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Die Konzept-Falle

Dem Wunsch unseres verehrten Blockwarts folgend, soll hier der Versuch begonnen werden, sich mit dem hochgelobten Buch des Herrn Starkmuth etwas näher zu befassen, ohne daß daraus auch gleich wieder ein Buch wird. Damit ist zwangsläufig eine gewisse Oberflächlichkeit gegenüber dem Buch bedingt, für die von Anfang an um Verständnis gebeten wird.

Allerdings ist bekannt, daß eine Prozeßsicht mir weitaus vernünftiger und logischer erscheint: statt einer (statischen, oft auch „objektiv“ genannten) „Realität“ (von lat. „res“ = das Ding) gibt es da nur Vorgänge, die wir auch nur an ihren Wirkungen erkennen können, welche wir beschreiben können. (daß wir beim Betrachten schon auf die jeweiligen Prozesse einwirken, war ja bereits geklärt worden)
Daraus besteht dann unsere „Wirklichkeit“ – und das ist eine grundsätzlich zu JS verschiedene Sichtweise.
Jeder darf beim Lesen des Buches selbst überlegen, ob und wo in JS’s Texten „real“ durch „wirklich“ und „Realität“ durch „Wirklichkeit“ ersetzt werden kann – und wo nicht. 😉

Wie die (von Thomram ausschließlich positive) Einschätzung „ausfällt“, möge offenbleiben und dieser Beitrag möglichst viele Menschen anregen, sich mit dem Buch in seiner ausführlichen Gänze kritisch auseinanderzusetzen – es lohnt sich auf jeden Fall.
Alle nachfolgenden Seitenangaben beziehen sich auf die 10. Auflage von 2009, ISBN 978-3-00-014593-3.
Also dann.

Zunächst wollen wir uns Teil 1 des Buches, überschrieben „Bauklötze für das Gehirn“, ansehen (von S. 13 bis 120).
Hier wird eingangs ganz hervorragend auf die natürlicherweise entstehende Differenz zwischen der Wirklichkeit und unserer Beschreibung derselben hingewiesen.
Zitat: „Unsere Gewohnheit, die Welt in „Dinge“ einzuteilen, die sich in Begriffen zuordnen lassen, erfordert eine künstliche Trennung zwischen realen Strukturen, die eigentlich miteinander verbunden sind.“

Dazu wird auf S. 21 eine sehr anschauliche Grafik gezeigt, die hier, das freundliche Einverständnis des Herrn JS voraussetzend, gezeigt werden soll, weil sie einfach überzeugt.

welten

Zitat: „Wir verwenden die Sprache zur Beschreibung von Konzepten, für die sie ursprünglich nie gedacht war, und glauben irrtümlich, mit Worten ließen sich grundlegende Wahrheiten beschreiben.“

Einwandfrei. Sprache als Zement für die Modell-Bausteine des Gehirns. Konzepte als unzulängliche Beschreibung der Wirklichkeit. Prima.

Aber: wir neigen oft dazu, die Wirklichkeit durch diese Konzepte (Worte, Begriffe, Theorien) zu ersetzen, d.h. nicht mehr die Wirklichkeit zu betrachten, sondern nur noch die Konzepte, und uns da hinein zu vertiefen – eine Falle, in die wir heutzutage sehr oft hineintappen.
Dies ist die „Konzept-Falle“
, auf die JS nicht explizit hinweist.

Ausgehend von diesen Erkenntnissen, geht es dann weiter zu einigen Grundbegriffen.

Zunächst wird ab S. 27 der Begriff Raum betrachtet – Zitat: „Raum definiert sich durch die Größe und den Abstand der in ihm enthaltenen Gegenstände. Der Raum selbst hat keine wahrnehmbare Natur und ist in diesem Sinne mehr eine Hilfsvorstellung als ein ‚Ding‘.“

An anschaulichen Beispiele wird ausführlich und verständlich die Frage der räumlichen Dimensionen und ihrer Erkennbarkeit behandelt. Dann wird die Zeit betrachtet, und zwar wird sie ebenfalls als Dimension interpretiert.

Und da ist JS wohl schon zum ersten Mal in die „Konzept-Falle“ getappt, denn obwohl er selbst schreibt, daß es so gut wie unmöglich ist, ZEIT präzise zu beschreiben, soll mit dem unscharfen Begriff eine Struktur (Dimension) aufgebaut werden.

Weiter folgt die grundlegende Relativität der Begriffe „Ruhe“ und „Bewegung“, die sich jeweils nur im Vergleich mit einem Bezugssystem bestimmen lassen – sehr anschaulich auf S. 45 mit Zahlen belegt – auch hier auf bb schon ähnlich behandelt.

Dann allerdings, ab S. 51, gerät JS voll in den schulwissenschaftlichen Mainstream – mit dem angeblich mißglückten Michelson-Morley-Experiment zum Äthernachweis und darauffolgend mit einer ausführlichen Darstellung der unbewiesenen Relativitätstheorien, herausposaunt vom Patentamtsangestellten zweiter Klasse, der uns heute meist als genialer Physiker präsentiert wird.
„Raumzeit“ ist plötzlich „Realität“ – trotz der Erkenntnis auf S. 27 und dem Wissen um die ausschließlich theoretische Darlegung.
Auch die sonderbare „mal Teilchen, mal Welle“-Struktur des Lichts und aller sog. Elementarteilchen ruft nicht die Frage nach einer einheitlichen Lösung hervor, sondern verbleibt bei der Beschreibung der „üblichen“ Widersprüche.
Und damit voll in der Konzept-Falle, wo mit unzulänglichen Beschreibungen der Wirklichkeit versucht wird, eine Systematik einzuführen, die so einfach nicht „funktioniert“.

Der ständige bb-Leser kennt bereits den Begriff „Experiment“, das stets nur das „nachweisen“ kann, was die Voraussetzungen, die zugrundeliegende Theorie oder Vermutung, der Versuchsaufbau und die verwendete Meßtechnik vorher schon eingegrenzt haben.
Wirklich neue, von der dem Versuchsaufbau zugrunde liegenden Theorie abweichende Erkenntnisse sind bei Experimenten selten und meist durch „Zufall“ genannte „Nebenwirkungen“ des Versuchsaufbaus sowie durch besonders aufmerksame Beobachter bedingt.
Somit hat auch das Michelson-Morley-Experiment nur nachgewiesen, daß die damals vorausgesetzten theoretischen Gedanken zum Ätherwind in dieser Form wohl nicht richtig waren – abgesehen von der möglicherweise unzulänglichen Meßtechnik. Die Schlußfolgerung, es gäbe weder Äther noch Ätherwind, die meist daraus gezogen wurde, ist unzulässig.

Und daß man sich nun schon jahrzehntelang ausschließlich mit diesem einen, in sich widersprüchlichen SRT-/ART-Theoriegebäude (SRT ohne Äther, ART wieder mit „stillschweigend“ vorausgesetztem Äther) auseinanderzusetzen gezwungen ist, wenn man als Physiker anerkannt werden will, läßt auch tief blicken – da kommt man ganz schnell auf den Gedanken, daß da ein bestimmter Sinn und Zweck dahinter steckt – nämlich sowohl von der Wirklichkeit, als auch von anderen, richtigeren (aber unterdrückten) Theorien abzulenken.

Und natürlich auch mit den Menschen etwas zu „machen“: diese allumfassende „Relativität“ führt vor allem dazu, daß Materie, Raum und Zeit zu verschwommenen Vorstellungen werden – und eine Sehnsucht nach festen, unveränderlichen „Dingen“ („Realität“) hervorrufen. 😉

Die Unvereinbarkeit von Wellen- und Teilchen-Eigenschaften läßt sich ganz prima lösen, indem die Materie als Prozeß aufgefaßt wird, bei welchem alles, was uns „fest“ und „dauerhaft“ erscheint, eben nur dadurch gekennzeichnet ist, daß der Vorgang ein extrem langsamer (in „unseren“ gewohnten Zeitbegriffen) ist und die ständigen Veränderungen nur in größeren Zeitabständen für uns sichtbar werden (z.B. Verwitterung von Bergen, Rosten von Stahl).
Das tut aber dem Prozeßcharakter von allem, was „ist“, keinen Abbruch – jeder Vorgang hat seine Dauer – von Piko- oder Femto-Sekunden (auch heutzutage kaum meßbar) bis hin zu Jahrmilliarden (auch heutzutage kaum vorstellbar) …

Und gemäß Klaus Volkamers Forschungsergebnissen bestehen neben unserer grobstofflichen Welt noch (mindestens) zwei parallele feinstoffliche Welten, mit unterschiedlichen Vorzeichen, die für den Auf- und Abbau unserer grobstofflichen Materie verantwortlich sind.
Sie sind es, aus denen ständig neu die Prozesse hervortreten, die wir als „Teilchen“ oder „Wellen“ oder „Felder“ wahrnehmen (= als wahr annehmen) – das sind alles auch wieder Konzepte, mit denen wir Wirkungen zu erklären versuchen.
Und je nachdem, welche Seite eines Vorganges gerade das „Übergewicht“ hat, sehen wir Aufbau oder Abbau, Entstehung oder Zerfall von dem, was wir dann als Materie, Stoff oder Energie (ebenfalls Konzepte) bezeichnen.
Man könnte verallgemeinernd sagen, daß immer, wenn wir etwas nicht präzise erklären können, wir in Konzepten feststecken, welche uns eine klare Sicht auf die wirklichen Dinge verdecken.

Wie widersprüchliche Interpretationen trotzdem zu richtigen Erkenntnissen führen können – die Wirklichkeit setzt sich offensichtlich immer irgendwann durch -, zeigt JS dann auf S. 92 – denn aus der „hochwissenschaftlich“ Unschärferelation genannten, uns längst bekannten Grundregel, daß wir bei einer Messung stets auf das Meßergebnis einwirken und jede Messung immer nur mit einer begrenzten Genauigkeit durchgeführt werden kann, ergibt sich die richtige Schlußfolgerung – Zitat:

„Es ist prinzipiell unmöglich, etwas zu beobachten, ohne es dadurch zu verändern. Im subatomaren Bereich wirken sich diese Veränderungen spürbar auf das Beobachtungsergbenis aus.“

Auch hier schient JS wieder in der Konzept-Falle zu stecken, denn die kosmische Grundregel „Wie im Kleinen, so im Großen“ wirkt, und wenn wir nur deshalb, weil die Zeitabstände, in denen die Wirkungen der Veränderungen zutage treten, im „Kleinen“ für uns gleich meßbar sind und im „Großen“ wir diese wahrscheinlich einfach nicht überblicken, gleich daraus folgern, daß diese nur im subatomaren Bereich auch auftreten, dann ist genau das der Fall: wir versuchen, durch unser Konzept die Wirklichkeit zu ersetzen.

Die Betrachtungen über ein Multiversum, den Doppelspaltversuch und die Unschärferelation werden dann noch fortgesetzt – sehr interessant, aber wie gesagt von Grundlagen ausgehend, die sehr zweifelhaft sind.

Ganz am Ende der ersten Teils zieht sich JS dann auf einen „persönlichen“ Standpunkt zurück, der zwischen virtueller und erlebter Wirklichkeit zu unterschieden versucht – offensichtlich hat ihm da ein ungutes Gefühl geraten, das Glatteis der Schulwissenschaft, gespickt mit Konzept-Fallen, auf diese Weise wieder zu verlassen – zumal er im zweiten Teil dann deutlich in eine andere Richtung unterwegs sein wird.

Soviel für heute – ich hoffe, einige Anregungen gegeben zu haben, und schließe nun mit dem Standard-Schlußsatz des beliebten Youtube-Autors conrebbi (der übrigens nicht mit Jo Conrad identisch ist):
„Ich wünsch euch alles Gute und – gehabt euch wohl.“ 😉


6 Kommentare

  1. thomram sagt:

    Weil ich, um zu blockern, immer noch innem Netzkaffee notduerftig mich bewege und weil anspruchsvoller Text auf dem miesen Bueldschuerm einfach schei33e zu lesen ist, habe ich mir die Seite ausgedruckt und werde zuhause genuesslich lesen, was unser Lucky am Buchinhalt beanstandet.
    🙂

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  2. Ohnweg sagt:

    In kleinsten Bereichen verlaufen Bewegungen schneller. (Einwirbelung). Damit wird die Schulphysik nicht fertig. Der Beobachter sieht Teilchen und Wellen. Eben die Schöpfung in ihrem Ursprung. Und Zeit ist Bewegung und hat keine eigene Dimension. Sie ist nicht Ursache sondern Begleitserscheinung.

    Betrachte das Universum als eine einzige „Wirbelkonstruktion“ mit Sog in das unendlich Kleine und Ausformung in das unendlich Grosse“ und dann wird dir klar, dass das Universum Trichterförmig ist. Je grösser der Trichterumfang, desto geringer die Geschwindigkeit und die Zeit verläuft scheinbar langsamer. Und je kleiner der Trichterumfang umso schneller bewegt er sich und die Zeit verläuft scheinbar schneller. Das Spülwasser im Ausguss gibt dir ein bildliches Beispiel davon. Und dann denke dir eine Kraft (Gott) dazu der das Spülwasser auffängt und dann das Wasser wieder von Oben in das Spülbecken eingiesst. Es scheint ein Perpetuum Mobile zu sein. Ist es aber nicht, denn Gott hält den Kreislauf am Bewegen. Die schöpferische Kraft eben. Nenne es von mir aus Bewusstsein.

    Und jetzt, ihr Rechenkünstler, habt ihr neues Brot um das ganze in Zahlen zu verkleiden. Vergesst aber die Geometrie als Ordnungsfaktor nicht.

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  3. Vollidiot sagt:

    Bassd scho.
    Und der inferiore Gott schbrach: daß zum Zwecke Spülwasser fließe und in den Ausguß sich ergieße.
    Schbäder kam der superiore Gott und meinete: ja schbinnsch jetzd du Depp, sieh zu, daß das Wasser sich in die Ecke stellt.
    Schmollend tats der Kleine und es entstand ein Pralaya.
    Das nennt sich Arbeitsteilig.
    Genauso werden die Rhytmusse durchgeführt: Bewegung und Verharren.
    Das schafft ein Gott nicht, starkes Argument gegen den Monotheismus.

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  4. Garten-Amsel sagt:

    😉
    *DANKE!*

    „WIR“ sind „des Wegs“ …

    Hach… ich lach mich fast „weg“… auf diesem Nach-Denk-„WEG“ … 😀

    Fast alle befinden sich in der „An-Betungs“ – „An-Er-Kennung“ von „BERG-Höhen“ …
    Nur ein „Auf-der-Höhe-Seiendes“ darf „an-erkannter-maßen“(von WEM ?!?) auch dort ver-(-?-)bleiben und zu(m) „Ruhm“ gelangen …
    und alles andere zu seinen Füßen unter ihm beugt sich und betet den Berg-Gipfel an … und das Teilchen auf seiner Spitze… auch, wenn es keiner je er-reichen und an-fassen konnte…
    DARUM
    – mußte man es ja auch an-beten … –
    denn „ES“ war (oder hat sich) einfach „höher“-gestellt

    Oh, das Sand-Männchen bellt … 😉

    und zu Wasser-Gewordenes fließt den Da-Seins-Berg hinab… und wird mit seiner Inhalts-Reiche zu neuer All-Kraft … 😉
    Laß es fließen und sich sanft zu Deinen und meinen Füßen ergießen, auf daß diese ausgedörrte Erde endlich wieder Frucht-bringend werde!… 😉

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  5. Ohnweg sagt:

    Zu obigem Ko. von mir:
    Um das erträumte Atommodell von Niels Bohr wurde die ganze Atomphysik aufgebaut. Nachweis von Atomen und Elektronen wurden noch nicht erbracht. Nur eben irgendwelche daraus ausbaldowerten Theorien. Kernkraft oder Bindekraft von geometrischen Feldern? Das ist hier die Frage. Ich habe wenigsten im Wachzustand mein Weltbild zusammengeschustert. Na und? Brot für die Mathematiker ist es allemal. Denn berechnen lässt sich auch das Husten einer Ameise wenn man die Parameter kennt. Aber was das Hüsteln verursacht dürfte schwierig zu berechnen sein.

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  6. […] da haben wir uns schon wieder selbst in der Konzept-Falle gefangen, denn solange wir WOLLEN, daß diese Surrogate des Geldes funktionieren, […]

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