Wo nur soll ich anfangen? Gestern und heute wurde ich ich tief berührt und beglückt…als Zuschauer beim Turnier.

Schulklassen aus dem ganzen Bezirk wurden zusammengezogen, gestern waren an die 400 Kinder der dritten bis fünften Klasse da.
Feld: 60×40 Meter.
17 Mannschaften zu je 7 Spielern.
Gestern Vorausscheidungen, heute die Endspiele mit vier Mannschaften.
Ich, vorerst nicht eingeweiht, war zutiefst beeindruckt von den Schiedsrichtern, dachte ich doch, es seien Schullehrer. Souverän, unaufgeregt, kristallklar bestimmt und freundlich handelten sie. Die Erklärung? Es waren Profis! Eingeladen und bezahlt! Ich genoß alleine nur schon nur deren perfekte Arbeit.
Die Organisation war impécable, eingespielt alles. Ohne daß die Erwachsenen wesentlich Anweisungen geben mussten, stellten Jungs das Nötige auf und räumten am Ende alles ab, die Tore, Markierhüte, Bälle und… den reichlichen Müll. Nach wie vor ist es hier so: Müll wird hingeworfen dort, wo man grad steht. Doch am Schluß wird reingemacht. Na schön.
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Gestern um acht war Beginn. 400 Kinder, alle in prächtig roten Uniformen gekleidet, standen in Reih und Glied, horchten der Anweisungen und Ermahnungen, sangen köstlich falsch und brausend einige Lieder.
Du kannst das Video einsehen unter http://t.me/ThomRamBali
Datum: 06.06. 11:42
Tue Dir den gefallen, klicke es an! Wahrscheinlich mußt Du telegram erst runterfahren, damit Du es laden kannst.
Am Schluß der Informationsphase fand Meditation statt. Gemeinsam gingen Kinder und Erwachsene eine Weile in sich. Wohl duftende Stille schwebte über dem Geschehen.

Dann ging es los.

Alle mit 100%igem Einsatz

Alle auf Zusammenspiel bedacht, keine Ego-Solo-Dribbler

Während der gesamten Spieldauer von 6 Stunden sah ich ein leichtes und ein grobes foul, mehr nicht.

Nichtspieler vergnügten sich still und heiter unbeschwert.

Die Siegermannschaft

Mit dabei der Drittgeborene meines Freundes Jack

Fussball ist Mannschaftssport.
Einer für alle. Das ist menschlich im ursprünglichen, im besten Sinne.
Und alle für Einen?
Ja! Wenn einem Spieler ein saublöder Fehler unterlief, wurde er von seinen Mannschaftskollegen getröstet.
Manche Gruppen standen vor dem Spiel eng im Kreise zusammen, sprachen sich Mut und Sicherheit zu, es waren offensichtlich eingeschliffene Rituale, schmetterten dann ihr Gruppen-Zauberwort. Team. Gemeinschaft.
Und gegenüber gegnerischer Mannschaften? Da war keine Missgunst oder gar Feindschaft. Selbstverständliche Achtung und Wertschätzung herrschten, die Körpersprache zeigte es deutlich.
Was mich am meisten beglückte, das war das Auftreten aller Kinder. Es gab Momente, da mußte ich beim Anblick dieser freundlichen, frohen, freien und selbstbewussten Wesen eine Freudenträne verdrücken.
Ist es in DACH immer noch so? Wenn ich dort einem Kind zublinzelte oder es anlächelte, dann, so erinnere ich mich, war die Reaktion in der Regel etwas zwischen leisem Befremden und den Laden sofort zumachen, also Gesicht verschließen.
Hier findet das Gegenteil statt. Zwinkere ich zu oder und zeige ich ein Lächeln, so werde ich von Jungs und Mädels beschenkt mit freundlichem Kopfnicken und strahlendem Gesicht. So schön kann das Leben sein…
Dies alles fand hier statt in Stunden, da anderen Ortes Bomben geworfen werden, da gefoltert wird und da letzte Hirnzellen aktiviert werden um Pläne zu entwickeln, wie Mensch, Fauna, Flora und der Boden unserer Mutter Erde ausgesaugt werden können.
Gleichzeitig solch herzerhebend Gutes findet erdenweit statt. Es sind die unzähligen kleinen Feuer. Schüren wir sie!
Was ich sah, das verband das namenlose Sehnen (welches Du, guter Leser, auch kennst) mit realem Geschehen. Das namenlose Sehnen, basierend auf unbewusster Erinnerung an Zeiten, da wir frei und glücklich waren.
Als Jüngling schmachtete ich darunter. Im Laufe des Lebens fand ich mich damit ab, daß hier schlicht hart Brot zu essen gilt.
Diese frohen freien Kindern, sie erinnerten mich daran. So ist es. So ist froh sprühendes Leben.
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Es gibt Leut, die schieben Fussball in die Ecke der Satansküche, sagen, Fussball sei eine ganz schlechte Sache, mache dumm und brutal.
Als ich auf den Philippinen war, war Fussballweltmeisterschaft. Ich hockte an der Bar und rief bravo, als eine Mannschaft ein Tor schoß. Mein Nachbar, ein Holländer, wie mir anschließend gesagt wurde, der grabschte meinen Hals und würgte mich. Das Beispiel steht exemplarisch für teuflische Fussballperversion, welche sehr wohl grassiert.
Fussball mache dumm und brutal. Was ich gestern und heute gesehen habe, das hatte mit dumm und brutal nichts gemein, was ich sah, das war männlicher Kampfgeist, war blitzschnelle Lagebeurteilung, Reaktionsschnelligkeit, Körpertraining, Ballführungszauberei. Alles unter allseitigem Respekt. Alles in freundschaftlichem Gemeinschafts-Geiste.
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Der Beobachter TRV, 06.06.11

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Ich hatte Stunden der Irritation, konnte den Artikel nicht veröffentlichen.
Heute bin ich früh erwacht und hab mich wieder auf die Tasten gestürzt.
Schrittweises Löschen von Textblöcken und einzelnen Fotos brachte die Erklärung. EINE der Fotos war in einem Format, welche das Veröffentlichen verunmöglichte. Seltsam.
Gestern hatte ich wirklich Blut geschwitzt.
Nun lasse ich Gott einen juten Mann sein.
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@ Thom Ram
06/06/2023 UM 18:06
Vielleicht ist es eine K.I., die hier eingreift???
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Schön, daß es mit dem Artikel doch noch geklappt hat!
Den gemeinsamen Stillemoment zu Beginn finde ich super!
Dadurch gehen alle schon ganz anders auf den Platz und ins Spiel, weil sie ihr Spiel(feld) vorher alle gemeinsam erschaffen und gesegnet haben. Auf dem Foto ist auch schön zu sehen, daß die Jungs den Moment ernstnehmen und bewusst eintauchen.
Freut mich, daß Ihr so viel Freude hattet! 🙂
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Jetzt ist mir etwas klar geworden, was bei dem Verbot von Fußballspiel in der Waldorfschule zu vermissen ist: Es findet nicht statt, folglich entfällt auch die Chance für die Kinder, in allen Altersstufen die ihnen entsprechende Kameradschaft, Sportlichkeit und Fairness zu entwickeln. So könnte es eines Tages auch beim Smartgong für Kinder sein: Würde es verboten, entfielen die Millionene Szenen, wo sich ein Kreis oder wenigstens zwei von Kindern bis Jugendlichen über so ein Dings amüsieren, was einer mit seinem Spielzeug ausfindig gemacht hat.
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