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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE 70. von 144 – Wieviel Punkte haben wir gesammelt?

Soviel wie Sternlein stehen?1

Eckehardnyk

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Ob „Gott, der Herr“ sie wirklich alle „gezählet“ hat? Auf jeden Fall meint das Kinderlied, daß sie alle ihm gehören. Doch er scheint sich nicht allzu viel daraus zu machen, denn ziemlich wahllos und unendlich weit verstreut hat er seine Sammlung ausgedehnt. Manche denken auch, er kümmere sich gar nicht mehr darum. Ein Kinderzimmer dürfte, bürgerlich gedacht, wohl so nicht aussehen, wie das, was wir die „Schöpfung“, den „Kosmos“ oder das „All“ nennen.

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Bleiben wir bei den Punkten: Je mehr davon gesammelt wurden, desto besser hat man sein Ziel erreicht. Das gilt für einen Ligaclub genauso wie für Arztpraxen oder Volksbegehren. Das Punktesammeln ist vergleichbar mit dem Körnerpicken. Jedes Körnchen ist dann auch Belohnung. Der Verhaltensforscher Skinner2 hat Tauben das Tanzen um ihre eigene Achse beigebracht, indem er für jeden Drehansatz in der von ihm gewünschten Richtung dem Vogel ein Körnchen zum Picken hinlegte, bis der ob seiner belohnten Begierde wie ein Kreisel tanzte.

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Die Taube im Tanz wird bald satt sein, aber wir, sind wir es auch? Können wir den Kragen jemals voll genug bekommen? Angesichts der Fülle, die im All versammelt ist, eigentlich ein unsinniges Unterfangen; dennoch tun viele so, als müßten sie immer noch mehr haben, obgleich das Viele im Vergleich zum All nur ein Klacks, ein peanut ist. Aber sei‘s drum, der Mensch sammelt eben auch gern Punkte. Also geben wir sie ihm. „Sire, geben Sie Punkte!“ – Wenn der Marquis Posa das zu Philipp II. gesagt hätte (anstatt: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!“)3, dann wäre der Infant von Spanien 1568 (in Schilles Drama) nicht hingerichtet, sondern zum Erziehungsminister befördert worden.

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Damit sind wir wieder bei unseren Kindern. In jeder Schule werden irgendwelche Bewertungen für Leistungen abgegeben. Auch wenn das nicht immer „Noten“ sind: Urteile, die auf einem Wertgefüge aufbauen, werden dennoch niemals unterlassen. Ein Kind muß und möchte schließlich wissen, wie weit es voran gekommen ist und wo es sich lohnt weiterzumachen.

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In der Kinderstube selbst kennt man die Vergabe von Punkten weniger. Dazu würden feste Abmachungen und Ziele gehören. Daran fehlt es meistens. Eltern sagen oft: Wie kann man mit (zumal kleinen) Kindern Verträge schließen? Ja, man kann, man muß sogar; aber eben: Wie?! An Advent ist das einfach: Da wird jeden Morgen ein Türlein im Kalender geöffnet und heraus kommt eine Überraschung. Und am Ende winkt der große Gabentisch unter dem Weihnachtsbaum an Heilig Abend. Ist das etwa kein Vertrag? – Dann brechen wir mal diesen Brauch!

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Der „Weihnachtsvertrag“ ist bei uns gut eingeführt und braucht nur jedes Jahr still schweigend erneuert „mit Leben erfüllt“ zu werden. Das übrige Jahr herrscht ziemliche Öde, was die Sammlung von Gewinnpunkten angeht. Ändern wir‘s! Statte dich für ein ganzes Jahr mit Adventskalendern aus oder besorge Perlen in der Lieblingsfarbe deines Kindes. Für das Projekt, das du mit ihm vereinbarst, wird für jede Tageserfüllung ein Türlein geöffnet oder eine Perle in ein gut verwahrtes Glas wie in eine Sparbüchse aber sichtbar eingeworfen. Wenn 24 Türlein geöffnet oder 24 Kugeln im Glas gesammelt sind, darf ein größerer Wunsch eingelöst werden (die restliche Zeit kann zum Reifen eines neuen Projektes genutzt werden. Das ganze Verfahren geht auf eine Anregung des Verhaltenstherapeuten Fritz Jansen zurück,4)

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Ziele können beliebige, aber tägliche, tatsächliche und erreichbare sein: Schuhe putzen, Kleider ordnen, Schulranzen aussortieren, Kinder- oder Badezimmer pflegen, abends nach dem Gutenacht-Kuß keine neuen Ansprüche stellen; kurz, alles, was in einem knappen Monat konkret lernbar ist und deinem Kind als Herausforderung oder Ansporn lohnend erscheint. Aber lass es bei einem Kalenderprojekt je Monat bewenden. Wenn das gelernt ist, mag ein Nächstes winken.

©

eah 28. Dezember 1998 und 12. September 2020


Encounter Education 6/40

Why do we like scoring? Has it to do with obsession? May be in some points, yes, but in earnest scoring has to do with relations, and relationship is naught without treaties. A treaty requires from all partners to fulfil the score in performing their obligations, their duties. But what does that mean for the upbringing of children? It is a pity that today‘s parents in so called civilized countries know treatises (Abhandlungen) upon education, and are discussing treatments for children, but don‘t know and never surmise treaties with the offspring.

From the beginning, or no, before the beginning with children there already exist contracts with them. We also could say that in general there exists a contract between nature and man. I don‘t want to go so far as the writer of the Bible when he considers a contract between God and Noah after the Flood. For our belong it is enough to experience a feeling of the possibility of innumerous treaties between family members. Unquestionably exist those treaties without a written text. Attention must only be paid to the fact that concluded (or even concocted) alliances and contracts are valid, until all partners dropped out.

One of the best introduced family contracts (in Germany, Austria and Switzereland) is the – may we call it – “Christmas contract“ accompanied by an Adventskalender (Advent calendar): Up from the first of December a child is allowed to open a liddy where behind a sweet is hidden up to the 24th of December, when the main little portal is due to be opened.

The child‘s part in the contract is to be calm, patient, an eagerly well mannered until on Christ‘s Eve the Xmas presents are given. This lection would be learned at every year‘s end. Maybe it is the sole form of “scoring“ peformed by the infant‘s own family. The other time of the year considering collect points in the child‘s favour is dreary and dull. Not until school begins the offspring often is not trained to learn helpful virtues by series of monthly renewed score-clusters. The year could easy have twelve calendars with 24 lids. Each month stands for an other good aim. An aim can be a skill ore an ability or a bundle of manners. And an aim can recur on a higher level in the same month a year later, alike the patience, maturing befor Christmas.

© eah, April 2005 and September 12, 2020


1 In „Abenteuer Erziehung“ (www.eahilf.de) Seiten 176-178 beginnt hier der zweite Teil: Die Zeit, das Format für die Eltern Erster Teil: Der Raum, das Format für das Kind). 10. Kapitel: wie kann man mit Kindern Verträge schließen?

2 Burrhus Frederic Skinner, amerikanischer Behaviourist, 1904-90.

3 In „Don Carlos“ von Friedrich von Schiller, deutscher Dichter und Historiker, 1759-1805. „Don Karlos, Infant von Spanien, dramatisches Gedicht in fünf Akten, 1787 uraufgeführt in Hamburg. Philipp II. König von Spanien 1555-1598.

4 Fritz Jansen, Uta Streit „Eltern als Therapeuten. Ein Leitfaden zum Umgang mit Schul- und Lernproblemen“ (ISBN 9783540555933… Springer-Verlag, 1992)


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