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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – 41. von 144 Angst essen Seele auf? – Nö! Liebe essen Angst auf!

eckehardnyk

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Richtig Angst haben wir heute gar nicht mehr. Man hat „Ängste“. Doch woher kommen und was bedeuten sie? Unter Angst wollen wir etwas Diffuses, nicht konkret Faßbares, Emotionales, verstehen, weshalb Ängste, also die Mehrzahl, das Unfaßbare besser zu greifen scheint. Im Gegensatz davon kennen wir Furcht als etwas sehr Konkretes (1) Und niemand versucht, seine Fürchte in den Griff zu bekommen. Furcht kann der Mensch haben vor der ungebremsten Gewalt, die sich in Naturkatastrophen austobt, aber auch in chaotischen Verhältnissen, die der Mensch selbst in Gang gesetzt oder zugelassen hat, wie der Strahlen-GAU von Tschernobyl am 26. April 1986, Der Smog im Sommer 1997 in Südosten oder die AIDS-Seuche, die um 1984 aufgekommen ist. Es gibt eine unbekannte Zahl von Menschen, die in örtlichen Katastrophen, wie beim Flugtag-Unglück von Ramstein 1988, dabei waren und bleibende Angstzustände, sogenannte reaktive Neurosen, davongetragen haben und bis auf den heutigen Tag wegen dieses Traumas nicht mehr berufsfähig waren.

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Der Furcht dagegen kann man durch vernünftiges Verhalten ausweichen. Wer macht schon Urlaub in einem Kriegsgebiet? Die wenigsten Versicherungen kamen für erlittene Schäden auf, wenn man sich vorsätzlich dorthin begeben hätte. Furcht ist jedoch überlagert von Angst, und das macht sie „furchtbar“. Wer nämlich in ein Krisengebiet geraten ist, wo man der Furcht begegnet, kann auf verschiedene Art reagieren. Entweder in Panik geraten oder der unmittelbaren Gefahr vernünftig begegnen, wenn man ihr nicht aus dem Weg gehen kann. Man entscheidet sich zwar klugerweise für jegliche Form von Gefahrenvermeidung. Aber gesetzt den Fall, jemand wird von Panik überfallen, was geschieht dabei? Die eigentliche Gefahrenquelle wird nicht mehr wahrgenommen. Ein in Panik geratener Flüchtling rennt blindlings durch ein Minenfeld.

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Und damit sehen wir auf ein wildes Stück Natur an und in uns selbst. Panik pur kann mit ungeformter Gewalt in Menschen- und auch in Tierseelen wüten.(2) Sie ist die aktualisierte Angst, die keine Richtung, keine Zeit, keine Grenze zu kennen scheint. Diese Art des Schreckens reagiert nicht auf Geld und wird durch kein Gesetz(3) beruhigt. Wodurch aber sonst?

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Das einzige, Ängste besiegende Mittel könnte Liebe sein. Doch welche und wo und wie kann sie zum Einsatz kommen um einen Eingeschüchterten, Verstörten oder in Panik Geratenen nicht noch mehr zu beängstigen? Der Betroffene wird in sich den Trost, eigentlich den Tröster, finden. Trost bedeutet „seelischen Halt“ und geistige Richtung. Jemand kann von außen trösten, aber es kommt darauf an, daß der oder die zu Tröstende in sich selber wieder entdeckt, was ihm Boden unter die Füße gibt.(4)

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Wer überwältigende Probleme nicht (mehr) glaubt verkraften zu können, wird ins Wasser gehen oder sich in die Tiefe stürzen; ich glaube, nicht um darin wirklich umzukommen, sondern um einen tieferen oder endgültigen Halt zu finden. Als ich selbst zwischen 1971 und 1977 in einem tiefenpsychologischen Arbeitskreis(5) mitarbeitete, gingen der Therapeut und wer von seinen Teilnehmern mit wollte, täglich vor dem Mittagessen schwimmen. Ich hatte im Wasser das Gefühl von „meine Ängste (vor dem Examen) weg zu schwemmen“. Als Student lebt man mit „chronischen Ängsten“, dem Studienabschluß nicht gewachsen zu sein. Vom Wasser und den darin mit schwimmenden „Hindernissen“ der Anderen umgeben, empfand ich mich von einer in Ruhe lassenden Kraft getragen und geduldet, besser gesagt „angenommen“. Das ließ in der Seele frischen Mut entstehen… Wer nicht schwimmen kann, wird sich ein anderes Medium schaffen um zu „baden“ und der Enge von „Verhältnissen“ zu entkommen. Sonne, Mond und Sterne beim Aufgehen oder Untergehen, Wellenschlag am Meer, Rascheln und Sich Wiegen von Zweigen im Wind, von einem point of view die Welt im Kleinen betrachten: Worum sich sorgen? Nur um das, was zu packen ist. Mit solcher Aussicht sammelst du Kräfte um ein ums andere Mal dein verzweifeltes Kind trösten.(6)


(1) Wenn auch nicht Materielles wie Beton

(2) In Bäumen zum Glück nicht!

(3) Gemeint war hier eine öffentliche Verordnung

(4) Den Satz aus der hier zugrunde gelegten Ausgabe von Abenteuer Erziehung ersetze ich durch den der Printausgabe von 2013, Seite 101: „Der ‚Ozean aus Liebe‘ (siehe oben 32. und 34. von 144) würde hier paradoxerweise Angst verstärkend wirken, weil sich der in Panik Geraten ‘überschwemmt‘ fühlt.“ Denn dieser Begriff gehört zu einer frühkindlichen Entwicklungsepoche und nicht zu einem plötzlich unerwartet von außen oder aus der Phantasie einbrechenden Geschehen.

(5) In Westberlin bei Josef Rattner

(6) ©️ http://www.eahilf.de, 26. November 1998 und 21. April 2020


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