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143. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – Was meinte Napoleon bei den Pyramiden?

Eckehardnyk, Dienstag, 27. September, NZ 10

1

Vor der Schlacht bei den Pyramiden soll Napoleon I. Am 21. Juli 1798 seinen Soldaten motivierende Worte zugerufen haben. Darin befand sich der auch für uns hier bedeutende Satz:

„Vierzig Jahrhunderte sehen auf euch herab.“

Warum wirkte dieser Hinweis anregend? (Die Schlacht wurde für die Franzosen gewonnen, der Krieg insgesamt nicht; aber das kulturelle Interesse am alten Ägypten ist seitdem unablässig gewachsen und eigentlich der Sieger jener verunglückten Expedition geblieben.)

2

Im Hinweis auf „die Jahrhunderte“ liegt etwas verborgen, das in jedem Menschen sofort ein Feuer von Begeisterung entfachen kann, wenn er eine Empfindung davon spürt. Verdeutlichen wir uns den Vorgang, weil durch ihn für das Abenteuer Erziehung Aussicht auf Gelingen begründet ist. Zunächst weist uns der Ausspruch auf etwas sinnlich Wahrnehmbares: „Pyramiden“. Dadurch wird eine Empfindung erweckt. Das Auge spürt etwas Großes auf, etwas Außergewöhnliches. Und es befördert diesen Eindruck über die Netzhaut an das Hirn, wo ein Umschlagen ins Seelische geschieht. Die Seele empfindet Anlaß zu einem Gefühl. In dieses sind, wegen der Größe des Eindrucks, Wünsche, Hoffnungen und Ziele verwoben. Das Erhabene, Zeitlose steht mit einem Mal zur Verfügung. Damit identifiziert sich eine Seele gern; sie weiß sich damit einig und fühlt sich in ihrer unbegrenzten Abstammung echt berührt, was ihr gewiß macht, daß sie unvergänglich sei. Das erzeugt Mut und regt wieder den Körper an, der nun als vergängliches Werkzeug für das ewige Sein der Seele kämpft. Wir nennen diesen Übergang von Gefühls- in Leibeswelt „Emotion“, die Napoleon geschickt für seine militärischen Zwecke einzuspannen wußte. „Emotional“ sollen wir diese Energie der Seele nennen, die damals wie heute (auch bei den sonstigen Ereignissen) Kämpfer zur Tat erstarken läßt. Nun, die damals waren also „motiviert“ und die Schlacht konnte mit einem siegreichen Ausgang rechnen.

3

Wir brauchen mit Ihren Kindern weder nach Ägypten noch auf Schlachtfelder ziehen. Wir Menschen haben den Himmel nachts und die Sonne tags, wobei uns aus der Unendlichkeit Jahrmillionen anblicken und uns Erhabenheit ohne Ende zugänglich machen. Doch es sind nicht die Jahre, nicht die Riesenzahlen, die hier für etwas sorgen, das wir nur in der Kindheit so mächtig erfahren können. Über das Alter des Weltalls weiß niemand etwas Genaues (was darüber öffentlich gesagt wird, ist mathematisch verzinkte Theorie). Aber wir erblicken Sterne, Mond und Sonne und empfangen durch Glanz und Stellung von ihnen für unser ein Unentbehrliches: Ein Gefühl, das uns erschauern und „erinnern“ läßt.

4

Es sind oft nur aller kürzeste Eindrücke, mit denen ein Kind von seiner eigenen Größe etwas spürt. Ohne dieses Gespür könnte es niemals aus „kleinen Verhältnissen ganz groß“ werden. Napoleon Bonaparte stammte aus beengten Verhältnissen und wurde ein Held seiner Zeit. Eine Weile allmächtig und viele und Vielen neue Möglichkeiten eröffnend, dann aber, in seiner Herrlichkeit (als Kaiser der Franzosen) vollkommen, immer despotischer bis zur „Vollendung“ seiner Macht beim Belgischen Belle Alliance beziehungsweise Waterloo am 18. Juni 1815. Er benutzte die Welt als Gelegenheit für sein Spiel. Doch als er eher nach Perfektion seines Gewaltsystems anstelle wie ursprünglich nach einer Neues erlaubenden Gesellschaftsordnung strebte, und dabei seine Kameraden oder Verbündeten nicht mehr mitspielen ließ, brachte ihn deren Koalition zu Fall mit den Mitteln, die er selbst in die Welt gebracht hatte.

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Der Blick in die Geschichte und auf das All lohnt sich von der Kinderstube aus fürs eine oder andere Mal. Denn so ganz ohne Vorbild könnte kein Kind zu dem aufsteigen, was in ihm als Höchstes beschlossen ist. Auch wenn in einem einzigen Dasein bei Weitem nicht alle Blütenträume reifen – dort, wo die Seele weiterlebt, wird alles Wesentliche aufbewahrt (heute sagt man gern: gespeichert, aber das setzt physische Instrumente voraus) und wird als „Begabung“ in die nachfolgenden Lebenszustände neu investiert. So hat sich das ein Jahr vor seinem Tod der Deutsche Dichter und Denker, Gotthold Ephraim Lessing 1780 vorgestellt und in seinem Aufsatz „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ von der wiederkehrenden Seele beschrieben. Denn, wozu sollte der Mensch bestimmt sein, wenn nicht dazu, alles in Natur und Kultur mit Geist, Seele und Leib Erfahrene mit dem Ziel auszuwerten, ihm, mit Verlaub, das Paradies als ewige Bleibe lebendig, heiter und vor Allem realistisch erreichbar werden zu lassen?

© 🦄 (eah)

1. Mai 1999 und 27. September 2022


3 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. latexdoctor sagt:

    Hat dies auf Märchen von Wurzelimperium S1 SunShinE rebloggt und kommentierte:
    Erneut interessante Gedenkenanstöße

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  3. Mujo sagt:

    Das ist ein riesen Spagat von Napoleon bis Kindererziehung.

    Um Menschen Führen zu können muss man sie Begeistern können in Positiven wie im Negativen. Das trifft natürlich auf Kinder ebenso zu die von Haus aus Begeisterungsfähig sind.
    Nur wenn wir Erwachsene uns dies erhalten haben die Kinder auch eine gute Zukunft.

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