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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE 48. von 144 Horch was kommt

von drinnen her, von draußen rein!

Eckehardnyk

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Rätselhaft ist das Hirn. Der Gehirnspezialist gehört zwar zu einem eigenen Fachbereich innerhalb der Medizin und die Gehirnchirurgie hat bedeutende Erfolge bei der Reparatur beschädigter Hirne errungen, aber noch immer thront sinngemäß der Ausspruch des großen Berliner Pathologen Rudolf Virchow[1] über allen Wipfeln, er habe eine Unzahl von Gehirnen präpariert, doch nie eine Seele gefunden.

2

Für eine große Zahl von damaligen und noch heutigen Zeitgenossen ist diese Aussage immer noch ein „Beweis“ dafür, daß es eine Seele mit eigener, körperunabhängiger Existenz nicht gebe. Dabei haben die Leute, die nach Beweisen suchen, durchaus Recht: Es gibt keine Beweise für Seele, Geist und Gott. Und es wird trotz aller theologischen Rechthaberei auch keinen Beweis geben können.

3

Man müßte sonst nach den Experimentvorschriften der Naturwissenschaft den bewiesenen Sachverhalt wiederholen können; wie wollen wir das anstellen? Wir müßten einen Menschen sterben lassen, indem wir seine Seele “isolieren“ und wieder zum Leben erwecken, indem wir dem unbelebten Körper dieselbe Seele wieder zuführen. Das würde allerdings als erfolgreiche „Wiederbelebung“ gelten mit dem Zusatz: Der Patient war klinisch noch nicht tot. Streng genommen wäre solch ein Wiederbelebter gar nicht die rechtlich einwandfreie Fortsetzung des nur klinisch nicht Gestorbenen. Nur durch seine Erinnerung und durch die körperlich vorübergehend für „leblos“  gehaltene Identität wird die Einheit der Persönlichkeit anerkannt, nicht bewiesen. Dasselbe gilt auch für Schlafende, deren Identität durch die Ruhe des Bewusstseins nicht als ausgelöscht angesehen wird. Ein Chaos würde über die Gesellschaft hereinbrechen, wenn jeder nach jeglicher Bewusstseinsveränderung wie Schlaf, Träume, Trance und Koma nachweisen müßte, daß er oder sie noch dieselbe Person sei, wie vor dem Bewusstseinsschwund.

4

Während du das gelesen hast, ist mit dir etwas vorgegangen. Halte diesen Eindruck gut fest. Du hast ihn von einer Idee bekommen oder du bist auf eine Idee gekommen. Aber woher stammt diese? So genau wie du wissen kannst, daß du Du bist und das erlebst, was du erfährst, so genau kannst du wissen, daß die Idee, die dir eben kam, nicht von deinem Hirn stammt. Dein Hirn war dabei, als du die Idee hattest, es war sogar beteiligt; aber nicht so, wie Gehirnspezialisten es gern hätten, denn dein Gehirn ist selbst nicht Produzent, sondern Empfänger.

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Du wirst wissen wollen, warum das für die Entwicklung und Begleitung von Kindern wichtig sei. Das Kind verfügt über ein Hirn, das genau wie es selbst im Wachsen ist. Während dieses Wachstums sammelt das Hirn unzählige Eindrücke, die mit dem Denken in Begriffe verwandelt werden. Insofern wir Denken als Gehirnfunktion ansehen, ist das Gehirn auch ein Sender. Es sendet Begriffe über das vom Hirn beziehungsweise den Sinnesorganen aufgefangene Wahrgenommene. Die Begriffsbildung ist genau so wenig nachweisbar wie jede andere Fähigkeit der Seele, da die Seele selbst nicht nachweisbar ist. Bei der Kindesentwicklung kommt es nun darauf an, dass die Bewusstseinsbildung mit der körperlichen Entwicklung harmonisch einhergeht.

6

Das Bewusstsein, auch eine unnachweisliche, existenziell begründete Tatsache, wirkt als der große Kollektor aller Daseinseindrücke. Die Aufnahmefähigkeit dieses „Sammlers“ von Eindrücken wird durch Begriffe geordnet. Man nennt dies auch „Lernen“. Halten Lernergebnisse im Bewusstsein den vom Hirn aufgenommenen Ideen an Größe nicht stand, gehen sie, die Ideen, unbegriffen vorüber. Man merkt es nicht einmal. Deshalb sagt man ja auch auf Süddeutsch, „wenn Dummheit weh tät, tätscht bloß noch schreie.“

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Mit deinem Hirn bist du der große Horcher im All der Ideen. Egal, was die Naturwissenschaft zu dieser Auffassung sagt, sie ist hier nicht zuständig. Du kannst und solltest wissen, worauf mit aller Macht des eigenen Denkvermögens zu horchen ist.[2] Du brauchst dir nicht zu beweisen, daß du Begriffe bilden kannst, mit denen du Ideen aufnimmst – Du tust es. Begriffe sind wie links auf einer website.[3]


[1] Auch Anthropologe, 1821-1902.

[2] In  „Abenteuer Erziehung“ heißt es dazu: „Alzheimer und ähnlich gelagerte Mangelerscheinungen können über eine individuelle Krankheit hinaus in Hinsicht auf den durch das Denkvermögen eingefangenen Geist den pathologischen Befund einer Gesellschaft darstellen; was in dieser dann als ‚normal‘ gilt.“ (Seite 119)

[3] „Abenteuer Erziehung“ beendet diesen Abschnitt auf Seite 120 folgendermaßen: „Sie werden bemerken, dass Sie sich in einer Korrespondenz befinden zwischen Innen und Außen. Je mehr Begriffe Sie innerlich bilden, desto reicher wird Ihre Außenwahrnehmung und umgekehrt: Je aufmerksamer und vollständiger Sie die Welt außen mit Bewusstsein begleiten, desto mehr Begriffe werden Sie innerlich dazu finden. Ihr Kind zumindest lebt ständig in solch einem Prozess!“ … und dieser Prozess sollte dem Kind den „selbst“-verständlichen Eintritt ins Leben ermöglichen.


1 Kommentar

  1. Mujo sagt:

    @Eckehardnyk

    „Für eine große Zahl von damaligen und noch heutigen Zeitgenossen ist diese Aussage immer noch ein „Beweis“ dafür, daß es eine Seele mit eigener, körperunabhängiger Existenz nicht gebe. Dabei haben die Leute, die nach Beweisen suchen, durchaus Recht: Es gibt keine Beweise für Seele, Geist und Gott. Und es wird trotz aller theologischen Rechthaberei auch keinen Beweis geben können.“

    Sehe ich nicht so.
    Die Wissenschaft wird allein nur dadurch Begründet das es messbar ist. Und das setzt vorraus das es Mechanismen, berrechnungen, Formeln oder Instrumente gibt die es verifizieren können und repoduzierbar ist.

    Nun gibt es für Seele oder Gott bisher keine (anerkannten) Messinstrumente die dies können. Und bis dahin scheinbar gibt es dies nicht !
    Lediglich die Gewichtsveränderung wurde einmal nach dem Tote Festgestellt, und so vermuten man es sei das Gewicht der Seele !

    .https://www.beobachter.ch/gesellschaft/einzigartiges-experiment-wie-viel-wiegt-die-seele

    Liken

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