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Die ganz andere Geschichte Europas 1900 -2000: Ergebnisse einer Forschung / 1

Die Eurasische Idee (wäre) die größte Gefahr für den Welttyrannen

Quelle: lupocattivoblog.com/2010/04/09/die-eurasische-idee-ware-die-groste-gefahr-fur-den-welttyrannen/

Der Leser mag sich fragen, warum ich den Bericht, den jeder im Lupocattivo – Blog lesen kann, hier reblogge. Es gibt einen einzigen, aber triftigen Grund: 

Wenn dank Blog bumibahagia auch nur ein einziger Mensch mehr auf den Bericht stösst und ihn liest, ist etwas gewonnen!

Lupo hat die wahren Geschehnissen im Europa des letzten Jahrhunderts genau erforscht und zusammengefasst. Weil die Geschehnisse unsere Gegenwart bestimmen, ist es von entscheidender Bedeutung, sie zu kennen.

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Ein entscheidender Faktor wird erstaunlicherweise nur angetönt:  Der Verfasser Lupo hat die obersten Drahtzieher, zu denen die Familie Rothschild gehört, kaum erwähnt (mir ist unbekannt, ob aus Unkenntnis oder beabsichtigt). Es wären aufschlussreiche Hinweise, dass Leute wie zum Beispiel Grey oder Colonel House enge Rothschild-Vertraute waren.

Lupo spricht lediglich von einem “Netzwerk”, ohne es mit Namen zu benennen.

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Der Bericht erscheint hier in 7 Folgen.

thomram jan2014

Von hier weg schreibt Lupo.

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Dieser Artikel macht (zusammen mit der Folge 1+2 meiner Rothschild-Geschichte (der Schlüssel) verständlich,

  • warum die Geschichte rund um WW1 in “unserer” Geschichtslehre kaum eine Rolle spielt, warum sie verkürzt und verdreht dargestellt werden musste.Dieser Artikel hilft, diese Lücke zu schliessen.
  • dass Rothschild im 19.Jahrhundert bereits “die Welt” beherrschte durch seine Beherrschung der BoE und damit des Commonwealth. Indem er die “Weltwährung” Pfund Sterling seinen Freunden unbegrenzt zur Verfügung stellen konnte, war es möglich, die Kontrolle über die Rohstoffe der “neuen” Kontinente Amerika und Afrika zu gewinnen.Da Rothschild seit Anfang des 19.Jahrhunderts auch Frankreichs Bank- und Währungssystem kontrollierte, wird es auch verständlich, weshalb diese neuen Kontinente erstmal in Einflusssphären dieser beiden Nationen aufgeteilt wurden – selbstverständlich auch mit der Idee, aus Konflikten der beiden “Nationen” zusätzliche Profite zu saugen.
  • die Unterschiede Rothschildscher und deutscher Kolonialpolitik, warum Deutschland selbst nach 100 Jahren in seinen ehemaligen Kolonien noch einen guten Ruf hat und dass dies eine “Gefahr” für das Imperium war.
  • dass bereits seit Mitte des 19.Jahrhunderts die Vorbereitungen liefen, den Schwerpunkt der Beherrschung von England in die USA zu verschieben – einen Kontinent, der für den Rest der Welt praktisch unangreifbar war.
  • dass selbst höchste Politikerkreise (bis hin zu Kaisern und Zaren) sich nicht über Rothschilds Tätigkeiten “der unsichtbaren Hand” und seine zionistischen Pläne klar waren. Offenbar war sich auch das Zarenhaus nicht (mehr) darüber im klaren, dass die Dynastie des Weltregenten noch eine offene Rechnung präsentieren würde, die aus der Zeit russischer Unterstützung Lincolns gegen Rothschilds Pläne stammten.
  • das es ein naiver Irrglaube Deutschlands war, man könne einen echten Keil zwischen die Interessen Englands, Frankreichs und der USA treiben, zumal dem kaiserlichen Geheimdienst ein Rothschild-Mann vorstand und auch die deutschen Finanzen massgeblich vom Rothschild-Haus Warburg besteuert wurden.
  • dass bereits mit der Unterstützung des russischen “Revolution” der Grundstein für den eisernen Vorhang durch Eurasien gelegt wurde.
  • die perfide propagandistische Ausnutzung von (US-)Patriotismus = GUT und deutschem/europäischen Nationalismus = BÖSE
  • welche unglaublichen Reichtümer Europas mit dem 1.Weltkrieg von Eurasien in die USA “wanderten” : das Gold Russlands, Englands, Frankreichs und Deutschlands.
  • dass mit unvorstellbar grossen Geldbeträgen (oder auch der Verweigerung derselben) nationale Regierungen davon abgehalten werden können, das eigentlich für ihre Völker Richtige zu tun.
  • dass Nationalsozialismus und Hitler für die Realisierung der Rothschild-zionistischen Weltherrschaft und die Gründung des Rothschild-Staats ISRAEL unabdingbar waren.
  • warum de Gaulle recht hatte, als er UK keinesfall in einer europäischen Union haben wollte, warum mit dessen Aufnahme die ursprüngliche europäische Einigungsidee TOT war, dass aber auch de Gaulle nicht Rothschild als den Fadenzieher erkannte (der auch ihm später “das Genick brach” )
  • warum Irak,Afghanistan, Pakistan, Vietnam, Südkorea, Indonesien “US-Speere” im Bauch Eurasiens sind und warum Rothschilds Staat Israel als “Eiterherd” der Weltpolitik  genau da sein musste, wo es heute ist
  • dass auch heute noch die Beendigung der Rothschild Weltherrschaft möglich wäre, wenn Deutschland und Europa verstehen würde, dass Russland, China, Indien, Iran usw. unsere natürlichen eurasischen Verbündeten sind.

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Die Belagerung Deutschlands im Ersten Weltkrieg 1900-1918

…Eine kleine königliche Flotte von 60 großen Schiffen oder mehr, aber im Notfall auch weniger, scheinen fast schon einen mathematischen Beweis, der an den gnädigen und mächtigen Schutz Gottes heranreicht, für eine mögliche Politik zu liefern, die dieser siegreichen britischen Monarchie eine herrliche Gewissheit bringen und erhalten wird. Dadurch werden die Einkünfte der Krone Englands und der öffentliche Reichtum sich wunderbar vermehren und gedeihen und dementsprechend lassen sich die Seestreitkräfte dann weiter ausbauen. Und so wird sich der Ruhm, das Ansehen, die Wertschätzung und Liebe, und die Furcht vor diesem Britischen Mikrokosmos über das ganze weite Erdenrund rasch und sicher ausbreiten.”                                                      John Dee, Die Brytish-Monarchie [1577].

Das Zweite Reich: Die Tragödie eines imperialen Neubeginns

Die plötzliche Machtentfaltung des Deutschen Reichs in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nötigte das britische Commonwealth, mit einem durchgreifenden Manöver gegen die kontinentale Landmasse der Welt vorzugehen. Hauptziel war, vorbeugend eine dauerhafte Allianz zwischen Russland und Deutschland zu verhindern.

England ging gegen diese mögliche Vereinigung vor, indem es einer Tripelallianz zwischen Frankreich und Russland beitrat, die das deutsche Reich einkreisen sollte (1907). Nach Ausbruch des Krieges wurde die Operation ausgeweitet, indem man den Beistand der Vereinigten Staaten in einer Phase gewann, als die russische Seite der Tripelallianz einzubrechen drohte (1917). Als sich im Osten eine gefährliche Lücke auftat, beeilte sich Großbritannien, sie dadurch zu schließen, dass es ein liberales Experiment unter einem Strohmann – einem Rechtsanwalt namens Kerensky – ermutigte. Es sollte schon nach wenigen Monaten scheitern. Inzwischen griff man als mögliche Alternative auf revolutionäre Nihilisten, die so genannten Bolschewiken, zurück. Diese standen unter dem Kommando des radikalen Intellektuellen Lenin und wurden durch ein labyrinthisches Netzwerk organisierter Subversion und obskurer ‘Agenten’, wie dem Russen Parvus Helphand, nach Russland gebracht. Man hegte dabei die Erwartung, dass sich aus diesem Zustrom ein despotisches Regime ergeben würde, deren Ausrichtung (Materialismus, Antikirchlichkeit und Antifeudalismus) das Gegenteil der Einstellungen im Deutschen Reich darstellen würde. Die Einbindung der Vereinigten Staaten war Teil einer breiteren Beteiligung. Diese reichte von der militärischen Verstärkung an der Westfront bis zur zionistischen Propaganda für die gemeinsame Besetzung Palästinas (zusammen mit England), das sich als lebenswichtige geopolitische Zone an der Grenze zwischen West und Ost herausschälte.

  • Die Niederlage des Reichs am Ende des ersten Weltkriegs (1918) besiegelte die Erste Stufe der Vernichtung Deutschlands.

Wenn wir den Aufstieg der Nazi-Ära und den Konflikt zwischen England und dem deutschen Reich verstehen sollen, müssen wir zuerst die internationalen Beziehungender jungen deutschen Nation ab 1870 untersuchen.  Um 1900 war schon alles klar.

So unwahrscheinlich es auch erschienen sein mag, aus dem nachnapoleonischen Morast war das deutsche Reich aufgetaucht.Aus einem Durcheinander zerstrittener Fürstentümern hatte sich schließlich eine Nation zusammengefunden. Sie war durch ‘Blut und Eisen’ um den militärischen Kern der streitbarsten Provinz, dem Königreich Preußen zusammen gebacken worden und bot sich in den 1870er Jahren den Augen des Westens als das Zweite Deutsche Reich dar.
Es war ein instabiles Konglomerat, eine Verbindung aus feudalen Bestrebungen und enormen wissenschaftlichen Leistungen. Schließlich handelte es sich um die wunderliche Ehe zwischen der unbesiegbaren preußischen Armee und der besten Musik, Physik, Chemie, Volkswirtschaft, Historiographie, Philosophie und Philologie, die der Westen zu bieten hatte. Ein furchtbarer Anfang.
Und schon bald weckte dieser deutsche dynastische Staat, der sich seiner Möglichkeiten bewusst war und vor Selbstvertrauen geradezu platzte, die Neugier des Großen Britischen Commonwealth.(2) Anfangs hatte England der deutschen Politik kaum Aufmerksamkeitgeschenkt, da Großbritannien zu sehr von der französischen Konkurrenz in Sachen Kolonien und von seinem ‘Großen Spiel’ in Zentralasien in Anspruch genommen worden war.
In diesem wurden seine militärischen Kräfte durch die Kräfte des zaristischen Russlands gebunden.(3) Deutschland war zu zersplittert, um etwas von der geopolitischen Aufmerksamkeit der britischen Generäle in Anspruch zu nehmen. Nicht dass der deutsche Handel für England unwichtig gewesen wäre: das Gegenteil war der Fall. Doch als die Charakteristik des Handels zwischen England und Deutschland sich unter Leitung des Meistertaktikers und Kanzlers des Reiches, Otto Bismarcks (1870-1890), allmählich umkehrte, das heißt, als Deutschland aufhörte, nur noch der Lieferant von Nahrungsmitteln für das Vereinigte Königreich und Empfänger seiner Industrieerzeugnisse zu sein, und statt dessen selbst zur wachsenden Industriemacht wurde, begannen das britische Auswärtige Amt und dessen zugehörige Clubs über die Angelegenheit mit einiger Besorgnis nachzudenken.(4)

Offensichtlich profitierten die Deutschen von den Möglichkeiten der Übernahme. Sie hatten den Vorteil, ihren europäischen Gegenspielern ein breites Spektrum an technologischen Kenntnissen abzugucken. Sie vervollkommneten diese ohne die Belastungen und verlorenen Kosten der Erstentwicklung auf dramatische Weise. Doch auch ohne diese Behinderung bleibt die Industrieproduktion problematisch. Um den Herstellern Profit einzubringen, kann sich das nationale Gewerbe kaum auf die heimischen Märkte verlassen. Diese dürften zu eng und zu schnell gesättigt werden. Wo konnte man den Überschuss, der letztlich den Profit bringt, absetzen? Wo lud England den seinen ab? In seinen Kolonien. Daher drängte auch Deutschland auf ‘einen Platz an der Sonne’. Die anfallenden nationalen Kosten für die Ausrüstung von Kriegsschiffen und überseeische Konsulatsverwaltungen, die in der Regel den Geldgewinn der geschützten Konzerne weit überwogen, wurden wie immer der Öffentlichkeit aufgehalst. Tatsächlich dienten die Kolonien auch als bequemer Ausgangspunkt für imperiale Intrigen.Obwohl der imperial denkende Kanzler Bismarck es vorgezogen hatte, Deutschlands kontinentale,das heißt, mitteleuropäische Position durch ein Geflecht dauerhafter diplomatischer Abkommen inmitten der anderen ‘großen Spieler’ (England, Russland, Österreich-Ungarn und Frankreich) zu festigen, so wirkten die handfesten Interessen der Wirtschaftsunternehmen überzeugend genug, um den Eisernen Kanzler umdenken zu lassen, und ihn dazu zu bewegen, den Anspruch des Reichs auf Kolonien abzusegnen. Dies geschah in der ersten Hälfte der 1880er Jahre.

Wie zu erwarten standen die Kosten für das Vordringen des Reiches in Afrika (Südwestafrika, Togo, Cameron, ein Teil von Tanganjika), am Pazifik (ein Teil von Neu Guinea, der Solomon, Marshall und Carolinen Inseln), und im Fernen Osten (die Handelsniederlassung an der Kiao-Chao Bucht, mit seiner damaligen kolonialen Architektur, meisterhaften Kanalisation und dem modischen Strandurlaubsort von Tsingtau) in keinem Verhältnis zu den Gewinnen aus der Förderung von Rohstoffen und der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Deutschland erwarb ‘Kolonialgebiete’, die viermal so groß waren wie es selbst.5 Trotz erstens der öffentlichen Ausgaben, um den Handel durch „die Fahne“ abzusichern, zweitens der ernst gemeinten Verpflichtung des Deutschkolonialen Frauenbunds, das dürftige Corps deutscher Siedler (1914 waren es etwa 25.000, einschließlich der Soldaten) mit deutschen Frauen zu versorgen6 , und drittens des recht raschen Umsatzes deutscher Investitionen in Hanf, Phosphate, Kakao und Gummi, wurden diese territoriale Erwerbungen von den herrschenden Kreisen als ‘traurige Enttäuschung’ bewertet.7 Sie waren zu kostspielig, zu dornig. Den Deutschen fehlten jene imperiale Dreistigkeit im Umgang mit den Eingeborenen, sie kannten nicht jene ruhige Gelassenheit, mit der sich der britische Sahib (Herr) vor Ort in das ‘Gemüt’ der Menschen einnistet, um es fest im Griff zu halten.

Natürlich erlebten die Deutschen eine Reihe gewaltsamer Aufstände ihrer eingeborenen Untertanen – sie taten nichts anderes, als diese schonungslos niederzuwerfen. Bismarck wurde ungeduldig, die Berliner Großbanken zeigten kein Interesse an diesen exotischen Experimenten, und inzwischen ärgerte sich das Britische Reich zunehmend über das Vordringen der Deutschen an ihrer Peripherie: Trotz seiner reichen Kultur war das Reich zweifelsohne ein imperialer Neuling in der Welt. Herbert Bismarck, der Sohn des Kanzlers, gestand in seiner Funktion als Insider, dass das Beharren auf der Kolonialpolitik ‘populär war und gerne übernommen wurde, um [Deutschland] jederzeit in einen Konflikt mit England zu bringen.’8

Die Deutschen verlangten Aufmerksamkeit. Sie wollten mit ihren britischen Vettern das Kondominium über die Welt teilen, und schließlich auch mit ihnen zusammenstoßen, was, wie sie vermuteten, nur ein Zusammenstoß von kurzer Dauer sein würde. Es schien, als würde Deutschland den Wettkampf um seiner selbst willen suchen – einen Wettbewerb, der in der Vorstellung der deutschen Regierenden und genau so der nationalistischen Intellektuellen, aufgrund der geschichtlichen Entwicklung theoretisch zu einer‚Wachablösung’ zwischen England und Deutschland führen sollte, zu etwas Ähnlichem wie dem Übergang vom spanischen zum britischen Reich im siebzehnten Jahrhundert.
Während Bismarck jun. seine imperialistische Begeisterung nicht verbarg, sollte der spätere Kanzler Bernhard von Bülow (1900-09) Jahre später in seinen Memoiren verächtlich sagen, die Deutschen hätten überhaupt keine politischen Fähigkeiten.9 Möglicherweise war das alles richtig, doch hat es sich nicht gut für Deutschlands nationale Sicherheit ausgewirkt. Der fähigste Forscher auf dem Gebiet, der norwegisch-amerikanische Sozialwissenschaftler Thorstein Veblen bemerkte dazu 1915:

Zweifellos spielt die Vorliebe für tief greifende Überlegungen in den Gewohnheiten der Kulturschaffenden in Deutschland eine große Rolle. Doch will nichts tiefgründiger und penibler überlegt sein als der nächste angemessene Schritt eines Menschen, der nicht mehr weiß, wohin er geht, obwohl er unterwegs ist.10

Weil sie nicht wusste, worauf sie letztlich abzielte, konnte die deutsche imperiale Politik für laienhaft gehalten werden, doch für den Beobachter von außen stellten sich die Tatsachen auf Dauer anders dar. Er sah einen gebildeten ‘Ameisenhaufen’, angefüllt mit Verfahren und Vermutung, die auf Expansion aus waren. Und Expansion betrieb man: Trotz seiner Naivität in den Künsten imperialer Intrigen legte das Reich, wo immer es ging, Eisenbahnstrecken an – und zwar höchst entwickelte –, baute ein beneidenswertes Netz aus Handelsniederlassungen aus, führte eine tadellose Verwaltung ein, und hoffte schließlich das alles mit der Ausbreitung seiner unübertroffenen Künste und Wissenschaften zu krönen. Obwohl politisch nicht so erfahren wie die Briten, war es trotzdem ein Konkurrent von beunruhigender Brillianz. Die Deutschen einzudämmen, herauszufordern, und zu besiegen war keine einfache Aufgabe.

Um 1890 war zugegebenermaßen nicht einmal der Meisterstratege Bismarck, der damals vom neuen Kaiser Wilhelm II entlassen wurde, in der Lage, für Deutschland einen ‘neuen Kurs’ festzulegen. Er hat klar begriffen, jedenfalls hat er das im Nachhinein betont, wie wichtig es war, sich nicht mit Russland zu verfeinden, obwohl das angesichts der Tatsache, dass Deutschlands nächster Verbündeter, das österreichische Reich, ewig mit Russlands Bestrebungen in Osteuropa im Streit lag, sich als äußerst schwierig erwiesen hat. Daher istBismarcks Ziel, eine feste Allianz zwischen den drei kontinentalen Souveränen (der Dreikaiserbund) niemals verwirklicht worden.So dann wurden die vorsichtigen, ‚freundlichen’ Fühler, die er nach England ausstreckte, in London immer nur mit Argwohn aufgenommen. Da sich das Reich seit einiger Zeit dreist als Rivale gegeben hatte, blieb England nur übrig, den Grad der Feindseligkeit des Reiches abzuschätzen. Aber das war, wie oben erwähnt, für Deutschland selbst eine völlig unklare Angelegenheit.
Sicher war nur, dass Frankreich für Deutschland im Rahmen der wechselnden Allianzen ein ‘hoffnungsloser’ Fall war: 1871 hatte sich das neu ausgerufene Reich, nach dem Deutsch-Französischen Krieg das an Industrie reiche Elsass-Lothringen zurückgenommen.
Von da an bestand ein eingeschworener Hass zwischen den beiden Mächten. Bis zum Zeitpunkt seiner Entlassung hatte Bismarck auch recht wenig unternommen, um das Unbehagen Englands zu beruhigen.

Insgesamt bestand das Wesen all des endlosen diplomatischen Hin und Herr in dem ungelösten politischen Minderwertigkeitskomplex der Deutschen gegenüber den Briten.

Kaiser Wilhelm II, der Enkel Königin Victorias, Bismarck, Admiral Tirpitz, der künftige Vater der Deutschen Reichsflotte, und eine Großzahl der deutschen Granden sprachen fließend Englisch und waren in der Lebensweise des britischen Oberschicht ausgebildet.
Die Anziehungskraft von Mutter England, die Faszination ihrer Machtausübung auf die Deutschen war stark. Doch war das Deutsche Reich insgesamt ein ‘ganz anderes’ Geschöpf. Es wünschte sich nur ein etwa gleichstarkes imperiales Händchen, um sich bemerkbar zu machen. Und das versuchte es mit allem, was es hatte – und das war beträchtlich viel, wie die Verbündeten zwei Jahrzehnte später feststellen sollten, aber eben nicht genug.
Nach Bismarcks Entlassung kam mit Wilhelm II. ein neuer Kurs. Aber dieser ‘neue Kurs’ war ‚eigentlich’ nur die Fortsetzung des alten. Er machte die frühere Ausrichtung nur noch deutlicher und legte seine verschwommenen, mittelfristigen Ziele offen dar.
Kurz gesagt, die Auseinandersetzung mit England – eine Auseinandersetzung die durch Flottengeplänkel, mutige Diplomatie und wirtschaftliche und technologische Errungenschaften gelöst werden sollte.

In dem umfangreichen Strom gelehrter Produktionen, die sich mit dem Zweiten Reich und der Gründerzeit (die ‘Gründungsepoche’ der deutschen imperialen Hegemonie im späten neunzehnten Jahrhundert) befassten, wurde viel Aufhebens um Wilhelms II infantile Eskapaden und seiner launische Oberflächlichkeit gemacht. Viele katastrophale Aktivitäten wurden der neurotischen Scham des Kaisers über seine Verwachsungen an der linken Hand und am Unterarm zugeschrieben. Abgesehen von solchen gängigen, psychologischen Erklärungen, die dankenswerter Weise wieder aus der Mode kommen,dürfte die Bemerkung treffender sein, dass die bleibende Tendenz von Deutschlands neuem Kurs nichts mehr zu sein schien, als dass es auf besorgniserregende Weise seinem Niedergang entgegen trieb.

Wie ein deutscher Historiker kürzlich beobachtete, war Wilhelm II nicht der Schöpfer deutscher Hybris, sondern nur einer, der sie am auffälligsten auslebte(11). Somit spürte Großbritannien am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, wirtschaftlich gesprochen, den heißen Atem Deutschlands und Amerikas im Nacken. Doch die bloße Anerkennung dieser Tatsache auf Seiten Großbritanniens schöpfte die Angelegenheit kaum aus. Amerika sprach ein passables Englisch, konnte sich ‘liberal’ gebärden und war,
wohl das Wichtigste, wie Großbritannien eine Insel: Amerika konnte also kaum eine Bedrohung darstellen. Dagegen war die deutsche Sprache dem Englischen nur entfernt verwandt, Wilhelmshaven lag nahe bei Dover. Deutschland stand auf dem Kontinent vor seiner Türe. Und da war noch etwas.
Flottengeplänkel…
Ende des Jahrhunderts wurde offenkundig, dass Wilhelm II begeistert das Projekt Erweiterung der kaiserlichen Marine unterstützte. Im Inneren warnten natürlich die Kosmopoliten, Sozialisten und Liberalen, dass ein solcher Kurs sicher eine Auseinandersetzung mit England bedeuten würde. Ebenso dachten die konservativen Großagrarier: Eine große Flotte bedeutete so etwas wie Freihandel und hohe Steuern. Das Reich brachte die Landbesitzer, die so genannten Junker mit Schutzzöllen zum Schweigen und machte dadurch unter dem Jubel der großen Mehrheit des Landes, der Liberalen, der Katholiken, der Gesamtdeutschen, der reichen Couponschneider und der nicht so reichen sozialistischen Unterklasse den Weg für die Flottenbemühungen frei. Sie alle waren auf die eine oder andere Art ‘Nationalisten’.

Damals galt es als unschicklich, nicht gemeinsam auf die vielen, erstaunlichen Errungenschaften des jungen Reiches stolz zu sein und das zu zeigen. Propaganda, Demonstrationen und als Antwort auf den deutschen Hurrapatriotismus dem durchschnittlichen Briten im patriotischen Taumel einen ‚ordentlichen Hass’ einzubläuen, war für die britischen Gouverneure und ihre verlässlichen Presseorgane schon zur Routine geworden. Diese Dinge ließen sich bei Bedarf mühelos in Gang bringen12.
Doch das deutsche Vordringen in die Gewässer der Nordsee und mit der neuen Flotte darüber hinaus, voraussichtlich auf die Ozeane der Erde, weckte, gelinde gesagt, in Großbritannien eine schwerwiegende Besorgnis. Damit war das Reich zu weit gegangen. Es war an die Werkzeuge zur Handhabung des britischen Empires selbst vorgedrungen, an die heilige ‘Königliche Marine’. Sie war seit den Tagen des prophetischen John Dee im elisabethanischen Großbritannien das Hauptinstrument zur Eroberung der Welt. John Dee war der Astrologe der Königin, ihr Kartograph, Okkultist und Geheimdienstchef.

Die Deutschen verstanden einen Sachverhalt intuitiv nur zu gut. Sie verstanden allmählich, dass sie, wenn es ihnen gelang, ihre Kontinentalmacht – die sie leicht ausüben konnten, da die preußischen Divisionen im Herz Europas die besten der Welt waren, – mit einer mächtigen Flotte, ihrer militärischen Force De Frappe zu verbinden, mit Sicherheit der Großbritanniens überlegen waren.

Damit rückte also die Frage der Allianzen in den Vordergrund. Intuitiv wussten die Deutschen seit Bismarcks Zeit, dass sie sich unmöglich in eine Falle zwischen den ‘hoffnungslosen’ Franzosen und den zweideutigen Russen setzen durften. Ein längerer Zweifrontenkrieg
musste, wenn es schon zum Kampf kommen sollte, vermieden werden. Aus diesem Grund hat Bismarck es immer vermieden, sich mit Russland ganz zu verfeinden. Doch die plumpen, antislawischen Intrigen des österreichischen Partners im Balkan standen dem im Weg. Das österreich-ungarische Reich war der weiche Unterleib des Reiches.

Der Deutsche Generalstab war sich dieser Belastung bewusst und erfuhr das mit Bedauern.

Wir sind an eine Leiche gefesselt

sollten Generäle schon im ersten Monat nach Kriegsbeginn geklagt haben.13 .Doch zunächst blieb Österreich der natürliche Verbündete, weil es die Fortdauer der deutschen Herrschaft über Südosteuropa gewährleistete, und weil zudem die Österreicher gut Deutsch sprachen. Es sei daran erinnert, dass das Wien am Ende des Jahrhunderts, obwohl es vermehrte Anzeichen der Dekadenz aufwies, eine Vorhut, wenn nicht sogar die Vorhut der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten der ‘Deutschen’ war – jedenfalls ein Schmelztiegel von außergewöhnlicher Erfindungsgabe, der Paris in nichts nachstand. Das ist hinsichtlich unserer Überlegungen von Gewicht.

Die Österreicher sprachen Deutsch und die Preußen waren überzeugt, sie könnten auf jeden Fall die große europäische Rasse voran bringen. Sie glaubten, sie könnten die beträchtlichen militärischen Unzulänglichkeiten des Habsburger Reiches reichlich wettmachen.Alle diese Erwartungen waren offensichtlich unangemessen. Während das Reich in seinen Unklarheiten schwelgte, verlor Großbritannien keine Zeit. Um 1900 war den Briten klar geworden, dass Deutschland tatsächlich an ‘ihnen vorbei ziehen’ konnte. Es konnte Großbritannien überholen und eine (für das Reich) vorteilhafte, aber vorübergehende Lähmung der europäischen Angelegenheiten auslösen. In dieser Zeit konnte es sich wieder gegen Frankreich wenden, um es ein für alle Mal zu befrieden und dann seinen Blick auf Russland werfen. Russland könnte vom Reich entweder in eine feste Allianz eingebunden werden, in der die Deutschen offensichtlich die Russen dominieren würden, oder als Alternative dazu könnten die Russen allmählich dazu genötigt werden, sich den preußischen Armeen zu unterwerfen.

In beiden Fällen würde sich der britische Alptraum bewahrheiten. Wenn Deutschland und Russland sich in der einen oder anderen Form vereinigen würden, würde die Eurasische Annäherung eintreten; das heißt, es würde ein tatsächliches eurasisches Reich im Zentrum der kontinentalen Landmasse entstehen. Dieses könnte sich auf eine riesige slawische Armee und deutsche technologische Meisterschaft stützen. Und so etwas konnte das Britische Empire niemals zulassen, denn es würde seiner Vorherrschaft einen Todesstoß versetzen.

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4 Kommentare

  1. Vollidiot sagt:

    Die Rolle Bismarcks verdient es intensiv untersucht zu werden (Lichtenberg: Was jedermann für ausgemacht hält, verdient am meisten untersucht zu werden).
    Wie Lupo es darstellt, plötzlich sei Deutschland aufgetreten und England hätte plötzlich aufgemerkt, so naiv ist brit. Politik nicht.
    Das war alles in „geordneten Bahnen“ (brit. Pläne) und das macht die Rolle Bismarcks so pikant.
    Der vergötterte Otto und dann kam der vergötterte Adolf – und beide waren untadelige Helden…………
    Dichtung, Wahrheit und Verarsche liegen nah beieinander – gerade in der Politik.
    Ein weites Feld – und soviele Handelnde waren aktiv – für Round Table.
    Dessen Credo: DIE WELT SOLL ENGLISCH SPRECHEN!

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  2. thomram sagt:

    @Volli
    Ich habe lange über dem Titel gebrütet. Niemand kann unfehlbar die wirklich wichtigsten Geschehnisse herausfiltern und dann noch in ihrer ursrpünglichen Form wiedergeben, auch ein so guter Forscher wie Lupo nicht.
    „Die wahre Geschichte Europas“ ist mithin grossgekotzt.
    Aber wer will schon einen Titel schreiben wie „Annäherung an die Wahre Geschichte Europas“?
    Wenn ich schreibe: „Die wahre Geschichte Europas?“, dann ist mir wieder zu viel vorauseilender Zweifel drin.
    Ah, jetzt hab ichs. Hehe. Ich mach n Zusatz.

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  3. Vollidiot sagt:

    Bassd scho Thom

    Wollt nur was ergänzen/anregen.
    Das wird rgelmäßig vergessen.

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  4. Vollidiot sagt:

    Die Hetze der Entente begann bald nach dem Berliner Kongress und erreicht in den 90er Jahren einen ersten Höhepunkt – eine echte Vorkriegshetze.
    Allerdings sahen die Briten das Risiko des zu frühen Losschlagens.
    Erst mußte der Balkan vorbereitet und Italien eingebunden werden.
    Darauf begannen politische Morde zu Hunderten, Herrscher wurden ausgewechselt und d’Annuncio (J…) begann in Italien mit seinen Tiraden.

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