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120. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – Wer tröstet, heilt! – Bleiben wir beim Sie!?

Eckehardnyk, 17. Januar NZ 10

0 Präambel
Immerhin wissen wir nun, dass Bildung ein Dreiklang ist, die in bestmöglicher Vollständigkeit in einem Menschenleben anzulegen ist. Aber wussten Sie, dass man Weinen und Lachen in der gleichen Mundstellung vollzieht?


1
Sie kennen wohl auch solche Szenen: Da rennt ein Kind vor seinen Eltern her, ist plötzlich mitten unter fremden Spaziergängern und fällt hin. Es staunt, betrachtet seine Hände und steht auf, ohne einen Mucks. Dann sieht es seine Eltern, wartet auf sie und fängt bei ihnen an zu weinen. „Mutter“ umarmt und tröstet. Was denkt „Vater“? Die „herkömmliche Gefühllosigkeit“ läßt denken, „kaum sieht es die Mutter, macht es Theater“. Was denken Sie? – Sie hätten hier eine Gelegenheit, umzudenken. Der Satz stimmt zwar, bis „Kaum sieht es die Mutter…“ ist aber nicht richtig. Denn „Theater“ macht es nicht, wenn es Trost braucht. Den kann es sich in der Regel nicht bei fremden Leuten abholen (und sollte es besser nicht, muss man heutzutage hinzufügen). Die Fremden geben ihm vielleicht Anerkennung, daß es hingefallen ist, ohne zu weinen. Und das Kind konzentriert sich. Bei Müttern – oder Vätern – kann es jedoch die Tränen fließen lassen und – getröstet werden. Was geschieht dabei?
2
Im Weinen zeigt der Mensch, daß er klein ist. Er fühlt sich zusammengepreßt von dem, was ihm schmerzlich widerfuhr. Unter diesem in der Seele gefühlten Druck fließen Tränen wie aus einer Weinpresse. Beim Trösten geschieht etwas Merkwürdiges, eigentlich ein Wunder: Das „klein“ gedrückte Wesen richtet sich wieder auf, es wächst über den Schmerz hinaus. Wenn Sie eine Katze streicheln, merken Sie, wie Sie mit Rücken und Schwanz höher kommt. Wenn Sie ihr Kind streicheln, schlägt sein Herz höher, Sie lassen es größer werden. Der Volksmund kennt so einen Spruch: „Was mich nicht umbringt, macht mich stark.“ Hierbei ist die wichtige Stufe, auf der getröstet wird, weggelassen. Wahrscheinlich, weil der „große“ Mensch sich schon selber Trost zukommen lassen kann. Das ist ja auch der Sinn des Tröstens bei Kindern: Sie lernen daran, sich selber über das Schmerzerlebnis zu erheben, um auch dermaleinst damit alleine fertig zu werden. Deshalb ist Weinen dennoch möglich und nötig, um überhaupt Schmerz in sich zu empfinden und dann den Trost, von wem auch immer er kommen mag, zuzulassen.
3
Die Frage ist doch immer wieder: Wie gehen wir mit uns selber um? Lassen wir denn zu, daß uns zum Weinen zu Mute ist? Lassen wir uns denn gerne trösten? Wer kann überhaupt trösten und wie geschieht das richtig? Im Trost muß eines auf alle Fälle immer enthalten sein: Die Annahme. Diese kommt im Arm Auflegen, Umarmen, Handreichen, Streicheln zum Ausdruck. Auch in Worte lege man das Aufnehmen des anderen Menschen mit seinem Problem. Er wird sich außer Fassung befinden und „haltlos“ weinen müssen, wenn Sie ihn trösten sollen. Einen „gefaßten“ Menschen können Sie nicht trösten.
4
Die Auf- und Annahme des zu Tröstenden muß bedingungslos geschehen. Es mag zwar gut gemeint sein zu sagen: Du bekommst eine Schokolade, wenn du aufhörst zu weinen. Dadurch lenken Sie jedoch vom Schmerz ab, anstatt zu helfen, über das niederdrückende Ereignis hinauszuwachsen. Im Schmerz möchte man nämlich gründlich erfahren, woran man leidet. Die Aufmerksamkeit geht gleichsam mit zu Boden, um sich im Herauswachsen daraus zu steigern. Plötzlich erscheint die Ursache ganz klein und in der Regel schlägt Weinen in Lachen um. Tröster, die sich darob verulkt fühlen, sollten hier mit ihrem Tun nicht innehalten. Die wechselnden Gefühlszustände gehören mit zum Schmerz. Erst wenn der Trostsuchende ausgeglichen ist, kann der Tröster zu „normalem Umgang“ übergehen oder sich zurückziehen. Er sollte allerdings den Dank des Getrösteten nicht ausschlagen.

5
Im Trost liegt Heilung. Selbst wenn keine körperliche Wunde zurückgeblieben ist, wird ihre Sanierung besser vonstatten gehen, wenn die Seele des Verwundeten ein Stück gewachsen ist. Und für dieses Wachstum empfindet der sensibel Getröstete durchaus Dankbarkeit, die er seinem Helfer ausdrücken möchte. Bei Kindern geschieht das mit einem spontanen Kuß, einer Umarmung oder was immer Sie sich verdient haben.

©

eah 8. März 1999


4 Kommentare

  1. Thom Ram sagt:

    Trösten.
    Wie?
    Wenn Mensch Wunde hat, so kann ich sie nicht heilen. Ich kann die Wunde verbinden, damit sie bei der Heilung nicht gestört wird.

    Und so ist es mit dem Trösten.

    Wenn Kind, aus welchem Grunde auch immer, weint, Schokolade anzubieten ist eine der dümmsten Maßnahmen, mag sie auch gut gemeint sein.
    Ist nämlich da realiter Ursache für Schmerz, körperlich oder emotional, so muß der Schmerz durchlebt werden. Immer kommen wir jenseits wieder daraus hinaus.

    Also kleines Kind in den Arm nehmen, es wiegen, es weinen lassen. Vielleicht leise summen, um Beruhigung zu fördern. Das ist alles.

    Größerem Kinde vielleicht die Hand leise streicheln, so es das zulässt, als Signal: Du hast jetzt Deinen Schmerz, ich begleite Dich dabei.

    Erwachsenem kommentarlos gut zuhören, was Dasselbe ist wie Hand leise streicheln.

    Hatte in Wohlen AG einen sauguten katholischen Pfarrer. In einer Predigt erzählte er eine Begebenheit aus seiner Praxis. Er hatte besucht eine verzweifelte Frau. Die erzählte ihm von ihrem Leid eine glatte Stunde lang. Er wollte helfen, wusste indes eine Stunde lang nicht, was er denn an Hilfreichem ihr sagen könnte. So hörte er zu und zu.

    Nach einer Stunde sagte die Frau:
    „Herr Pfarrer, noch nie hat mir jemand so gut geholfen als wie Sie“.

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  2. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:
    es stärkt die GESUNDHEIT zu wissen, nicht allein zu sein … luise

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  3. eckehardnyk sagt:

    https://youtu.be/xDOPHlpHwTw. Auf Minute 25 (mehr oder weniger, vielleicht schon ab 23) sagt eine Kinderärztin, „wer Angst hat muss impfen“. Das Thema verlangt mir jetzt Einiges ab, denn meine Frau hat als Kinderarzt jahrelang gegen Mumps,Masern,röteln (MMR) geimpft, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Sie starb 2004 kurz nach Ende ihrer Kassenarztpraxis mit 64 Jahren.
    Dennoch werde ich die Impfszene hier, die empörten Kommentar hervor rief, nicht ändern, da es allgemein um einen schmerzhaften Eingriff ging, der mit Wahrheit oder Ablenkung begleitet ganz verschiedene Wirkungen auslöst. Es hätte auch eine andere Spritze, wie beim Zahnziehen, sein können, nur konnte ich das eben damals (1998) nicht beobachten.

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  4. eckehardnyk sagt:

    Die Szene mit dem Pieks war die 11. von 144, lang ist’s her.

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