene Besondere „bis zur Unkenntlichkeit verheiratet“, wie ein mir befreundeter Maler zu sagen pflegte.

Also, besser ist es schon, nicht pubertär zu werden. Erwachsen sein bedeutet nach einem Ausspruch des Zürcher Kinder- und Jugendpsychiaters Stefan Herzka, die Defizite nach verkonsumierter Kindheit zu verwalten.2 Als Kinder waren wir alle vollständiger. Uns fehlte nur Wissen und Einfluss. Verzichten wir auf diese, dann müßten wir als törichte und erfolglose Menschen ohne Ansehen und Kenntnisse durch die Welt irren und unbeachtet aus dieser einst verschwinden, Kanonenfutter für die Bevölkerungsstatistik.

Du siehst selbst, wie wichtig es ist, die Kinder mit innerlich verarbeiteten Daten groß werden zu lassen. Die Selbstbewußtheit, die Eigenart, die Besonderheit eines Kindes muß nicht verschwinden, wenn sie zuvor nicht gebrochen wurde. Das geht dann vom Infragestellen unbeschadet in die Pubertät über. Das Selbstbildnis wird nicht im Anschauen der Person, die der Reisepaß dokumentiert, zur Wirklichkeit erhoben. Sondern es wächst durch eigene Überzeugungen, Verständnis von Zusammenhängen, Aufdecken von Hintergründen.

All die Tugenden der kindlichen Zeitalter wie Mut, Treue, Verzeihen können, Zärtlichkeit, Ehrfurcht, Fürsorglichkeit, Fleiß, Entdeckungs- und Bewegungsdrang werden im Eisernen Zeitalter zu etwas Persönlichem umgeschmolzen. Aus dem Schreiben können wird die Handschrift, aus Achtung wird Liebe, aus Treue Verantwortung, aus Fleiß Selbstmotivation, aus Mut Macht (sich Freiraum zu verschaffen), aus dem Verzeihen Diplomatie oder Weisheit.

Wie hast du dich selbst gesehen, als deine Sturm- und Drangzeit dich bedrängte? Hast du gelitten unter einem Gefühl, weniger wert zu sein als andere? Das kannst du jederzeit (auch sofort) korrigieren. Denn das eiserne Zeitalter in uns, das alle Werte umformt zu bleibenden Errungenschaften, läßt dich immer selbst das sein, was du sein willst, solange du lebst.

1In Abenteuer Erziehung Seite 58 „Selbstgestaltung“

2 Vergleiche später 86. von 144: ‚Wie wirkt sich das Klonen aufs Menschsein aus?‘ In Abenteuer Erziehung Seite 220 „Tischgepräche“ (www.eahilf.de)

Eltern, Kind und Kinderstube: 22. von 144

Lebensentwürfe

Von Eckehard

Entwerfen wir uns selbst oder hat eine andere Macht ihre Hände im Spiel, nach deren Bild wir werden sollen? – so könnten wir die Überlegungen aus dem vorigen Unterkapitel fortsetzen. Der Philosoph Jean-Paul Sartre war überzeugt, daß jeder den Entwurf für seine Existenz selbst kreiere. Deshalb nannte man ihn wohl auch einen „Existenzialisten“. Außerdem war er Atheist. Er glaubte weder an Gott, noch an Himmel oder Hölle. Die Hölle, ließ er eine Gestalt in einem seiner vielen Theaterstücke frech sagen, „die Hölle: Das sind die Andern!“


An das was du glaubst, ist für dein Kind lebenswichtig. Darüber werden wir (in 77. von 144)[1] noch eindringlicher sprechen. Heute steht im Vordergrund: Was kann ein Kind erreichen und was davon ist sein eigener Entwurf? Frägst du ein Zehnjähriges, dann hat es Mühe sich das vorzustellen. Aber es merkt, daß es da etwas vorzustellen gibt, und bringt als Zukunftsbild für sich selbst einen Berufsumriß[2] heraus, ungefähr so: „Was mit Tieren“ – „Was mit Kindern“ – „Was mit Reisen“ – Was mit was auch immer. Frägst du dagegen ein Vierjähriges, dann weiß das viel sicherer, daß es König, Millionär, Brummifahrer, Lokführer, Doktor, Polizist, Feuerwehrmann, oder dasselbe wie der Vater werden will.

Hüte dich bei Kindern vor Einwänden gegen „unrealistische“ Berufswünsche! Ein kleines Kind ist immer gekränkt, wenn jemand seinen Berufswunsch „König“ mit „Da mußt du königliches Blut haben“ kontert[3]

Andere werden einem Mädchen, das Pilot werden will, erwidern, daß es dazu ein Mann sein müßte. – Das hat die Feministinnen auf den Plan gerufen, die das Verkehrte wacker in die andere Richtung hin übertreiben.

Niemand muß auf einen Beruf verzichten, weil irgendwas mit seinem Blut oder seinem Geschlecht nicht stimmt. Ein Beruf ist immer ein äußeres Bild, eine Verkleidung für eine Art von Butler im Dienst der Gesamtmenschheit. Dieser Diener ist zwar immer von seinem Charakter her männlich, selbst bei einem „Frauenberuf“ wie Hebamme. Weiblich dagegen ist stets seine Funktion, die Hingabe an seine Aufgabe. Deshalb können Jungen auch eine Frauenrolle und Mädchen eine Männerrolle übernehmen. Sie tun das dank der Fähigkeit von Kindern in allen Rollen den Daseinsgehalt auszuprobieren. Sie haben dabei Empfindungen und Gefühle, die ihnen keiner wegnehmen kann. Einsprüche anmelden kann man erst später, wenn mit der Geschlechtsreife auch der Schulabschluß in Aussicht steht.

Entwürfe haben Kinder auch dann im Sinn, wenn sie nicht konkret nach ihren Zielen gefragt werden. Im Gegenteil: In der direkten Befragung haben sie eher Mühe und reagieren oft verdrossen. Deshalb spitz deine Ohren, am besten stets mit Notizbüchlein in der Nähe, und behalt, was so plötzlich aus deinem Kind hervorbricht, bei Tisch, auf Reisen, bei Spaziergängen oder nach Besuchen. Was denkt es über Menschen, über deren Tun? Was will es wissen, was können? Wissen, Können, sein Wollen wie … ist eine der wichtigsten Triebfedern für das „Entwurfswesen Kind“. Warum will es denn wissen? Immer um so zu sein! Anders kommt Wissen überhaupt nicht in der Seele an.

Wissen Anlesen, gibt es erst, wenn abstraktes Denken möglich geworden ist, also bestimmt nicht vor der Pubertät. Wenn du nun ein Kind von überragender Denkfähigkeit hast, nimm dennoch Rücksicht auf sein Drinstecken in allem, was es weiß. Man verletzt es, wenn man mit ihm „diskutiert“. Diskutieren ist lateinisch und heißt „zerschneiden“. Steckt ein Kind mit seiner ganzen Einbildungskraft in seiner Rolle in dem drin, was „diskutiert“ wird, dann wird es „zerschnitten“. Abstrakt denken können dagegen heißt, ohne seelisch hineinschlüpfen zu müssen, bei einer Sache sein. Dazu muß ein Mensch seinen Körper erst ganz in Besitz genommen haben. Dann dringt er auf Gebiete außerhalb seiner selbst vor, entwickelt zugleich Macht-und Verantwortungsvermögen. Jetzt kann abstrakt diskutiert und begonnen werden, die Entwürfe für den Berufsweg konkret auf ihre Machbarkeit hin zu prüfen (und auf die Menschheit loszulassen).

© 1998 und 2019


[1]Siehe später 77. ‚Was glauben Sie? Das Unerhörte‘ In „Abenteuer Erziehung“ (www_eahilf.de) Seite 195: 11. Kommt es unter Überschrift „‘Was spricht die tiefe Mitternacht?‘ Das empörende Ich-Selbst“

[2] „Abenteuer Erziehung“ Seite 277 „Berufswahl“, hier später 109. Von 144: „Zukunft“

[3] Ein Berufswunsch in ganz jungen Jahren ist ein Bild für eine Art von Dienst, den ein Kind der Menschheit, die es aufgenommen hat, angedeihen lassen möchte. Auf diese Art möchte es sich dankbar erweisen.

ELTERN KIND UND KINDERSTUBE: 21. von 144 Entwicklung und Fähigkeiten

Von Eckehard

Mitunter denkst du: Kann man denn alles planen? Gibt es denn nicht auch ein Schicksal, eine Vorsehung, göttliche Fügung? Sicherlich, aber auch das nicht durch irgendeine unbekannte äußere Macht, sondern in erster Linie durch dich selbst! Deine Macht auf diesem Gebiet ist ursprünglich, unbegrenzt. Wann, an wen und wieviel davon hast du davon abgetreten?


Man müßte miteinander diskutieren, was Schicksal ist. Manche sagen, es sei blind, andere, es sei gerecht, wieder andere nennen es Schrecken erregend. Wolltest du einer so unberechenbaren Einrichtung das Wohlergehen deines Kindes anvertrauen? Oder die Vorsehung: Was sieht sie denn vor? Weißt du, wer einst von der Vorsehung nicht nur zufällig in seinen Reden Gebrauch gemacht hat? Möchtest du Weltkrieg und Untergang blühender Landschaften für dein Kind als Hypothek aufnehmen?

Und die göttliche Fügung! Hören wir nicht ständig reden, daß Gottes ewige Ratschlüsse unergründlich seien? Bei jeder Katastrophe fragt jemand: „Wie konnte Gott das zulassen?“ Das Unrecht, das täglich millionenfach passiert: Hat sich dessen jemals ein Gott erbarmt? Oder die „heiligen Kriege“, die im Namen Gottes geführt wurden! Möchtest du dein Kind von solcher Fügung lenken lassen? Die Frage muß viel eher heißen: Wie kann der Mensch das zulassen? Er ist die Exekutive, und zwar eine mit freiem Willen!

Du wirst dich vielleicht jetzt ärgern, vielleicht, weil dein Gott Erbarmen hat und die Kindlein liebt und auch dir selbst Wohltaten erwiesen hat. Schau, das ist eben dein Gott. Und wenn du den Eindruck hast, dieser Gott halte die Trümpfe auch deines Kindes in der Hand und werde sie ihm eines Tages zuspielen, dann bewahre dir dieses Wissen oder deinen Glauben in Dankbarkeit auf! Es wird sich zum gegebenen Zeitpunkt und durch dich mit Wirklichkeit füllen.

Die Existenz Gottes ist durch jede Person selbst mit Leben zu füllen. Wie hast du das gemacht? Ist er mit dir gewachsen, oder hast du dir den Gott deiner Kindheit zu erhalten gesucht, oder übernommen, den Eltern und Geistliche damals für dich „entworfen“ haben? In höchst eigener Angelegenheit hast du es für richtig befunden, daß du einen Gott hast und daß dieser auch deinem Kinde hilft. Und so soll es auch geschehen. Dann wird es heranwachsen, einen Beruf erlernen, eine Familie gründen oder Karriere machen und alles ruhmreich vollenden. Mag sein, daß dein Kind den hierfür mitverantwortlichen Gott ebenso übernimmt wie du und wie ungezählte Kinder vor ihm von anderen Eltern. Es kann sich aber auch einen eigenen Gottesbegriff schaffen[1]. Seine Sache!

Wenn das alles nicht unser Problem ist, dann sind wir doch wieder am Anfang der Frage: Welche Stufen soll eigentlich ein Kind erklimmen? Machen wir ein Experiment: Hast du schon einmal vor einem Umzug gestanden und dir die neuen Zimmer vorgestellt? Genauso visualisierest du jetzt die Fähigkeiten und Berufswünsche deines Kindes.

Sieh es einige Jahrzehnte älter: Erwachsen, in einem Anzug, mit anderen Menschen umgeben und im Besitz einer Art von Professionalität, die dich erstaunen läßt. Tage später fragst du dein Kind, wie es sich denn selbst so sieht, wenn es älter ist. Notiere mit aktuellem Datum und Uhrzeit seine Antwort und behalte das Bild.[2]

Mag sein, daß aus deinem Kind etwas Anderes wird, als du vorausgeschaut hast. Aber du wirst empfinden:

„Was es werden wird, liegt bereits in ihm begründet. Ich habe es gespürt.“

 Und dieses Gespür wird wie ein Vitamin wirken, es wird die Daten, die dein Kind heute sammelt, speichern und sein Gewissen bilden. Es wird nicht „egal was“ werden und sterben, sondern sein Geheimnis entdecken, indem es Stufen erklimmt und Ziele erreicht: Die Weisheit seines Lebens.

Goethe formulierte das in seinem Gedicht Urworte orphisch unter dem Titel Daimon:

keine Zeit und keine Macht zerstückelt

geprägte Form, die lebend sich entwickelt.


[1] Oder eine ganz andere Überzeugung entwickeln

[2] Ohne dass Ihr Kind es in dem Moment weiß!

 

Eltern, Kind und Kinderstube, 20. von 144

20. von 144: Datenbänke und Dekaden

von Eckehard

Für welche Einteilung bei den Phasen, die dein Kind durchläuft, entscheidest du dich? Im Angebot sind die Phasen der Psychoanalyse nach Freud, der Entwicklungspsychologie nach Piaget, der Waldorfpädagogik nach Steiner, oder ganz einfach: Jahrfünfte oder Dekaden. Du findest gewiß noch andere Denkmodelle. Das hier vorgestellte mit den Zeitaltern ist vielleicht nicht neu, jedoch extra für uns entwickelt. Wir werden daran weiter zusammen arbeiten.

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Eltern, Kind und Kinderstube: 19. von 144 Eisernes Zeitalter

Von Eckehard

Auch „Zeitalter des Alleinseins, der Vergeltung, der explodierenden und implodierenden Kräfte des Zorns aber doch – der Liebe“ könnte als Überschrift stehen. Im „Eisernen Zeitalter“, das mit der Pubertät beginnt, werden die Kräfte mit Kameraden oder Kollegen, überhaupt mit allen Mitmenschen gemessen. Erst jetzt beginnt naturgemäß die Macht eines heranwachsenden Menschen über seine eigene Person hinaus zu wachsen. Damit ist aber auch das Übernehmen von Verantwortung für andere möglich. Manche Völker ließen ihre Könige bereits mit vierzehn oder sechzehn Jahren volljährig sein. Bei Naturvölkern wird der jugendliche Mensch durch Einweihungsrituale in die Welt der Männer oder erwachsenen Frauen aufgenommen. Bei uns erinnert die „Konfirmation“ an solche Vorgänge, die sich aber vor allem im Inneren eines Menschen abspielen.

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Eltern, Kind und Kinderstube: Welcher Held bist du für dein Kind? 18. von 144

 

 

Heroisches Zeitalter

von Eckehard

 

Im „Heroischen Zeitalter“ sind neben Fairplay und Umgangsweise auch andere Autoritäten wie Lehrer gefragt. In deinem heranwachsenden Kind spielt sich das zwischen Zahnwechsel und Pubertät ab. Die vorangehenden Lebensphasen sind auch jetzt mit ihren tragenden (oder tragischen) Errungenschaften anwesend. Sie bilden um dein Kind herum unsichtbare Hüllen, quasi Informationsdateien, die seiner Existenz das Format für sein Leben in der menschlichen Gemeinschaft geben.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE: Wer ist die mächtigste Person auf der Welt? Du! Wann?

 

17. von 144 – Im Silbernen und bronzenen (ehernen) Zeitalter deines Kindes

Von Eckehard

Neinsagen gerät ziemlich bald in den Wortschatz, wenn Kinder sprechen können. Das Goldene Zeitalter ist dann äußerlich vorüber. Du wirst Begrenzungen setzen müssen und Widerspruch bekommen. Die Erinnerungen eines Kindes bekommen schärfere Konturen und beginnen auch an schmerzlichen Ereignissen haften zu bleiben. Jetzt ist es wichtig, daß die goldene Zeit (siehe 16. von 144) und das Paradies weiterhin im inneren Erleben andauern. In die neuen Erfahrungen mischen sich auf diese Weise unerschütterliche Elemente von Lebensmut.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – Die Erde mit allem gehört allen, wo?

15. von 144 Im Paradies oder in der Wiege der Menschheit

Von Eckehard

Ob das Paradies im Zweistromland, dem heutigen Irak, in Innerasien oder bei den Hesperiden gelegen war, ob der Garten Eden vor oder nach der Eiszeit angelegt worden ist, mag zwar Mythologen und Bibelforscher beschäftigen. Wir ahnen wohl schon, daß es viel näher bei uns in der Gegenwart zu finden ist. Wir alle werden ganz einfach und schlicht im Paradies geboren. Mit jedem Kind entsteht die Menschheit neu. Wenn ihr ein Kind bekommt, steht seine Wiege der Menschheit in eurem Haus.

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE

16. von 144  Im goldenen Zeitalter

von Eckehard

Alten Zeiten haftet ein Nimbus an, ein Glanz, der sagen soll: Früher war alles besser! Da hat ein Wort noch was gegolten, da war die Mark noch was wert, die Musik schön, da gab es noch den Kaiser und Kavaliere, dahat man hat sich um  Werte gekümmert und sich nicht nur nach der Mode gerichtet. Was bedeutet solcher Glaube?

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ELTERN KIND UND KINDERSTUBE: EIN KIND GEHT NIEMALS IN DEN RUHESTAND

 

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14. von 144: Was haben wir gelernt?

Von Eckehard

Bis hier und heute haben wir einige Gedanken ausgetauscht und neue Gefühle dabei kennen gelernt. Damit sind wir nicht mehr die gleichen Menschen wie vorher, wenn auch dieselben. Wir haben uns verändert. Auch dein Kind verändert sich ständig, es bleibt nicht das gleiche, ist aber durch all die Zeit seines Lebens derselbe Mensch, dasselbe Individuum mit seiner unergründlichen Eigenart: Voller Fragen, aber auch voller Antworten und – voller Befehle!

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Eltern, Kind und Kinderstube: Selbständig sein

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12. von 144  Hat es das alles von mir?

von Eckehard

„Hat es das von mir?“ fragst du dich immer dann, wenn du bestimmte Eigenschaften an deinem Kind entdeckst. Dir fällt auf, daß du dich in deinem Kind wiederfindest. Ein weiterer Gedanke kommt rasch dazu: Es soll es besser haben als ich! Ich mache es anders als meine Mutter, Eltern, Erzieher. – Wozu brauchen wir diese Einstellung?

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Eltern, Kind und Kinderstube: Wie reagierst du auf Unzumutbares?

11. von 144  Mächtig sein[1]

Von Eckehard

Unzumutbar kann vieles sein, es hängt von der Situation ab. Jirina Prekop in ihrem Buch[2] etwa so: Ein Kind verlangt nach etwas, das man ihm bringt, und dann will es das doch nicht haben, und bleibt weiter quengelig. Das passiert bereits beim Säugling, der dauerhaft schreit und sich mit nichts beruhigen lässt (außer es geschieht akribisch so, wie er oder sie es haben will). (mehr …)

Eltern, Kind und Kinderstube: Können Kinder fliegen?

Eine Fortsetzung der drei von 144 Beiträgen, jetzt vom Autor selbst, die Sie-Form wurde abgewandelt in das online und hier gebräuchliche Du, die Rechtschreibung entspricht derjenigen vor der Reform, da dieser Text 1998-99 als „Abenteuer Erziehung“ entstand, an jedem Tag eine Seite der insgesamt 144.

10. von 144  Was ein Kind vermag 

Sieh die Spiele deines Kindes an: Da steckt das Können für sein ganzes Leben schon drin. Du brauchst nur „hochzurechnen“, was aus der Art zu spielen alles wird. Die Zukunft hat bei ihm schon begonnen, ist zumindest angelegt.  „Kind“ ist eine „Anlage“. Es gibt vermutlich Wahrsager, die Geld verdienen, indem sie Anlagen auf ihren künftigen Wert hochrechnen. Auch du bist und warst eine solche Anlage. Vielleicht warst du schon bei einem „Hellseher“: Erstaunte es dich, was der über dich schon alles wußte? (mehr …)

8. von 144 / Wie wird man etwas?

 

Heute schickete ich zuerst die Nummer Neun raus, weil ich die Nummer acht versifft hatte. Nun aber habe ich Nummer acht nochmal erhalten, vom Autor Ecky natürlich. Danke!

Thom Ram, 10.10.7 (mehr …)

9. von 144 / Was wünschen vermag.

Es ist mir ein Vergnügen, Auszüge aus der Schrift Eckehards veröffentlichen zu dürfen.

Sie erscheinen in loser Folge.

Thom Ram, 10.10.7 (mehr …)

7. von 144 / Keine Einleitung

Dies ist der Anfang einer Folge. Wohin wird die Reise gehen? Ich lasse mich überraschen.

Thom Ram, 09.10.7 (mehr …)

SternenFähre / Mondbeschuss / Eckehard / jpr65 / Realitäten

Am Schluss des Artikels: Konkretes zum Mondbeschuss.

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Das Spektrum von bb ist weit gespannt. Es liegt an meiner Vorgehensweise. Ich stelle ein Einiges von dem ein, was mich zeitweilig besonders beschäftigt. Das ergibt einen Wiesenblumenstrauss mit vielen verschiedenen Gräsern, und es zieht Leser an, welche nicht durch Schlüssellöcher sperbern, sondern die Vielfalt der Schöpfung erahnen und immer deutlicher erkennen.

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Eckehard, einer der Wächter der SternenFähre, rapportiert hier, was dortens passiere.

jpr65 rapportiert, wie er im Begriffe sei, zerstörerische Wesenheiten vom Mond zu verjagen, zu verfolgen im Kommentarstrang des eben verlinkten Artikels (aktuell 01.11.06. Wenn dieser Mondbeschuss weitergehen sollte, werde ich ihn verartikelisieren).

Bewusst wähle ich Konjunktiv, denn ich ehre einen Jeden, der beide hält für geistig nicht zurechnungsfähig oder trollig bb lächerlich machen wollend. (mehr …)

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