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Israel: Villa im Dschungel / Michel Warschawinski, israelischer Friedensaktivist, lanciert einen Appell

Michel Warschawinski liefert mir Informationen über Israel und Israelis, nach denen ich seit Jahren lechzte. Mit dem scharfen Skalpell eines Chirurgen zeziert er das weltbedeutende, unmittelbar Millionen betreffende Thema „Israel und Palästina“. Er tut es nicht als kalter Analytiker. In seinen Worten schwingt mit: Herzensanliegen.

Es ist mit Israel und Judentum wie allüberall. Wer Amerikaner, Deutsche, Israelis, Juden, Schweizer, was weiss ich, Pfarrer, Aerzte, Atomforscher, Strassenwischer und so weiter in einen Topf schmeisst und dann meint, er sehe nun klar, liegt immer, ich habe gesagt: immer falsch.

Ein wahrer Mensch, dieser mir durch „Infosperber“ neu bekannt gemachte Mann. Er macht eben das: Er beobachtet, holt sich Informationen, wägt ab, zieht Schlüsse, welche wohl konsolidiert sind. Das ist es, was angesagt ist. Interessiert mich nun, ob Warschawinski unter der Flagge Israels oder und des Judentums segelt? Interessiert mich marginal. Hier spricht ein Mensch.

Die Interviewer des Infosperbers haben exzellente Arbeit hingelegt, erweisen sich als vor-informiert, stellten die wichtigen Fragen. Grosses Kompliment an Infosperber. Dortens ich gesperrt bin, was ich bedaure heute ein weiteres Mal. Würde verd gerne auch dort ein Lob in Kommentarform einstellen.

Das Interview hat mir x Leuchter aufgesetzt.

Thom Ram, 20.05.07

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Quelle: Infosperber

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Michel Warschawski, israelischer Friedensaktivist, lanciert einen Appell.

Israel: eine Villa im Dschungel

Felix Schneider / 20. Mai 2019 – 

Israel kritisieren? Das ist ein Muss, findet der israelische Journalist Michel Warschawski – und zwar im Interesse seiner Enkel.

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Um 8 Uhr morgens treffen wir in einem Jerusalemer Café den antizionistischen israelischen Friedensaktivisten Michel Warschawski. Er hat das so gewollt. Und als der Siebzigjährige erscheint, hatte er zu Hause schon etliche Enkel geweckt, mit Frühstück versorgt und in die Schule gebracht. Warschawski ist in Strassburg als Sohn des dortigen Oberrabiners geboren, ging mit 16 nach Israel, studierte Talmud, entwickelte sich politisch zum Linksradikalen, gründete das Alternative Information Center und arbeitet als Journalist. Das folgende Gespräch fand auf Französisch statt. Martin Heule und ich fragten Warschawski an jenem 7. Mai 2019 zuerst, wie er die letzten Tage – die Raketen auf Israel und die Bomben auf Gaza – erlebt habe?

Warschawski: Ohne grosse Überraschungen. Israel hat die Übereinkommen mit der Hamas nicht respektiert. Früher oder später musste eine Reaktion erfolgen.

Welche Übereinkünfte meinen Sie?

Abkommen über die Belieferung des Gazastreifens mit Lebensmitteln und Baumaterialien. Israel argumentiert vor allem damit, das Baumaterial diene zum Bau von Schutzräumen, Bunkern, unterirdischen Tunnels. Als weiteres Druckmittel hat Israel vor kurzem die Ausdehnung der Fischereizone von Gaza reduziert. Vor allem die Armen in Gaza leben aber vom Fischen. Israel erhebt auch die chancenlose Forderung nach einem Ende der friedlichen Demonstrationen, die es jeden Freitag an der Grenze zwischen Gaza und Israel gibt.

Was diese israelische Regierung verrückt macht: Die Widerstandkraft einer Bevölkerung von ungefähr zwei Millionen Menschen, eingesperrt in einen winzigen Ort, in einer katastrophalen wirtschaftlichen Lage. Benjamin Netanyahu will, dass sie die Arme heben und sagen: Wir ergeben uns. Doch es gibt keine Chance, dass das geschieht, keine!

Sie sagen: An der Grenze demonstriert das Volk. In den Zeitungen bei uns liest man oft, diese Leute seien von der Hamas manipuliert.

Das sind Zehntausende von Männern, Frauen, Kindern, Greisen, die da zur Demo kommen. Es gibt eine Symbiose zwischen der Bevölkerung und Hamas. Hamas wird als legitime Führung betrachtet und hat eine Mehrheit, auch in Cisjordanien. Nachdem sie die Wahlen gewonnen hatten, überliessen sie in grosser politischer Klugheit die grosse Politik Mahmud Abbas und kümmerten sich um das Lokale. Die Hamas hat manchmal sehr autoritäre Verhaltensweisen – wie die Fatah übrigens auch – und wird deswegen von der Bevölkerung kritisiert. Grundsätzlich aber gilt: Hamas ist keine terroristische Diktatur, sondern eine Bewegung, die eine Massenbasis und Unterstützung im Volk hat.

Die Palästinenser hatten verlangt, dass internationale Beobachter präsent seien, und diese haben die Wahlen als sehr gut bezeichnet.

Welches ist die Beziehung zwischen der israelischen Regierungen und der Hamas?

Für diese Regierung, die nun seit 13 Jahren regiert, ist der Feind Nummer eins nicht die Hamas, sondern die palästinensische Nationalbewegung im Allgemeinen und Mahmud Abbas. Ein palästinensischer Staat in Cisjordanien und Gaza ist die international anerkannte Lösung, die verhindert werden soll. Daher ist das Hauptproblem Mahmud Abbas und seine Legitimität, und nicht die Hamas. Ich sage nicht, dass Hamas von Israel manipuliert ist, selbst wenn Hamas am Anfang eine israelische Konstruktion war, zu Rabins Zeiten, in der Hoffnung eine Organisationen zu schaffen, welche die PLO schwächen und das Volk entpolitisieren könnte.

Wenn ich richtig verstanden habe, lässt die israelische Regierung Hamas agieren, um zu verhindern, dass sie mit Abbas zu einer Lösung kommen muss, die sie zwingen würde, Gebiete für einen Palästinensischen Staat abtreten zu müssen?

Ja, das ist das Spiel. Und dahinter steckt noch eine andere, sehr israelische Formel: Wenn der palästinensische Partner zu stark ist, ist nicht der Moment zum Verhandeln. Und wenn er zu schwach ist: Warum verhandeln? Verhandeln ist in jedem konkreten Moment inopportun.

Es gibt ja auch noch Marwan Barghuti. Er wäre ein idealer Leader Palästinas. Ihn lässt man im Gefängnis.

Die Israelis sind schlechte Kartenspieler. Sie haben einen Trumpf, Barghuti, und sie behalten ihn, behalten ihn, behalten ihn – bis er nichts mehr wert ist, weil eine neue palästinensische Generation ihn nicht mehr kennen wird.

Wie wird die nächste Regierung aussehen? Welche Basis in der Bevölkerung wird sie haben?

Erste Feststellung: Die Rechte hat in der Bevölkerung Israels eine Mehrheit. Die extreme Rechte, Netanyahu und seine Koalition, wird für lange Zeit regieren.

Zweite Feststellung: Die institutionelle Linke ist zusammengebrochen. Was Netanyahu bedroht, sind nicht Wahlen, sondern seine Korruptionsaffären. Daher will er die Justiz verändern und nach französischem Vorbild gesetzlich verbieten, einen amtierenden Präsidenten vor Gericht zu stellen.

Der Rechtsrutsch ist relativ. Seit den 80er Jahren, seit dem Libanonkrieg, sind in Israel Gesellschaft und Wählerschaft in zwei Hälften geteilt. Das ist stabil bis heute: eine harte Hälfte, die heute das Lager von Netanyahu unterstützt und eine gemässigte Hälfte, die ich «Tel Aviv» nenne, weil sie sich dort konzentriert. Bis ins Jahr 2000 war die grössere Hälfte links, die kleinere rechts. Im Jahre 2000 gab es dieses Abgleiten. Das ist aber kein radikaler Umschwung. Es bleibt dabei: 40 bis 45 Prozent der Wählerschaft sind nicht für Netanyahu, sie wollen die Besetzung beenden und verabscheuen die Siedler.

Aber es gibt zwischen diesen beiden Hälften eine ganz, ganz grosse Asymmetrie: Die rechte Hälfte hat Werte, Ziele, eine Strategie und spürt Dringlichkeit. Die linke Hälfte ist im Konsum-Modus und verspürt keinerlei Dringlichkeit. Die Freunde meines Sohnes, die typisch «Tel Aviv» sind, haben für das Wochenende der letzten Wahl einen Billigflug nach Zypern oder Kreta gebucht. Ich sagte: Und die Wahlen? Ihr fahrt doch nicht weg, ohne zu wählen? Ah bah, sagten sie, macht nichts. Diese Haltung finden Sie nicht auf der rechten Seite. Rechts gibt es eine echte Mobilisierung, eine kämpferische Haltung.

Kommt hinzu: Die dissidenten Stimmen in Israel sind marginalisiert. Die Brutalität des Diskurses, oft sogar schon die Stimme der Politiker lassen die Leute erstarren. Das erinnert mich an Mussolini. Das erklärt das Schweigen und die Auswanderung. Es gibt hierzulande keine Zensur, höchstens die Zensur durch Einschüchterung, die Delegitimierung der kritischen Stimmen. Wenn man Fernsehen und Radio verfolgt oder die grossen Zeitungen liest, mal abgesehen vom Klopapier Netanyahus, so gibt es abweichende Meinungen, aber sie sind unter dem Bleideckel des herrschenden faschistischen Diskurses.

Und ich will das noch in einen globaleren Kontext stellen. Von «Tel Aviv» aus gesehen gibt es absolut keine Dringlichkeit. Die Sicherheit Israels ist gewährleistet. Netanyahu klagt zwar Iran an, aber das ist ein Witz. Alle arabischen Staaten haben vor mehr als 20 Jahren schon einen Friedensplan vorgelegt, und kein arabischer Staat ist im Krieg mit Israel. Es gibt praktisch keine Attentate mehr. Wir leben auch in individueller Sicherheit. Der Terrorismus kann real werden, für den Moment ist er es nicht. Wirtschaftlicher Wohlstand: Israel ist ein reiches, leistungsfähiges Land, mit AAA bewertet in den internationalen Einschätzungen, ein Land, das Kapital, Technologie und Waffen in die ganze Welt exportiert. Und die internationale politische Situation ist nicht schlecht. Wir haben an öffentlichem Ansehen in vielen Ländern verloren, aber Israel ist nicht isoliert. Da ist Trump. Aber auch Europa ist Israel sehr gewogen, das ist nicht mehr das Europa von de Gaulle oder Chirac. Warum also sollte Monsieur oder Madame «Tel Aviv» von dem Gefühl beseelt sein, es müsse sich unbedingt etwas ändern? Im Unterschied zu den Massenbewegungen im Libanonkrieg oder bei der Intifada von 1987 lebt die gemässigte Hälfte Israels ruhig im Wohlstand und versucht im Übrigen, zu einem zweiten Pass zu kommen, denn man weiss nie…

Und es ist UNSERE Jugend, die Jugend der Mitte und des linken Lagers, die weggeht, obwohl die Situation materiell gut ist, aber sie ersticken, sie haben das Gefühl: Hier, in diesem Lande, stinkt’s. Die Ironie der Geschichte ist: Die Hauptstadt der israelischen und jüdischen Kultur ist – Berlin.

Nehmen wir diese Jugend, Ihren Sohn beispielsweise. Welche Ideen hat er bezüglich seiner Zukunft, der Zukunft seines Landes, seiner Kinder?

Die Jugend, und auch schon meine Generation, haben von der jüdischen Kultur und Identität etwas Entscheidendes verloren: die Dimension der Zukunft. Man denkt nicht an Übermorgen, man denkt an die Gegenwart. Man gestaltet den Alltag, die nahe Zukunft, nicht die ferne. Aber im kollektiven Unterbewussten sitzt ein Gefühl, dass es böse enden wird. Das ist nicht im öffentlichen Diskurs, wird auch unter Freunden selten gesagt, aber im kollektiven Unterbewussten der israelischen Gesellschaft steckt das Gefühl: Das kann nicht lange dauern.

Das scheint mir auch in der Tradition der religiösen Juden zu liegen: Gott wird uns bestrafen, weil wir in Sünde leben.

Ja, das ist meine Mutter! Die Rabbinerin. Sie sagte immer: Wenn wir so weiter machen, werden wir nicht würdig sein, auf dieser Erde zu bleiben. In einer gewissen jüdischen Tradition muss man sich das Recht, an einem Ort zu sein, verdienen durch sein Verhalten, damit das Land nicht «ausspeie», die es «unrein» machen. Das ist eine biblische Vorstellung (3. Mose 18.28). Säkular gesagt: Wenn es eine Chance geben soll, in diesem Land eines Tages mit unserer palästinensischen und arabischen Umgebung in Frieden zu leben, braucht es eine echte Kulturrevolution, eine Entkolonialisierung unseres gesamten Verhaltens, nicht nur der Abzug von ein paar hundert Siedlern. Das bedeutet: uns dem Orient zuzuwenden, statt uns als Bastion des Okzidents gegen die Region zu verstehen. Wir sind eine kleine Gemeinschaft, die das Recht erbitten und verdienen muss, in einem Land zu leben, das sie gestohlen und erobert hat.

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8 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. Thom Ram sagt:

    Schnelles Louischen.
    🙂

    Was dieser Mann von sich gibt, ist klar wie Kristall. Ich neige zum Ueberfliegen beim Lesen. Was dieser Mann sagte, las ich Wort für Wort – und werde es nochmals lesen.

    Gefällt 1 Person

  3. Texmex sagt:

    Je eher der Herr Warschawski verinnerlicht und seinen Enkeln verklickert, dass es für sie nur einen sicheren Platz auf dem Planeten geben wird, um so besser für sie und ihn:
    Das wird weder Israel noch irgendein anderes Land sein, wo sie weiterhin als Parasiten und Schmarotzer und Zerstörer leben werden.
    Der ihnen zugewiesene Platz ist die jüdische Republik Birobidschan.
    Kein anderer Platz.

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  4. Thom Ram sagt:

    Texmex 23:21

    Geiferkommentar, dahingekotzt.

    Geifere ins Gebüsch oder in deine Scheisse, nicht auf bb, TM.

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  5. Texmex sagt:

    Oooch Thom, stehst Du mal wieder neben Deinen Schuhen?
    Zieh die Brille auf, dann findest Du sie wieder

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  6. arnomakari sagt:

    Vor ein Paar tage hatte ich wieder ein Traum da habe ich mit Moses gesprochen , der sagte mir das er der Enkel von Pharao sei , von seiner Tochter aber der Vater war ein Israeli darum wurde die ganze Geschichte mit den Findelkind erfunden , und er sagte ich habe 11 Gebote bekommen ,und du kennst sie , aber das 11 gebot wurde vernichtet weil die Rabiner das wollten , weil sie Angst hatten das andere Völker sich danach nicht Richten , und dann sind wir zu schwach um uns zu Wehren ,wer die Bibel richtig liest wird verstehen , das die Bibel ein Butbuch ist ,wer sich die mühe macht wieviel Menschen und wie Brutal und Kriegerisch umgekommen sind , und warum nach jeden Krieg 20–25 Jahre ruhe war , weil dann weider genug Soldaten da waren , denn die Männer die den Krieg überlebten haben bekamen so viele Frauen wie sie woltten Amen
    ALLES NUR EIN TRAUM ——-

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  7. chaukeedaar sagt:

    Starker Mann. „Aber im kollektiven Unterbewussten sitzt ein Gefühl, dass es böse enden wird“
    Dieses Gefühl für Israel und daraus folgend für den Planeten habe ich auch. Das Problem ist, dass dieses Gefühl von messianischen Endzeitgläubigen, Talmudisten und Kabbalisten genossen wird. Ordo ab Chao, die Herrschaft der Dunklen nach der grossen Zerstörung. Das Judentum als Kultur hätte eine sehr grosse Verantwortung, das babylonisch-satanische Erbe in seinem Inneren zu benennen und aufzulösen. Der inhärente Rassismus der Idee eines „Auserwählten Volkes“ lähmt es diesbezüglich und nimmt uns alle mit in Geiselhaft.

    Gefällt 1 Person

  8. Thom Ram sagt:

    Texmex 01:19

    Richtig. Es kommt vor, dass ich einen Filter vorgeschaltet habe. Ich las deinen Kommentar gestern drei Mal und liess dann meine gehässige Zurechtweisung raus.
    Heute lese ich deinen Kommentar ein viertes Mal – und er sagt mir etwas ganz anderes als gestern.
    Sollte vielleicht mal einen Hirnschraubenmechaniker aufsuchen, da scheint was locker zu sein.
    Ich bitte um Verzeihung.

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