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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE: 42. von 144 – Mit welcher Stimme hörst du dich am liebsten?

Wo Liebe anfängt und aufhört

Eckehardnyk

1

Mit der eigenen Person fängt die Liebe an und bei der eigenen Stimme hört sie meistens auf. Leute von Funk und Fernsehen, Theater und Politik lieben berufsmäßig den Klang ihrer Stimme. Die meisten anderen Menschen sind zumindest überrascht, wenn sie sich zum ersten Mal selber hören müssen. Ich empfehle dir, den ersten Eindruck beim Hören der Stimme von dir selbst aufzuschreiben. Dieses Gefühl hast du ziemlich genau auch dir selbst gegenüber, ohne dir dessen bewußt zu sein.

2

Schmeichelt dir der eigene Klang oder schämst du dich ob der (unterbewusst mit gefühlten eigenen) Unfertigkeit? Wofür läßt sich die eigene Stimme besonders gut einsetzen oder was könnte daran deutlicher werden? Es ist schließlich das Organ, mit dem du deiner Person Ausdruck verleihst, Respekt verschaffst oder anziehend (oder abstoßend) wirkst, und durch dessen Be-stimmt-heit (!) du auch den Weg deiner Kinder voraus weisen kannst oder mit dem du Geschehnisse verarbeiten hilfst. (1)

3

Erkunde die Möglichkeiten von Selbsterfahrung, wozu in diesem Stück die Aufmunterung gegeben sein soll, dich selbst ab und zu von einem Tonträger zu hören. Das schafft mit der Gewöhnung auch Akzeptanz. Ausgerechnet dein eigenes Organ nicht zu kennen oder gar nicht zu mögen, kann auf Dauer zu „Verstimmungen“ führen. Durch Videoaufzeichnungen kannst du einem profunden Kenntnismangel über dich selbst abhelfen – lass einfach ein Frühstück mit allen am Tisch von einer unauffälligen Kamera filmen und dir beim Auswerten die Frage beantworten: Mit welcher Stimme höre ich mich am liebsten?

4

In GEO-Heft Dezember 1998 ist ein Hauptartikel der menschlichen Stimme gewidmet. Unser Stimmorgan sei noch gar nicht so alt in der Evolution. Sie (2) habe sich bei Entwicklung von Stimme eine Menge Zeit gelassen, bevor sie in Lebewesen höherer Gattung aufgetreten sei. Insekten, Spinnen, Würmer und die meisten Fische müssen sich durch Gerüche oder optisch verständigen. An der Wichtigkeit der menschlichen Stimme hat unser Bewußtsein wenig Anteil. Wir pflegen zwar Haut, Fingernägel, Haare oder „Image“, doch die Stimmbildung bleibt meistens dem Zufall überlassen. Bestimmt nicht bei den oben in Absatz eins genannten Berufsfeldern. Der damalige Kanzler Schröder hat vermutlich nur mit (s)einer Stimme die Wahl (von 1998) für sich entschieden: Mit seinem klangvollen Organ hat er sich mehr als sein Gegner Stoiber mit einem Nimbus von mehr Kompetenz und Liebenswürdigkeit den Menschen eingeprägt, als durch die Programmpunkte seiner Reden. Aber wenn man hinter die Kulissen hätte schauen können, wäre einem wahrscheinlich klar geworden, wie intensiv an der Wirkung dieser wahlentscheidenden Stimme gearbeitet wurde.

5

Was tust du, damit du „deine Wahlen gewinnst“? Pflegst du deine eigene Stimme? Hörst du dir beim Sprechen, Singen, Weinen oder Lachen überhaupt zu? Singst du gern? Das wäre ein Anfang für eine planmäßige Selbst-Entfaltung und für dein behutsames „Sich liebgewinnen“. Ein Mensch, der stets in gleicher Tonhöhe, Lautstärke, Intonationsweise redet, erreicht mit Sicherheit eines: Er wird nicht mehr gehört. Entweder schlafen seine Hörer ein, denn Stimmen versetzen in Trance,(3) oder es entsteht ein Weghöreffekt, den du bei Kindern häufig antriffst und dich wunderst, warum sie „bei Andern“ aufs Wort gehorchen. Erst beim fünften Mal, wenn du deine Stimmen hebst, wenn du schreist oder „explodierst“, wirst du erstaunt angeschaut. Hättest du gleich geschrien oder besser laut „gesungen“, dann wärst du genauso energisch aber dafür mit guter Laune an-gekommen und dein Kind wäre deiner Aufforderung viel lockerer nach-gekommen. Manche Ansprachen wie zum Beispiel das „Aufdecken von Zusammenhängen“ läßt sich hingegen besser im gesenkten Stimmton auspacken. Eine geheimnisvoll raunende Stimme eignet sich um Neugierde und Aufmerksamkeit zu erwecken. Erzählst du hingegen einen Witz, dann könnte eine ungewohnte Aussprache für mehr Aufmerksamkeit sorgen. (Aber bitte nicht ausgerechnet bei der Pointe die Stimme verstecken, was in der Regel geschieht.) Lispeln oder ein rollendes R können auch gewünschte (aber auch unerwünschte) Effekte verstärken. Durch solche Disziplineinlagen schaffst du dir in deiner Stimme ein Instrument, einen Verbündeten, mit dem du für jede Rede, Antwort oder Frage den richtigen Zauber finden wirst.


(1) Wie auch hier, könnte aus jeder der hier erscheinenden Stücke eine eigene Forschung, ein ganzes Buch oder eine Art pädagogischer Provinz heraus gebildet werden. Es wäre interessant zu recherchieren, welche Schriften oder Veranstaltungen schon existier(t)en, die mit dem Fokus auf Stimmführung und Stimmschulung für das Zusammensein mit Kindern Erfahrungen gesammelt und Vorschläge erarbeitet haben.

(2) Die Evolution oder der Evoluzzer?!

(3) Milton Erickson, der als Kleinkind nicht reden mochte (siehe 10. von 144), konnte seine Klienten, Hörer oder Patienten allein durch seine bewusst gehaltene Stimme in Trance versetzen und dies therapeutisch wirken lassen.

©️🦄 (eah) 27. November 1998 und 25. April 2020


3 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Liken

  2. haluise sagt:

    bewusste stimmführung ergänzt die un.bzw bewusste körpersprache

    echt spannend und voller überraschungen … luise

    Gefällt 1 Person

  3. Mujo sagt:

    Eine sehr Unterschätzte Komponente die eigene Stimme. Viel zu oft wird sie nicht beachtet.

    Gerade jetzt in der Zeitqualität mit Maulkorb Pflicht will uns das noch was anderes sagen.
    Wir sollen ruhig sein, uns der Obrigkeit anpassen. Statt unsere Stimme erheben, für unsere eigenen Werte aufrecht stehend hinaus tragen.
    Nur die meisten tun so ein duckmäusertum, verbietet sich selbst eins der größten Gaben die wir haben.
    Lassen sich für Dumm Verkaufen von einen Virus der seit Tausenden Jahren zu uns gehört und ein Teil des lebens ist.

    Derweil heißt es schon im Volksmund der hat Gold in der Kehle, vor allem die Singen können. Oder die Menschen die mit ihrer Stimme Geschichten erzählen können die Begeistern. Mir fallen sofort eine Handvoll ein die das haben und tun. Tepperwein hat so eine, Dalke der sehr aus den Herzen spricht hört man gut raus. Oder Hellinger der vor kurzen von uns gegangen ist hat durch seine langsame Art zu Sprechen die Menschen zum Wahrnehmen angeregt. Da fällt mir natürlich auch den Tolle ein, wo immer auch ein Funken Humor mitschwingt und wir fesselnd hinhören.

    Sollte uns doch viel mehr anregen ihn einen guten Platz bei uns zu geben. Schon lange weis man das Menschen die Singen Fröhlicher und ausgeglichener im Leben sind. Und das betrifft alle Generationen gleich.

    Gefällt 1 Person

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