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Persönliche Daten nutzen 7

Und noch ein letztes Mal ein paar Auszüge aus dem Interview mit Igor Aschmanow beim Moskauer Politcafe.tv, heute nochmal zur digitalen Hygiene, Cybersicherheit und anderem (ab 1:41:20).
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans Hervorhebungen und Anmerkungen von mir, Anglizismen wurden direkt übernommen. 16.1.2019
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Frage: „Wladimir Kiwa; haben Sie ein Rezept für die Eltern, damit deren Kinder lernen, vernünftig mit den sozialen Netzen umzugehen?“

Nein, Rezepte sind mir da nicht bekannt: ein paar Gedanken dazu hab ich, weil wir uns jetzt gerade mit der Analyse der destruktiven Bewegungen der Jugendlichen befassen, die letzten anderthalb Jahre mit Suizid-Gefährdeten und Schul-Schießereien usw. und auch harmloseren.

Also, wir haben das irgendwie hinbekommen, zwei Töchter in Artek (ein bekanntes Kinderferienlager auf der Krim) unterzubringen – ich gebe zu, mit Hilfe von Bekannten, wir haben einfach Kontakt zu denen, die Artek leiten.
So, die Mädels haben da reale Arbeiten geschrieben, nicht einfache, haben am Wettbewerb teilgenommen, dennoch. Wir sind beide mit der Frau dorthin gefahren und haben einen Vortrag gehalten für die Artek-Leute. Direkt am Meeresufer, mit einer riesigen Leinwand, da saßen so 300 – 400 Leute, und wir haben da das erzählt.

Da ist in diesem einen Jahr so etwas wie eine Vortrags-Reihe entstanden, über die digitale Hygiene. Wir werden wohl etwa im Februar auch noch eine Konferenz dazu durchführen.
Es gibt so ein Netz „Quantorium“, das ist sowas wie der landesweite Ersatz für den Pionierpalast, das macht die Maria Rakowa, die ist jetzt Stellv. Bildungsministerin, und wir haben für die „Quantorium“s diese Reihe über die digitale Hygiene gemacht, und vielleicht schreiben wir das noch auf und es wird in die allgemeinen Schullehrpläne aufgenommen. In den „Grundlagen der Sicherheit im Leben“ (GSL) wird dies als Teil einbezogen.
Dazu arbeiten wir mit dem Zentrum für Katastrophenpsychologie im
Ministerium für den Ausnahmezustand zusammen. Die machen diese GSL.

Da gibt es so eine Metapher: ein gewöhnliches Kind, wenn das in Moskau oder einer anderen Großstadt herumläuft, das gelangt in einen Park. In diesem Park wird die Sicherheit mit besonderen Maßnahmen gewährleistet: manche schaffen den Müll weg, die Bänke sind gestrichen, dort gibt es keine wilden Tiere und keine giftigen Schlangen, zerschlagenes Glas und Stacheldraht sind weggeschafft, dort gibt es keine Abhänge, oder wenn doch, ist ein Zaun davorgebaut. Dort sind Aufsichtsleute unterwegs, die auch das Kind bemerken.
D.h. dort gibt es ein vom Staat oder der Stadt gewährleistetes
Sicherheitsniveau, das die Jugendlichen nicht fühlen. Sie gewöhnen sich einfach daran, daß das Milieu sicher ist.
Und sie haben dasselbe Gefühl, wenn sie in die sozialen Netze einsteigen.

Aber die sozialen Netze sind ein absolut wilder Dschungel, wo keiner auch nur das geringste Sicherheitsniveau gewährleistet – dort laufen absolut toxische Viecher herum, völlig gefährliche Ungeheuer, usw. – da kümmert sich im Prinzip niemand drum.

Es gibt zwei Möglichkeiten: die erste ist Aufklärung, ja? D.h. eine Seminarreihe GSL machen oder etwas ähnliches, darunter erklären, wie man eine Manipulation erkennen kann.
Oder zu begreifen, daß dein „Freund“ nicht einfach dein Freund ist, sondern daß er bezüglich deiner gewisse Vorhaben, ein Einwirkungs-Programm hat und dir den Kopf verdrehen wird usw.
Sowas kann man machen, wobei man mir erzählt hat, daß einige Zeit in der Staatsduma auf den Flächen zwischen den Etagen eine Ausstellung zu Drogen zu sehen war. Dort waren Leute, die sich mit der Anti-Drogen-Propaganda für Schüler und Jugendliche befassen, die haben dort u.a. einen Film gezeigt, einen gräßlichen Film über Drogensüchtige.
Sie haben erzählt, daß sie in die Schulen gefahren sind und dort Umfragen gemacht haben: bist du bereit, Drogen zu nehmen, wenn dein Freund sie dir anbietet, und 80% haben geantwortet: ja.
Dann haben sie diesen Film gezeigt und nochmals gefragt, danach war das Verhältnis genau umgekehrt, 80% sagten: in keinem Falle, niemals, nachdem sie diesen Film gesehen hatten.

D.h. die Propaganda in diesem Sinne wirkt, aber: es wird dennoch Situationen geben…
In der Mehrzahl der russischen Städte, wenn ihr den Hahn aufdreht, fließt dort ungefährliches Wasser. Vielleicht schmeckt es nicht immer, und ihr wollt dann lieber Wasser in Flaschen kaufen oder geschmuggelten Alkohol, aber das Wasser kann man trinken.
Und ihr könnt aus dem Haus gehen und müßt euch nicht sorgen, daß plötzlich euer Kind den Wasserhahn aufdreht, von dort kommt Gift heraus und es trinkt und vergiftet sich.
Ihr müßt nicht dem Kind erklären: paß auf, wenn das Wasser gelblich ist, dann muß es gefiltert werden, wenn es bläulich ist, dann lauf ganz schnell weg. Also beispielhaft, ja?

Aber das Internet ist jetzt wie eine Wasserleitung, es fließt in jede Wohnung. Aber dort gibt es nicht dieses minimale Sicherheitsniveau, dort kann tatsächlich Gift heraus­geflossen kommen.
Und wenn man dann mit diesen
Neo-Liberalen spricht, dann sagen die: du mußt einfach dem Kind das beibringen, das zu unterscheiden.
Ich habe seinerzeit auf einer Konferenz mit den Vertretern von Google-Judge gestritten, diese Ekel haben in ihrer Präsentation die Silhouette eines Kinder-Kopfes hingemalt und einen Pfeil dazu, und dazugeschrieben: ‚das Hauptfilter befindet hier zwischen den Ohren‘.
D.h. deren Idee ist, daß du dem Kind beibringen mußt, jeglichen Mist zu unterscheiden, aber der Mist soll ungehindert fließen können.
Das ist „Freiheit“.

Aus meiner Sicht ist das nicht richtig, und es muß gefiltert werden. D.h. man muß ein minimales Sicherheitsniveau gewährleisten.
So wie das auch anderswo ist, ihr könnt zur Prime-time kein erigiertes Glied im Fern­sehen sehen, das ist verboten. Ihr könnt dort keinen Sexualakt sehen, keine nackte Frau – das ist nicht möglich.
Man kann auch tagsüber in der Kiosk-Auslage kein Pornojournal sehen. D.h. eine Filterung der Inhalte geschieht hier sowieso.
Aber im Internet gibt es das nicht.
Tatsächlich sind schon alle entwickelten Länder damit beschäftigt. Weil das „freie Internet“ für die Papuas,
die Wilden da ist, aber „bei sich zuhause“ in Großbritannien wird schon seit 2016 alles Porno und Zeugs herausgefiltert.
Alle müssen filtern. Darüber wird einfach nur nichts geschrieben.

Aber für die zivilisierten Leuten darf man filtern, nur für solche Papuas-Wilden wie uns darf man nicht.
Deshalb muß aus meiner Sicht aufgeklärt werden, direkt auf dem Niveau der GSL usw.

Und zweitens muß gefiltert werden, auf einem minimalen Niveau.
Eigentlich geht jetzt im Netz ein wilder Skandal vor sich, heute habe ich da in einer Sendung des RBK
(ein Fernsehkanal) geschimpft, mit verschiedenen Netz-Liberalen gestritten, über das Gesetz, das gerade erst eingebracht wurde, von Bokowa und Klisches. Wahrscheinlich kennt ihr das, dort (ein Zwischenruf) – bitte? – Technisch ist das kein Problem, das Filtern, tatsächlich. Es ist teuer! Es ist wirklich teuer.

Schaut mal, dies Gesetz ist so, ich sag ein paar Worte dazu, damit das klar wird. Es besteht aus drei Teilen: erstens ist die Stabilität des russischen Internets zu gewähr­leisten, wenn es von außen abgeschaltet wird. D.h. wenn die Amis den Hauptschalter ausmachen, und der liegt bei ihnen, dann bricht bei uns nichts zusammen.
Das ist wichtig, weil bei uns schon sehr vieles über das Internet läuft.

Das wird natürlich in den sozialen Netzen diskutiert – da hat man das genau auf den Kopf gestellt. Das Gesetz will, daß das Runet, das russische Internet, stabil ist gegen Abschaltung von außen.
Und dort heißt es: aaah, der blutige KGB will das Internet von innen abschalten.
Wie das eine aus dem anderen folgen soll, ist unverständlich; aber die wissen das schon alles: aah, das Innenministerium hat schon 100 neue Gefängnisautos gekauft, wir verstehen doch, wofür die gekauft wurden.
Klar, da sind wirklich 100 solche Fahrzeuge gekauft worden, da wird der Fahrzeugpark erneuert, aber es heißt gleich: wir verstehen doch, daß da die Freiheit erwürgt werden soll. Das ist dasselbe.

Zweitens ist dort aufgeschrieben, daß die „Marschroutisierung auf dem Niveau des Roskomnadsor (das russische Amt für Kommunikationsaufsicht) kontrolliert werden soll, da soll eine extra Organisation geschaffen werden, und es soll die Menge des Traffics, der über Amsterdam oder New York läuft, verringert werden.
Und wir brauchen Router-Server, Wurzel-Server für die Adressierung. Wir haben keine.
Die Chinesen zum Beispiel haben sie, sie sind unabhängig von den Amis in dem Sinne. Aber wir haben keine.

Und der dritte Teil dieses Gesetzes, da geht es darum, daß ein Filtersystem für den Content aufgebaut werden soll, das nicht nach Adressen, sondern nach Traffic-Mustern filtert, also den sog. digitalen Stempeln des Traffics. D.h. es wird nach den Traffic-Signaturen erkennen: dies ist youtube, das ist telegram, dieses whatsup usw.
Und es wird in der Lage sein, nicht so vorzugehen, wie das bei dem Versuch war, die Adressen von telegram zu blockieren, wo gigantische Bereich blockiert wurden: google, amazon usw., sondern nach den Traffic-Mustern.
Im Prinzip ist das technisch realisierbar, aber man muß kapieren, daß das Internet schon vorhanden ist – unter Programmierern gibt es so einen Witz: ‚können wir dieses Ding weghauen?‘ – ’nein, das ist ein tragendes Ding‘
Und – so seltsam das klingt: google, telegram und youtube sind ‚tragende Dinge‘, die kann man nicht einfach weghauen, ohne dabei fast alles kaputtzumachen.
(das gibt mir schon sehr zu denken, solch eine Aussage aus berufenem Munde…)
So sonderbar da auch ist. (ja, das finde ich auch sehr sonderbar – und sehr bedenklich, siehe weiter unten)

Nichtdestotrotz muß man die Möglichkeit haben, unnötigen Content herauszufiltern.
Es gibt dazu noch einen kurze Überlegung, die ich erzählen werde.
Direkt vor diesem Gesetz ist die Nationale Cyber-Strategie der VSA herausgekommen, ich bin gerade dabei, die zu übersetzen. Ich hatte eine Übersetzung beauftragt, die war aber so schlecht, daß ich jetzt das selbst mit google und eigener Berichtigung gemacht habe. Das sind über 20 Seiten, und ich schreibe dazu eine Analyse.

Das ist die Cyber-Strategie der VSA vom September, unterschrieben von Trump, herausgekommen vor 3 Wochen. Trump hat da zu Beginn einen Ansprache an die Nation gehalten, auf einer Seite: liebe Amerikaner, wofür ist diese Strategie?
Und weiter wird dann mit Kanzleisprache aber recht verständlich und direkt ausgeführt, daß die VSA der absolute Führer und die einzige Supermacht auf dem Planeten sind.
‚Diese Supermacht muß auch im Cyberspace eine Supermacht sein. Sie muß überall ihren Einfluß und ihre Prinzipien eines offenen, allgemein zugänglichen Internet durchsetzen. Das allgemein zugänglich Internet ist unsere Waffe‘ – so ist das direkt dort gesagt! ‚Für die Durchsetzung der amerikanischen Werte‚.
(hm, ich kenne nur einen echten „amerikanischen Wert“, der fängt mit „D“ an und hört mit „ollar“ auf… – und immer wieder dieser kranke Exzeptionalismus der Amis… erinnert das an was?)

‚Wir haben Gegner‘. Diese Gegner sind da direkt genannt: ‚Rußland, China, Iran, DVRK, und einige aussätzige Staaten‘, so ist das dort gesagt. ‚Diese Gegner benehmen sich verantwortungslos und halten sich nicht an die amerikanischen Regeln des Verhaltens im Cyberspace. Sie werden dafür bestraft werden.‘ Und zwar mit „punish“ – wir werden sie bestrafen. Oder „impose consequences“ – sie müssen die Folgen fühlen.
(für wen ist Trump immernoch „Hoffnungsträger“?)

Trump erlaubt Amerika dazu die aktive Einflußnahme. Wobei gesagt wird, daß die Bestrafung erfolgt nicht nur im Cyberspace, sondern auch mit militärischen, politischen, wirtschaftlichen Mitteln. Und bei militärisch steht dann noch in Klammern – oder war das die Cyber-Strategie des Pentagon? das sind zwei parallele Dokumente – ‚mit kinetischen Methoden‚. D.h. mit Raketen.

Und dort gibt es diese zwei Dinge: erstens, ‚das offene Internet ist unsere Methode, allen unsere amerikanischen Werte aufzuzwingen (also Pornografie, Spielsucht, Gewalt, usw.?) und wer sich widersetzt und unter dem Vorwand der Souveränität das Internet beschränken wird, den werden wir bestrafen.‘
D.h. das ist genau wie in dem bekannten Witz: ‚woran ist ihre erste Frau gestorben? ’sie hat Pilze gegessen‘, ‚und die zweite?‘ – ‚auch‘, ‚und die dritte?‘ ‚die hat auch Pilze gegessen – überhaupt war sie voller blauer Flecke, weil sie die Pilze nicht essen wollte.‘
Hier wird genau solch eine Geschichte aufgebaut: wer das ‚offene Internet‘ nicht will, der wird voller blauer Flecke sein. ‚
So ist das direkt gesagt.

Und in der zweiten, der Pentagon-Cyber-Strategie, die parallel oder etwas früher heraus­gekommen ist, ist gesagt, daß ‚unsere Gegner dieselben Technologien benutzen wie wir. Diese Technologien sind unsere, amerikanische – das ist unser Vorteil, sie werden immer mehr von uns abhängig sein, und diesen Vorteil müssen wir nutzen, um sie uns untertan zu machen.‘
Das ist da so direkt gesagt, ganz offen. D.h.
faktisch ist uns der Krieg erklärt worden, ein Cyber-Krieg, wir sind da direkt als Gegner genannt.

Was kann man in einer solchen Situation tun?
Den Hauptschalter haben sie bei sich. Wir sitzen auf deren Technologien, so.
Man kann sich entweder ergeben – das mag aber keiner, und wir haben uns auch noch nicht ergeben.
Oder man muß im Galopp, mit großen Sprüngen für unsere technologische Unabhängig­keit sorgen.
(Zwischenruf: ob das geht?)
Nun, wenn der staatliche Wille dazu da ist – China hat es doch geschafft.
China ist auch nicht ganz unabhängig, aber China hat schon 20 Jahre daran gearbeitet.
Seht mal, dort gibt es eine Firma, die macht deren „
Marschroutisierer“, Huawei, ja?

Huawei ist die Firma, die im Jahre 2000, als wir damals die Technik für Rambler gekauft haben, kategorisch nicht in Frage kam – man hat uns damals sogar gesagt, das sein die Firma „schlechter Weg“. Denn die haben sehr schlechte „Marschroutisierer“ gemacht, Kopien von westlichen.
Dann haben sie gelernt, gute Kopien von westlichen zu machen. Dann haben sie sehr schlechte eigene gemacht, und dann haben sie sehr gute eigene produziert.
Jetzt haben sie sehr gute eigene „
Marschroutisierer“ für das Netz, Geräte usw.

Was anderes ist, daß man jetzt begonnen hat, sie unter Druck zu setzen, vielleicht habt ihr davon gehört, daß die Generaldirektorin verhaftet worden ist, die Tochter des Eigentümers. Sie werden unter Druck gesetzt, und die ‚Five Eyes‘ sagen ganz offen: wir haben die Aufgabe, Huawei zu killen.
D.h. die Chinesen haben es geschafft, sie sind viel unabhängiger als wir –
wir sind zur Zeit einfach nur eine digitale Kolonie.“

Frage des Moderators: Sie haben doch auch mal in einer politischen Partei oder Bewegung mitgemacht? Oder nicht? Oder nur kurz? Was war da?

Die hat mir nichts bedeutet, daher habe ich sie auch in meiner Biografie nicht erwähnt. Ich kann das erklären.
Im Jahre 2012 nach den wilden Ereignisse am 5. Dezember 2011, als da die Protestie­renden versucht haben, zum Kreml durchzukommen, hat sich im Januar eine gewisse Kumpanei direkt bei uns im Office versammelt, solche Staatsleute, die etwas tun wollten, das war alles am Vorabend der Wahlen, ja? Wo genau diese Rochade stattfand und Putin wiedergewählt werden sollte und nicht Medwedjew zur zweiten Amtszeit.
Wir sind dann mit Natalja zu verschiedenen Leuten gefahren, zu
Kurginjan, haben uns mit Starikow getroffen, mit noch anderen, und haben gefragt, wem wir helfen sollen. Und womit.

Kurginjan (das ist der Chef der neuen Russischen Kommunisten) hat gesagt, er braucht keine Hilfe, und wir konnten ihm auch nichts rechtes anbieten, weil in seine 4-Stunden-Rede wir nicht mal ein Wort einfügen durften. Er wollte vier Stunden gehört werden… da in seinem Theater.
Er hat gesagt, er braucht nichts, er wird ein großer Politiker werden, wird die KPRF übernehmen, usw.

Mit Starikow fand ein einigermaßen vernünftiges Gespräch statt, er hat gesagt, daß wir nichts befürchten bräuchten, es wird im März keine besonderen Aufregungen geben. Und der größere Teil der Politiker seines Formats, wie Kurginjan usw. seien schon bei Putin gewesen, und der hatte gesagt, es wird alles normal, wir werden die Gründung von Parteien erleichtern, nach den Wahlen.
Und ich habe mit Starikow geredet und gefragt, womit ich helfen kann, und er sagte, wenn Sie für die Internet-Truppe etwas Geld geben würden – also habe ich Geld gegeben – nicht sehr viel, und auch nicht wenig. So.

Und dann ein Jahr später kam er zu mir und sagte, Igor Stanislawowitsch, ich bin dabei, eine Partei zu gründen, ich möchte Sie als Vorsitzenden einladen. Ich hatte das schon längst vergessen.
Er hatte da wirklich eine Internet-Truppe, einen Dmitrij Beljajew, ein Blogger, mit dem ich mich unterhalten habe, wir haben da ein wenig geholfen, aber nicht viel. Und wir haben etwas Geld gegeben.
Starikow war mir damals mit seinen Ansichten nah gewesen, aber ich wollte mich nicht mit Politik befassen, und dann hat er mich da eingeladen.

Und ich habe mich unvorsichtigerweise einverstanden erklärt. Tatsächlich hätte ich nicht zustimmen sollen. Ich hatte nur so ein einfaches Modell im Kopf: ich hab dem Mann mit seinem „Start-up“ geholfen, und nun bietet er mir einen kleinen Anteil an seinem Start-up an.
Man kann das nehmen oder nicht. Und ich habe genickt.
Natürlich brauchte er mich als ‚Hochzeitsgeneral‘, und als Mensch, den die Internet-Gemeinde achtet.

Ich habe selbst keine Politik betrieben, war ein paarmal auf den Parteikongressen, ich habe den Strom von Briefen im Mailing gesehen, habe dieses Parteileben gesehen, und das hat bei mir einen lebhaften Widerwillen hervorgerufen.
Da gab es die ganze Zeit Auseinandersetzungen mit den regionalen Büros, in den regionalen Abteilungen hat jemand die Macht ergriffen, da gibt es einen Kampf usw.
Und so habe ich schließlich dem Starikow abgesagt…

Außerdem hatte er mir vorgeschlagen, bei der nächsten Wahl in die Duma zu gehen. Ich hab ihm gesagt: umgekehrt, ich analysiere die Politik mit Hilfe von Cerebrum, und für mich ist das nicht koscher, dann in irgendeiner Partei zu sein. Und entschuldige, Alter, ich kann nicht. Und er sagte, er verstehe das.

Und ich hatte das Gefühl – es war für mich absolut nicht notwendig, Abgeordneter zu sein. Aber ich bin dann in die Administration des Präsidenten gegangen und hab gefragt, was ist da los mit der Partei vom Starikow, kommen die in die Duma?
Und da hat man mir gesagt: hör zu, laß das weg, es wird ihm niemand erlauben, in die Duma zu kommen, da kannst du sicher sein.
Aber Starikow war sehr enthusiastisch, da hatte umgekehrt jemand von dort, von den schlauen Tricksern, ihm voll zugesagt, daß alles gut werden wird…

Also, da ist so eine Grütze, so ein Knäuel verschiedener Wesenheiten, völlig unterschied­licher, medialer, politischer, daß ich gedacht habe: das brauche ich nicht, und habe ihm gesagt, daß ich austrete.
Das war’s.“

Frage: Wie sieht es aus mit unserer mikroelektronischen Bauelementebasis, tut sich da was?

Bisher steht es schlecht. Da muß richtig viel Geld reingegossen werden, dort sind doch gigantische Investitionen erforderlich, und man braucht den Willen dazu.
Nein, seht mal, im Programm der digitalen Wirtschaft ist dazu was gesagt, weil ich da mitgearbeitet habe, in der Richtung Informationssicherheit, was geschrieben habe.
Da ist also was gesagt, aber zum ersten Teil hat man nur sehr wenig Geld gegeben, lange Zeit hat man gar nichts gegeben.
Dort hätte man im Guten eine
Willensentscheidung treffen müssen, gigantisches Geld sofort reinstecken, die Generalkonstrukteure ernennen und mit Vollmachten ausstatten usw., aber das wurde nicht getan.

Vielleicht wird dort eine Entscheidung getroffen, – die genauso katastrophale Folgen haben wird wie seinerzeit die Entscheidung, die 360er Serie von IBM zu kopieren, Anfang der 70 Jahre – daß wir so freundschaftlich mit den Chinesen sind, daß wir mit deren Technik das machen.
Das heißt nicht, daß uns die Chinesen unbedingt sitzenlassen werden, sondern daß
wir einfach diese Kompetenz nicht bei uns entwickeln.
Was die Anlagentechnik angeht, so habe ich momentan wenig Optimismus.“

Frage: Können Sie auch etwas sagen, worauf wir stolz sein können?

Seht mal, Yandex zum Beispiel, ja, überhaupt bin ich beruflich mit Suchmaschinen befaßt, und es gilt zu verstehen daß es funktionierende Suchmaschinen auf der Welt weniger gibt als Kosmos-Industrien, d.h. es gibt mehr Länder, die ihre Satelliten hochschicken.
D.h. das ist reales High-tech, das ist Rocket Science, ja? Sozusagen.
Bei uns im Lande gab es von diesen Suchmaschinen drei Stück: Aport, Rambler, Yandex.
Und jetzt gibt es Sputnik, der real funktioniert, als Suchmaschine, die Qualität ist nicht sehr hoch, er indexiert nur wenig, aber es ist eine funktionierende Suchmaschine.
Aus meiner Sicht ist der einfach nur kardinal unterfinanziert.

Es gibt Yandex und die Suchmaschine mail.ru, diese ist zwar nur klein, hat vielleicht 5% Marktanteile, Yandex hat entsprechend 50, der Rest ist Google. D.h. Drei Suchmaschinen, und die meisten Ländern haben nicht eine einzige.

Wir haben unsere eigenen sozialen Netze, das ist auch für Europa eine völlig unwahrscheinliche Geschichte. In Europa, in Deutschland, in Frankreich, muß es eine eigene Suchmaschine und eigene soziale Netze geben, zum Beispiel.
Nein, sie haben alle Google und Facebook, und das war’s.
Das heißt, in meinem Bereich ist nicht alles gut, aber es gibt es große Errungenschaften.

Mit dem künstlichen Intellekt ist es dieselbe Geschichte. Es gibt ein ungeheuere Anzahl von Projekten, sehr scharfe, darunter Gesichtserkennung, und sowas. Was also unseren Bereich, die IT, angeht, gibt es durchaus was…
Zum Beispiel, die Firma ‚1S‘ – eine gigantische Firma, 2 Millionen Kunden, fast der gesamte Business-Bereich arbeitet damit.
Seinerzeit war man sehr reserviert, meinte, daß deren Programme sehr unbequem seien, aber das Geschäft ist dort genial aufgebaut, Borin & Ali, die Programme schreibt wohl sein Bruder, aber Borin hat 200 eigene Unternehmen, außer 1S.

Kennt ihr, zum Beispiel, die ganze ‚Siarem Sistema‘ – gehört alles Borin.
1S ist das Flaggschiff, eine tolle Firma – aber da gibt es viele. Es gibt sehr viele Hintergrund-Firmen, die selbst nicht hervortreten. ich hab vergessen wie die heißt, aber es gibt eine Firma, die macht die Software für die Zentralbank. Also ein Banking-System, aber für die Zentralbank.
Die haben eine riesige Klientel in der ganzen Welt: in Amerika, Europa ein wenig, in Südafrika. Die kennt keiner, die hatten schon vor 15 Jahren einen Umsatz von 100 Mio. Dollar.
(etwas sonderbar, oder? wenn man bedenkt, daß alle ZBs, einschl. der russi­schen, von Rothschild gelenkt werden? mit russischer Software? ist das wieder nur Verarsche, weil sowieso alle in einem Boot…? oder sitzen die Leute längst in den VSA?)

Also im IT-Bereich haben wir viel Gutes. Wir haben sogar ein eigenes Office-Programm. Überhaupt ist ein Textprogramm und Tabellenkalkulation sind auch reale Rocket-Science – das gibt es doch nirgends. Außer Microsoft und zwei auf Linux-Ableger gibt es auf der Welt keine guten – wir haben jetzt eines. Dima Komissarow hat das gemacht und verkauft es.
Das sind alles tolle Sachen.“

Frage: nur zur Präzisierung – wurde Yandex nicht verkauft?

Nein nein, die hatten zwei Fonds als Investoren, aber der schlaue Wolosch hat ihnen kein Kontrollpaket verkauft, im Unterschied zu Rambler, daher ist Rambler abgestürzt, und Yandex nicht. Klar gibt es dort einen Haufen Investoren, da waren Amerikaner, da war der Tiger (oder war der bei Rambler?), da war Ljonja Boguslawski, der sog. Bering-Wostok-Fonds, aber die Firma ist eine russische. Sie hat russische Entwicklungen, ihr gesamtes Geschäft ist hier – sie hat den Sitz in Holland, wenn ich das richtig sehe.

Bei uns sind viele Firmen woanders – manche auf Zypern, andere sonstwo.
Seht mal, jetzt ist die Kontrolle eh nicht in den Anteilen… Wer ist der Eigentümer von Internet-Projekten? Das ist der, den ihr anrufen könnt und er kann anweisen, daß eine neue Buchstabenzeile auf der Hauptseite erscheint. Das versteht ihr, ja?

Nicht der, welcher Anteile hält, sondern der tatsächlich die Macht hat. Der den Inhalt bestimmt, der den Service lenkt.
Yandex ist in dem Sinne ein wenig nicht russisch, ein wenig. Bei Mail.ru ist das genauso, wer ist da Eigentümer, aber tatsächlich ist das alles russisch. Da sind russische Firmen, die ihr Geschäft hier haben und hier ihr Geld verdienen, nicht im Westen.
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Nachbemerkung des Übersetzers:

Ich denke, daß in diesen Auszügen für jeden etwas interessantes dabei war, in diesen sieben Folgen.
An vielen Stellen muß man einfach selbst mal nachbohren, nachsinnen, überlegen, was da dahintersteckt… ich hab jedenfalls sehr viele Denkstupser bekommen, obwohl ich bewußt nur wenig kommentiert habe.


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