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93. von 144 – Am Kreuzweg – ELTERN KIND UND KINDERSTUBE – Ein Nimbus schütze dein Kind!

Eckehardnyk, 7. März NZ9

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Mit manchen Kindern geschieht schon früh, daß sie in die Mühle geraten, wo ihnen Schlimmstes zugemutet wird. Du kannst dich ich als Mädchen oder Junge kaum daraus selbst befreien. Deshalb legen die Leute um dich herum ein “kustodientes”, ein einhegendes Verhalten an den Tag, das in dörflichen Regionen noch stärker ausgeprägt ist als in Städten. Gehst du auf dem Land als kleines Kind bei Dunkelheit allein durch die Gassen und begegnest einem Erwachsenen, wird der sich sofort nach Woher und Wohin erkundigen und im Zweifelsfall schleunigst dafür sorgen, daß du dich auf den Heimweg machst.

2

Es geht allerdings auch Kindern aus „behüteten“ Häusern so, daß sie in Opferrollen geraten. Irgendein Stigma läßt sie wie einen weißen Raben erscheinen, und dann sind es die Bälger untereinander, die den Zirkel von Peiniger und Gepeinigten entstehen lassen. Wenn du an deinem Kind bemerkst, daß es in Kindergarten oder Schule oder sonst wo in einer solchen Geschichte zu landen droht, solltest du ihm etwas von diesen Zusammenhängen klar machen. Das Problem ist, Erklären nützt meistens in frühen Jahren nichts, weil die begründenden Ausführungen erst so mit zwölf Jahren verarbeitet und befolgt werden können. Und bis dahin ist es meistens zu spät. Es könnte ja auch sein, daß ein Erwachsener deines Familienkreises sich heimlich an deinem Kind vergeht, und es keine Chance sieht, ohne Schaden da heraus zu kommen. Wie also durchbricht man den Circulus vitiosus, diesen Teufelskreis?

3

Durch Gewalt von außen? Was bedeutet das für jemanden, der sich von außen gar nicht beobachten läßt und folglich sich selbst befreien müßte? Er oder sie als Opfer soll selbst durch einen Gewaltakt vollbringen, wozu “seine” Erwachsenen keine Mittel haben, um sich von der Umklammerung durch den Täter zu lösen (der auch eine Frau sein kann)? Das fällt dem Opfer schon deshalb nicht leicht, weil die Beziehung zum Peiniger womöglich die einzig stabile, wenn auch verruchte ist, die ein Kind eben braucht. Im Gewaltverzicht an dieser Stelle und in seiner aus welchen Gründen auch immer entstandenen Unfähigkeit, Stärke zu zeigen, liegt ja gerade die Opferrolle begründet, die vom “Stärkeren” ausgenutzt wird.

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Normalerweise haben Kinder, so klein sie sind, einen Nimbus, eine Kraft um sich, die auf die Verbundenheit mit seinen Leuten (und ihrer Engelsgarde) beruht, die stark sind und Schutz bieten. Setze auch du auf den Aufbau und das Erhalten bleiben von solch einem Nimbus, der dein Kind umgibt! Wie aber soll das geschehen? – Es geschieht ja ständig, und ist so mit der Natur des Menschen verbunden, dass darüber kein Bewusstsein besteht. Nur in den Fällen, wo es nicht gelungen ist, gibt es dann Vorkommnisse, die in den Zeitungen erscheinen und den Eindruck erwecken, als würde hinter jeder Ecke ein Kinderschänder zupacken. Dadurch wird zwar auch etwas aufgebaut, aber kein Nimbus, sondern Angst. Heutige Kinder spielen nur noch ausnahmsweise allein im Wald, was in den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts noch selbstverständlich war.

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Eine verhängnisvolle Tendenz gerade bei “aufgeklärten” Erwachsenen hat dazu geführt, die Volksmärchen aus den Kinderstuben zu verbannen. Sie seien viel zu grausam und außerdem wenig realistisch. Siehst du aber genau hin, dann findest du in den meisten Märchen, jedenfalls in der Sammlung der Gebrüder Grimm, Stoff genug, wie sich eine Menschenseele aus einer abscheulichen Lage befreit oder unglaubliche Hindernisse überwindet, um ans Ziel zu gelangen. Stetige Zielstrebigkeit bringen alle gesunden Kinder mit. Stärke ihre Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden, Falsch und Richtig am Weg genau einzuschätzen, nimm deinen Mut zusammen und erzähl deinen Kindern Märchen, Legenden und Sagen in der Originalsprache von Zauberern, Riesen, Drachen, Zwergen und Jungfrauen, Göttern und Helden, die zu ihrer Rettung erscheinen.

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Diese Gestalten statten die Seele mit Fähigkeiten aus, die sie braucht, um unabhängig zu werden. Unabhängig werden wollende Seelen bieten nur geringe Angriffsflächen, sie sind gewissermaßen “edel”, sie verbinden sich nicht oder nur ungern oder Not begrenzt mit irgendwelchen Angreifern. In Märchen findet dein Kind seine in sich ruhenden, starken und sittlich schützenden Gefühle und seine Bereitschaft bestätigt, Notwendiges ohne Schaden vorübergehend zu erdulden, Peinigendes abzuwehren und mit Widerwärtigem nicht zu kolaborieren. Die Märchen-Hexe, die Kinder verspeist und am Ende in einem genagelten Faß zu Tode gerollt wird, ist keineswegs identisch mit solchen “Hexen” oder Ketzern, die eine zur Gewalttat fehlgeleitete Christenheit hat in früheren Jahrhunderten verbrennen lassen. Wenn du genau hin fühlst, wie dein Kind oder Enkel Märchen aufnimmt, wirst du erkennen, daß es keine dieser Märchengestalten mit einem physischen Menschen gleichsetzt, sondern sie als Seelenkräfte in sich lebendig werden läßt und mit ihnen agiert. Dein Kind wird und darf sich nicht mit einer peinlichen Opferrolle identifizieren, womöglich noch damit kokettieren, sondern wird sich mit den Helden einig wissen und am Ende selbst Sieger sein.

(c) (eah) 27. Januar 1999 und 7. März 2021


3 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:
    ICH BIN HELD — luise DANKE

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  2. palina sagt:

    @haluise
    07/03/2021 um 21:25

    „Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:
    ICH BIN HELD — luise DANKE“

    ich kann damit nix anfangen.
    Du Ecky?

    Gefällt mir

  3. palina sagt:

    @haluise
    07/03/2021 um 21:25

    „Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:
    ICH BIN HELD — luise DANKE“

    nochmal gelesen und verstanden.
    Hat sich erledigt.

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