Die nun veröffentlichten Akten zum Mord an John F. Kennedy sind unleserlich und unvollständig. Auf Druck der CIA und des FBI bleiben tausende Seiten zudem vorerst noch immer unter Verschluss. US-Geheimdienste haben 180 Tage Zeit, um die Antworten auf die letzten Rätsel zu schwärzen. Das Quälendste: Wohin reiste der in Rom stationierte CIA-Killer William King Harvey zum Zeitpunkt des Attentats? Die Lösung könnte so gut wie das ganze US-Establishment des 20. Jahrhunderts belasten.

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Was geschah wirklich in Dallas? Rund fünf Millionen Dokumente sollen zu Kennedys Tod existieren. Oliver Stones Kinofilm JFK(1991) hatte 28 Jahre nach dem Attentat das Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit wieder erweckt. Der sogenannte JFK-Act verfügte die Freigabe der Aktenberge. Doch einen guten Stapel rückten die Geheimdienste noch immer nicht raus.

Am 26. Oktober 2017, also am gestrigen Donnerstag, sollten auch die letzten Akten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. US-Präsident Donald Trump selbst hatte in den Tagen zuvor via Twitter die Spannung ordentlich angeheizt – und sich schlussendlich dann doch dem Druck des Tiefen Staats gebeugt.

„Heute befehle ich, dass der Schleier gelüftet wird“, sagte er am Mittwoch an die Geheimdienste gerichtet. Aus Bedenken wegen der „nationalen Sicherheit“ habe er jedoch keine andere Wahl, als ihnen den geforderten Aufschub von 180 Tagen zu gewähren – oder um zu editieren, was das Zeug hält.

Trump gab zwar rund 2.900 Seiten frei. Die Scans und Kopien sind jedoch so schlecht, dass vieles unleserlich ist. Zudem waren nur 53 Seiten zuvor noch nie veröffentlicht worden. Der Rest stand bereits in öffentlichen Archiven, wenn auch mit leichten Unkenntlichmachungen.

Wut und Enttäuschung auf Twitter über die miserable Qualität der freigegebenen Akten.

Was verheimlicht die CIA? Schon in den 1970er Jahren hatte das US House of Representatives Select Committee on Assassinations (HSCA) das Attentat erneut untersucht. Das Kongress-Komitee veröffentlichte seinen Schlussbericht 1979. Darin heißt es, dass Kennedy „wahrscheinlich als Ergebnis einer Verschwörung getötet wurde“. Jedoch gehen die Autoren nicht ins Detail.

Biografie über King Harvey eines CIA-Kollegen

Dem „Church-Commitee“, einem ab 1975 ermittelnden Sonderausschuss des US-Senats zur Kontrolle der Geheimdienste, galt CIA-Mann William King Harvey (1915-1976) als Hauptverdächtiger des Mords an JFK. Der Mann fürs Grobe wurde nach dem Fiasko der Schweinebucht-Invasion nach Rom versetzt. Zum Zeitpunkt des Attentats hatte sich Harvey jedoch auf eine geheimnisvolle Fahrt begeben. Details über eben jene Reise finden sich in den gesperrten Restakten.

Vor dem Church-Commitee schwor Harvey, mit dem Attentat nichts zu tun zu haben. Bald nach seiner Aussage verstarb er an Herzversagen.