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Es ist Krieg – die Verstaatlichung des Hochverrats

Es ist Krieg – und jeder verkriecht sich.

(Ludwig der Träumer, 31.03.NZ8) Stell dir vor, es ist Krieg … und keiner geht hin, war mal eine Parole, die ich früher richtig fand. War der Gedanke bisher dem Irrsinn der Zerstörung des Erschaffenen – der materiellen Werte geschuldet, was relativ harmlos war ob der Kraft und geistiger Fähigkeit der Menschen (kleines Arschloch) die alten Werte wiederzubeleben, so erleben wir im Jetzt eine komplette Umkehr der „menschlichen Werte“. Das Materielle verliert an Bedeutung – außer dem Notwendigen zum nackten Überleben, das der Mensch schon immer inne hatte (sonst wäre er nicht mehr hier). Die geistigen Werte des Daseins gewinnen massiv an Bedeutung. Das kann die ‚Kabale‘ nicht gutheißen. Ihre Macht würde schnell dahinschwinden. Militärischer Krieg ist inzwischen NO Go, wie der Abbruch von Defender folgerichtig zeigt. Warum Materialschlachten führen, wenn sie auf geistiger Ebene der Kabale mehr Gewinn an Herrschaft und Ausbeutung bringen?

Zum Thema bin ich wieder auf Stanislaw Lem gestoßen. Nicht einfach so, sondern weil mich diese Corona-Informationspandmie ankotzte. Stanislaw hat die geistige Entwicklung wie kaum ein anderer vorausgesehen. Rudolf Steiner hatte einen anderen Ansatz. Er appellierte an die ursprüngliche Geisteskraft. Lem sieht diese über den Umweg der Katastrophe. Egal. Da müssen wir durch. Das Ergebnis steht fest. Wie es aussieht – ziemlich gut.

Die Götterschlachten der Antike, die zur Allgemeinbildung in meiner Jugend gehörten (die wir damals leider nicht verstanden) und heute durch linksgrüne Genderschlampen in den Erziehungsministerien ausgetrieben werden, zeigen, daß das letzte Aufbäumen der ‚Kabale‘ zu Ende geht. Der Materialismus hat alle (nicht die Errungenschaften der materiellen Hilfe wie technische Hilfsmittel um Krumbuckeln zu vermeiden). Die sind weitgehend in Ordnung.

Hier eine Geschichte von Stanislav Lem aus seiner Sammlung von Kurzgeschichten, die letztendlich alles andre sind als Weltuntergangszenarien. Fernsehen geht auch anders. Guggen, was uns die alten ‚Umweltsäue zu sagen haben.

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Es ist Krieg – und jeder verkriecht sich.

Die Falle des Gargancjan

Als der Kosmos noch nicht so reguliert wie heute war und die Sterne ordentlich aufgestellt standen, so daß man sie leicht zählen konnte, von links nach rechts oder von oben nach unten, wobei die größeren und blaueren besonders gruppiert, die kleineren und gelblich schimmernden als Körper zweiter Kategorie in die Winkel und Ecken gestopft waren und man noch keine Spur von Staub, Schutt oder anderem Nebelfleckenschmutz fand, herrschte in jenen guten alten Zeiten die Sitte, daß Konstrukteure, die ein Diplom der Perpetualen Omnipotenz mit Auszeichnung besaßen, zuweilen auf Reisen gingen, um fernen Stämmen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

So geschah es denn, daß sich Trurl und Klapaucius, die die Sterne so zu schaffen oder zu löschen verstanden, wie wenn jemand Nüsse knackt, im Einklang mit obiger Tradition auf Reisen begaben.

Als die Größe des zurückgelegten Abgrunds in ihnen bereits die letzte Erinnerung an den heimatlichen Himmel verwischt hatte, erblickten sie vor sich einen Planeten, der weder zu klein noch zu groß, sondern gerade richtig war und nur einen Kontinent besaß. Durch dessen Mitte verlief eine rote Linie, und alles, was sich auf der einen Seite befand, war gelb, und auf der anderen Seite rosa. Sie begriffen also, daß sie zwei benachbarte Staaten vor sich hatten, und beschlossen, sich vor der Landung zu beraten.

„Da es hier zwei Staaten gibt“, sagte Trurl, „wird es nur recht sein, wenn du dich in den einen begibst und ich in den anden ziehe. Dann ist keiner geschädigt.“

„In Ordnung“, erwiderte Klapaucius, „aber was ist, wenn sie kriegerische Mittel von unsverlangen? Das kommt vor.“

„In der Tat, sie können Waffen, ja selbst Wunderwaffen verlangen“, pflichtete Trurl ihm bei. „Legen wir fest, daß wir es entschieden ablehnen.“

„Und wenn sie gewaltsam darauf dringen?“ entgegenete Klapaucius. „Auch das kommt vor.“

„Wir wollen es prüfen“, sagte Trurl und schaltete sein Radio ein, aus dem sogleich muntere Marschmusik drang.

„Ich habe eine Idee“, sagte Klapaucius und schaltete das Radio aus. „Wir können das Rezept des Garcancjan verwenden. Was meinst du?“

„Ach, das Rezept des Gargacjan!“ rief Trurl. „Ich habe noch nie gehört, daß es jemandangewandt hätte. Aber machen wir den Anfang. Warum nicht?“

„Jeder von uns ist bereit, es anzuwenden“, erläuterte Klapaucius, „aber wir müssen es unbedingt beide tun, sonst wird alles schlecht enden.“

„Ach, eine Kleinigkeit“, meinte Trurl. Er holte eine goldene Schachtel aus der Tasche und öffnete sie. Darin lagen zwei weiße Kügelchen auf Samt. „Nimm die eine, die andere bleibt bei mir“, sagte er. „Jeden Abend siehst du dir dein Kügelchen an. Wird es rosa, so bedeutet es, daß ich nach Vorschrift gehandelt habe. Du tust dann das gleiche.“

„Abgemacht“, sagte Klapaucius und versteckte das Kügelchen. Sie landeten darauf, umarmten einander und schieden in entgegengesetzter Richtung.

*

Der Staat, in den Trurl gelangt, wurde von König Unheuer regiert. Der war ein Militaristvon alters her und dabei ein wahrhaft kosmischer Geizhals. Um das Staatssäckel zu entlasten, schaffte er alle Strafen mit Ausnahme der höchsten ab. Seine Lieblingsbeschäftigung war die Liquidierung überflüssiger Ämter, und seitdem er das Amt des Henkers abgeschafft hatte, mußte sich jeder Verurteilte selbst enthaupten oder, wenn ihm die große königliche Gnade zuteil wurde, mit Hilfe der nächsten Verwandten.

Von den Künsten unterstützte er nur die, die keine Ausgaben erforderten, so zum Beispiel Chorrezitationen, das Schauspiel und die militärische Gymnastik. Überhaupt schätzte er die Kriegskunst über alle Maßen, da ein gewonnener Krieg beträchtliche Einnahmen erbringt; andererseits kann man sich aber für den Krieg nur im Frieden ordentlich vorbereiten, und so unterstützte der König ihn, aber mit Maßen.

Unheuers größte Reform war die Verstaatlichung des Hochverrats. Das Nachbarland schickte ihm Spione; der Monarch schuf also das Amt des Staatsverräters, der durch Vermittlung untergeordneter Beamter für reichliches Entgelt Staatsgeheimnisse an die feindlichen Agenten weitergab; die Agenten kauften lieber veraltete, denn die waren billiger, und sie mußten sich für ihre Ausgaben vor dem eigenen Finanzwesen ausweisen.

Unheuers Untertanen standen früh auf, kleideten sich bescheiden und gingen spät zur Ruh, denn sie arbeiteten viel. Sie fertigten Körbe für Schanzen an und Faschinen, aber auch Waffen und Denunziationen. Damit der Staat nicht durch das Übermaß dieser letzteren auseinanderfiel, denn zu Zeiten des Hundertäugigen Sehrlimus vor mehreren hundert Jahren war eine solche Krise eingetreten, hatte der, welcher zu viele Denunziationen machte, eine besondere Luxussteuer zu zahlen. So hielten sie sich auf einem vernünftigen Stand.

Nachdem Trurl an den Hof Unheuers vorgedrungen war, trug er ihm seine Dienste an, und der König, wie nicht zu schwer zu erraten war, verlangte von ihm mächtige Kriegswaffen. Trurl ersuchte um drei Tage Bedenkzeit, und als er in das für ihn bestimmte, bescheidene Quartier gelangte, sah er sich das Kügelchen in der goldenen Schachtel an. Es war weiß, als er es betrachtete, begann es sich langsam rot zu verfärben. „Sieh an“, sagte er sich, „es ist an der Zeit, Gargancjan zu befolgen!“ Und er setzte sich sogleich an seine geheimen Notizen.

*

Klapaucius hielt sich unterdessen in dem anderen Staat auf, in dem der mächtige König Mägerle herrschte. Dort sah alles anders aus als in der Unheurei. Auch dieser Monarch lechzte nach Feldzügen, auch er gab Geld für Rüstungen aus, doch tat er es in aufgeklärter Weise, denn er war ein Herrscher von maßloser Freigebigkeit, und seine Kunstempfindlichkeit war ohnegleichen. Jener König liebte Uniformen und goldene Schnüre, Borten und Quasten, Achselbänder, Portieren mit Klingeln, Panzerschiffe und Epauletten. Er war wirklich sehr empfindlich: Jedesmal, wenn er ein neues Panzerschiff vom Stapel laufen ließ, zitterte er am ganzen Leibe. Freigebig warf er mit Mitteln für die Schlachtenmalerei um sich, wobei er aus patriotischen Gründen nach Anzahl der erlegten Feinde honorierte, daher türmten sich auf den Panoramen, von den es im Königreich nur so wimmelte, die Berge der feindlichen Leichen bis zum Himmel.

Im Alltag paarte er den Absolutismus mit Aufklärung und Strenge mit Großmut. An jedem Jahrestag seiner Thronbesteigung führte er Reformen ein. Einmal befahl er alle Guillotinen mit Maiengrün zu schmücken, ein andermal – sie zu schmieren, damit sie nicht quietschten, dann wieder, die Henkerschwerter zu vergolden, ohne zu vergessen, sie aus humanitären Gründen zuschärfen.

Er hatte eine freigebige Natur, doch schätzte er Verschwendung nicht, daher ließ er durch einen besonderen Erlaß alle Pfähle, Pflöcke, Schrauben, Klubs und Fesseln normen.

Die Exekutionen der Unorthodoxen, die übrigens selten waren, wurden mit Pomp und viel Aufwand begangen, in Reih und Glied, mit seelischer Tröstung, salbungsvoll, inmitten marschierender Karrees mit Borten und Pompons.

Dieser aufgeklärte Monarchhatte auch eine Theorie vom allgemeinen Glück. Es ist ja bekannt, daß der Mensch nicht deshalb lacht, weil er lustig ist, sondern eben lustig ist, weil er lacht. Wenn alle sagen, es sei herrlich, bessert sich gleich die Stimmung. Mägerles Untertanen waren also verpflichtet, natürlich zum eigenen Nutzen und Frommen, laut zu wiederholen, daß sie sich geradezu außerordentlich wohl fühlten, und die alte unklare Begrüßungsformel „Guten Tag“ ließ der König in die vorteilhaftere „Wie gut!“ umändern, wobei Kindern bis zum vierzehnten Lebensjahr gestattet war, „HU-ha“ zu sagen, und Greisen „Gut wie!“

Mägerle freute sich, als er sah, wie der Geist im Volke gerann, wenn er durch die Straßen mit einer Karosse in Form eines Panzerschiffes fuhr, er sah die „Vivat!“ rufenden Mengen und grüßte huldvoll mit Gesten der Monarchenhand, sie indes jubelten um die Wette „Hu -ha!“, „Gut wie!“ und „Zauberhaft!“.

Er war übrigens von demokratischer Veranlagung. Er liebte es maßlos, sich mit alten Veteranen in kurze martialische Gespräche einzulassen, die Brot aus so manchem Ofen gegessen hatten, er lechzte nach kriegerischen Erzählungen, die in Biwaks zum besten gegeben wurden, und es kam vor, daß er, wenn er einen fremden Würdenträger in Audienz empfing, sich unvermittelt mit dem Streitkolben aufs Knie schlug und rief: „Der Sieg ist unser!“ oder: „Man vernagele mir dieses Panzerschiff!“ oder: „Daß mich die Kugeln treffen!“ Nichts vergötterte er nämlich mehr, schätzte nichts so sehr wie Stärke, Mut und Selbständigkeit, Piroggen in Branntwein mit Schießpulver, Zwieback und Munitionskisten sowie Kartätschen.

Wenn er also traurig war, ließ er Regimenter an sich vorbeidefilieren, die sangen: „Die gewindegeschnittene Armee“, „Zum alten Eisen werfen wir des Lebens Schmelz“, „Es hallt die Mutter, morgen ist alles in Butter“ oder auch das alte Kronlied „Pack ich den Meißel mit Verschluß, ich auf Bajonette stürzen muß“. Und er ordnete an, daß bei seinem Tode die alte Garde an seinem Grab sein Lieblingslied singen sollte: „Alter Robot, hast zu rosten“.

*

Klapaucius gelangte nicht auf Anhieb an den Hof des großen Monarchen. In der ersten Ortschaft, in die er kam, klopfte er an verschiedene Türen, aber niemand machte ihm auf. Schließlich erblickte er auf einer gänzlich unbelebten Straße ein kleines Kind, das an ihn herantrat und ihn mit einem dünnen Stimmchen fragte: „Wollen Sie kaufen? Ich verkaufe billig.“

„Vielleicht kaufe ich, aber was?“ fragte Klapaucius verwundert.

„Ein kleines Staatsgeheimnis“, erwiderte das Kind und zeigte unter dem Hemdsaum einen schmalen Streifen vom Mobilmachungsplan.

Klapaucius wunderte sich noch mehr und sagte: „Nein, mein Kindchen, das brauche ich nicht. Weißt du nicht, wo hier der Schultheiß wohnt?“

„Und wossu brauchen Sie einen Ssultheiß?“ fragte das Kind lispelnd.

„Ich habe mit ihm zu reden.“

„Unter vier Augen?“

„Meinetwegen auch unter vier Augen.“

„Dann brauchen Sie einen Agenten? Mein Papa wäre dazu geeignet. Er ist verläßlich und billig.“

„Zeig mir mal deinen Papa“, sagte Klapaucius, als er sah, daß er anders von diesem Gespräch nicht loskommen würde. Das Kindchen führte ihn in eins der Häuser; drinnen, bei brennender Lampe, obwohl es hellichter Tag war, saß die Familie – der greise Opa auf dem Schaukelstuhl, die Großmutter, die einen Strumpf strickte, und ihre zahlreiche reife Nachkommenschaft; und jeder war mit seiner eigenen Arbeit beschäftigt, wie das zu Hause üblich ist.

Als sie des Klapaucius ansichtigt wurden, erhoben sie sich und stürzten sich auf ihn; die Strickdrähte erwiesen sich als kleine Fesseln, die Lampe als ein Mikrophon und die Großmutter als der Polizeivorsteher am Orte.

„Offenbar ein Mißverständnis“, dachte Klapaucius, als man ihn nach vorheriger Mißhandlung in die Zelle warf. Geduldig wartete er die ganze Nacht, denn er konnte ja sowieso nichts anderes tun. Das Morgengrauen versilberte die Spinnweben an den Steinwänden und die verrosteten Überreste der einstigen Gefangenen; nach einiger Zeit führte man ihn zum Verhör. Es stellte sich heraus, daß sowohl die Siedlung wie auch die Häuser und das Kind vorgetäuscht waren; auf diese Weise fing man linkerhand feindliche Agenten.

Ein Gerichtsprozeß drohte Klapaucius nicht, das Verfahren war nämlich kurz. Für den Versuch einer Kontaktaufnahme mit dem verräterischen Vater stand das Fallbeil dritter Klasse, denn die örtliche Verwaltung hatte in jenem Rechnungsjahr bereits den Fonds für den Ankauf verbraucht, Klapaucius aber wollte seinerseits trotz wiederholter Überredungsversuche kein Staatsgeheimnis erwerben; zusätzlich belastete ihn der Mangel eines ernsthaften Barbetrages. Er blieb stets bei seinem Standpunkt; der ihn verhörende Offizier schenkte jedoch seinen Worten keinen Glauben, übrigens läge, selbst wenn er es gewollt hätte, die Freilassung des Häftlings nicht in seiner Kompetenz. Die Angelegenheitwurde immerhin an eine höhere Instanz verwiesen, und in der Zwischenzeit unterwarf man Klapaucius Folterungen, mehr aus Diensteifer, denn aus wirklicher Notwendigkeit.

Nach einer Woche nahm seine Angelegenheit eine günstige Wendung: der Geläuterte wurde in die Hauptstadt geschickt, wo er über die Regeln der höfischen Etikette in Kenntnis gesetzt und sodann der Ehre einer persönlichen Audienz beim König teilhaftig wurde. Er erhielt sogar eine kleine Trompete, weil nämlich jeder Bürger seine Ankunft und seinen Abgang an behördlicher Stelle durch Blasen auf der Trompete verkündete, und der allgemeine Diensteifer war so groß, daß im ganzen Staat der Sonnenaufgang ohne Reveille nichts galt.

Mägerle verlangte tatsächlich von ihm neue Waffen: Klapaucius versprach, dem Monarchen diesen Wunsch zu erfüllen; seine neue Idee, so versicherte er, bedeute eine Umwälzung in der Kriegführung.

Welche Armee – fragte er – sei denn unbesiegbar? Eine, die bessere Befehlshaber und diszipliniertere Soldaten habe. Der Kommandant befehlige und der Soldat gehorche; der eine müsse daher klug sein, der andere gehorsam. Die Klugheit des Verstandes jedoch, selbst der eines militärischen, seien natürliche Grenzen gesetzt. Überdies könne ein genialer Befehlshaber auf seinesgleichen stoßen. Er könne auch auf dem Felde der Ehre fallen und seine Abteilung verwaist zurücklassen, wie er auch etwas Schlimmeres anrichten könne, indem er, gewissermaßen von Berufs wegen zum Denken angehalten, sein Augenmerk auf die Macht richte. Sei denn ein Haufe im Kampfverrosteter Stabsoffiziere nicht gefährlich, denen das taktische Denken dermaßen die Schläfen verkleistert habe, daß es sie nach dem Thron gelüste? Hätten denn nicht schon zahlreiche Königreiche darunter gelitten? Wie daraus zu ersehen sei, seien die Kommandeure nur ein notwendiges Übel; es komme darauf an, dieses Übel zu liquidieren.

Ferner – die Disziplin der Armee beruhe darauf, daß diese genau die Befehle ausführe. Ideal sei eine, die aus tausend Gedanken und Herzen ein Herz, einen Gedanken und einen Willen mache. Diesem Zweck diene die Militärdisziplin, all der Drill, die Manöver und die Übungen. Als ein unerreichbares Ziel scheine eine solche Armee, die buchstäblich wie ein Mann handelt und selbst Schöpfer wie Ausführender der strategischen Pläne ist. Wer seia lso die Verkörperung eines solchen Ideals? Nur das Individuum, man gehorche nämlich niemandem so bereitwillig wie sich selbst, und niemand führe die erteilten Befehle so eifrig aus wie der, der sie sich selbst gibt. Überdies könne ein einzelner Mann niemals auseinanderlaufen, sich selbst den Gehorsam versagen oder gegen sich selbst aufmucken. Es komme also darauf an, daß man diese Bereitwilligkeit zu gehorchen, diese Eigenliebe, wie sie im Individuum verkörpert sei, zur Eigenschaft tausendköpfiger Kolonnen mache. Wie dies zu bewerkstelligen sei?

Hier nun begann Klapaucius dem gierig lauschenden König die Ideen Gargancjans zu erläutern, die einfach waren, wie alles, was genial ist.

Jedem Rekruten wird – so führte er aus – vorn ein Stecker und hinten eine Steckdose angeschraubt. Auf das Kommando „Anschließen!“ springen die Stecker in die Steckdosen, und dort, wo sich zuvor eine Bande Zivilisten befunden hatte, steht nun eine Abteilung vollkommenen Heeres.

Wenn die jeweiligen Gemüter, die bislang von außerdienstlichenDummheiten abgelenkt waren, in eine wortwörtliche Einheit militärischen Geistes zusammenfließen, ergebe sich nicht nur automatisch eine Disziplin, die sich darin äußert, daß die gesamte Armee stets ein und dasselbe tut, denn sie ist ein Geist in einer Million von Leibern, sondern es trete zugleich auch die Klugheit auf den Plan. Diese Klugheit aber stehe im direktem Verhältnis zur Kampfstärke. Der Zug besitzt die Psyche eines Unteroffiziers; die Kompanie ist so klug wie ein Hauptmann, das Bataillon wie ein Diplomoberst, und eine Division, selbst die der Reserve, ist soviel wert wie alle Strategen zusammengenommen. Auf diese Weise könne man zu Formationen gelangen, die von geradzu erschreckender Genialität seien. Die erteilten Befehle können sie unmöglich verweigern, denn wer höre nicht auf sich selbst?

Durch diese Methode werde den Extravaganzen und Eigenmächtigkeiten der Individuen, der Abhängigkeit von den zufälligen Befähigungen der Befehlshaber, ihrer gegenseitigen Mißgunst, ihren Rivalitäten und Konflikten ein Ende gesetzt; die einmal verbundenen Truppenteile dürfe man nicht mehr trennen, denn das hätte nur Wirrwarr zur Folge.

„Eine Armee ohne Führer ist sich selbst Führer – das ist meine Idee!“ beendete Klapaucius seine Rede, die einen großen Eindruck auf den König gemacht hatte.

„Geh er in sein Quartier“, sagte der Monarch schließlich, „ich werde mich unterdessen mit meinem Generalstab beraten …“

„Oh, tun Sie das nicht, Majestät!“ rief Klapaucius listig und täuschte große Verlegenheit vor. „Genau das hatte Kaiser Turbuleo getan und sein Stab verwarf den Plan um seine eigenen Stellungen nicht zu verlieren, woraufhin Turbuleos Nachbar, König Emalius, das Kaiserreich mit seiner organisierten Armee überfiel und es in Schutt und Asche legte, obwohl seine Truppen achtmal schwächer waren!“

Nach diesen Worten begab er sich in das für ihn bestimmte Appartment und sah sich das Kügelchen an, das rot wie eine Rübe war; hieraus folgerte er, daß Trurl beim König Unheuer im gleichen Sinne handelte.

Bald auch befahl ihm der König, einen Zug Infanterie nach seinen Vorstellungen umzubilden; verband sich jene kleine Abteilung im Geiste, wurde eine Einheit und schrie: „Lauf und morde!“

Sie rollte den Hügel hinunter, fiel über drei Schwadronen königlicher Kürassiere her, die bis zu den Zähnen bewaffnet waren und von sechs Dozenten der Akademie des Generalstabs angeführt wurden, und rieb sie restlos auf.

Das betrübte die Groß- und Feldmarschälle, die Generale und Admirale.

Der König ließ sie sogleich pensionieren, und da er von der umwälzenden Neuerung vollends überzeugt war, befahl er Klapaucius, die ganze Armee umzuorganisieren.

In der Tat begannen die Büchsenmacher- und Elektrobetriebe Tag und Nacht waggonweise Stecker herzustellen, die in allen Kasernen vorschriftsmäßig eingeschraubt wurden. Klapaucius machte Inspektionsreisen von Garnison zu Garnison und erhielt eine Menge Orden vom König; Trurl, der in ähnlicher Weise in der Unheurei tätig war, mußte sich wegen der bekannten Sparsamkeit jenes Monarchen mit dem lebenslänglichen Titel des Großen Vaterlandsverräters begnügen.

Beide Staaten bereiteten sich somit auf  Kriegshandlungen vor. Im Eifer der Mobilmachung wurden sowohl konventionelle als auch nukleare Waffen vorbereitet. Von früh bis spät putzte man Kanonen und Atome, damit sie laut Vorschrift blitzten. Die Konstrukteure, die eigentlich nichts mehr zu tun hatten, gingen daran ihre Sachen heimlich zu packen, um sich zu gegebener Zeit an der verabredeten Stelle am Raumschiff zu treffen, das im Wald bereitstand.

Unterdessen geschahen verschiedene Wunder in den Kasernen, vor allem in denen, wo die Infanterie stationiert war. Die Kompanien brauchten nicht mehr gedrillt zu werden und brauchten nicht mehr abzuzählen, um ihre Kampfstärke zu ermitteln, ähnlich wie derjenige nicht das linke Bein mit dem rechten verwechselt, der beide hat, und nicht zu zählen braucht, um zu wissen, daß es ihn einmal gibt.

Es war eine Freude zuzuschauen, wie solche neuen Abteilungen marschierten, wie sie „Links um“ und „Stillgestanden“ exerzierten; nach den Übungen jedoch begannen sich die Kompanien mit Redensarten zu bewerfen, so hallte es denn aus den offenen Fenstern der Kasernenbaracken um die Wette über den Begriff der köhärenten Wahrheit, über analytische und synthetische A-priori-Urteile oder über das Sein als solches, denn so weit war die kollektive Vernunft bereits gediehen.

Man erarbeitete sich auch die philosophischen Grundlagen, bis schließlich ein Pionierbataillon zum absoluten Solipsismus gelangte und verkündete, nichts außer ihm existiere real. Da nun hieraus zu folgern war, daß es weder einen Monarchen noch einen Feind gebe, mußte dieses Bataillon in aller Stille auseinandergeschaltet und auf andere Abteilungen verteilt werden, die auf den Positionen des epistemologischen Realismus standen.

Angeblich ging zu der gleichen Zeitin der Unheurei die Sechste Luftlandedivision von den Landeübungen zu mystischen Übungen über und versank derart in der Kontemplanon, daß sie fast in einem Bach ertrunken wäre; es ist nicht genau bekannt, wie sich das in Wirklichkeit zugetragen hat, jedenfalls wurde damals gerade der Krieg erklärt, und die eisenklirrenden Regimenter rückten von beiden Seiten langsam an die Staatsgrenze heran.

Das Gesetz des Meisters Gargancjan wirkte mit unerbittlicher Konsequenz.

Als sich Formationen mit Formationen verbanden, wuchs proportional dazu auch die ästhetische Empfindlichkeit, die auf der Stufe der verstärkten Division ihr Maximum erreichte, deshalb auch kamen Kolonnen von dieser Stärke leicht im Verfolg des ersten besten Schmetterlings auf Abwege, und als das Sehrlimussche motorisierte Korps an die feindliche Festung, die im Sturm genommen werden mußte, heranrückte, erwies sich der nachts angefertigte Angriffsplan als ein glänzendes Porträt dieser Festung, zudem war er im abstraktionistischen Geiste gemalt, der den militärischen Traditionen gänzlich widersprach.

Auf der Stufe der Artilleriekorps trat hauptsächlich die schwierigste philosophische Problematik zutage; zugleich ließen diese großen Einheiten aus Zerstreutheit, wie sie nun einmal genialen Personen eignet, unterwegs die Waffen und das schwere Kriegsgepäck liegen, oder sie vergaßen gänzlich, daß sie in den Krieg zogen.

Was nun die ganzen Armeen betraf, so wurde ihr Geist von mannigfachen Komplexen beherrscht, und so mußte jeder einer besonderen motorisierten psychoanalytischen Brigade angeschlossen werden, die während des Marsches die entsprechenden Eingriffe vornahm.

Beide Armeen hatten mittlerweile unter stetem Gedröhn und Gerassel der Pauken die Ausgangsstellungen eingenommen. Sechs Infanteriesturmregimenter, die sich mit einer Haubitzenbrigade und einem Ersatzbataillon vereinigt hatten, dichteten, nachdem man ihnen einen Exekutionspeloton anschloß, das „Sonett von dem Geheimnis des Seins“, und das während des Nachtmarsches zu den Stellungen.

Zu beiden Seiten entstand eine gewisse Verwirrung; das achtzigste Marlabardsche Korps rief, die Definition des Begriffs „Feind“ solle unbedingt präzisiert werden, da sie bisher von logischen Widersprüchen belastet und womöglich gar sinnlos zu sein scheine.

Die Fallschirmjägerabteilungen versuchten, die umliegenden Dörfer zu algorithmisieren, die Formationen stießen aufeinander, also schickten beide Könige die Flügeladjutanten und Sonderkuriere aus, damit sie Ordnung in die Reihen brachten. Aber kaum war einer herangesprengt und hatte mit seinem Pferd eine Volte gezogen und sich dem jeweiligen Korps geschlossen, um zu erfahren, woher diese Unordnung komme, gab er im Nu seinen Geist im Korpsgeist auf. So blieben die Könige ohne Adjutanten.

Das Bewußtsein erwiessich als eine schreckliche Falle, in die man hineingeraten, unmöglich aber herauskommen kann. Vor den Augen Unheuers sprengte sein Vetter, der Großherzog Derboullion, um der Truppe Mut einzuflößen, zu den Linien, kaum aber hatte er sich zwischengeschaltet,hauchte er seinen Geist aus und war überhaupt nicht mehr vorhanden.

Als Mägerle sah, daß es schlecht stand, obwohl er nicht wußte, warum das so war, winkte er die zwölf Leibtrompeter heran. Auch Unheuer winkte, der auf dem Kommandeurshügelstand; die Bläser legten das Erz an die Lippen, und von beiden Seiten ertönten die Trompeten zum Angriff.

Auf dieses langhallende Zeichen hin verband sich jede der Armeen endgültig. Das drohende Eisengeschirr der sich schließenden Kontakte wurde vom Winde auf das künftige Schlachtfeld getragen, und anstelle der tausendfachen Bombardiere und Kanoniere, Richtschützen und Ladeschützen, Gardisten und Artilleristen, Pioniere, Gendarmen und Marineinfantristen entstanden zwei gigantische Geister, die mit einer Million Augen über die große Ebene hinweg, die unter weißen Wolken lag, einander ansahen, und es trat ein Augenblick völliger Stille ein.

Auf beiden Seiten war es nämlich zu der berühmten Kulmination des Bewußtseins gekommen, die der große Gargancjan mit mathematischer Genauigkeit vorausgesehen hatte. Oberhalb einer bestimmten Grenze verwandelt sich nämlich das Militärische als lokaler Zustand in das Zivile, und zwar deshalb, weil der Kosmos als solcher absolut zivil ist, und die Geister beider Heere hatten eben bereits eine kosmische Dimension erreicht! Obschon also von außen der Stahl, die Panzer, Kartätschen und tödlichen Stichwaffen glänzten, wogte innen ein doppelter Ozeanabgeklärter Heiterkeit, allumfassenden Wohlwollens und vollkommener Vernunft. Auf den Hügeln stehend, mit dem in der Sonne funkelnden Stahl, unter unausgesetztem Trommelwirbel, lächelten beide Armeen einander an.

Trurl und Klapaucius traten gerade an Deck ihres Schiffes, da geschah es, was sie erstrebt hatten: Vor den Augen der vor Scham und Wut schwarz gewordenen Könige räusperten sich beide Heere, faßten einander unter und gingen spazieren, Blumen pflückend unter den dahineilenden Wolken auf dem Felde der nicht stattgehabten Schlacht.

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11 Kommentare

  1. Beachte den Schlußsatz:

    Vor den Augen der vor Scham und Wut schwarz gewordenen Könige räusperten sich beide Heere, faßten einander unter und gingen spazieren, Blumen pflückend unter den dahineilenden Wolken auf dem Feldeder nicht stattgehabten Schlacht.

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  2. Gernotina sagt:

    Ein gutes Gespräch zwischen Robert Stein und Franz Hörmann. Franz Hörmann gelingt es, seine positive Einschätzung sehr plausibel zu erklären, finde ich.

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  3. petravonhaldem sagt:

    Hörmann übertrifft sich selbst, Fantastisch und klar.
    Und es ist schon immer wieder zum Schmunzeln für mich, wenn Steins Robert den „Unwissenden“ dazustellt.

    Wohlgemerkt fand ich ihn vor gefühlten hundert Jahren mit seinen Finanzieransichten ……naja……
    Danke, Gernotina.

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  4. Drusius sagt:

    Summa Technoloiae von Stanislaw Lem habe ich als KInd und Jugendlicher mehrmals gelesen. Die den Geist verwirrende Kriegsinfrastruktur in seinen Bücher hat er wohl der Gegenwart vorausgenommen.

    Ein systematisches Crashen der Weltwirtschaft bei dem die FED an einem Sonntag die Zinsen senkt und zusätzlich 2 Billionen Dollar in das System pumpt um zu stabilisieren, was nicht mehr zu stabilisieren ist und ein darauffolgender Ausbruch der Verblödungspandemie, weltweit, ist als Zufall auszuschließen. Es handelt sich um einen gezielten Abschuß des gegenwärtigen Systems, wobei die Spieler nicht sichtbar sein sollen oder nicht sichtbar sein dürfen.

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  5. Drusius sagt:

    Das Europa der Vaterländer lag laut Ebel schon 2008 auf dem Kiel. Man brauchte wohl noch die Theater-Qualm-Bombe Corona, um die „Schuldigen“, die Planer etwas einzunebeln und alles einem in die Schuhe zu schieben, der nicht sehr rational im Sinne des alten Systems handelt, der sich aber schon mit einem Fuß im neuen System befindet und ein bißchen mehr wissen durfte.
    Den ganzen Spaß dürfen die Völker bezahlen.

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  6. Drusius sagt:

    Es ist der alte Plan, der schon vor 12 Jahren als Strategie vorlag, der jetzt läuft. Die Elite plant halt etwas länger.

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  7. Drusius sagt:

    Corona gilt für alle SHAEF-Länder.
    (https://www.youtube.com/watch?v=Htpczno62Gc)

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  8. Gernotina
    Danke für dieses aufschlussreiche Interview mit Franz Hörmann. Das Bewusstsein ist ausschlaggebend, um positive Veränderungen zu schaffen. Es ist der Reifegrad eines Menschen, die Intelligenz kommt erst an zweiter Stelle. Deshalb müssen zukünftige Herrscher nach ihrem Bewusstsein ausgewählt werden, wie es in meinem ebook “Die Neue Zeit – so sieht sie aus” gefordert wird. Es kann von jedem Menschen mit einem einfachen Test gemessen werden.
    Lieber Robert Stein, falls du dich hierher verirrst, lass dir sagen, dass deine Skepsis kontraproduktiv ist, denn du kannst nur das erhalten, was du durch dein Denken in den Grossen Schöpfergeist hineingibst. Deshalb ist es so wichtig, dass ALLE Menschen jetzt umdenken und nur eine positive NEUE ZEIT manifestieren und zwar so, als wäre sie schon eingetreten. Lehrt uns doch die Parabel von den Talenten, dass nur da etwas hinzukommen kann, wo schon etwas vorhanden ist. Lebt im Geiste schon in der Neuen Zeit, damit sie sich praktisch verwirklichen kann. Mein kostenlosen Buch “Die Neue Zeit – so sieht sie aus” bitte bestellen und weiter verbreiten. lotharheiler@yahoo.de
    https://healinghelp926706815.wordpress.com/bucher/

    Gefällt 1 Person

  9. Drusius sagt:

    Das Leben wenn die Pläne der NWO aufgehen!! – mal sehen.
    (https://www.youtube.com/watch?v=owELGVbj6b4)

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  10. Thom Ram sagt:

    Healing help 12:34

    Ich danke dir, dass du deine Stimme auch hier erhebst.

    Du bist einer von denen, welche verhindern, was unter jedem Artikel initiiert wird, mittels scheinbar wohl gemeinten, indes unterschwellig destruktiven Kommentaren: Runterziehen die Aussagen, Aufspielen das Vampiristische.

    Seit Beginn auf bb war es so. Kaum ging auf dem Blog ein Licht auf, fanden sie sich ein, die Ablenker, unter verschiedenen Namen, in wirklich bewundernswert mannigfaltiger Art des Auftrittes.

    Hätte bb nicht Mitstreiter wie dich und zwei Dutzend weitere Unerschütterliche, ich hätte die Kommentarfunktion läääängst schliessen müssen.

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  11. […] Es ist Krieg – die Verstaatlichung des Hochverrats […]

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