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Paul Craig Roberts / Strategische Betrachtungen

Dieser Artikel, spannend von a bis z, von Luckyhans vor zwei Jahren eingestellt, ist unbesehen an mir vorbeigehuscht. An Lesern offensichtlich auch, denn bis heute war da kein einziger Kommentar. Seltsam, wa?

Nu, wir wissen; es gibt nichts, was es nicht gibt.

thom ram, 05.06.05 des dämmernden Neuen Zeitalters

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Hier kommt eine sehr interessante Ergänzung zu den unlängst hier mehrfach geposteten „Klaren Worten“ über die gegenwärtige Weltlage, ihre historischen Ursachen und Gründe.

Was künftige Entwicklungen betrifft, so darf jede/r sich eigene Gedanken machen, und es sind auch diverse Aussagen – sowohl in dem gesamten Auftritt von Herrn Friedman, als auch in den hier nachfolgenden hochinteressanten und bedenkenswerten Ansichten von Paul Craig Roberts – mit denen man nicht unbedingt konform gehen muß – im Gegenteil, diverse Widersprüche in sich und untereinander sind durchaus zu bemerken.

Aber das macht vielleicht den Reiz an der ganzen Sache aus: jeder hat einen anderen Einblick, jeder hat eine andere Art, die Informationen „zusammenzustecken“, jeder kommt zu anderen Einsichten…

Auf jeden Fall sollten wir uns endlich darüber klar werden, daß wenn wir weiterhin klaglos diese DoC-hörigen Marionetten über uns akzeptieren und uns mit deren hohlen Phrasen und kleinen Eitelkeiten befassen anstatt endlich als deutsche Menschen wieder die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, daß dann der nächste „Kriegsschauplatz“ (fatal entlarvender Begriff, oder? – englisch „war theater“ – russisch „TWD – teatr wojennych deijstvij“ – wörtlich: Theater der Kriegshandlungen) in jedem Falle wieder Europa (und damit ist natürlich nicht die EU gemeint) sein wird.

Und da erinnern wir uns der Worte von Bert Brecht:
„Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.“
(Quelle: http://natune.net/zitate/Bertolt%20Brecht)

So würde es Europa auch ergehen… auch wenn die Kriege immer von anderen herbei“geführt“ wurden…

Was können wir konkret tun?
Vielleicht würde eine breite deutsche Volksbewegung für einen Nato-Austritt der Brd den Stein ins Rollen bringen? Oder für einen Austritt aus dem Euro, weil wir eh nur „Zahlemann“ sind und sein werden?
Weitere Ideen?

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Der Saker interviewt Paul Craig Roberts

Übersetzung Ilja Schmelzer, 25. März 2015

Ich wollte Paul Craig Roberts schon lange interviewen. Seit vielen Jahren verfolge ich, was er schreibt, und die Interviews, die er gibt, und jedes Mal wenn ich las, was er zu sagen hatte, hoffte ich, eines Tages das Privileg zu bekommen, ihn über die Mächtigen im Hintergrund, den „Deep State“, der das US-Imperium in Wirklichkeit beherrscht, befragen zu können. Vor kurzem haben ich ihm eine E-Mail mit der Bitte um ein Interview geschickt; er hat bereitwillig zugestimmt, und bin ihm dankbar für sein Entgegenkommen.
Der Saker
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Der Saker: Es ist für viele, wenn nicht für die meisten, ziemlich offensichtlich geworden, dass die USA keine Demokratie oder Republik mehr sind, sondern eine Plutokratie, die von einer kleinen Elite beherrscht wird, die manche “das 1%“ nennen. Andere sprechen vom „Deep State“.
Daher meine erste Frage: Würden Sie sich bitte die Zeit nehmen, den Einfluss und die Macht der von mir genannten Gruppierungen einzeln zu beschreiben? Können Sie insbesondere die nachfolgend in zufälliger Reihenfolge genannten Institutionen in das Machtgefüge der USA einordnen und sagen, welche Entscheidungen treffende „Spitzenpositionen“ und welche Entscheidungen umsetzende „mittlere Positionen“ innehaben?
Die Federal Reserve, die Großbanken, die Bilderberger, der Council on Foreign Relations, die (Verbindung) Skull & Bones, die CIA, Goldman Sachs und andere Spitzenbanken, die 100 führenden Familien”, z. B. die Rothschilds, Rockefellers, die niederländische Königsfamilie, die britische Königsfamilie und andere, die Israel-Lobby, die Freimaurer und ihre Logen, das Big Business, z. B. die Ölkonzerne, der Militärisch-industrielle Komplex und andere oder von mir nicht genannte Personen oder Organisationen?
Wen, welche Gruppierung, welche Institution würden Sie als das die Politik der USA tatsächlich bestimmende Machtzentrum ansehen?

Paul Craig Roberts: Die USA werden von privaten Interessengruppen beherrscht, die der neokonservativen Ideologie anhängen, dass die USA „der von der Geschichte auserwählte einzigartige Staat“ seien, der das Recht und die Verpflichtung habe, in der ganzen Welt seinen Willen durchzusetzen.
Meiner Meinung nach sind die mächtigsten privaten Interessensgruppen der Militärisch-industrielle Komplex, die 4 oder 5 Riesenbanken, die „zu groß sind, um sie bankrott gehen zu lassen“, und die Wall Street, die Israel-Lobby, die Agrarindustrie und die Grundstoffindustrien in den Bereichen Ölförderung, Bergbau und Holzverarbeitung.
Die Interessen dieser Gruppierungen stimmen mit denen der Neokonservativen überein. Die neokonservative Ideologie prägt den finanziellen und militärpolitischen US-Imperialismus und sein Streben nach Vorherrschaft.

Es gibt keine unabhängigen amerikanischen TV- oder Printmedien mehr. In den letzten Jahren des Clinton-Regimes wurden 90 Prozent der TV- und Printmedien von sechs Medienkonzernen geschluckt. Während des Bush-Regimes hat auch noch das National Public Radio seine Unabhängigkeit verloren. Deshalb nehmen die US-Medien heute nur noch die Aufgaben eines Propagandaministeriums (der tatsächlich Herrschenden) wahr.

Beide politischen Parteien, die Republikaner und die Demokraten, sind von Wahlspenden der gleichen privaten Interessengruppen abhängig, beide Parteien tanzen also nach der gleichen Pfeife. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland hat die Industriegewerkschaften zerstört und damit auch den Demokraten deren finanzielle Unterstützung entzogen. Früher haben die Demokraten einmal die arbeitende Bevölkerung und die Republikaner die Geschäftswelt unterstützt.

Die Federal Reserve dient nur den Banken, vor allem den großen. Sie wurde als letzter Kreditgeber der Banken geschaffen, um sie zu retten, wenn sehr viele Kunden auf einmal ihr Geld abheben oder Anleger ihre Einlagen zurückfordern würden. Der Vorstand der Fed in New York, die für finanzielle Interventionen zuständig ist, setzt sich aus Vertretern der Großbanken zusammen. Die letzten drei Chefs der Federal Reserve waren Juden, und ihr augenblicklicher Vizechef war früher Chef der Israelischen Zentralbank.

Juden spielen eine große Rolle im Finanzsektor, zum Beispiel bei Goldman Sachs. Die in den letzten Jahren amtierenden US-Finanzminister und Chefs der Regulierungsbehörden des Finanzsektors waren vorher in den Banken tätig, die für die Betrügereien und die übermäßige Verschuldung verantwortlich waren, die zur letzten Finanzkrise geführt haben.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben die Federal Reserve und das Finanzministerium nur den Interessen der Großbanken gedient. Das geschah auf Kosten der Wirtschaft und der Bevölkerung.
So bekommen zum Beispiel Menschen im Ruhestand seit acht Jahren keine Zinsen mehr auf ihre Rücklagen, damit die Finanzinstitute kostenlose Kredite aufnehmen und damit viel Geld machen können.

Unabhängig davon, wie reich einige Familien sind, sie können mit finanzstarken Interessengruppen wie dem militärisch-sicherheitstechnischen Komplex, der Wall Street und den Großbanken nicht mithalten. Natürlich versuchen auch die traditionell reichen Familien ihre Interessen durchzusetzen, und einige, wie die Rockefellers, haben deshalb Stiftungen, die meist Hand in Hand mit der National Endowment for Democracy arbeiten, und gemeinsam mit ihr pro-amerikanische Nichtregierungsorganisationen / NGOs in Ländern finanzieren, in denen die USA ihren Einfluss vergrößern oder sogar die Regierung stürzen wollen, wie das gerade in der Ukraine passiert ist.
Diese NGOs sind faktisch die 5. Kolonne der USA, setzen sich aber angeblich für die „Menschenrechte“ oder die „Demokratie“ ein. Ein chinesischer Professor hat mit erzählt, die Rockefeller Foundation habe sogar eine US-amerikanische Universität in China gegründet, an der oppositionelle Chinesen studieren können.
Noch vor einiger Zeit und möglicherweise sogar heute noch gab es in Russland hunderte, vielleicht sogar fast tausend von den USA und Deutschland finanzierte NGOs.

Ich weiß nicht ob die Bilderberger etwas Ähnliches tun. Möglicherweise handelt es sich einfach nur um sehr reiche Leute, die Regierungsvertreter beeinflussen wollen, um ihre Interessen durchzusetzen. Ich habe noch niemals erlebt, dass Bilderberger, Freimaurer oder die Rothschilds Entscheidungen des Kongresses oder der Exekutive direkt zu beeinflussen versuchten.

Der Council on Foreign Relations ist hingegen sehr einflussreich. Er besteht aus früher aktiven Politikern und Akademikern, die sich mit Außenpolitik und internationalen Beziehungen beschäftigen. Seine Publikation Foreign Affairs ist das führende Forum für Außenpolitik. Dem Council gehören auch einige Journalisten an. In den 1980ern wurde ich einmal als Mitglied vorgeschlagen, aber nicht gewählt.

Skull & Bones ist eine geheime Studentenverbindung und Ehemaligenorganisation der Yale University. Einige Universitäten haben solche geheimen Bruderschaften. Die University of Virginia hat eine und die University of Georgia. Diese Bruderschaften haben keine geheimen Herrschaftspläne oder Entscheidungsmacht. Ihr Einfluss ist beschränkt auf die Pflege persönlicher Beziehungen der Mitglieder untereinander, die meist aus Elitefamilien stammen. Meiner Meinung nach existieren diese Bruderschaften um den Elitestatus ihrer Mitglieder zu fördern.

Der Saker: Was können Sie über Einzelpersonen sagen? Wer gehört Ihrer Meinung nach heute zu den Mächtigsten? Wer hat das letzte Wort bei wichtigen strategischen Entscheidungen?

Paul Craig Roberts: Einzelpersonen haben keine persönliche Macht. Mächtig sind die Leute, die starke Interessengruppen vertreten. Seit Verteidigungsminister William Perry 1991 große Teile des Militärs privatisiert hat, ist der militärisch-sicherheitstechnische Komplex extrem mächtig, und seine Macht wird noch dadurch verstärkt, dass er die Wahlkämpfe von Parteien und Politikern mit hohen Spenden finanziert und in vielen Bundesstaaten größter Arbeitgeber ist. Faktisch werden die Ausgaben des Pentagons von der Rüstungsindustrie kontrolliert.

Der Saker: Ich war schon immer der Meinung, dass internationale Organisationen wie die NATO, die EU und andere nur zur Tarnung derjenigen dienen, die unseren Planeten in Wirklichkeit kontrollieren: die ECHELON-Staaten USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland, also die „AUSCANNZUKUS“, die auch als „Anglosphäre“ oder die „Fünf Augen“ bezeichnet werden – wobei die USA und Großbritannien die Chefs und Kanada, Australien und Neuseeland nur Juniorpartner sind. Ist dieses Modell zutreffend?

Paul Craig Roberts: Die NATO ist ein US-Geschöpf, das Europa angeblich vor einer sowjetischen Invasion schützen sollte. Dieser Zweck ist 1991 (mit der Auflösung der Sowjetunion) entfallen.
Heute dient die NATO nur noch zur Tarnung von US-Aggressionen und liefert Söldner für das US-Imperium. Großbritannien, Kanada, Australien (und Neuseeland) sind auch nur noch US-Vasallen, genau wie Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und die übrigen von den USA kontrollierten Staaten. Sie alle sind keine Partner, sondern einfach nur Vasallen. Washington regiert sein Imperium ganz allein und duldet keinen Einspruch.

Die USA schätzen die EU, weil sie einfacher als einzelne Staaten zu kontrollieren ist.

Der Saker: Es wird oft gesagt, Israel kontrolliere die USA. Chomsky und andere behaupten, die USA kontrollierten Israel. Wie würden Sie die Beziehung zwischen Israel und den USA charakterisieren – wackelt der Hund mit dem Schwanz oder der Schwanz mit dem Hund? Würden Sie sagen, dass die Israel-Lobby die USA völlig unter Kontrolle hat, oder gibt es noch andere Kräfte, die stärker als die Israel-Lobby sind und ihre eigene Agenda durchsetzen können?

Paul Craig Roberts: Ich habe niemals irgendwelche Beweise dafür gesehen, dass die USA Israel kontrollieren. Alles weist darauf hin, dass Israel die USA kontrolliert, besonders die US-Politik im Mittleren Osten. In den letzten Jahren ist es Israel oder der Israel-Lobby sogar gelungen, die Vergabe akademischer Positionen, wie die Festanstellung von Professoren, in den gesamten USA zu kontrollieren oder zu blockieren, wenn die Bewerber als israelkritisch angesehen wurden. Israel hat es erreicht, auch in katholischen und staatlichen Universitäten Festanstellungen und Nominierungen blockieren zu können.

Israel kann auch die Nominierung von Präsidentschaftskandidaten verhindern und hat großen Einfluss auf die TV- und Printmedien. Die Israel-Lobby gibt viel Geld für Wahlkampfspenden aus und hat es noch immer geschafft, israelkritische Personen aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat zu entfernen. Der Israel-Lobby ist es sogar gelungen, den „schwarzen“ Kongressdistrikt der Afroamerikanerin Cynthia McKinney zu beeinflussen und ihre Wiederwahl zu verhindern.

Admiral Tom Moorer, der frühere Chef der Navy und des US-Generalstabes, hat einmal gesagt: “Kein US-Präsident kann sich gegen Israel stellen”. Admiral Moorer konnte nicht einmal eine offizielle Untersuchung der tödlichen israelischen Angriffe auf die „USS Liberty“ im Jahr 1967 durchsetzen.
Jeder der – sogar in wohlmeinender Absicht – die Politik der israelischen Regierung kritisiert, wird sofort zum “Antisemiten” gestempelt.
In der US-Politik und in den Medien oder Universitäten der USA ist dieser Stempel der Todesstoß für jeden. Israel-Kritiker könnten auch gleich von einer Hellfire-Rakete getroffen werden.

The Saker: Welche der 12 Gruppierungen aus meiner Aufzählung haben Ihrer Meinung nach eine Schlüsselrolle bei der Planung und Durchführung der „Operation unter falscher Flagge“ am 11. September 2001 gespielt? Es ist ja schwer vorstellbar, dass die Anschläge in der relativ kurzen Zeit zwischen der Amtseinführung G.W. Bushs und dem 11. September geplant und vorbereitet werden konnten – die Vorbereitungen müssen schon unter Clinton begonnen haben. Könnte es sein, dass der Bombenabschlag in Oklahoma City ein Vorversuch für die Anschläge am 11. September war?

Paul Craig Roberts: Meiner Meinung nach wurden die Anschläge am 11. September 2001 von den Neokonservativen inszeniert; viele von ihnen sind Juden, die Israel und Dick Cheney nahestehen. Die Neokonservativen wollten „ein neues Pearl Harbor“ schaffen, um ihre Eroberungskriege im Mittleren Osten beginnen zu können. Ich weiß nicht, wann die konkreten Planungen begonnen haben, aber Larry Silverstein war offenbar einbezogen, denn er hat das WTC nicht lange vor dem 11.09. gepachtet.

Zum Anschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City hat General Partin, ein pensionierter Munitionsexperte der U.S. Air Force, eine Expertise vorgelegt, die jeden Zweifel daran ausschließt, dass dieses Gebäude von innen gesprengt wurde und die Autobombe nur der Tarnung diente.
Der Kongress und die Medien haben seine Untersuchung aber ignoriert. Der Sündenbock McVeigh stand als Alleinschuldiger schon im Voraus fest, und das blieb die offizielle Story.

Der Saker: Denken Sie, dass die Leute, die heute die USA beherrschen, überhaupt realisieren, dass sie sich auf einem Kollisionskurs mit Russland befinden, der zu einem Atomkrieg führen kann? Wenn ja, warum gehen sie dieses Risiko ein? Glauben sie wirklich, dass Russland im letzten Moment nachgibt, und wenn nicht, dass sie einen Atomkrieg gewinnen können? Fürchten sie nicht, dass sie in einer nuklearen Konfrontation mit Russland alles verlieren könnten, was sie haben – nicht nur ihre Macht, sondern auch ihr Leben?

Paul Craig Roberts: Ich bin darüber genauso verwundert wie Sie. Ich nehme an, dass führende Leute in Washington nicht nur unbeschreiblich überheblich und arrogant, sondern auch mehr oder weniger verrückt sind. Sie glauben wirklich, die USA könnten einen Atomkrieg gegen Russland gewinnen.
2005 oder 2006 ist in Foreign Affairs ein Artikel erschienen, dessen Autoren zu diesem Schluss kamen. Sie halten einen Atomkrieg beim Aufbau eines ABM-Raketenabwehrschildes in Europa (der gerade stattfindet) durchaus für gewinnbar. Sie gehen davon aus, dass man – im Schutz eines Raketenabwehrschildes – Russland mit einem umfassenden präemptiven Erstschlag so schwer treffen kann, dass es zu einem Vergeltungsschlag, der die USA treffen könnte, nicht mehr in der Lage wäre.

Der Saker: Wie bewerten Sie den aktuellen (wirtschaftlichen) Gesundheitszustand des US-Imperiums? Seit vielen Jahren gibt es klare Zeichen des Niedergangs, aber ein Kollaps zeichnet sich immer noch nicht ab. Glauben Sie, dass ein Kollaps unausweichlich ist, und wie könnte er verhindert werden? Werden wir den Tag erleben, an dem der US-Dollar plötzlich wertlos wird, oder wird ein anderer Mechanismus den Kollaps des US-Imperiums herbeiführen?

Paul Craig Roberts: Die US-Wirtschaft stagniert. Seit Jahrzehnten sind die mittleren Familieneinkommen nicht mehr real angestiegen. Alan Greenspan hat als Fed-Vorsitzender die Ausweitung der Konsumentenkredite benutzt, um das fehlende Wachstum der Konsumenteneinkommen zu kaschieren; die US-Bevölkerung hat sich so hoch verschuldet, dass sie jetzt keine weiteren Kredite mehr aufnehmen kann. Die US-Wirtschaft kann deshalb auch nicht wieder angekurbelt werden.

Weil zu viele industrielle und nicht ortsgebundene Dienstleitungsjobs – wie z. B. die Software-Entwicklung – ins Ausland verlegt wurden, ist die Mittelklasse stark geschrumpft. Selbst viele junge Menschen mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium können keine Jobs mehr finden, die ihnen eine unabhängige Existenz sichern. Daher können sie auch keine Familien gründen, Häuser kaufen und sie mit Möbeln und Geräten einrichten.

Die Regierung gaukelt geringe Inflationsraten und geringe Arbeitslosenquoten vor, weil sie nicht mehr richtig misst. Die Finanzmärkte sind manipuliert, und der Goldpreis wird trotz steigender Nachfrage bewusst gedrückt – durch den Verkauf ungedeckter Shorts auf dem Futures-Markt.
Es ist ein Kartenhaus, das schon länger steht, als ich es für möglich gehalten habe. Wie es aussieht, wird das Kartenhaus so lange stehenbleiben, bis die übrige Welt aufhört, mit US-Dollars zu bezahlen.

Möglicherweise hat das US-Imperium durch die Inszenierung des Konfliktes mit Russland überzogen und die Europäer gegen sich aufgebracht. Wenn beispielsweise Deutschland aus der NATO austräte, würde das Imperium kollabieren, oder wenn Russland auf die Idee käme, Griechenland, Italien und Spanien im Tausch gegen einen Austritt aus der EU und die Abschaffung des Euros finanziell zu unterstützen, wäre das ein tödlicher Schlag für das US-Imperium.

Alternativ könnte Russland Europa auch darauf hinweisen, dass es auch europäische Hauptstädte mit Atomwaffen angreifen würde, falls sich Europa von den USA in einen Krieg gegen Russland hineinziehen ließe.

Der Saker: Russland und China haben etwas historisch Einmaliges getan; sie sind weit über das traditionelle Modell einer Allianz hinausgegangen: Sie haben sich darauf geeinigt, voneinander abhängig zu werden – man könnte sagen, sie haben sich auf eine symbiotische Beziehung geeinigt. Glauben Sie, dass die das US-Imperium Beherrschenden diese tektonische Veränderung verstanden haben, die gerade vor sich geht, oder kümmert sie die Realität so wenig, dass sie das gar nicht mitbekommen haben?

Paul Craig Roberts: Stephen Cohen beklagt, dass es in den USA überhaupt keine außenpolitische Diskussion gibt, das überhaupt nicht mehr kontrovers debattiert wird. Ich denke, die das Imperium Beherrschenden glauben, sie könnten auch Russland und China destabilisieren, wenn sie in Armenien, Kirgistan und Usbekistan bunte Revolutionen anzetteln. Washington ist fest entschlossen, den Aufstieg anderer Mächte zu verhindern. In seiner arroganten Überheblichkeit glaubt es, von der Geschichte auserwählt zu sein und nur Erfolge verbuchen zu können.

Der Saker: Spielen Ihrer Meinung nach Präsidentenwahlen überhaupt noch eine Rolle, und, wenn ja, was erhoffen Sie für 2016? Ich selbst habe große Angst vor Hillary Clinton, weil ich sie für eine außerordentlich gefährliche und völlig rücksichtslose Person halte; können wir bei dem großen Einfluss der Neokonservativen bei den Republikanern überhaupt darauf hoffen, dass sie keinen neokonservativen Kandidaten nominieren?

Paul Craig Roberts: Der neu gewählte Präsident könnte nur etwas ändern, wenn er eine starke Bewegung hinter sich hätte. Ohne Bewegung hat ein Präsident keine unabhängige Macht, und er fände auch keine Mitstreiter, die etwas mit ihm ändern wollten. Präsidenten sind Gefangene.
Reagan hatte so etwas wie eine Bewegung hinter sich, die gerade so stark war, dass wir die Stagflation gegen den Widerstand der Wall Street und den Kalten Krieg gegen den Widerstand der CIA und des militärisch-sicherheitstechnischen Komplexes beenden konnten. Außerdem war Reagan schon relativ alt und kam aus einer Zeit, in der die Präsidenten noch Macht hatten, und er machte sogar Gebrauch davon.

Der Saker: Was ist mit den Streitkräften? Können Sie sich vorstellen, dass der Chef des Generalstabs sagt “Nein, Mr. Präsident, das ist verrückt, das werden wir werden nicht tun”, oder glauben Sie, dass die Generäle jeden Befehl ausführen werden, auch den zum Auslösen eines Atomkrieges gegen Russland? Haben Sie irgendeine Hoffnung, dass das US-Militär die „Verrückten“, die augenblicklich die Macht im Weißen Haus und im Kongress haben, noch stoppen könnte?

Paul Craig Roberts: Das US-Militär ist ein Geschöpf der Rüstungsindustrie. Wer General wird, qualifiziert sich damit automatisch als Berater für die Rüstungsindustrie oder für die Führungsetage eines Rüstungskonzerns. Das Militär ist nur das Sprungbrett für die eigent- liche Karriere, die erst nach der Pensionierung beginnt, aber das große Geld einbringt. Das US-Militär ist völlig korrupt.
Lesen Sie dazu Andrew Cockburns Buch „Kill Chain“.

Der Saker: Wenn die USA wirklich einen Krieg mit Russland provozieren wollen, was sollte Russland dann tun? Solle Russland zurückstecken und eine untergeordnete Rolle akzeptieren, um einen Atomkrieg zu verhindern, oder sollte sich Russland widersetzen und damit einen Atomkrieg riskieren? Glauben Sie, dass Russland mit einer klaren Demonstration seiner Stärke, die USA von einem Angriff abschrecken könnten?

Paul Craig Roberts: Darüber habe ich auch schon oft nachgedacht. Ich weiß nicht, wie sich Russland entscheiden wird. Ich halte Putin für so human, dass er vermutlich lieber nachgeben, als sich an der Vernichtung der Erde beteiligen würde.
Aber Putin muss auch auf Strömungen in Russland Rücksicht nehmen, und ich bezweifle, dass die Nationalisten für eine Unterwerfung wären.

Meiner Meinung nach sollte sich Putin auf Europa konzentrieren und die Europäer darauf aufmerksam machen, dass er im Falle eines US-Angriffs keine Wahl hat und die NATO- und US-Basen in Europa (und vor allem die in der Bundesrepublik Deutschland) in einem Gegenschlag vernichten müsste.
Putin muss Europa ermutigen, aus der NATO auszusteigen, um den Dritten (und letzten) Weltkrieg zu verhindern.

Putin muss China begreiflich machen, dass die USA auch die Chinesen als Bedrohung ansehen und dass beide Staaten deshalb zusammenstehen müssen. Wenn Russland und China ihre Atomstreitkräfte in ständige Bereitschaft versetzen und der Welt erklären, dass sie das tun, weil sie mit einem präemptiven Atomangriff der USA rechnen müssen, könnte es gelingen, die USA vor der Weltöffentlichkeit an den Pranger zu stellen.

Wenn die indische, japanische, französische, deutsche, britische, chinesische und russische Presse gleichzeitig berichten würden, dass Russland und China einen präemptiven Atomschlag Washingtons befürchten, könnte die Katastrophe vielleicht noch aufgehalten werden.

Aufgrund meiner vielen Interviews mit russischen Medien weiß ich, dass die Russen die Wolfowitz-Doktrin entweder überhaupt nicht kennen oder, die Gefahr, die davon ausgeht, total unterschätzen. Die Russen denken, es gäbe eine Art Missverständnis über die russischen Absichten. Die russischen Medien verstehen nicht, dass Russland zerschlagen werden soll, weil es kein US-Vasall ist.
Russen glauben das westliche Gequatsche von “Freiheit und Demokratie” und wollen beides auch in ihrem Land durchsetzen. Mit anderen Worten, die Russen haben überhaupt noch nicht kapiert, dass sie vernichtet werden sollen.

Der Saker: Warum ist Ihrer Meinung nach der Hass auf Russland in den US-Eliten so verbreitet? Ist das ein Überbleibsel aus dem Kalten Krieg, oder gibt es einen anderen Grund für den fast durchgängigen Russenhass in den US-Eliten? Sogar während des Kalten Kriegs war es unklar, ob die USA nur antikommunistisch oder antirussisch waren. Gibt es in der russischen Kultur, im russischen Volk oder in seiner Lebensweise etwas, dass diese Feindseligkeit auslöst, und wenn ja was?

Paul Craig Roberts: Die Feindseligkeit gegenüber Russland geht auf die Wolfowitz-Doktrin zurück: „Unser erstes Ziel ist es, den Wiederaufstieg eines neuen Rivalen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo zu verhindern, wenn er eine Gefahr in der Größenordnung darstellt, die früher von der Sowjetunion ausging. Das ist der grundlegende Gedanke für die neue regionale Verteidigungsstrategie; wir müssen also verhindern, dass irgendeine Region von einer feindlichen Macht dominiert wird, deren Ressourcen ihr ermöglichen würden, sich zu einer Weltmacht aufzuschwingen.“

Während sich die USA auf ihre Kriege im Mittleren Osten konzentriert haben, hat Putin Russland wieder stabilisiert und die von Washington geplante Invasion Syriens ebenso wie die Bombardierung des Irans verhindert.
Weil die Neokonservativen „das erste Ziel“ ihrer Doktrin nicht aufgeben wollen, muss Russland auf Linie gebracht werden. Das ist der Hauptgrund für den geplanten Angriff Washingtons auf Russland. Deshalb schwadronieren die abhängigen oder gekauften Medien der USA und Europas auch ständig von der „russischen Bedrohung“, um die voreingenommene oder uninformierte westliche Öffentlichkeit (auf einen Krieg gegen Russland) einzustimmen.

Die westlichen Imperialisten stört auch die wiederbelebte russische Kultur – die Moral russischer Christen, ihr Respekt vor dem Recht und ihre Menschlichkeit, die Bevorzugung der Diplomatie anstelle von Nötigung und die Achtung traditioneller sozialer Sitten und Gebräuche – aber das wird nicht offen gesagt.
Russland wird gehasst, weil es zusammen mit China das Streben der USA nach Weltherrschaft behindert. Und dieses Hindernis soll durch einen Krieg beseitigt werden.

Wenn sich die Russen und Chinesen nicht auf einen von Washingtons angeordneten präemptiven Atomschlag einstellen, werden sie vernichtet.

(Wir haben die deutsche Übersetzung unter Beiziehung des englischen Originaltextes überarbeitet und mit Ergänzungen und Links in Klammern versehen. Eindringlicher als Paul Craig Roberts hat noch niemand vor der wachsenden Kriegsgefahr gewarnt. Aber die wird ja noch nicht einmal von der zerstrittenen „Friedensbewegung“ wahrgenommen, die bewusst von den US-Kriegstreibern abgelenkt wird.)
———————
Originalquelle:
http://vineyardsaker.de/usa/interview-der-saker-mit-paul-craig-roberts/#more-3103
unsere Quelle:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP07315_080415.pdf
———————
Ganz herzlichen Dank an die Mannschaft von http://www.luftpost-kl.de, die eine ausgezeichnete Arbeit leistet!
Alle Links haben wir vom deutschsprachigen Original übernommen – weitere Hervorhebungen sind von uns. –
Luckyhans, 11.4.2015


4 Kommentare

  1. Lo Cypher sagt:

    …bemerkenswertes Interview! Auch ist es bemerkenswert, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, dass bisher kein Kommentar zu lesen ist. Ich sehe keinen, oder spinnt mein Browser…:)
    Ich vermute mal spontan: Offensichtlich liegt die Kriegsgefahr weit außerhalb der persönlichen Realitätswahrnehmung.
    Wer die Wolfowitz-Doktrin gelesen hat und die Tragweite dieses menschenverachtenden Irrsinn ernst nimmt, was ja nicht schwer ist, wenn man die Politik der USA beobachtet, der begreift auch, dass sein persönliches Leben und das seiner Liebsten unmittelbar bedroht ist.
    Um es mit meinen Worten zu sagen: Da sind ein „paar“ völlig Geisteskranke bereit, den Planeten dann zu zerstören (und sie werden es garantiert tun), wenn sie erkennen, dass sie ihre Ziele nicht erreichen können.
    So ist die Natur eines Psychopathen. Er wird alles und jeden in den Abgrund reißen, weil er den Gedanken nicht ertragen kann, dass ein anderer gewinnen wird und nicht er selbst. Aus Sicht der Vernunft ist das ziemlich dämlich, für einen Psychopathen aber folgerichtig, denn niemand außer ihm selbst darf gewinnen.
    Leider kapieren die meisten Menschen nicht die Natur eines Psychpathen, obwohl die Geschichte der Menschheit übervoll ist mit lehrreichen Beispielen…

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  2. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  3. haluise sagt:

    das ist länger bekannt, dass in den vsa ursprünglich seelenGESTÖRTE ZUGANGE SIND, die sich MITTLERWEILE ZU geistesGESTÖRTEN weiter entwickelt haben mit paranoia im gepäck …kurz vor dem ende.
    bis zum schluss kommen sie mit verve und überzeugender rücksichtslosigkeit daher, die auch den tod nicht fürchtet und davor haben die normalos angst und hoffen, der kelch gehe an ihnen vorbei.
    erst, wenn sie mit dem rücken zur wand stehen – wie im tierischen lager – können sie zum angriff überwechseln …das nennt man dann ERWACHEN und HEILIGEN ZORN ….
    NUR
    heute ist ein kampf sinnlos
    HEUTE muss es zur VERWEIGERUNG des gehorsams kommen, die auch körperliche gefahren mit sich bringen kann – theoretisch – oder zum 100-affen-ERWACHEN weltweit …..

    BIN LUISE

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  4. Vollidiot sagt:

    Recht gutes Interfiu.
    Kennt der PCR (für Thom: PaulCrägRoberts) die Problematik Deutsch/Russisch nicht?
    Oder weiß er was er nicht darf?
    Dieses wesentliche Moment packt er anders an.
    BRD aus der NATO?
    Da müßte der Bunzel aktiv werden, in erheblicher Menge.
    Von unseren gekauften Kadern in Berlin kommt gewiß nix.
    Und was die Amis machen, wenn ihnen Ramstein abhanden kommen könnte?
    Dafür haben die DOC-Schweine sicher schon diverse Varianten in der Schublade.
    z.B. innere Unruhen, die Bedingungen sind geschaffen, da könnten die Ami-Truppen, in vivo, richtig aktiv werden, warum erst nach Grafenwöhr.
    Das schmerzte vielleicht den Bürgermeister dort und die Marketenderinnen.
    Und Ramstein fiele aus dem Fokus und wir wären mal wieder ziemlich befreit.
    Es ist wirklich gut echte Freunde zu haben.

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