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Eltern, Kind und Kinderstube – 60. von 144 – Ist Kontrolle wirklich besser?

Wann und wo entsteht Vertrauen?

Eckehardnyk

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Vertrauen ist gut, Kontrolle besser! soll Lenin gesagt haben. Das mag für sein Gewaltregime zutreffen, mit dem er durch die Partei, die immer Recht hat, 1917 in Rußland ans Ruder kam. Auch für die eigenen mißliebig gewordenen Leute hatten die Parteiführer im Handumdrehen ein Verfahren bereit, sie als „Konterrevolutionäre“ zu diffamieren und zu liquidieren. Mißtrauen und Kontrolle werden in solchen Verhältnissen eher Menschen schützen, vor allem, wenn sie Grund haben sich vor Verfolgern zu fürchten. Kontrolle hat natürlich auch Vorzüge, wie zum Beispiel die Selbstkontrolle, die mit Selbstvertrauen einhergeht und mit bewußter Lebensführung zusammenhängt. Darüber war früher die Rede (53. von 144) und wird später noch zu reden sein.

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Ich wende den Lenin’schen Satz lieber um in: Kontrolle ist gut, Vertrauen billiger! Es ist nicht nur im geldlichen Bereich weniger aufwendig, Vertrauen in jemanden zu setzen. Auch im Bereich, wo Verantwortung eine Rolle spielt, ist es „recht und billig“, einer gut bekannten Person zu trauen und zu vertrauen. Nur geht rechtes Vertrauen viel weiter, als eine im verläßlichen Personenkreis gewährte Zubilligung von anvertrauten Aufgaben oder Sachen. Immerhin leben wir auf einem Planeten. Der ist zwar subjektiv riesig, objektiv im All aber eine Winzigkeit. Es gehört eine unermeßliche Kraft von Vertrauen, ja von Urvertrauen, dazu, um nicht ständig zu fürchten, in der Eiseskälte des leeren Weltenraums unterzugehen.

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Zum Glück bietet die Erde im Verhältnis zu unserem Leib nicht nur ihre Größe, sondern so viel mehr, daß wir von Natur aus keinen Zweifel hegen müssen, ob sie uns tragen und ernähren werde. Beim Schwimmen und Sportfliegen können wir uns dieses Gefühl, getragen zu werden, holen. Im „goldenen Zeitalter“ (siehe 16. von 144) der Kindheit legen wir für unseren Nachwuchs den Grund für das Zutrauen in sich selbst und das Vertrauen, gut aufgehoben zu sein. Mit den Zeitaltern wechseln auch die Qualitäten des Vertrauens, die ein Kind mit der Zeit erwirbt. Zuletzt langen wir dort an, wo im öffentlichen Leben von „vertrauenbildenden Maßnahmen“ gesprochen wird. Man könnte diese auch als friedenstiftend bezeichnen. Es ist nämlich ein Unterschied, ob Fernsehbilder Steine werfende und Fahnen verbrennende Aufrührer oder diese Menschen bei der Arbeit, bei ihren Familienfeiern oder sonst wo in ihrem Alltagsleben zeigen.

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„So fühlt man Absicht und man ist verstimmt“, heißt ein zur Redensart gewordenes Zitat aus Goethes „Torquato Tasso“ (II. Aufzug, 1. Auftritt). Es zeigt, das versteckte Absicht Vertrauen unterminieren kann. Dazu gehören auch die vielen Ablenkungsmanöver, die es den Kleinen leicht machen sollen, irgendwo mitzuspielen, wie beim Impfen (11. von 144). Ein Kuß ist ebenso eine absichtsvoll praktische Maßnahme, etwa um festzustellen, ob ein heimlich Verdächtigter etwas Verbotenes getrunken (oder berührt) habe. In 49. von 144 fanden wir das Gegenteil dazu: Mutter vertraut darauf, daß Sohn, während sie eine andere Sache abwickelt, sich zum Verlassen einer Arztpraxis vollständig ankleide.

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Statt Ablenkung läßt sich beim Spritze geben eine andere Maßnahme vertrauenbildend einführen: Man gebe dem Kind einen Luftballon und sage: Während des Aufblasens wirst du den Pieks kaum spüren. Das funktioniert nicht nur gut, sondern vermeidet jenes Vorschwindeln, da es weiß, daß da ein Stich kommen wird. Sein Mitmachen wird angeregt und läßt den Schmerz als „dazugehörig“ erscheinen. Ja, sogar wenn kein Ballon zur Verfügung steht, kann das symbolische Aufblasen in die Faust den Einstich weniger dramatisch erscheinen lassen. Es kommt hier auf die Kooperation mit dem kleinen Liebling an, in der auch das Schmerz empfinden seinen Platz hat.

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Kennst du Kinder, die beim Hinfallen nur schreien, wenn und weil Mutter oder Vater in der Nähe erblickt wurden? Man darf wohl sagen, daß in solchem Fall die Aufmerksamkeit der Eltern als Heilmittel probiert wird. Hier setzt das Kind primär nicht auf sein Vertrauen, allein über die „Niederlage“ hinwegzukommen, sondern auf die vielleicht herbeigesehnte Gelegenheit, bei Eltern oder Geschwistern mehr Wahrnehmung zu erlangen. In dem Maß wie es sich schließlich wahrgenommen weiß, empfindet und entwickelt dieses Kind dann auch wieder Vertrauen.

°

©️🦄 (eah) 17. Dezember 1998 und 15. Juli 2020


8 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt 1 Person

  2. Mujo sagt:

    „Wann und wo entsteht Vertrauen?“

    Der fängt bei ein selbst an. Da ist der Ursprung. Wenn das nicht vorhanden ist kann es nur schwer bei den Kindern Reifen.

    Diese sogenannten Helikopter Kinder sind das Typische beispiel von Eltern die ein Mangel an Selbstvertrauen haben.
    Deren Ur-Vertrauen wurde schon in ihrer eigenen Kindheit gestört das dann wenn nicht erkannt an die Kinder weiter gegeben wird.
    Leider begünstigt der Staat dies noch so das wir immer mehr unselbständige Menschen haben die nicht mehr ihr eigenes Potenzial Ausschöpfen.

    Aber wie alles im Leben kann auch das wieder erlernt und erlebt werden. Unabhängig vom alter.

    Gefällt 1 Person

  3. eckehardnyk sagt:

    „der Staat“ befiehlt als oberste Regierung den Gemeinden, für Kindergärten und – Krippen zu sorgen. Das Geld dafür wird den Geinden zur Beschaffung abverlangt.
    An diesem System wird sich was ändern müssen. Nur, wer macht den Anfang, und wie?

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  4. Mujo sagt:

    Ich halte Kindergärten als solches nicht für das schlechteste. Mich stört eher die gängelung von den Behörden dazu. Ledigich Krippen sollten Verboten werden. Kleinkinder gehören in die obhut der Eltern, und da sollte der Staat gewährleisten das dies immer möglich ist.

    Das System wird sich nur langsam verändern, dazu braucht es vielleicht noch ein zwei Generationen. Wenn diese Betonköpfe unter der Erde sind die noch selber Erziehungsdrill erfahren haben und kaum aus dieser Schiene rauskommen. Gerald Hüther war einmal 5 Jahre lang im Bildungssektor der Regierung mit tätig und hat verzweifelt dann das Handtuch geworfen weil nichts ging was in Sinne von Kindlicher Entwicklung ist.

    Setze da eher auf Insellösungen wie es die Walddorfschulen oder Montesori’s machen oder ganz eigenständig wie Königreich Deutschland. Wenn man denen nicht soviel Knüppel zwischen den Beinen wirft können die schön Aufblühen.

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  5. eckehardnyk sagt:

    Lieber Mujo, schau mal auf die Seite von spielraun-strandgut.de, da findet eine pädagogische Insel statt. Idee und Gründung Ute Strub ist meine Schwester.

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  6. Mujo sagt:

    Ecke…., danke für den Tip. Das mache ich.

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  7. Mujo sagt:

    @eckehardnyk
    Ich hab mir kurz danach den „spielraun-strandgut“ angesehen. Es ist ein guter Weg Kinder zu begleiten in ihrer Entwicklung so wie sie es wirklich brauchen, und nicht wie so oft dressiert werden damit sie gut Funktionieren. Gefällt mir gut was sie da macht.

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