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Unbekannter Beschuß des „Weißen Hauses“

Nöö, nicht was ihr denkt – es geht nicht um das Weiße Haus im „District of Columbia“ der Stadt Washington, üblicherweise „Washington, D.C.“ genannt.
Nein, dieses „Weiße Haus“ steht in Moskau, und es war zum Zeitpunkt des Beschusses der Sitz des Parlaments der UdSSR, des Obersten Rates (Verchownyj Sovjet SSSR bzw. später RSFSR).
Heute ist es Sitz der russischen Regierung.

Wir hatten uns mit den Ereignissen davor, dem Erleben, den Hintergründen und den Folgen der Umgestaltung in der UdSSR, der Perestrojka, die letztlich zum Zerfall der Großmacht führte, bereits beschäftigt, ebenso mit Erscheinungen danach.
Im Folgenden soll es nun um
die unmittelbaren Putsch-Vorgänge gehen – ich wette, daß das meiste davon unbekannt ist…
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 13. Juni 2017
(Links und Kommentare wie immer von uns hinzugefügt)
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Wozu brauchte Jelzin den Beschuß des Weißen Hauses?
Davon wird im Jelzin-Center nichts erzählt

11. Juni 2017

Im Oktober 1993 fand in unserem Land etwas statt, was danach verschieden bezeichnet wurde: eine Meuterei, ein Putsch, der „Schwarze Oktober“… viele Worte.
Leere und sinnlose.
Denn das Wesen ist klar: im Herbst 1993 fand in Rußland ein blutiger Staatsstreich, ein Umsturz, statt, für den keiner der Schuldigen bis heute, nicht mal moralisch, sich zu verantworten brauchte.

Зачем Ельцину нужен был расстрел Белого дома? Об этом не рассказывают в Ельцин-центре

Die Rede ist von den Ereignisse in der Zeit vom 21. September bis zum 5. Oktober 1993. Viele Leute fragen sich bis heute: warum?
Denn es wäre nicht nur zu umgehen gewesen, es hätte das gar nicht beginnen brauchen.
Aber irgendwer hat jenen Konflikt zwischen den Machtbereichen nachdrücklich angeheizt. Wer wohl?

Diese Frage habe ich dem bekannten russischen Politiker Sergej Baburin, Abgeordneter des Obersten Rates – des höchsten (vom Volk direkt gewählten – d.Ü.) parlamentarischen Organs Rußlands in den 1990er Jahren – und unmittelbarer Teilnehmer jener blutigen Ereignisse, der beinahe auch deren Opfer geworden wäre, gestellt.
Und er hat folgendes gesagt:

Das war offensichtlich: Jelzin brauchte keinen Bürgerfrieden. Der war nicht nötig.
Aus einem einfachen Grunde: er wollte die Macht. Die absolute Macht.
Und die ihn Umgebenden wollten die Freiheit, soviel zu stehlen, wie sie wollten. Und sie wollten das stark.
Das Parlament hat da gestört. Und so beschlossen sie einfach, es zu beseitigen.
Aus dem Kreml kam damals eine Provokation nach der anderen. Eine Frechheit nach der anderen. Schon im Mai hatte Jelzin offen verkündet, daß er mit dem Obersten Rat „alles klarstellen“ wolle (auch im Russischen sehr zweideutig und bedrohlich – d.Ü.), und daß er mit der Artillerievorbereitung beginnen werde.

In der Praxis bedeutete das Ströme von Dreck auf allen Kanälen des (damals noch vollständig staatlichen) Fernsehens, eine massenhafte Gehirnwäsche und die Eruption einer derart ungeheuer abscheulichen Propaganda, daß mir persönlich bis heute davon schlecht ist.
Weder davor noch danach habe ich jemals wieder soetwas gesehen. Die von der Zensur befreiten Massenmedien des Sowjetformats, die käuflichen Politologen und sonstige „freidenkende“ Bürger demonstrierten ein Pröbchen einer dämo-schizoiden Propaganda, die als „demokratisch“ zu bezeichnen sich die Zunge sträubt.
Übrigens stellen sich viele dieser jelzinschen Apologeten auch heute noch als „Gewissen der Nation“ dar, sind Mitglieder der Gesellschaftskammer der RF, belehren uns, wie wir richtig leben und die Bürgergesellschaft aufzubauen haben…“

Jelzin hatte Angst vor der Armee. Damals fürchtete er sie noch. Und er war nicht überzeugt, daß sie im entscheidenden Moment den Befehl ausführen wird.
Deshalb hat er
a) sich vor allem auf die Truppen des Innenministeriums gestützt, und
b) ausländische Söldner herangeholt.
Diese letzteren sind die interessantesten.
Kennt ihr das Wort „Bejtar“?
Ich erkläre es: „Bejtar“ (Josef-Trumpeldor-Verein) ist eine zionistische halbterroristische Organisation, die 1923 in Riga gegründet wurde (Gründer war Ze’ev Jabotinskij).
In der Praxis befassen sie sich mit politischem Terror.

Nach der offiziellen Version begann die erste Schießerei bei(m Fernsehzentrum in) Ostankino um sieben Uhr abends.
In Wirklichkeit, so bezeugen es die Teilnehmer dieser Ereignisse, die jener schonungslosen Niederknüppelung durch die Jelzin ergebenen Kräfte unterzogen wurden, begannen die ersten Erschießungen der Demonstranten um 15.30 Uhr beim Bürgermeisteramt (für Moskau-Kenner: das war damals das „aufgeschlagene Buch“, das ehemalige RGW-Gebäude – d.Ü.). Die Menschen, die sich zu einem Meeting am Paradeeingang des Weißen Hauses zusammengefunden hatten, wurden mit Maschinengewehrfeuer aus den Fenstern der Luzhkow-Verwaltung und Sturmgewehrfeuer von einem Flügel bedacht.
Praktisch sogleich danach, gegen 15.45 Uhr, wurde auf die Leute, die sich beim 20. Zugang zum Weißen Haus versammelt hatten, das Maschinengewehrfeuer aus den Fenstern des Hotels „Mir“ (dort befand sich der Stab der Hauptverwaltung des Innenministeriums /HVIM/ und der Militäreinheit Nr. 3111) eröffnet. Es wurden 7 Menschen getötet.
Hier sind die Namen derjenigen, die den Befehl gegeben haben, die unbewaffneten Menschen zu beschießen: der Kommandeur der Truppen des Innenministeriums General Kulikow A.S. (später Chef des Innenministeriums und Abgeordneter der Staatsduma) und der Chef der HVIM der Stadt Moskau General Pankratow W.I.

Wißt ihr, wie das Kräfteverhältnis in Ostankino war?
Von Seiten Makaschows: 4000 unbewaffnete Demonstranten, 18 Mann mit Sturmgewehren und einer mit einem Granatwerfer (zum Schutz der Kolonne). Na und noch Makaschow selbst mit einem Sturmgewehr.
(General Makaschow war ein kriegserfahrener General, seine vorherigen Kampfeinsätze in Afghanistan und Berg-Karabach sind – bis auf deren Aufzählung – aus seiner Biografie getilgt – d.Ü.)

Die Frage lautet: was kann man mit solchen Kräften stürmen?

Wie wurde dagegen das Fernsehzentrum geschützt?
Die Augenzeugen berichten: 25 gepanzerte Schützentransporter (BTR) mit Emblemen der Gruppe „Witjas“ und zwischen 500 und 700 Mann mit Sturmgewehren der Dserzhinskij-Division (des Geheimdienstes KGB – d.Ü.). Plus die eigentliche Bewachung.

Konnte der kampferfahrene General Makaschow bei einer solchen Kräftekonstellation seinen Leuten den Befehl zum Angriff geben? (wie die projelzinschen Massenmedien hemmungslos logen)

Das Feuer war überwältigend und kam aus mehreren Richtungen. (hier ab 2:16 min)
Anfangs schossen Maschinengewehre und Sturmgewehre aus den Fenstern der Studios 1 und 3. Fünf Minuten nach Beginn des Beschusses fuhren die Panzerwagen der „Witjas“-Gruppe auf den Platz und schnitten die Fluchtwege ab; sie begannen die unbewaffneten Menschen mit ihren großkalibrigen Turm-Maschinengewehren zu beschießen.
Es wurden alle erschossen.
Es gibt Zeugen, daß ein Leutnant von „Witjas“ den Befehl gab, ein zu Hilfe eilendes Sanitätsfahrzeug der SMH direkt zu beschießen. Dabei starb der Feldscher Schlykow Pawel Alexandrowitsch, Geburts-Jahrgang 1972. Die anderen wurden unterschiedlich schwer verletzt.

Jetzt nochmal zu den offiziellen Angaben. Nach denen starben auf dem Platz vor (dem Fernsehzentrum) Ostankino etwa 40 Menschen.
Erinnern wir uns mal zum Vergleich, wie im Dezember 1989 während der Revolution in Rumänien die Truppen des Ceaucescu genauso aus denselben BTRs die Menge beschossen wurde. Die Opferzahl war damals weit über einigen Hundert.
Kann sich jemand vorstellen, wie die Geschosse aus den Läufen der BTRs herausfliegen? Ein solches Geschoß durchschlägt jede Menge komplett.
(das in den BTRs verbaute 14,5-mm-SMG „KPWT“ ist mit das schwerste Maschinengewehr, das bis dahin gebaut wurde; seine Mündungenergie von 31 kJ übertrifft die leichter Fla-Kanonen; so ein Geschoß des Kalibers 14,5 mm durchschlägt eine Stahlpanzerung aus 20 mm dickem hochfestem Panzerstahl noch auf über 600 m Entfernung; die Wirkung im „Weichziel“, d.h. im Menschen, ist dementsprechend groß – bis zu mehreren Menschen hintereinander werden getötet oder schwerst verletzt, da die Geschoß-„Löcher“ etwa 30 mm Durchmesser haben und es alles zerreißt – d.Ü.)
Das heißt: die offiziellen Angaben (zu den Todesopfern – d.Ü.) sind bewußt bei weitem viel zu gering angesetzt.

Um 5 Uhr morgens am 4. Oktober erließ Jelzin den Befehl Nr. 1578. Gemäß diesem bekam der General Kulikow, der gerade zum Kommandanten der Stadt Moskau ernannt worden war, unbeschränkte Vollmachten.
Was bedeutete das in der Praxis?
Das erratet ihr selbst. In der Stadt waren praktisch alle Gesetze abgeschafft. Die Truppen des Innenministeriums (TdIM) erhielten das Recht zu töten.
Unkontrolliert und unbegrenzt zu töten.
Und sie töteten… Sie töteten, töteten, töteten…

Gegen 6 Uhr früh zogen sich die Verteidiger des Parlaments in das Gebäudes des Weißen Hauses zurück.

Scharfschützen begannen, die Militäreinheiten zu beschießen, die auf Seiten Jelzins standen.
(das erinnert doch fatal an die „unbekannten“ Scharfschützen, die sowohl beim Kiewer Majdan als auch beim „Arabischen Frühling“ in Kairo auf jeweils beiden Seiten die Menschen beschossen hatten, oder? – d.Ü.)
Wozu? Der Jelzin hatte, wie oben schon gesagt, kein Vertrauen zu den Militärs. Und so war beschlossen worden, diese so ein wenig zu stimulieren. Ein paar Offiziere töten und alles auf die „Meuterer“ abwälzen. Dieses Feuer kam von den Dächern der umliegenden Häuser, die schon von Kräften der Hauptverwaltung für Schutz (des Präsidenten – d.Ü.) – HVS – besetzt worden waren und (Achtung!!!) vom Dach der amerikanischen Botschaft!
Auf welchem, nach unterschiedlichen Versionen, schon einige Stunden ein Hubschrauber startbereit stand – für die Rettung Jelzins: für den Fall, daß sein Plan fehlschlug.
(ich kenne persönlich die Lageverhältnisse an dieser Stelle in Moskau sehr genau, da ich mehrfach – vor und nach den Ereignissen – dort im Hotel „Mir“ übernachtet habe und das umliegende Terrain – Weißes Haus, Ami-Botschaftsgelände usw. – bei Morgenspaziergängen ausgiebig belaufen habe; die genannten Fakten passen alle sehr gut zusammen; und es gibt weitere Aussagen von Militärs, welche selbst von den Dächern aus angeschossen wurden und die Standorte der Scharfschützen ausgemacht haben – auch da wurde kein Befehl erteilt, gegen diese Leute vorzugehen… – d.Ü.)

Und nun bringe ich wieder die wichtigsten offiziellen Angaben. Die Anzahl der Getöteten vom 3. – 5. Oktober 1993. Nach dem, was uns das Fernsehen einbläut, waren das 142 bis 147 Menschen.
Laßt uns mal bitte abschätzen, ob das wahr sein kann.
Gegen 7.30 Uhr früh begann der erste Sturmangriff auf das Gebäude (das Weiße Haus).
Das Kräfteverhältnis war so: im Weißen Haus befanden sich etwa 10.000 Menschen. Sie hatten 62 Sturmgewehre, einige Granatwerfer und Flaschen mit Molotow-Cocktails.

Gegen das Weiße Haus waren aufgestellt:
von Seiten des Verteidigungsministeriums: 185 gepanzerte Fahrzeuge, darunter 80 BTRs, 10 Panzer (T-72 und T-80), 60 Luftlandepanzer, 20 Panzerkampfwagen, 15 Luftlandekampfwagen;
von Seiten des Innenministeriums: 61 gepanzerte Fahrzeuge, darunter 26 BTRs, 25 Panzerkampfwagen und 10 Sonderfahrzeuge.

Das macht 4 Panzerfahrzeuge auf ein Sturmgewehr (der Verteidiger).
Und jetzt ist schon genau festgestellt, daß am 4. Oktober von den Proregierungs-Streitkräften 102 Scharfschützengewehre eingesetzt waren.
Außerdem waren zum Zeitpunkt des Beschusses des Parlaments rund um dessen Gebäude etwa 20.000 Soldaten des Verteidigungsministeriums und der Truppen des Innenministeriums zusammengezogen worden. (hier ein ausführliches Video über die Ereignisse; der Angriff ab 1:38:35)

Der Sturmangriff begann ohne jegliche Ankündigung oder Vorwarnung.
Es gab keinerlei Angebote, sich zu ergeben oder Frauen und Kinder aus dem Gebäude zu evakuieren.
Der Beschuß des Gebäudes wurde, mit kurzen Pausen, etwa 10 Stunden lang unter Einsatz aller Arten von Schützenwaffen, Artillerie und Hubschraubern durchgeführt.
Und das zynischste und verhöhnendste war, daß diese wilde blutige Vacchanalie von vielen Fernsehstationen der Welt direkt übertragen wurde, darunter auch in Rußland…

Ja, von was für einem Sturmangriff ist die Rede? Kann man hier das Wort „Sturmangriff“ überhaupt verwenden?
Wäre nicht „Gemetzel“, „Blutbad“, „Massaker“ angebrachter? …
Der Massenmord an den eigenen Bürgern.
Während dieses sogenannten Sturmangriffs auf das Parlamentsgebäude wurden, nach Angaben von Augenzeugen und Bewertung einer Reihe unabhängiger Fachleute, bis zu anderthalb Tausend Menschen umgebracht.
Nach Angaben derselben Quellen starben bei Ostankino bis zu 300 Menschen.

Es gab noch was. Etwas derart schändliches und widerwärtiges, daß es niemals von den jetzigen „Volksdienern“ anerkannt werden wird. Nie deshalb, weil in diesem Falle einige von ihnen durch keinerlei Amnestie zu retten sind.

Ich spreche von den gerichtslosen Erschießungen der gefangengenommenen Landsleute.

Die Zeugen dieser Erschießungen leben noch und können aussagen. Dazu gehören: die Abgeordneten des Obersten Rates S. Baburin, I. Schaschiaschwili, O. Rumjanzew, S. Umalatowa und andere; der Milizoberstleutnant M.W. Ruzkoj (der Bruder des Alexander Ruzkoj) und andere, denen es damals wie durch ein Wunder gelang zu überleben.
Nach deren Zeugnissen gingen die Offiziere der TdIM, der HVS und die Bejtar-Söldner die Reihen der Gefangenen ab und nahmen alle mit, die Pulverspuren an den Händen hatten, sie wurden in unbekannter Richtung davongeführt.
Wobei mehrmals die Bejtar-Leute bald zurückkamen und sagten, daß diese Leute beim Fluchtversuch erschossen wurden.
Die Leichen wurde unter der „buckligen Brücke“ aufgeschichtet.
(nach anderen Quellen wurden die meisten Leichen dann in der Nacht auf Flußbarken verladen und tauchten nie wieder auf; derjenige junge Mann, der diese Aktion organisiert hatte, wurde kurz darauf mit einem Vertrauensposten bei Jelzin belohnt – d.Ü.)

Es gibt einen ganzen Haufen medizinischer Gutachten, die bezeugen, daß diese Leute regelrecht hingerichtet wurden, durch Genickschuß.

Es gibt Angaben über Kämpfer der Dserzhinskij-Division, welche auf die Seite des Obersten Rates übergetreten waren.
Es gab Angaben über größere Militäreinheiten, die dem Parlament zu Hilfe geeilt waren…
Sie alle gibt es nicht mehr.
Während des „Sturmangriffes“ hatten die Angreifer Befehl, alle Leute in Uniform sofort zu erschießen.
Als dann im Fernsehen die Beerdigungen der Dserzhinski-Kämpfer, welche „im Kampf gegen die Meuterer“ gefallen waren, gezeigt wurden, erkannten die Teilnehmer an der Verteidigung des Weißen Hauses in den Särgen jene Offiziere und Soldaten, welche zum Zeitpunkt des Abschlusses der Kampfhandlungen lebend und gesund gewesen waren.
Hier sind die Namen einiger von ihnen: Major Grizjuk S.A., die Soldaten Petrow O.M. und Lobow Ju.W.
Die Bitten an die zuständigen Organe, die Umstände von deren Tod aufzuklären, blieben unbeantwortet.

Später begann die „Reinigung“ der Katakomben unter dem Gebäude. Es gibt Aussagen von Leuten, die von dort entkommen konnten. Demgemäß wurden alle, die sich dort befanden, an Ort und Stelle erschossen.
Einen Teil der Keller setzte man unter Wasser, mit den Menschen darin. Ausgeführt wurde das auf Befehl des neuernannten Kommandanten der Weißen Hauses General Arkadij Baskajew.
Die Leichen wurden im Bunker des Luftschutzkellers aufgestapelt. Später wurden sie durch einen Durchgang zu den U-Bahngleisen abtransportiert.

Nach den Angaben der unabhängigen Nachforschung, die in den Jahren 1994-95 stattfand, liegt die unmittelbare, direkte Verantwortung für die Massenmorde an den Gefangenen bei:

– General der TdIM Romanow (für die ОMON-Spezialeinheit und die zusammengesetzte Kompanie OMSDON);

– den Generälen Ruschajlo und Pankratow sowie dem ehemalige Bürgermeister von Moskau Luzhkow Ju.M. (für die Einheiten der Verwaltung des IM der Stadt Moskau);

– den Generälen Korzhakow und Barsukow (für das Regiment der Präsidentenwache);

– Oberst der Spezialtruppen Kotenjew (verantwortlich für die Bejtar-Söldner).

Mit dem Ergebnis dieser Ermittlungen kann der Leser sich bekannt machen im Buch „Der Bannfluch“ („Anafema“/“Анафема“) des Autors Iwan Iwanow. Dieser Name ist ausgedacht. Soweit ich weiß, waren unter diesem Pseudonym mehrere Leute tätig.
Lest das, Leute! Ich habe hier nicht mal ein Zehntel dessen dargelegt, was dort geschrieben steht.

P.S. Wißt ihr, was mich besonders erschüttert hat?
Die Haltung unserer liberalen Intelligenz. Das Gewissen der Nation, sozusagen.
Einige von ihnen strahlten damals vor Freude. Bulat Okudzhawa
(ein sehr bekannter und beliebter Sowjet-Poet – d.Ü.) hat damals überhaupt gesagt. „Ich habe mich an dieser Show delektiert.“ Danach ist der Schauspieler Gostruchin zu ihm in den Konzert-Auftritt in Minsk gegangen, hat vor versammeltem Publikum dessen Schallplatten zerbrochen und die Teile Okudzhawa an den Kopf geworfen…

http://webnovosti.info/n/50092/

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Ja, da kommt man schon ins Grübeln, auch und gerade als „Kenner des Landes“.
Zumal ich wenige Tage vor diesen Ereignissen noch in Moskau gewesen war…

Vieles kommt erst später ans Licht – solange Verantwortliche noch am Leben sind, wird eine umfassende Aufklärung verhindert, bis heute – alle Putin-Jubel-Fans haben wieder was zu Knabbern…

Daß es etwa 1800 Tote gegeben haben soll, ist auch von seriösen Historikern wie Andrej Fursow bereits mehrfach in seinen Lektionen und Vorträgen genannt worden, und es gibt keinen Grund, an der Größenordnung zu zweifeln – das sind eher noch vorsichtige Angaben, die sich nachweisen lassen.

Vieles konnte in den „wilden 90ern“ auch versteckt werden – die Menschen hatten letztlich andere Sorgen: sie waren mit dem blanken Überleben beschäftigt, in den Jahren der sogenannten Schock-Therapie von Chicagos neoliberalen Gnaden.
Getötete Soldaten und Offziere waren dann eben bei Übungen oder „Sondereinsätzen“ umgekommen, oder man hängte die toten Polizisten der ausufernden Kriminalität in jener Zeit an…
Diese Statistiken waren damals ja noch streng geheim. Und sind es heute wieder…

Nun gab es damals noch nicht diese Verbreitung von Mobilfunkgeräten mit Kamera und auch kaum brauchbare Digitalkameras zum heimlichen Filmen, wie heute.
Man ist also (noch) auf das zensierte Bildmaterial der Massenmedien angewiesen.
Aber ich denke, daß auch das damals gedrehte, aber nicht zum Zeigen zugelassene Bildmaterial mal öffentlich wird und weitere Schlußfolgerungen gezogen werden können.
LH


5 Kommentare

  1. thom ram sagt:

    Nicht erstaunlich, aber erschütternd. Vor allem einmal mehr dessentwegen: Ich hatte vage etwas von dem Ereignis gehört, doch was wie warum…natürlich volle Fehlanzeige.

    Lücki, was hat Putin damit zu tun? Du sagst, Putin-Fäns könnten ins Grübeln kommen.

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  2. luckyhans sagt:

    zu Thomram um 10:12
    „was hat Putin damit zu tun? “ –
    Putin reiht sich ganz klar ein in die Gilde derjenigen, die eine Aufdeckung der tatsächlichen Ereingnisse und eine Bestrafung der damals tätigen Verbrecher, der Befehlshaber der Menschenschlächterei, verhindern – das steht für mich felsenfest. Wahrscheinlich war seine Zusage, die „Familie“ Jelzmanns und deren Handlanger nicht anzutasten, die Bedingung für seine „Ernennung“ vor 17,5 Jahren.
    Wenn er gewollt hätte, dann hätten wir spätestens vor 4 Jahren, zum 20. Jahrestag der Ereignisse, eine gesellschaftliche Ermittlung in Gang gesetzt gesehen, die das aufarbeitet. Gibt es bis heute nicht.
    Noch ein paar Jahre, und die letzten Zeugen sind verstorben – dann kann wieder Geschichts“korrektur“ nach Belieben – ganz im Sinne der Welt-Parasiten – erfolgen…

    Putin ist, so leid mir das für alle seine Fans tut, somit auch ein Mitmacher der weltweiten Macht“elite“, also eine (etwas klügere als andere) Marionette der Parasiten. Wieso: siehe der kürzliche Beitrag über Aniela K.
    Denn die Bedingungen für ein wahrheitsnäheres Verhältnis zur eigenen Geschichte sind in Rußland günstig: die Menschen sind informiert und interessiert wie noch nie – es hätte seine Popularität enorm gesteigert. Aber ihm sind die Machtspielchen im Stile des Westens wichtiger – siehe auch sein Verhältnis zum „Großen Vaterländischen“ – Geheimdienstmann bleibt immer Geheimdienstmann, in jeglicher Hinsicht, auch in der Angst vor endgültiger Wahrheit und Offenheit…

    Klar sagt er in seinem neuen langen Interview einige Wahrheiten, die den Weltherrschern unangenehm sind, aber insgesamt ordnet er sich in die weltweite Unterdrückungsbemühungen der Hintergründ-Mächtigen ein, oder besser gesagt unter.
    Und seine Abkehr von der deutsch-russischen Vereinigung, exakt nachdem diese als geheime VSA-Politik der letzten 100 Jahre ganz offen verkündet wurde, läßt mich da ganz sicher sein, daß er – vielleicht gut für die Russen, aber auch nur das – im Sinne der Parasiten unterwegs ist. Sorry…

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  3. Richard d. Ä. sagt:

    ZIRKUSJONGLEUR

    Danke für den erhellenden Bericht.

    Damals gehörte ich auch zu denen, die gebannt am Fernseher saßen und erstaunt zuschauten, was da in Moskau geschah. Da ich (aus beruflichen Gründen) das Moskau der ausgehenden Sowjetunion kennengelernt hatte (erstmals 1988), war es schwer für mich zu verstehen, wie aus einem scheinbar festgefügten, geordneten Staat sich eine derartige Situation in so kurzer Zeit (die Vorarbeiten hatten gewiß länger gedauert) hatte entwickeln können. Meine Sympathie hatte dem offenbar mutig auftretenden Jelzin gegolten, der sich sogar getraut hatte, von einem Panzer zum Volk zu sprechen.

    Jetzt kommt eine Art Déjà vu-Erlebnis auf, erinnert das Ganze ja doch an die jüngere Vergangenheit in Kiew. Daß diese Ereignisse so blutig verlaufen waren, hatte ich bislang auch nicht realisiert.

    Was Putin anbelangt, so stelle ich mir vor, daß er die historischen Lügen und Wahrheiten kennt und eigentlich die Möglichkeit hätte, die Deutschen von ihrem anscheinend akzeptierten Weiterdenkverbot zu erlösen, ihnen damit zu helfen, die derzeitige Staatsmacht in Deutschland hinwegzufegen und dadurch den Weg zu einer grundlegend anderen Beziehung zwischen Deutschland und Rußland freizumachen.

    Aber die Dinge liegen wohl doch komplizierter. Abgesehen davon, daß das russische Volk sich den Ruhm des „Großen Vaterländischen Krieges“ nur äußerst ungern würde nehmen lassen (obwohl Viktor Suworows / Resuns „Eisbrecher“-Buch in Rußland immerhin millionenfach verkauft und offen diskutiert worden sei), wird Putin zudem weitere Gründe dafür haben, daß er die Weltkriege und auch andere Dinge wie z.B. „Nein-Ilewwen“ nicht verwendet, die „einzige Weltmacht“ (d.h. die CoL plus FED plus X“) bloßzustellen.

    Vor einem knappen Jahr war es noch möglich, einen Youtube-Film des Schweizer „Souveräns“ Heinz Christian Tobler mit dem Titel „Hitler und Putin ein Vergleich“ anzuschauen (https://www.youtube.com/watch?v=qKrvce1aM2I – inzwischen durch unsere Zensur gesperrt: „Dieser Inhalt ist in dieser Landes-Domain nicht verfügbar. Das tut uns leid.“ – Ach wirklich?). In dem Video führt Heinz Christian Tobler aus, daß das System Putin von ähnlichen Kräften umgeben und „zionistisch“ gesteuert ist, wie das System der „Internationalen Wertegemeinschaft“. Die einflußreichen Superreichen sind großenteils nach wie vor in Amt und Würden, die Haltung gegenüber Chodorkowski und Beresowski (inzwischen verstorben) war da die Ausnahme.

    Seither habe ich für Putin das Bild eines Zirkusjongleurs, der – bislang recht geschickt – mit seinen vier Extremitäten und mit seinem Kopf jeweils unterschiedlichste Kunststücke zu vollbringen hat, d.h. Kopf und die einzelnen Extremitäten agieren mit jeweils anderen „Kunststücken“. Bislang applaudiert die Mehrheit des russischen Publikums.

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  4. Richard d. Ä. sagt:

    Ergänzung zu “ZIRKUSJONGLEUR“

    Zu diesem “ZIRKUSJONGLEUR“-Bild muß man wohl noch hinzufügen, daß der Jongleur seine „sieben Sinne“ obendrein sorgfältigst darauf zu verwenden hat, die auf ihn gerichteten Zielfernrohre rechtzeitig zu erkennen. Jedenfalls war der kürzliche Autounfall mit seiner Staatskarosse (in der er zu diesem Zeitpunkt nicht gesessen hatte) wohl doch als Warnung zu verstehen – irgendjemand war nicht vollständig einverstanden mit Putins Politik. Als ehemaliger Geheimdienstmann dürfte er entsprechende Trainingseinheiten allerdings absolviert haben.

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  5. luckyhans sagt:

    zu RdÄ um 16:36/17:58
    Inzwischen ist der Jongleur intensiv damit beschäftigt, sein Image aufzupolieren – vor allem gegenüber der sog. Weltöffentlichkeit – seine Interviews (Paris, St.Petersurg, Stone) und Presseauftritte (heute der „Direkte Draht“ mit sorgfältig ausgewählten Fragestellern – angeblich waren 1,6 Mio Fragen eingereicht worden) mehren sich, obwohl doch erst nächsten Jahr Präsi-Wahl ist.
    Die denkenden Russen stinkt das nur noch an – sie haben erkannt, daß seine Interviews und Auftrittte nur noch „Piar“ sind (PR) – und die Wirklichkeit ganz anders aussieht.

    Oder wie soll man verstehen, daß er Hn. Stone im Interview sagt, die Geheimdienste Rußlands würden überhaupt nicht dem eigenen Volk hinterherspionieren, wogegen vorige Woche in den russischen Medien stolz mitgeteilt wurde, daß die Moskauer Videokameras nun alle in einem großen Netz vereinheitlicht sind, in welchem eine russische Gesichtserkennungs-Software ständig mitläuft, die besser ist als alle westlichen vergleichbaren Programme – mit direkter Alarmgabe an die „zuständigen Stellen“?
    Oder Bargeldverbots- und Bitcoin-Diskussionen laufen, neben der Einführung von russischen „Geldkarten für alle“ und bald wohl auch Chips?
    Alles ganz „nach Programm“ für das „elektronische KZ“?

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