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Wie der Sammler zur Linde kam

Eine Parabel.

Autor: Volli.

Meine Frage in die Runde: Wer ist der Wanderer?

Thom Ram, 23.10.06

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Eine Parabel.

Autor: Volli.

.

Wieder kommt er in ein Dorf, so wie auch gestern und vorgestern und noch davor.

Er ist schon lange unterwegs, er sieht Dörfer mit kleinen Kirchen, Bauern und Vieh und Städte mit Bürgern, Handwerkern, Domherren und Dome und immer, Felder, Wiesen und Bäume. Er quert die Flüsse auf Furten und über Brücken.

Und immer ruht er, im Schatten eines Baumes und, wenn es sich so ergibt, an einer Quelle im Waldesschatten.

Wie liebt er den tauenden Morgen mit dem noch sanften Licht und das Abendrot, das die Neige des Tages kündet.

Das heitere Murmeln eines Baches, die Stimmen der Vögel, Waldesrauschen und, unter dem Dach eines Baumes den Fluß des Regens. Er kennt auch das wilde Wetter mit seinen Stürmen und Blitzen und Donnern, wenn Cherub und Seraph wirken.

Er sieht verdorrte Blumen und den kranken Vogel, den dürren Baum.

Und er sieht die Gesichter der Menschen die ihm begegnen, die er bemerkt so, wie sie ihn nicht bemerken.

In den vielen Jahren seines Sammelns hat er schier unendlich viele gesehen, er weiß hinter die Haut zu schauen, in die Augen, in die Falten in die Schrunden.

Da sieht er fast jeden Kummer, jede Sorge, jede Freude, die Gier, den Hass, die Verachtung, den Neid, Zuneigung, Achtung, die Regungen in Allen die er sehen will und er will es in Allen sehen.

Diejenigen, die ihm begegnen und ihn anschauen fühlen sich danach wie beschenkt, sie merken, daß der Tag schön geworden ist.

Warum? Sie wurden beschenkt.

Die Frau die ein krankes Kind trägt und deren Leid er in sich aufnimmt fühlt sich getröstet. Der trunkene Bauer der sein Weib schlägt weil sie sich vor ihr Kind stellt, bemerkt den tiefen Blick des Vorübergehenden und nimmt sich wahr.

Auch dieses Dorf liegt hinter ihm.

Er ist müde und satt. Dieser Tag hat ihm eine reiche Ernte gebracht.

Eine Linde, weit verzweigt, mit mächtiger Krone und mit der duftenden Zier der leise fruchtenden Blüten, holt ihn zur Rast; er hört die hingebungsvoll tätigen Bienen, die unablässig ihrem einzigen Bestreben folgen, sie schenken.

Die Linde gibt sich hin – mit Duft, Blüten und Schatten; Baumgeist und Bienengeist haben den Wanderer gebeten bei ihnen einzukehren und dieser nimmt dieses Angebot an.

Er legt sich in den Schatten und hört das Summen und bedient sich am Lindenduft.

Und während er schläft nehmen der Lindengeist und der Bienengeist seine Ernte und tragen sie in die höchsten Zweige; dorthin wo die Sonne sich mit den Blättern trifft und Lindengeist und Bienengeist in luftiger Leichtigkeit mit den Sonnenstrahlen spielen.

Wer weiß schon, was sie dort miteinander verwispern?

Die Sonnenstrahlen strahlen auch auf die Dächer und Giebel, die der Lindengeist vom höchsten Blatt aus hinter den nächsten Hügeln sehen kann…….

 


13 Kommentare

  1. Angela sagt:

    Könnte der Name des Wanderers “ LIEBE “ lauten?

    Lg von A n g e l a

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  2. Vollidiot sagt:

    Angel

    Falsch geraten, diesmal nicht.

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  3. Angela sagt:

    Eine wunderschöne Parabel, sie lässt mich nicht los…. 🙂

    Vielleicht heißt der Wanderer : “ SCHÖNHEIT“ ? Schönheit ist überall, auch im vermeintlich Häßlichen… man kann die schönen Augenblicke sammeln , und Schönheit beglückt jeden, der sie erkennt….

    Lg von A n g e l a

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  4. Vollidiot sagt:

    Angel

    Ich laß mal raten.
    Irgendwann verrate ich, was ich damit meine………………..

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  5. Angela sagt:

    @ Volli

    Ich rate einfach noch einmal: „WEISHEIT“ .

    Weisheit kennt alles, Schönheit, Freude, Kummer, Leid, Krankheit und Elend. Sie wird nicht überall erkannt, aber falls doch, fühlt sich der Empfänger beschenkt. Weisheit urteilt nicht, entdeckt die Schönheit in allen Dingen und sammelt Erlebnisse und Beobachtungen, um zu wachsen.

    Jetzt bin ich wirklich gespannt auf die Lösung.

    LG von A n g e l a

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  6. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  7. haluise sagt:

    das ist JEDE/R von uns auf dem „weg“ zu UNS… luise

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  8. Thom Ram sagt:

    Ich dachte darüber nach, und als ich ohne zu denken darüber nachdachte, da fiel mir zu:
    Der Wanderer, das bin ich.

    Mein Ego erschrak zutiefst und rief mir zu, ich solle mich meiner Ueberheblichkeit schämen, und zwar heftig. Ich gebärde mich als aufgeblasener Frosch, sagte mein Ego.
    Als Kind habe man mir das austreiben wollen, und immer noch nicht hätte ich mich gebessert, zischte es, mein Ego.

    Verdattert entglitt mir das Steuer, und ich erwiderte meinem Ego-Programm, jaja, natürlich sei nicht nur ich der Wanderer. Jeder sei der Wanderer.

    Damit war der Zauber der spontanen Einsicht verblasen.

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  9. HansL sagt:

    Ich_ich_ich -waijß
    …der Wanderer ist das Leben, der Lebensgeist_der Geist des Lebens_, er ist Es; ?also divers?, dritte Person– den der Geist des Lebens ist in allem inne (-zuweilen selbst in einem Viertele Yama_ha, gell )
    **
    der Holzwurm darf ein neues, anderes Betriebssüßtem erlernen, da er aus konkludentem Verhalten alles an Cupper vernichtet hat und somit den Faden tsum weltwajten Netze verlustig ging__was hat das mit lustig zu tun?__ ;mehrere Wochen war ich nun frei, kein Netz, völlich losgelöst im KabelSalat sucht’r nun das Netz, da idiotisches und schäumende Träumer, oder opaLehrer tsu lesen ihm gefehlt gar sehr –pardon für Fehlversuche

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  10. Hilke sagt:

    Hey, ich weiß es nicht, mein erster Gedanke war Jesus. Abber gleich wer sie (kicher) ist, es ist wunderschön zu lesen, Volli! Bitte mehr davon oder: wo kann ich mehr davonlesen wenns schon gibbet?

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  11. Vollidiot sagt:

    Der Wanderer als Symbol für einen Menschen in Freiheit, auf der Suche, in Offenheit, Dank, Dankbarkeit, Demut.
    Er hat nur sein Bündel und einen Stock, alles Weitere ist Geben und Empfangen.
    W. Müller:
    …Vom Wasser haben wir´s gelernt
    Vom Wasser
    Das hat nicht Ruh bei Tag und Nacht
    ist stets auf Wanderschaft bedacht
    (unsere Seele ist wie Wasser)

    Er erfährt alles direkt, alles was im Menschen wirkt und auf ihn einstrahlt.
    Die Natur in allen Facetten ist häufig sein Zuhause.

    Das muß ein schlechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein………………………….

    Er bekommt mit der Zeit offene Sinne, ein offenes Herz und unendlich viel Anregendes zur Reflexion.
    Er kennt Schmerz, Leid und die Schöpfung mit all ihren Gaben.
    Aus der Winterreise:
    Fremd bin ich …..
    …Die Liebe liebt das Wandern –
    Gott hat sie so gemacht –
    Von einem zu dem andern.
    Fein Liebchen, gute Nacht !
    Will dich im Traum nicht stören,
    Wär schad‘ um deine Ruh‘.
    Sollst meinen Tritt nicht hören –
    Sacht, sacht die Türe zu !
    Schreib im Vorübergehen
    Ans Tor dir: Gute Nacht,
    Damit du mögest sehen,
    An dich hab‘ ich gedacht.

    Und er weiß, daß unterm Sternenhimmel, unter Bäumen, im Wald, überall da, wo die Menschen nicht sind, es west und wispert und seine Seele frei wird. Er weiß, daß er Teil der Schöpfung ist und und verinnerlicht dieses Privileg. Diese Gabe hat er in seine Seele aufgenommen und diese schafft in ihm Raum für das, worunter seine weniger freien Mitmenschen leiden.
    Und er weiß, daß er als Wanderer von dieser Gabe, als etwas Feststehendes, jederzeit gibt.
    Kann er diese Fülle von Leid und Schmerz eintauschen in etwas von dem, das ihn erfüllt?
    Wie gesagt:
    …Die Liebe liebt das Wandern –
    Gott hat sie so gemacht –

    Weiß er doch, daß er im Gespräch mit den Sternen und den Bäumen und all den Wesenheiten, die er wahrzunehmen gelernt hat das, was er gesammelt hat in treue Hände übergeben kann.
    Wenn, dann ist ein Wanderer dazu in der Lage.

    Goethes Wanderers Nachtlied:
    Der du von dem Himmel bist,
    Alles Leid und Schmerzen stillest,
    Den, der doppelt elend ist,
    Doppelt mit Erquickung füllest;
    Ach, ich bin des Treibens müde!
    Was soll all der Schmerz und Lust?
    Süßer Friede,
    Komm, ach komm in meine Brust!

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  12. Angela sagt:

    @ Volli

    Fragte ThomRam nicht anfangs nach dem NAMEN des Wanderers?

    Jetzt steht da: WER ist der Wanderer?

    Insofern macht Deine Deutung Sinn: „… Der Wanderer als Symbol für einen Menschen in Freiheit, auf der Suche, in Offenheit, Dank, Dankbarkeit, Demut.
    Er hat nur sein Bündel und einen Stock, alles Weitere ist Geben und Empfangen…..“

    ThomRam und Haluise kamen der Lösung schon sehr nahe.

    Sehr schön , hat Spaß gemacht, das Raten….

    @ Hilke

    Bei diesen zwei Links kannst Du Parabeln finden:

    http://www.engelbrecht-media.de/s_weisheitsgeschichten.html

    https://www.spruch-archiv.com/tags/Parabeln/

    LG von A n g e l a

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  13. Hilke sagt:

    Angela! Hier habe ich doch glatt eine Parabel wiedergefunden, die ich schon lkang gesucht hatte, aber ich wußte nicht mehr wie sie heißt o.ä..
    Danke!
    http://www.engelbrecht-media.de/s_das_weisse_pferd.html

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