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138. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERESTUBE – Sünde – ein Vergehen?

​(in der Printausgabe von Abenteuer Erziehung 2013, Seite 358-362: Was kostet Sünde und wie viel ihre Überwindung?)

Eckehardnyk, Donnerstag 11. August NZ 10,

im Jahr 23 nach der totalen Sonnenfinsternis in Mitteleuropa

1.

Denken wir uns folgenden Vorfall: Ein Kind wird zum Einkaufen geschickt. Das sieht seine Nachbarin und bittet: „Bestell doch bitte für mich einen Kasten Tafelwasser. Man soll ihn mir schicken; hier hast du das Geld, damit gleich bezahlt ist, falls ich nicht da bin, sie sollen den Kasten vor die Haustür stellen.“ Das Kind nimmt das Geld, kauft ein, „vergißt“ aber den Auftrag der Nachbarin und gibt deren Geld für sich selber aus. Die Lieferung bleibt folglich aus. Am nächsten Tag frägt die Nachbarin das Kind, ob es die Bestellung besorgt habe. Es bekommt einen Schrecken und sagt eifrig: „Ja, ja“. Am darauf folgenden Tag ist immer noch keine Lieferung angekommen und die Nachbarin ruft beim Marktleiter an, wo denn ihr Wasser bleibe. Der Mann weiß von nichts; aber sie ist im Bilde und stellt das Kind zur Rede. Unter der Wucht ihrer Aufmerksamkeit gesteht es, wie die Sache wirklich gewesen ist. Die Regelung der Angelegenheit soll uns hier nicht weiter beschäftigen. Sondern: War das und was ist Sünde?

2.

Manche Leute meinen, Sünde hätte etwas mit „sich absondern“ zu tun. Die Herkunft ist jedoch viel schlichter:1) Sünde ist eine uralte Form für „gewesen sein“, hat in einigen frühgermanischen Sprachen die Bedeutung von „Wahrheit“ und deutet für uns Heutige einfach auf ein „Es“, in das jemand verwickelt (gewesen) ist. Ein Sünder ist danach jemand, dem man sein „Gewesen sein“ nachweisen oder am Gesicht ablesen kann. Wie in unserem Beispiel: In dem Moment, wo herauskommt, wer das Bezichtigte gewesen ist, steht auch der Sünder fest. Heute sagt man dazu Täter. Wie kommt es aber zu der moralischen Bewertung (Verurteilung) von „Sünde“?

Das ist historisch verankert und kam durch die Herrschenden, die einen Grund haben mußten, ihrer Herrschaft besonders abträgliche Vorhaben und Einstellungen in eine Tabuzone zu befördern.

3.

In der „christlich“ gewordenen Antike kam dann das im Römerreich überall gepflegte Baden zum „Sündigen“ dazu, überhaupt Nacktsein und Betätigen von unkontrollierbaren Leibesfunktionen, soweit sie nicht staatswichtig waren, wie das Erzeugen von Kindern. Die Lust selbst wurde dabei als etwas Unrechtmäßiges abstrahiert und als sündig „ausgesondert“. [Daher die geläufige Herleitung von Sünde als eine Art des „Absonderns“?]. Die Neigung zum Gehorsam gegenüber Machthabern schien durch eigenständige individuelle Lustgewinne gefährdet. Das Errichten von Tabus war dann Sache von „Gebildeten“ in Kirchen und Klöstern; der Lohn für die artig geleistete Gehirnwäsche waren gewichtige Privilegien und Einkünfte, sogenannte Pfründen. Daß die klerikalen Einrichtungen auch wohltätige Zwecke hatten, soll nicht verschwiegen werden. Aber gerade die ihnen zugestandene Kombination aus Trost, Sündenverdammnis, „Gnade“ und „Vergebung“ hat zu Entfaltung und Entartung der mittelalterlichen Gesellschaft beigetragen, aus der wir uns nur befreien, indem wir für uns selbst unsere Angelegenheiten verantworten.

4.

Was mit unserer Seele geschieht, ist nämlich unsere ureigenste Angelegenheit. Diese Behauptung allein schon wurde in der Welt des päpstlich beherrschten Mittelalters als Todsünde angesehen und zog Exkommunikation, Bannfluch und Feuertod nach sich. Verfallen wir allerdings nicht der gleichen Haltung wie damals, indem wir verurteilen, was geschehen ist; sondern verstehen wir gemeinsam, was ursprünglich vorliegt. Die Seele ist ja dasjenige, was durch keinen Nachweis erhärtet werden kann. Sie ist gewissermaßen für den inneren Menschen das Flaggschiff seiner Entscheidungen: Auf der Brücke der Kapitän – das bist du als dein Ich-Selbst, das die Verantwortung trägt.

5.

Was passiert nun bei der Sünde? Da hinterlassen wir also eine Spur und sind als Täter faßbar oder nachweislich, wenn sich ein starkes Motiv finden lässt. Insofern ist Sünde als Vergehen ein besonders deutliches, starkes „Gewesen sein“, das aber auch nur in der physischen, zeit-räumlichen Welt Gültigkeit hat. Wenn die Seele den Leib abgelegt hat, verliert sie die Möglichkeit, Spuren zu hinterlassen. Sie kann dann sich weder „vergehen“ noch „sündigen“, weil sie nichts mehr gewesen sein kann, dafür aber in „ewiger Ruhe“ lebt.

  1. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (1989): „Sünde… ist abgeleitet von einem germanischen Rechtswort für ‚Schuld an einer Tat‘, … Es ist eigentlich ein Abstraktum zu g[ermanisch] *sanþ-/sund- ‚wahr seiend‘, einem alten Partizip zu sein… Das Wort bedeutet also eigentlich ‚der es (gewesen) ist‘ und das Abstraktum ‚das Gewesensein‘. In der Bedeutung ‚Wahrheit‘ ist es auch in g[o]t[isch] sunja, a[lt]nordisch syn bezeugt.“

© (eah)

3. April 1999 und 11. August 2022

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7 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:
    judihui … DANKE

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  2. DET sagt:

    Eine Sünde begeht der, der gegen göttliche Gebote (10 Gebote) verstößt;
    alles andere sind von Menschen gemachte Vergehen.

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  3. Angela sagt:

    Ich kenne das nur so: Sünde bedeutet wörtlich: DAS ZIEL Verfehlen. Nämlich das Ziel des menschlichen Lebens, den Reifeprozess, das ERWACHEN. Was die Kirche dann daraus gemacht hat, ist reine Politik.

    Angela

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  4. eckehardnyk sagt:

    Im Evangelium fand ich nur zwei Stellen, wo Süüde eine Rolle spielt: Die Behauptung, Christus handle aus einem unreinen Geist – dazu wurde gesagt: Diese Art von „Sünde“ könne nicht vergeben werden. – Wie auch? Wenn einer behauptet, Gott sei tot oder ein arroganter Rechthaber, dann ist dem, der so was behauptet, nicht zu helfen. Er kann sich nur selbst auf eine andere Sichtweise bringen, dann ist die Sache geregelt. Im Grunde macht das jeder Mensch einmal durch, siehe das Parzival-Epos von Eschenbach.
    Der andere Fall betraf die „Ehebrecherin“, auf die niemand, einen Stein werfen wollte, weil Christus gesagt hatte, wer ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein. Als alle gegangen waren, blickte er zu ihr auf und sprach: Dann verurteile ich dich auch nicht. Geh, und „sündige“ hinfort nicht mehr.
    Im Sinne des Artikels könnte er damit gesagt haben: Sei so gut und lass dich nicht mehr erwischen.
    Etwas anderes sind die mehrfach aufgezählten Laster wie Habsucht, Neid, böse Zunge, was hinlänglich auch durch die Zehn Gebote angeprangert wurde. Daran zu arbeiten, diesen Lastern keine Macht über sich selbst zu geben, ist jedes Menschen freie Entscheidung. Wer diese Arbeit vollbringt, wird nicht morden, falsches Zeugnis ablegen, Vater und Mutter verunglimpfen, und Gott seinen Platz in der geistigen und physischen Welt lassen und nicht wie das Kätzchen in einem die Runde machenden Witz erklären, dass er auf des Kätzchens Stuhl sitze (zwischen Schäferhund und Dobermann). Lächelm.

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  5. Thom Ram sagt:

    Ecki 14:42

    „Sei so gut und lass dich nicht mehr erwischen.“

    Ich lach mich kapott. Wahr wahr wahr, denn Dschiises Kreist, der war sich verd wohl bewusst, wie die Mönschs ticken, und er gab da einen trickidicki-Rat, einen Rat für Überleben in primitiv-3D, …..ehrlich, es ist zu köstlich.

    Der Oberheilige Josuah, er gab einen Trickidickirat. Nicht belehrte er in göttlichstem Sinne, nö, er gab den Trickidickirat: „laß dich nicht erwischen“.

    Ecki, ich kriech mich nüschd ein. Und ich trücke Herrn Jesus Christus für diese seine Worte.

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  6. Mujo sagt:

    @eckehardnyk
    13/08/2022 um 13:42

    „Als alle gegangen waren, blickte er zu ihr auf und sprach: Dann verurteile ich dich auch nicht. Geh, und „sündige“ hinfort nicht mehr.
    Im Sinne des Artikels könnte er damit gesagt haben: Sei so gut und lass dich nicht mehr erwischen.“

    Das man Jesus so einiges in den Mund gelegt hat was er nie gesagt haben soll ist gut möglich. Ich Glaube aber mehr man hat ihn oft nur Falsch Verstanden weil es die Pfaffen Bewusst vermieden haben oder sogar selber Dumm waren um den Wahren Kern Jesus Aussage zu verstehen.

    Sei so gut und lass dich nicht erwischen ist da schon etwas ganz anderes als die Ermahnung nicht mehr zu sündigen.

    Mit Sünde selber wird so viel schindluder getrieben das ein Übel werden kann wo die hauptverantwortlichen bei der Kirche zu Suchen sind, und noch heute weiter betrieben wird. Bei der Beichte wo ein die Sünden erlassen wird ist die größte Schandtat überhaupt. Dadurch wird den Menschen die Selbstverantwort genommen und klein gehalten, man nimmt ihn geradezu die eigen Würde als Mensch zu sein.

    Alle heutige Perverse Auswüchse der Globalisierung wo Schwab, Gates oder Blackrock dazu gehören sind die Schüler der Katholischen Kirche.

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  7. eckehardnyk sagt:

    Mir fällt noch ein, dass der Stammvater dieser Joshuah Familie, David, höchstselbst auf dem Dach seines Palastes oder seiner Hütte weilte, als im Nachbargrundstück das Weib eines seiner Offiziere (Uria) nackt in Sonne oder Wasser badete. Das Ende der Geschichte ist alles andere als „nicht sündigen“, aber es ging Salomo der Weise aus dieser Schwängerung hervor. Und da David König war, gab es auch keinen Kläger und wo kein Kläger ist, gibt es auch keinen Richter, und der göttliche Weltenplan mit der Menschheit ist dadurch keineswegs in Unordnung geraten.

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