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Brückenbau V – Wahrheit versus Wirklichkeit

Essay zuerst publiziert bei meiner Gruppe Goetepudel https://www.facebook.com/groups/104520716939003

Eckehardnyk, 18. November NZ8

Der Unterschied von Wahrheit und Realität oder Wirklichkeit fordert mich erneut heraus, weiter zu denken. Anlass war heute der Lifestream von Axel Burkart https://youtu.be/nvuqNWpze8Y.1

Er fordert etwas Ungeheuerliches, nämlich in der Wahrheit zu leben.

Ich glaube von Mark Twain stammte die Bemerkung, das sei unmöglich, aber auch nicht weiter schlimm, denn das käme in Wirklichkeit nicht vor, mit einem Menschen, der nur „die Wahrheit“ sage tagelang zusammen sein zu müssen. Als ich diese Bemerkung einst las, wusste ich wenig mehr damit anzufangen als darüber zu lächeln. Jetzt ist mir klar, dass dieser europagereiste Ami von damals Recht hatte. Die praktischen Amerikaner!

Nehmen wir nur ihre jüngste Wahl: Nach Axel B. müsste die Aussage Bidens, er sei zum 46. Präsidenten gewählt worden, eine „Lüge“ genannt werden, aber das war sie nicht, sondern eine Fälschung. Die Wirklichkeit oder Realität darüber wird nun Aufgabe derer sein, die das Falsche daran zu Tage fördern. Ob es gelingt steht woanders.

Die Menschheitsgeschichte ist durch eine Legion von Fälschungen bewegt worden, deren Wirksamkeit Jahrhunderte angedauert haben, zum Beispiel die Schenkungen an die römische Kirche durch Kaiser Konstantin (Weltherrschaft) und König Pippin (Kirchenstaat). Von Beidem hat die römische Kirche nachhaltig Gebrauch gemacht und lebt im Grunde bis heute davon.

Und so glauben die meisten Menschen heute noch an mehr oder weniger erkennbare Fälschungen oder andere glauben ebenso vehement nicht daran, wie beispielsweise an die Mondlandung(en) der Amerikaner. Oder Sachen, die man hier gar nicht äußern darf, weil die entsprechende Freiheit, sagen zu dürfen, was man sagen möchte, durch die Realität in vielen Fällen schon abgeschafft ist.

Was also möchte ich sagen? Durch Denken kann ich über Begriffe an wahrgenommenen Objekten zur Wirklichkeit dieser Objekte gelangen. Wirklich oder real ist alles, was Wahrnehmungsinhalt geworden ist. Inhalt ist dabei das durch das Denken hinzugefügte Sein. Ohne diese Zutat wäre das Wahrgenommene nur beliebige Masse oder materielle Beliebigkeit bis hin zur äußersten Verdünnung oder Verdichtung, es spielt keine Rolle.

Doch in dem Moment, wo ES doch eine Rolle spielt, sind Gesetzmäßigkeiten darin zu studieren, die dem Ding an sich Wirklichkeit geben. Und diese Wirklichkeit kann falsch eingeschätzt sein, und wäre dann zu korrigieren um sich dem innewohnenden Gesetz zu nähern. Das innewohnende Gesetz ist dann zwar die Wahrheit, aber sie ist eben „innen“. Das Erfreuliche am Menschen, entgegnete ich Mark Twain, wenn er mein Zeitgenosse wäre, dass er die Wahrheit eben auch in sich findet. Nur eben nicht draußen.

Wenn ich mich also mit einem Menschen beschäftige, habe ich zunächst mal mit seiner von mir wahrgenommenen Gestalt zu tun und dann erst mit dem, was er von sich äußert, was in ihm lebendig ist. Erst durch dieses Studium erlange ich vom anderen Menschen von dessen Wirklichkeit Kenntnis. Wenn er mir mitteilt, er sei, sagen wir „Robbespierre“, dann kann ich wohl wissen, dass diese Aussage eine Fälschung sei. Man findet auch andere Ausdrücke dazu, darauf kommt es hier nicht an. Er könnte auch sagen, er sei mein Vater oder Onkel. Das wird sich mir mit der Zeit und weiteren Studien ergeben. Doch steckt seine Wahrheit tief in ihm, aber er lässt nur Stückchen davon heraus, das dann seine Wirklichkeit ist, die er mit mir teilt, indem er sie mir mitteilt.

Ich wollte mit diesem Essay darauf hinweisen, das die hehren Worte von Wahrheit oder Lüge in dem zitierten Lifestream einen Bogen um die Tatsache machten, dass wir es im irdischen Leben mit Wirklichkeit(en) und Fälschung(en) zu tun haben. Und denen auf die Spur zu kommen ist schon, wie kriminalistische Aufklärung lehrt, schwer genug. Dagegen Wahrheit und Lüge zu leben ist eine ganz andere, individuelle Sache, die jeder mit sich im Inneren abmachen muss, erst recht, wenn damit das Ziel der Freiheit erreicht werden soll. Mache ich mir Gedanken um die Echtheit meiner Bemühung um die eigene Wahrheit, dann finde ich in meinem Innern eine andere Wesenheit als Freund, Bruder oder „Herr“, als wenn ich mir vorstelle, wie viele und welche wunderbaren Worte ich verwende um Leuten „den Weg zu weisen“, indem ich sie an mich binde.

©️🦄 (eah) 8. November 2020. Soweit mein Essay den ich aus f (Gruppe Goetepudel) kopierte.


Man möge einwenden, dieser Essay sei eher ein Brückenabriss zu Axel Burkart, doch ist das nur oberflächlich gesehen so. Meine Gedanken [und in eckigen Klammern meine Anmerkungen im Text] basieren wie auch seine auf der von Rudolf Steiner erstmals 1894 publizierten Schrift „Die Philosophie der Freiheit“, bei mir zitiert aus „2.-8. Tausend wesentlich ergänzt und erweitert 1918, Berlin, Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Motzstr.17“. Dort lese ich auf den Seiten 258 ff folgende Darlegung: „Daß wir in der Wirklichkeit leben (mit unserer realen Existenz in derselben wurzeln), wird selbst der orthodoxeste subjektive Idealist nicht leugnen. Er wird nur bestreiten, daß wir ideell mit unserem Erkennen auch das erreichen, was wir real durchleben. Demgegenüber zeigt der Monismus [Steiners Standort], daß das Denken weder subjektiv, noch objektiv, sondern ein beide Seiten der Wirklichkeit umspannendes Prinzip ist. Wenn wir denkend beobachten, vollziehen wir einen Prozeß, der selbst in die Reihe des wirklichen Geschehens gehört. Wir überwinden durch das Denken innerhalb der Erfahrung die Einseitigkeit des bloßen Wahrnehmens. Wir können durch abstrakte, begriffliche Hypothesen (durch rein begriffliches Nachdenken) das Wesen des Wirklichen nicht erklügeln, aber wir l e b e n , indem wir zu den Wahrnehmungen die Ideen finden, im Wirklichen. … Der Monismus zeigt, daß wir in unserem Erkennen die Wirklichkeit in ihrer wahren Gestalt [Hervorhebung von mir] ergreifen, nicht in einem subjektiven Bilde, das sich zwischen den Menschen und die Wirklichkeit einschöbe. Für den Monismus ist der Begriffsinhalt der Welt für alle menschlichen Individuen derselbe (vergl. S. 91 ff.). Nach monistischen Prinzipien betrachtet ein menschliches Individuum ein anderes als seinesgleichen, weil es derselbe Weltinhalt ist, der sich in ihm auslebt.“ –

Aus dem Rückblick auf „S. 91 ff.“ zitiere ich hierzu „Dadurch, daß das Denken in uns übergreift über unser Sondersein und auf das allgemeine Weltensein sich bezieht, entsteht in uns der Trieb der Erkenntnis. Wesen ohne Denken haben diesen Trieb nicht. Wenn sich ihnen andere Dinge gegenüberstellen, so sind dadurch keine Fragen gegeben. Diese anderen Dinge bleiben solchen Wesen äußerlich [oder: unerkannt, siehe das Runde bei den Inkas und ihren Vorfahren]. Bei denkenden Wesen stößt dem Außendinge gegenüber der Begriff auf. Er ist dasjenige, was wir von dem Dinge nicht von außen, sondern von innen empfangen. Den Ausgleich, die Vereinigung der beiden Elemente, des inneren und des äußeren, soll die E r- k e n n t n i s liefern.“ (ebenda Seite 93 f).

Wir sehen hieran, dass und wie Rudolf Steiner intensiv um die Erfassung von Wirklichkeit durch das von der Wesenheit Mensch vollzogene Denken gerungen hat, um dem leicht zu erliegenden „Subjektivismus“ (oder heute herrschenden „radikalen Konstruktivismus“) zu begegnen, den er als Befangenheit kennzeichnet: „Die Befangenheit kommt nicht bis zu der Einsicht, daß der Begriff des Dreieckes, den mein Kopf erfaßt, derselbe ist, wie der durch den Kopf meines Nebenmenschen ergriffene. Der naive Mensch [heute mehr denn je] hält sich für den Bildner seiner Begriffe. Er glaubt, jede Person habe ihre eigenen Begriffe [beliebt auch als „eigene Wahrheit“]. Es ist eine Grundforderung des philosophischen Denkens, dieses Vorurteil zu überwinden. Der eine einheitliche Begriff des Dreiecks wird nicht dadurch zu einer Vielheit, daß er von vielen gedacht wird. [modernes Beispiel: Weil 97000 Wissenschaftler behaupten, der Klimawandel sei allein menschengemacht, gilt dem Mainstream-Lehrer-Schüler-Moderator diese Behauptung als „wahr“] Denn das Denken der Vielen selbst ist eine Einheit.“

Die 97000 Wissenschaftler verbreiten ihren Irrtum nur einmal, weil ihr Fehlurteil eine Einheit ist. Irren ist eben auch menschlich.


Der von Steiner zitierte Text enthält den Begriff der Wahrheit nicht als Hauptwort, sondern nur in der von mir hervorgehobenen Form der Wirklichkeit als wahrhafter Gestalt.

Mein Haupteinwand gegen Burkart im eingangs zitierten Essay ist die ins Moralische führende Vermengung von Wirklichkeit und Wahrheit. Das im Einzelmenschen aufleuchtende mathematische Gesetz des Dreiecks lässt sich in der Außenwelt als Wahrnehmung nur von jemandem finden, der bereits Zählen und Winkelmessen gelernt hat. Wem diese Begriffe im Denken nie begegnet sind, findet in der Natur keine „Dreiecke“. Eine riesige Kultur (vorkolumbianisches Amerika) erfand zum Beispiel keine Räder, weil die Begrifflichkeit des Kreises auf Bewegung und Transport angewandt fehlte, obgleich runde Gegenstände hergestellt wurden in Gestalt von Töpfen, Hüten oder Ringen und die Mathematik bei den Bauten und Kalendern der Mayas eine erhebliche Rolle gespielt haben musste.

Der Verdienst von Axel Burkart ist hoch zu bewerten, weil er die Menschen überhaupt zum Denken führt (nur sie werden ihn eines Tages hinter sich lassen). Der Brückenschlag ist tiefer begründet vorhanden, wenn man sich klar wird, dass Wahrheit ein Sein bedeutet, ebenso wie Lüge.

Der von ihm oft genannte „Herr der Lüge“ (es sind eigentlich zwei: Ahriman und Luzifer, bei Goethe im Faust noch eine Gestalt: Mephisto) ist die Lüge und er produziert in Wirklichkeit Illusion, Täuschung und (be)treibt Fälschung. Die beiden Prinzipien oder besser: Wesenheiten – Wahrheit und Lüge – kann man nur sein, aber nicht tun. Ihr seht es daran, dass der Satz: „Ich lüge“ (genauso wie „ein Kreter sagt, alle Kreter sind Lügner“) eine unauflösbare Antinomie darstellt, also das Gegenteil seines gemeinten Inhalts bedeutet. (Dagegen ist die Aussage: „Ich fälsche“ keine Antinomie, sondern die Aussage über einen eindeutigen Vorgang.) Und den Satz „ich wahre“ als Gegensatz zu „ich lüge“ gibt es im Deutschen überhaupt nicht im Sinne von „ich spreche die Wahrheit“. Zum Glück gibt es im Deutschen auch keine Einwort-Übersetzung zu dem neuen englischen Ausdruck truther. Denn die müsste Christus heißen, der für den Menschensohn und deshalb auch für sich selbst sagen konnte „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Daraus geht hervor, dass seine Aussagen über die Gegenstände seines Interesses Wirklichkeit schaffen und keine Fälschung enthalten, so wie die eines wahren Menschen eben auch. Dennoch kann er Dinge ausklammern oder über sie im Zweifel sein. Doch das macht ihn nicht zum Fälscher, sondern zu einem Bewohner des „Tals der Ahnungslosen“, in welchem sich Menschenmassen derzeit wie alle Zeit, gern oder ungern, aufhalten.

1Das Video wurde dort gelöscht mit der Begründung, es sei „privat“.

(c) eah 18. November 2020 – Nochmals aktualisiert, weil immer wieder doppelte Texte aufgetaucht sind. Auch ein Virus, dessen Herkunft mir momentan viel Arbeit macht, aber keinen Schnupfen.


4 Kommentare

  1. Eckehardnyk schreibt: „Der Verdienst von Axel Burkart ist hoch einzuschätzen, weil er die Menschen überhaupt zum Denken führt (nur sie werden ihn eines Tages hinter sich lassen).“

    Burkart/Steiner war für mich ein „Sprungbrett“ für das ich dankbar bin. 🙂

    Nachstehende -im link zu findende- pdf-Inhalte ein RIESENschritt raus aus meinem -mich selbst be/eingrenzenden- Käfig.

    https://heiko-drewes.de/index.php/buecher

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  2. Stephanus sagt:

    Der schlimmste Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge (denn der, der sie ausspricht, kennt die Wahrheit…), sondern die Überzeugung!

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  3. Mujo sagt:

    Die einzige Wahrheit die gültig ist, ist immer in uns. Nach der richten und Handeln wir jede Sekunde. Ob bewusst oder nicht.

    Man kann auch sagen die Ursache ist immer die Wahrheit. Den die Wirkung bestätigt es.

    Was es aber gibt ist die Ordnung nach der wir uns halten oder nicht wenn es unsere eigenen Wahrheit widerspricht. Und je mehr sie auf Logischer Freiwilliger Basis passiert und alle davon einen Gewinn haben. Funktioniert es gut, wie zb. bei Verkehrs Regeln.

    „Nehmen wir nur ihre jüngste Wahl: Nach Axel B. müsste die Aussage Bidens, er sei zum 46. Präsidenten gewählt worden, eine „Lüge“ genannt werden, aber das war sie nicht, sondern eine Fälschung. Die Wirklichkeit oder Realität darüber wird nun Aufgabe derer sein, die das Falsche daran zu Tage fördern. Ob es gelingt steht woanders.“

    Fälschung ist milde Ausgedruckt. Bewusstes Betrügen würde eigentlich besser passen. So wie das Hütchen Spiel, das solange gut geht bis man dahinter kommt wie er es macht. Dann gibt man es entweder Preis bringt es ans Licht oder nutzt es zu seinen eigenen Vorteil und dreht das Spiel um.
    Die Moralische Wahrheit nach außen geht Verloren, die innere nimmt nur eine andere an.

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  4. eckehardnyk sagt:

    Die Schule Axel Burkarts für freies Denken wird ihre Früchte haben,aber wie immer, auch Früchtchen hervorbringen. Wird der Mensch nach seiner inneren Freiheit gefragt, wird er sagen, die habe er in seinem Denken gefunden. Nicht, dass die gedanken frei sind. Ein Dreieck ist und bleibt ein Dreieck, so frei mein Denken auch ist. Aber ob ich das Dreieck, die Berliner Wasserwerfer oder die Morgenröte des Christustages be-denke, bleibt meinem Antrieb überlassen. Hierin bin ich frei. Und folge ich ihm so werde ich andere Menschen treffen, die das ebenso tun. Deshalb bin ich hier angekommen und die es lesen ebenso. Dafür bleibt nur einmal aufmerksam und herzlich zu danken.

    Gefällt 2 Personen

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