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Eltern, Kind und Kinderstube 58. von 144 „Friede auf Erden“

Der Mensch ist „teils frei, teils unfrei“… Unfrei in der „Welt der Wahrnehmungen“ und frei verwirklicht im Geist 1)

Eckehardnyk

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Übereinstimmung sichert Frieden. Worum sollten zwei übereingekommene Wesen auch streiten? Der Weg zur Übereinkunft, die Frieden sichert, sollte in der Kinderstube nicht Jahrhunderte dauern wie zwischen griechischen und italienischen Stadtstaaten der Antike und Renaissance oder zwischen Franzosen und Deutschen bis ins letzte Jahrhundert. Als einer der frühst bekannten Philosophen gilt Heraklit von Ephesos, dessen Denkweise nur in Fragmenten überliefert ist. Damals, im sechsten und fünften Jahrhundert vor Christus gab es wie immer auch Kriege. Sein Ausspruch dazu war diesen Ereignissen abgelauscht: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge.“ 2) Er muss wohl gesehen haben, daß die großen, unveräußerbaren Fortschritte der Menschheitsentwicklung zustande kamen trotz der Kriege um vergängliche Dinge. Und jedes eroberte „Ding“ hatte als seinen Vater erst mal den Krieg, der neuen Krieg erzeugte.

Am Schluss dieser Serie (143. von 144, in Abenteuer Erziehung auf Seite 346, siehe www.eahilf.de) werden wir sehen, daß Siegerin eines da genannten Krieges ein Etwas war, das die Menschheit seither unbeirrbar begleitet: Die dauerhafte Begeisterung für die Größe ihrer eigenen Geschichte.

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So will jeder Krieg etwas lehren, wie manche es auch – ich finde, im Geist Heraklits und Steiners zurecht – bei Krankheiten sagen. Erst längere Zeit nach ihrem Abschluß ist zu erkennen, welchen Sinn die Auseinandersetzung hatte. Ein solcher Sinn liegt darin, bei sich selbst Aufmerksamkeit mit Gefühl und Gedanken fürs Geschehene herzustellen. Übereinstimmung von Gefühl und Geschehen wird schon in der Kinderstube zu lernen sein. Für ein „Ding“, für das im Voraus eine Empfindung durch Reden und Hinweise erzeugt wird, kann leicht interessierte Sympathie entstehen, wenn es dann außen wahrgenommen wird. Fremde Sachen sind es, welche Begehrlichkeit und Streit auslösen. Du merkst es an Geschenken für deine Kinder: Sind es Bauklötze, dann teilen sie sich da hinein. Ist es ein Flugzeug, eine Barbie Puppe oder ein ferngesteuertes Polizeiauto, dann gibt es Kriegsszenen im Kinderzimmer, selbst dann, wenn jedes sein eigenes Objekt schon erhalten hat. Jedes will das „Ding“ des anderen erobern. Warum? Alles Fremde und Neue muß erobert, unterworfen werden, damit es „Farbe bekennt“. Wenn es vereinnahmt ist, erlahmt meistens das Interesse daran. Der Krieg hat sein Opfer, den Schrott gezeugt.

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Deshalb sind Bauklötze, Rindenstückchen, Moos, Wasser, Steine, Sand und Tannenzapfen keine „Dinge“ sondern Chancen; Anlässe, aus denen etwas gemacht werden kann, bis wieder ein „Ding“ daraus wird, eine Sandburg, die dann mit Wonne zerstört werden darf. Doch während des Entstehens lassen sich Empfindungen beim andern Kind erzeugen, die es in das Werden miteinbeziehen, die es spüren lassen: Du gehörst mit dazu. Und es wird in seinem Gemüt etwas empfinden, das zu der Welt-Verwandlung gehört, welche gemeinsam erlebt werden kann.

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In der originalen Weihnachtsgeschichte heißt es im zweiten Kapitel bei Lukas (2,14): „Friede auf Erden 3) und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Aber da steckt eine Zutat drin von Martin Luther, der das lateinische bonae voluntatis mit „Wohlgefallen“ übersetzt hat, statt mit „guten Willens“. Dieser ursprüngliche Wortlaut 4) bedeutet aber etwas ganz anderes: Für Frieden muß die Einstellung vom Willen her kommen. „Gut“ muß der „Wille“ deshalb sein, weil er auf das rechte Gefühl treffen muß, daß Frieden zu stiften vermag, in der Weltgeschichte genauso wie in der Kinderstube. Friedlich sein ist an eine Stimmung gebunden. Deshalb wird vor Kriegen gehetzt, gereizt und angeheizt, damit öffentliche „Kriegsbegeisterung“ aufkomme. Ins Gegenteil gewendet: Das Stimmen von Instrumenten vor einem Konzert zeigt uns, daß die einzelnen Spieler im Kammerton übereinstimmen und so in der gemeinsam ausgeführten Musik harmonieren wollen und werden.

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Wenn du deinen Kindern befiehlst, Frieden zu halten, wirst du keinen Erfolg haben, weil der Kriegswurm sich eigenständig um „Dinge“ windet, die ein Kämpfen lohnend machen. Der Befehl kann nur symbolisch gegeben werden. Konkret den Einklang zwischen kindlichen Kampfhähnen herzustellen ist leichter gesagt als getan. Ich empfehle, nur die „Waffen“ zu untersuchen, die aufeinander gerichtet werden sollen und dabei für Fairplay zu sorgen. Da Menschenkinder Chancengleichheit auch im Kampf als etwas Einzuhaltendes empfinden, sollte ein „Verhandlungsfrieden“ möglich sein. Dabei gleichberechtigt mitgewirkt zu haben erfüllt womöglich die einstigen Gegner mit stolzer Freude.


1) Vergleiche Rudolf Steiner: Die Philosophie der Freiheit“ (2.-6. Tausend, Berlin 1918), Kapitel X, Seite 1842

2) Fortsetzung: „…und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.“ Die Übereinstimmung der Heraklitischen mit Steiners Philosophie zeigt dieses Fragment: „Es ist Pflicht, dem Gemeinsamen zu folgen. Aber obwohl der Logos (bei Steiner: das höchste geistig sittliche Ideal) allen gemein ist, leben die meisten doch so, als ob sie eine eigene Einsicht hätten.“ Zu finden auf Wikipedia ist auch: „Einigen Interpreten zufolge spricht Heraklit der Seele nur in jenem Maße Unsterblichkeit zu, in dem sie sich dem Denken und damit dem Logos zuwendet (Klaus Held: Heraklit und der Anfang von Philosophie und Wissenschaft (Berlin 1980) Seite 431. Setzt man für Unsterblichkeit „Freiheit“, so stimmen die Lehren Heraklits und Steiners im Wesentlichen überein.

3) Manche werden angesichts der Geschichte denken, das sei ein Widerspruch in sich.

4) Im Griechischen Urtext stand sogar anthropos eudokias, also „für Menschen gutes Ansehen“, woraus, (aus Pietät zu Luther?) Lexikologen den passiven „Wohlgefallen“ machten. Es handelte sich aber um das aktiv zu erringende Ergebnis, das Menschen für ihr als von der Gottheit aus gesehenes „wohlgefällige“ Wesen erringen sollten. Das hätte der lateinische Text, den Luther benutzte, allerdings wider gegeben.

© 🦄 (eah) 15. Dezember 1998 und 8. Juli 2020


3 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt 1 Person

  2. n00nE$$0me0ne sagt:

    Worum sollten zwei übereingekommene Wesen auch streiten?

    Um mittels Palaver, Dis-Ḱuss-ION-en zu einem neuen Konsens zu finden, hat jemand neue Interessen, Ideen und Vorhaben.

    Liken

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