bumi bahagia / Glückliche Erde

Das betrifft mich nicht“ – wie oft hört man dies von Zeitgenossen, oft in „moderneren“ Formen, wie „das geht mir am Arsxx vorbei“ oder „gehobener“ auch „das tangiert mich nur peripher“.
Schutzbehauptung? Fehleinschätzung? Schaun wir uns das mal an…
Luckyhans, 24.1.005
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Geht mich nix an“ – die „klassische“ Flucht vor Verantwortung, derer wir glauben uns entziehen zu können. Ich nehme etwas wahr, was nicht in Ordnung ist, erkenne dies auch, aber ich will (oder kann scheinbar) nichts dagegen unternehmen. Dann flüchte ich aus dieser Realität auf diese Weise.
Was aber ein Trugschluß ist, denn Verantwortung kann man nicht delegieren.
Jeder ist in vollem Maße verantwortlich für sein eigenes Leben und für das seiner Umgebung, ob das einem paßt oder nicht.
„Es geht mich an“ – schon die Worte sagen doch, daß hier etwas auf mich zukommt, mich „belästigt“, in Anspruch nimmt – das kann nichts unwichtiges sein.

Denn nichts geschieht in meinem Leben „zufällig“ – Zufall ist nur das Wort für eine Gesetzmäßigkeit, deren Regeln ich noch nicht erkannt habe.
Wenn ich also Zeuge jenes Vorfalls geworden bin, vor dem ich mich zu drücken versuche, dann hat das eine Bewandtnis, eine Bedeutung.
Es ist eine Prüfung von seiten des Schicksals, der ich unterzogen werde: wie reif ist dieser Mensch in seiner Menschwerdung schon?

Bitte: es geht hier um konkrete Vorgänge in meinem Leben, unmittelbar.
Das ist bitte nicht zu verwechseln mit der Flut an Informationen, die alltäglich rund um die Uhr zielgerichtet auf mich losgelassen werden, um alle wesentlichen Geschehnisse in diesem Strom zu ertränken und mich im weiteren unfähig zu machen, wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden. Was letztendlich zur allgemeinen Abstumpfung führen soll.
Also wie gesagt, darum geht es nicht.

Es geht um die Vorgänge, die mich betreffen.

Das heißt zuerst einmal, daß deren Folgen mich treffen (können).
Was gleichzeitig bedeutet, daß ich auch einen Einfluß auf diese Vorgänge ausüben kann.
Denn im hochkomplexen Geflecht der heutigen Welt gibt es immer Möglichkeiten, selbst tätig zu werden und die Abläufe zu beeinflussen.

Wir sind den Anforderungen dieses Lebens nicht ausgeliefert, wenn wir uns selbst nicht aufgeben. Kann jeder überlegen, ob ihm Situationen einfallen, in denen er tatsächlich nicht hätte etwas Sinnvolles unternehmen können.
Mir sind im Nachhinein stets Ideen gekommen, was ich hätte tun können, ohne mich und die Meinen zu gefährden, allerdings oft erst nach reiflicher Überlegung.
Wer tut sich das heutzutage noch an? Reiflich nachzudenken über Geschehnisse?

Keine Zeit dafür“ ist nun wahrlich die schwächste Ausrede – alle Menschen haben gleich viel Zeit, es kommt nur darauf an, wofür wir diese unsere Lebenszeit einsetzen – verwenden oder verschwenden.
Es ist nur eine Frage der Prioritäten, und wenn ich merke, daß ich diese schon nicht mehr selbst bestimme, sondern von den Ereignissen praktisch getrieben werde, dann wäre das aber „höchste Eisenbahn“, mich damit zu befassen.
Und mein Leben – denn nicht anderes ist die unwiderbringlich dahintröpfelnde Lebenszeit – wieder selbstbestimmt in die eigenen Hände zu bekommen.

Also entscheide ich selbst, was mich betrifft und was mich etwas angeht.
Auch durch Nichthandeln wird dies nicht anders.
Klar erfordert handeln, eingreifen wahrscheinlich eine erhöhte geistige Aktivität: die Situation richtig einschätzen, mögliche Wirkungsalternativen und deren Auswirkungen überschlagen und dann eine zweckmäßige Variante auswählen – und TUN.
Ohne Risiko kein Spaß – natürlich kann ich eine suboptimale Handlungsvariante auswählen und selbst „mit einem blauen Auge davonkommen“: dann werde ich beim nächsten Mal gewiß umsichtiger sein.
Auf jeden Fall bin ich um eine Erfahrung reicher…

Daß ich eine solche Chance auf Erfahrung verpaßt habe, merke ich spätestens dann, wenn mich ein Vorgang betroffen macht, wenn ich feststelle, daß mich mein Gewissen nicht in Ruhe läßt, daß in mir Gefühle entstehen, die mich beunruhigen.

Die Fähigkeit zur Betroffenheit ist eine der wichtigsten menschlichen Eigenschaften, denn sie bewahrt mich davor, abzustumpfen, in bestimmten „eingefahrenen Bahnen“ zu denken und zu handeln.
Künftig also einzuwirken statt mich abzuwenden.

Und damit bringt mich die Betroffenheit dazu, offen zu bleiben, d.h. die Fähigkeit zu erhalten, etwas in meinem Leben zu verändern.
Genau das schützt mich vor einem dumpfen Roboterdasein, wo ich fremdgesteuert unterwegs bin, ohne tatsächliche eigene Wirkungsmöglichkeiten.
Inwieweit ich schon ein solches führe, ist etwas, das ich erkennen kann.

Um wieder in mein Urteilsvermögen zu kommen, muß ich allerdings einen wichtigen Schritt zuerst tun: ich muß mich von dem tosenden Gelärme der heutigen sogenannten Informations-Gesellschaft abkoppeln – regelmäßig und für ausreichend lange Zeit.

Früher genügte es, den Fernseher abzustellen und aus zu lassen – heute hat jeder seinen kleinen „Fernseher“ in der Tasche.
Ja, auch den muß ich regelmäßig abstellen – auf jeden Fall über Nacht, und auch möglichst am Wochenende, wenn ich Zeit für mich und die Meinen haben will.
Am besten ist es dazu, allen seinen Freunden und Bekannten klarzumachen: wenn ich nicht gleich rangehe ans Gerät, dann bis ich beschäftigt – mit etwas für mich Wichtigem.

Auch ein internetfreier Sonntag, den ich vielleicht auch zum Fasten nutze, kann sehr hilfreich sein, um wieder zu sich selbst zu finden und zu den Abläufen der Jetztzeit den erforderlichen Abstand zu gewinnen.
Ohne Abstand – kein Überblick.
Und ohne Überblick geraten die „Leuchttürme“ aus der Sicht – jene Orientierungspunkte, mit deren Hilfe man sich im Leben zurechtfindet: was mache ich hier eigentlich? ist das noch MEIN Leben? was kommt dabei heraus?

Falls bei solchen Überlegungen Dinge hochkommen, die unbefriedigend sind: es gibt aus jeder ausweglos erscheinenden Lage mindestens zwei Auswege (meistens noch mehr). Selbstbestimmt statt fremdbestimmt leben – das ist gar nicht sooo schwer.
Oft genügt es, einige „liebgewordene“ Gewohnheiten zu hinterfragen und gegebenenfalls einfach über Bord zu werfen.
Denn das einzige, was konstant ist, ist die Veränderung – wer das kapiert hat, der ist auf dem richtigen Wege.

Denn er weiß, daß er selbst stets bereit sein muß für Veränderung, daß er offen sein muß für die Dinge, die „ihn angehen“, die auf ihn zukommen im Leben.

Betroffen sein ist da ein guter Anfang…


11 Kommentare

  1. Hilke sagt:

    D!A!N!K!E! Luckyhans

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  2. Gaby Kraal sagt:

    Feel the pain, talk about..

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  3. Vollidiot sagt:

    Wie sagte einst der Rudi Steiner:
    Man kann das Schlechte nicht gut, den Irrtum nicht wahr finden; aber man kann es dahin bringen, daß man durch das Schlechte nicht abgehalten werde, das Gute, durch den Irrtum nicht, das Wahre zu sehen.

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  4. Und manchmal hilft es dann aber auch, sich auszuklinken, wenn Hopfen und Malz verloren ist.
    Ich hatte an einer Diskussion teilgenommen über Mikrowellenstrahlung, auch für den Gebrauch im täglichen Leben was Speisenerwärmung angeht……Strahlung die ja tief in die Strukturen geht und Blutbild Veränderungen impliziert.
    Was musste ich mir da Alles anhören, die wüstesten Beschimpfungen.
    Was soll ich sagen, ich bin dann irgendwann gegangen und dachte mir nur: dann lasst euch doch eure Zellen zerstören, liegt in eurer Hand….

    Kann sein dass es genau dieser Mechanismus ist, den der luckyhans beschrieben hat, dieses „betrifft mich nicht“ und im Hintergrund die Verantwortung für sein Tun damit abgeben zu wollen.

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  5. […] über Kein Betreff? — bumi bahagia / Glückliche Erde […]

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  6. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  7. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  8. haluise sagt:

    UND WIEDER MAL EIN SACK WEISHEITEN

    DANKE VIELMAL

    BIN LUISE

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  9. luckyhans sagt:

    zu mar-ia um 16:32
    Eines der schlimmsten Vorurteile, die man uns tief eingepflanzt hat:
    „wenn viele das machen, dann kann es nicht falsch sein.“ –
    Kann es eben doch… denn die Konsequenz wäre: „Leute, freßt Scheixxe – Millionen Fliegen können nicht irren“ (Scheibenwischer)

    Oder auch dieses:
    Ohne Feuer kein Rauch – wenn’s einer sagt – irgendwas muß doch „dran sein“ –
    Muß eben nicht… es gibt auch vollständig erdachtes – die halbe Belletristik der Weltliteratur beruht darauf.

    So offensichtlich auch diese Fehlschlüsse sein mögen – viele Menschen sind nicht bereit, davon abzulassen – auch heute nicht.
    Daher immer wieder mein Reden: zuerst die (inneren) Konditionierungen, Fehlhaltungen, Vorurteile ablegen, dann die (äußere) Welt verändern… (wollen)

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  10. ALTRUIST sagt:

    Die Grunduebel plakativ angeprangert von

    https://hartgeld.com/cartoons.html

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  11. ALTRUIST sagt:

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