bumi bahagia / Glückliche Erde

Hier nun der Schluß (nach Teil 1 und Teil 2) dieser kurzen Reihe, der Abschrift eines Kapitels aus dem Buch des österreicher Heilers Rudolf Thetter (Ersterscheinen 1937 in Wien). Für mich regelrecht frappierend, wie modern doch viele Gedanken hier erscheinen, nach 80 Jahren.

Abschrift Luckyhans, 6. März 0006, Hervorhebungen wie im Original.
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Unerkannt liegt die Polarität auch unserem sozialen Leben zugrunde. Hier heißt sie in ihrer Gegensätzlichkeit: Individuum und Gemeinschaft.
Das Individuum mißbraucht die Gemeinschaft durch seinen Egoismus, sei es zur Befriedigung seiner Triebe oder Bedürfnisse, sei es zur Heranentwicklung seiner Bestimmung als Einzelindividuum. – Die Gemeinschaft hingegen will das Individuum für ihre Zwecke formen.

Das Individuum kann nicht ohne Gemeinschaft leben, es kann sich aber nicht entfalten, wenn ihm die Gemeinschaft unüberwindliche Schranken entgegensetzt.
Die Gemeinschaft wieder müßte auf ihre Fortentwicklung verzichten, wenn sie nicht ihr Ziel in der Zusammenfassung entwickelter Individualitäten sähe.

Das objektiv Ordnende, Zähmende dieser Gegenstrebigkeiten, wie es sich im Naturgeschehen vollzieht und wie es bis zur Jahrhundertwende auch in der Gemeinschaftsbildung noch wirksam war, verliert jedoch immer mehr an Kraft.
Mit treffenden Worten kennzeichnet Winston Churchill diese Tatsache:
„Ich frage mich, ob jemals eine Generation einen so betäubenden Umsturz der Werte erlebt hat wie wir. Von alledem, was ich von Jugend an für dauerhaft und wesentlich zu halten gelernt hatte, blieb fast nichts bestehen, und alles, was ich für unmöglich zu halten gewohnt war, ist Wirklichkeit geworden.“ (so sprach der gewissenlose Schlächter von Millionen Deutschen in Dresden, Hamburg, Wuppertal, Magdeburg und viele anderen Städten in „Vom Mahdiaufstand zum Burenkrieg“)

Die Menschheit als Ganzes tritt uns in der Polarität Westen-Osten entgegen.
Welche Bedeutung der Mitte, dem Ausgleich zukommt, haben wir versucht darzustellen.

Wir sind hier in Europa geographisch Menschen der Mitte. Seien wir es auch in unserem Erkennen, in unserem Wollen und Tun!

Wir dürfen unsere geistige Abkunft nicht vergessen, soll unser irdisches Werk haltbar gefügt sein.
Wir Menschen der europäischen Mitte sind hineingestellt in die Polarität Ost-West.

Umreißen wir kurz das Bild des im weiten Osten lebenden Menschen!
Er sieht in der irdischen Welt, der Welt der Erscheinungen, bloß den Schein, die Täuschung; Maja nennt er sie.
Wirklich und wichtig ist ihm nur Nirwana, das große Nichts, in dessen Ruhe und Einheit für immer zu erlöschen sein höchstes Ziel bedeutet.
Er findet sich durch die Triebe seines Leibes ins Irdische verstrickt; er hat die Erde in sich aufgenommen, ist ihr verfallen, schuldig geworden und muß nach seinem Glauben immer wieder zurückkehren, solange seine Schuld und der Trieb zum Erdenhaften nicht getilgt ist.
Das Irdische zu erforschen, liegt ihm weit ab, kommt nicht in seinen Sinn.
So sieht er sich auf das peinigende Rad der Wiedergeburten gespannt mit der Sehnsucht seiner Seele, für immer aufzugehen im Nichts.

Der Mensch des Westens zeigt eine gegensätzliche Einstellung.
Zum Himmel hat er nur konfessionelle Beziehungen, Beziehungen bekennender Natur. Die Erde dagegen ist ihm alles.
Freilich, sterben muß man im Westen auch. Doch die Frage des Jenseits empfindet der Westmensch lediglich als Störung seines Bemühens, ganz und gar Erdenbürger zu sein, der es sich hier so angenehm und bequem wir möglich einzurichten sucht.
Die Erde und alle Erscheinungen der Natur zu erforschen ist ihm eigen. Auch in den sozialen Bestrebungen bemüht er sich, jedem Menschen alle „Segnungen“ der Zivilisation zu vermitteln.

Um diese Gegensätzlichkeit in ein Bild zu fassen, denke man an den Kopf solcher Wesen-Antipoden: hier der Ostmensch mit der breiten Stirn, den sehnsuchtsvollen Glutaugen und dem schwachentwickelten spitzen Kinn – dort als Beispiel des Westmenschen der Yankee, wie die Karikatur ihn zeichnet, mit breitem Kinn, dem sich nach oben verjüngenden Kopfbau und dem immer zufriedenen Lächeln. Sein Forschen und Denken, das den Gipfel der Verstandeskultur darstellt, ist ganz dem Irdisch-Greifbaren zugewendet.

Es ist als ob im Bild des Menschen über die Erde hin der Kopf auf dem Bauch aufsäße. So kann sich das Bild des Menschen niemals bilden.
Etwas fehlt.
Es fehlt die Mitte, das rhythmische, das atmende Prinzip, – es fehlt Mitteleuropa.

Im Osten zeigt sich uns der Zug nach oben, im Westen der zur Erde. In der Mitte müßte die Verwirklichung des wechselwollen Spiels beider Richtungsstrebungen liegen.
Wie aber müßte diese Verwirklichung aussehen?

Die zu erkennende Gesetzmäßigkeit des Himmels muß der Erde, ihrer sozialen Ordnung eingeprägt und den gewonnenen Erkenntnissen der Erdengesetze muß der Blick in das Geschehen des Himmels vermittelt werden.
Diese Geisteshaltung ist uns Menschen der Mitte vorgezeichnet.
Sie ist die Goethesche. In den Naturerscheinungen sieht Goethes Erkenntnis die Idee, das geistige Prinzip tätig; als einer unserer größten Geistesführer hat sein Genie die von Liebe durchpulste Gesetzmäßigkeit der Natur aufgenommen.
Er hat uns als sein größtes Werk, wie er selbst es bezeichnet, seine Farbenlehre und seine Metamorphose der Pflanzen vermittelt. Er schenkt uns damit ein Weltbild, durch welches das „Nirwana“ als die von oben gestaltende und wirkende Idee der Pflanzen- und Tierwelt faßbar wird und in dem die „Maja“ von ihm liebevoll durchdrungen und andachtsvoll erforscht erscheint.

Wir sagten, der Osten will von der irdischen Umwelt eigentlich nichts wissen. Der Westen aber benützt sie, um ganz Erdenbürger zu sein.
Goethe durchdringt sie in liebevollem andächtigem Erkennen, um auf diese Weise der Gott-Natur nahezukommen.
Es werden so die Gegensätze von Ost und West in geistiger Beziehung von Goethe versöhnt. Er sucht nach einer geistigen Welt, die nicht erdenfremd ist, nach einer Naturanschauung, in der auch des Menschen höchste geistige Bedürfnisse Erfüllung finden können, ohne daß der Mensch in einem geistleeren Zivilisationsstreben aufgeht.

Als er bei der Grabung im Kassengewölbe, das heißt bei der Suche nach Schillers Gebeinen, unter viele anderen Schädeln sofort den des Freundes herausfand, weil er ihn an dem Dom, an der Himmelswölbung des Knochenbaus erkannte, die dieses Sehergehirn einst in sich geborgen hatte, sprach Goethe die Worte:

Was kann der Mensch im Leben mehr gerinnen,
als daß sich Gott-Natur ihm offenbare,
wie sie das Feste läßt zu Geist gerinnen,
wie sie das Geisterzeuge fest bewahre.“
(„Bei der Betrachtung von Schillers Schädel“)

Was aber hat die Mitte getan?
Statt den Ausgleich der Pole zu erwirken, hat sie Krieg geführt gegen beide Seiten.
Nun liegt die Mitte zerschlagen vor uns. Von nun ab gilt nur ein Ziel: jeder von uns muß in seiner Geisteshaltung den Weg der Mitte suchen.

Worin besteht also das Wesen der Polarität?
Sie ist das Attribut der Erscheinungswelt; es liegt ihr die Einheit zugrunde, aus welcher die kommt.
Die Einheit schwebt unsichtbar über der Welt.
Will die in Erscheinung treten, so muß sie sich in Zeit und Raum, also in der sichtbaren Welt, manifestieren – in die Zweiheit der Pole treten.
Diese drängen in ihrer Gegensätzlichkeit wieder zur Einheit und ergeben in ihrer Mitte, in ihrem Ausgleich, die neue, durch den Kampf gegangene, gesteigerte, erhöhte Einheit.

(Quelle: Rudolf Thetter „Magnetismus – das Urheilmittel“, 9. Auflage , Wien 1986, Verlag Gerlach und Wiedling. S. 111ff.)


4 Kommentare

  1. Security Scout sagt:

    Der Text klingt stark nach Dr. Rudolf Steiner.
    Vereinfacht gesagt, muß der Mensch mit beiden Beinen fest auf dem Boden (der Materie) stehen und
    gleichzeitig mit dem Kopf (Gesit) weit offen nach oben sein.

    Wir bezeichnen das auch als gesunden Menschen-Verstand.

    Derzeit könnte Europa kaum entfernter davon sein.
    Krieg ist Frieden und Frieden ist Krieg.
    Die Manipulation der Bedeutung der Worte ist extrem.

    Karl Grunick K.I. = Körper Intelligenz hat eine interessante Lösung gefunden.
    Seine kontaktlose Selbstverteidigung um nur EIN Beispiel zu nennen, finde ich
    hochinteressant.

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  2. jpr65 sagt:

    Darum sind wir ja hier, in und aus Mitteleuropa, um die Welt wieder ins Gleichgewicht und in ihre Mitte zu bringen.

    Das wurde immer wieder verhindert, u.a. durch 2 Weltkriege.

    Aber einen dritten wird es nicht geben, denn diesmal wird es funktionieren!

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  3. David Ulf John sagt:

    Die Mitte finden und sein und leben, weder rechts noch links, das ist eben der wedische weg, den Anastasia für mich besonders anschaulich beschreibt. Kooperativ mit der Natur, und die Technik zum Wohle aller Wesen nutzen. Aber nur dann, oder es muss erst eine andere Technik gefunden werden, wenn die aktuelle dies nicht vermag. Bzw. ist natürlich ein Übergang wichtig und natürlich, doch als Ziel sollte dies laut ihr die Maßgabe sein

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  4. Luckyhans sagt:

    Auf jeden Fall wird durch das Buch aus dem Jahre 1937 klar, welchen Riesenfehler Mitteleuropa gemacht hat, als es sich in die sog. westliche Wertegemeinschaft – die VSA-Vorherrschaft – einordnen ließ.
    Es kann so seiner historischen Rolle nicht gerecht werden.

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