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Vom Werten und Bewerten

von Angela, 09.07.2019

Wäre das nicht wundervoll?  Alle Menschen und  jede Situation so sein lassen, wie sie sind, sie nicht zu bewerten, was wäre das für eine Befreiung! Ein spiritueller Mensch nimmt die Welt urteilsfrei und  stets völlig in liebendem Geiste wahr! 

In dieser Form könnte ein spiritueller Glaubenssatz lauten, der schon manchen Esoteriker infolge seine Unvermögens, dem zu entsprechen, zur Verzweiflung gebracht hat. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Wir werten und bewerten ständig und meist denken wir überhaupt nicht darüber nach. Manchmal ver-urteilen wir sogar. Verurteilen bedeutet, zu sagen, dies oder jenes sei schlecht und gehört abgeschafft zu werden.

Wenn wir etwas bewerten, bedeutet das, etwas den eigenen Werten nach einzuordnen. Der Konflikt entsteht, wenn jemand seinen eigenen Werten entsprechend handelt, wir aber nicht damit übereinstimmen.

In dem Fall wird die eigene Stellungnahme schnell als ein Verurteilen abgestempelt.

Das kann es sein, aber genausogut kann es sich um  Unterscheidungsvermögen handeln. In dem Fall sehen wir die Situation mit wachen Augen , bezeichnen sie nicht als gut oder schlecht, bevorzugen jedoch etwas anderes. Darin liegt noch keine Verurteilung.

Ich denke, wir alle haben das Recht zu werten und dann zu entscheiden: Was tut mir gut, wie möchte ich leben, mit welchen Menschen möchte ich in Kontakt treten? Dabei ist es ganz wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass wir immer nur aus unserer subjektiven Perspektive heraus werten. Andere Menschen haben andere Werte und dafür ihre guten Gründe, Überzeugungen und Erfahrungen.

Wer sich selbst beobachtet, wird feststellen, dass Bewertungen und Urteile die ganze Zeit passieren. In vielen Fällen laufen diese unbewusst ab. Wir werden von irgend etwas getriggert und noch bevor die äußere Realität wirklich wahrgenommen wird, stülpt sich schon ein Vorurteil über unsere Wahrnehmung. Dadurch kann es passieren, dass wir die durch unsere Emotionen getrübte Wahrnehmung für die tatsächliche Realität halten, und das ist natürlich problematisch.

Unsere Bewertung ist immer rein subjektiv und kann niemals die ganze Wahrheit sein. Ein Weg, aus dem Dilemma zu entfliehen, ist , die eigene Bewertung zu registrieren, ihr aber nicht unbedingt zu glauben. Einfach weiter zu beobachten und zu prüfen: Stimmt das auch, was ich da behaupte oder kann man es auch anders sehen ? ….

Wertungen kommen aus dem ordnenden Verstand. Seine Aufgabe ist es, zu möglichst klaren Urteilen und Bewertungen zu kommen um korrekte Entscheidungen zu ermöglichen. Ist etwas gut oder abträglich für uns? Fühlt sich etwas stimmig an? Unser Alltag ist ohne  Einschätzung und Unterscheidung kaum zu meistern.

Manche Menschen haben solche Angst vor dem Bewerten und Beurteilen, dass sie sich gar nicht mehr trauen, eine Position zu beziehen. Aber ist wirklich alles gleich wahr und richtig? Der Folterer dasselbe wie der Sozialarbeiter?  Zur Unterscheidungsfähigkeit ist der Verstand uns eine große Hilfe, vor allem bei dem, was wir für uns selbst bevorzugen oder ablehnen.

Wer den Verstand  in diesen Dingen nicht benutzt, begeht m.E. einen großen Fehler. Gerade im Bereich der Esoterik wäre es gut, mehr auf ihn zurückzugreifen und vieles zu prüfen und zu durchdenken. Es würde auch der Esoterik gut tun, dann erschiene sie nicht immer unglaubwürdiger mit ständig neuen Ankündigungen, die dann nie eintreffen.

Dem Verstand gegenüber wird immer das Herz gesetzt. Aus dem Herzen heraus zu handeln ist das größte Ideal. Und ich will das auch  nicht abstreiten.

Doch da gibt es eine Falle: Meist wird nämlich nicht auf das Herz, sondern auf die Emotionen gehört. Wie das vonstatten geht, habe ich im vorigen Artikel versucht, zu erläutern. „Die „Falle“ besteht auch darin, dass viele Menschen emotional nicht die Verantwortung für ihre Reaktionen übernehmen wollen. Sie glauben, angemessen zu reagieren, wiederholen jedoch nur alte Muster. Aber dann erleben sie die gleichen Zustände immer wieder, sie entwickeln sich nicht weiter. Inspiration fehlt und sie kommen gar nicht darauf , etwas anderes sein zu können als das bloße Produkt der chemischen Stoffe im physischen Körper. Sie leben ihr genetisches Schicksal aus und drehen sich dabei im Kreis.“

„Alles ist gleichwertig, nichts ist gut oder schlecht“ …..  das stimmt von einer hohen Warte, der Ebene der Meister und Weisen aus.

Aber wie ist es bei uns? Ist das auf unserer Ebene wirklich so? Wenn wir nicht mehr unterscheiden, bevorzugen und werten wollen, spricht da unser Herz oder handelt es sich um ein spirituelles Konzept?

Wenn jemand aus dem Herzen heraus handelt und denkt, unterscheidet er jenseits von logischen Argumenten, aber auch jenseits von Emotionen, er agiert aus der viel tieferen Gefühls-Ebene heraus und trifft seine authentischen Entscheidungen.

Dem werden die meisten Menschen noch nicht entsprechen können. Bis dahin wäre es vielleicht gut, die Dinge auch mal ganz logisch und kritisch zu hinterfragen, denn ohne Wertung gibt es keine Entwicklung zu dem, was uns gut tut und was nicht.

Angela


11 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. Haben wir es geschafft,
    das Gerümpel, welches der Verstand seit Äonen
    versucht in unserem Herz zu verankern,
    wieder heraus zu schmeißen, dann …

    kann ein „gutgeführter“ Verstand dem Herz helfen,
    seine Essenz zu verströmen.
    Ansonsten würden wir doch wieder unser Potenzial beschneiden.

    Dem Geist einen „Landeplatz“ bauend,
    Raffa.

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  3. eckehardnyk sagt:

    Durch unser Denken können und müssen wir Wahrgenommenes beurteilen. Das bloße Wahrnehmen lässt die Dinge der Welt, in der wir leben, unterscheidungslos vorüberziehen. Durch das Denken, das bereits übersinnlich stattfindet, haben wir als Menschen zu den Eigenschaften der Dinge, aber wir können sie auch als Vorstellung abbilden und erinnern. Die Vorstellung des Eiffelturms ist bereits eine übersinnlich durch das Denken wahrgenommene Tatsache.
    Etwas anderes ist es, den Eiffelturm „gut“ zu finden oder seinen Abriss zu fördern (so geschehen nach der Pariser Weltausstellung).
    Hier kommt das Persönliche ins Spiel, das von der Bewertung bis zur Verurteilung führen kann.
    Wem es Spaß macht, sich hier weiter und sicher zu bilden, lese die kleine Schrift „Wahrheit und Wissenschaft“ oder gleich die „Philosophie der Freiheit“ von Steiner, denn hier wurde dieses Thema vor über hundert Jahren restlos geklärt.

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  4. arnomakari sagt:

    Viele Menschen tragen ein Rucksack , aber sie vergessen den Ruckack immer wieder zu leeren, und so wird die Last immer schwerer bis sie es nicht mehr schaffen , und dann zusammenbrechen , es ist doch so einfach den Rucksack einfach zu leeren , und alles alte wegzuwerfen ….

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  5. Mujo sagt:

    @Angela

    “ Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Wir werten und bewerten ständig und meist denken wir überhaupt nicht darüber nach. Manchmal ver-urteilen wir sogar. Verurteilen bedeutet, zu sagen, dies oder jenes sei schlecht und gehört abgeschafft zu werden.“

    Ertappt, passiert mir auch immer wieder. Wenn auch weniger geworden ist weil ein Ursache und Wirkung mehr vertraut ist und die Konsequenzen darauf ne Menge mehr Arbeit bedeutet als wenn man es gleich Richtig macht.
    Es heißt ja schon das Sprichwort, wer verurteilt nimmt Teil.

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  6. palina sagt:

    @eckehardnyk
    „Hier kommt das Persönliche ins Spiel, das von der Bewertung bis zur Verurteilung führen kann.
    Wem es Spaß macht, sich hier weiter und sicher zu bilden, lese die kleine Schrift „Wahrheit und Wissenschaft“ oder gleich die „Philosophie der Freiheit“ von Steiner, denn hier wurde dieses Thema vor über hundert Jahren restlos geklärt.“

    Interessiert leider fast niemand was Steiner gesagt hat. Das ist mit Denken verbunden. Und das ist sehr schwer.
    Lieber sich den Ahrimanischen Kräften oder den Luziferischen Kräften zuwenden. Ist einfacher.

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  7. Hugin sagt:

    Es gibt noch ein deutsches Wort, welches zur Klärung beiträgt: Abwertung. Wenn man abwertet, verurteilt man. Dabei gibt es natürlich Zustände, die man nicht tolerieren kann. Aber man kann sie als Tatsache akzeptieren. Erst die Anerkennung ermöglicht dann auch das Entfernen solcher inhumanen Zustände. Toleranz verschleiert sie und lähmt jede Handlung.

    Und noch einmal: Emotionen sind nicht „das bloße Produkt der chemischen Stoffe im physischen Körper“. Ohne die Berücksichtigung von Emotionen ist der Verstand behindert, wie man leicht an vielen intellektuellen Entscheidungen erkennen kann. Und ohne Verstand sind auch rein emotionale Entscheidungen behindert, was z.B. am Down Syndrom klar zutage tritt. Jedenfalls gibt es keinen Grund, die Emotionen abzuwerten!

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  8. Hugin sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis auf Rudolf Steiner. Hier gibt es das Buch als Pdf:
    http://anthroposophie.byu.edu/schriften/004.pdf

    Gefällt 2 Personen

  9. Vollidiot sagt:

    Palina

    „Interessiert leider fast niemand was Steiner gesagt hat. Das ist mit Denken verbunden.“

    Steiner lesen und in sich aufnehmen ist dem heutigen Konsumistenmenschen nicht mehr zuzumuten.
    Das haben auch nicht wenige Anthros entdeckt, die tatendurstig daran gehen Steiner als anstrengenden Autor zu entwerten und obsolet zu machen und dafür nachsteinersche Substitute in Umlauf bringen und empfehlen.
    Diese sind ohne Zweifel leichter zu inhalieren.
    So wie man gerne mal ein Pfüfli raucht.
    In der Tat, dieses anstrengende Denken, dieses Gefühl Hirnschmalz zu verbraten, plagt den heutigen Menschen über die Maßen (net Massen!!).
    Das Denken ist des Menschen Zier,
    doch leichter geht es ohne ihr.

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  10. Vollidiot sagt:

    Hugin 16:30

    Danke für den geistigen Zustupf.
    (Fürs Einstellen)
    Jetzt kann sich niemand mehr herausreden……………………..

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  11. Angela sagt:

    @ Palina und Vollidiot

    Zitat Palina: “ ….. lese die kleine Schrift „Wahrheit und Wissenschaft“ oder gleich die „Philosophie der Freiheit“ von Steiner, denn hier wurde dieses Thema vor über hundert Jahren restlos geklärt.“ Interessiert leider fast niemand was Steiner gesagt hat. Das ist mit Denken verbunden. Und das ist sehr schwer…..“

    Zitat: „… Vollidiot Steiner lesen und in sich aufnehmen ist dem heutigen Konsumistenmenschen nicht mehr zuzumuten….“

    Ich habe in meiner Jugend in Berlin mehrere Vorträge der Anthroposophischen Gesellschaft gehört und auch das Buch „Wie erlange ich Erkenntnisse der höheren Welten“ aufmerksam gelesen. Das Buch gefiel mir damals gut, eines unter vielen Büchern, die ich sehr interessant fand! So habe ich auch Alice Bailey und H. Blavatsky gelesen und Erkenntnisse daraus gewonnen.

    Ich will auch keinesfalls Rudolf Steiners Erkenntnisse und Taten schmälern.

    Doch das ELITÄRE Sendungsbewusstsein seiner Anhänger, welches ich damals beobachtete, klingt, – so meine ich, auch hier im Blog etwas an. Das „Thema vor über 100 Jahren restlos geklärt“ ? “ Mit Denken verbunden, und das ist sehr schwer“ ?

    Jeder von uns hat seine Quellen der Erkenntnis, die von außen kommen. Das wäre genauso, als würde ich ständig die Lehrreden Buddhas zitieren und behaupten, dass einfach ALLES in ihnen enthalten ist. Und auch da muss man „denken“. Oder nicht?
    Und so gibt es noch SO viele Weisheitslehrer,jeder zieht das, was er gerade benötigt, aus den Lehren heraus. Ausschließlichkeitsdenken ist meiner Ansicht nach hier keineswegs am Platze. „GEISTES-Wissenschaften“ gibt es viele, der GEIST ist m.E. nicht beschränkt auf EINE Lehre.

    Lg A n g e la

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