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Kleine Feuer / hier stinkt was.

(Ludwig der Träumer) Mir flattert ein Flyer von einen ‚lieben‘ Nachbarn rein, der sich Alexander aus dem Nelkenweg nennt. Eine gute Sache, die er da vorhat, stelle ich nach erstem Durchlesen fest. Will mich auch gleich an dieser Initiative beteiligen.  Wer wünscht sich nicht wieder die Vernetzung der Nachbarn, die einmal im Kleinen war und die Grundlage für eine funktionierende Dorfgemeinschaft bildete?

Hier einen unformatierte Abschrift des DIN-A4 Flyers in allen Briefkästen der Gemeinde, sowie abermillionenfach verteilt in ganz Deutschland:

Hallo liebe Nachbarn

in Dettenheim,

wir möchten uns in der Gemeinde besser vernetzen
und haben dafür auf der Nachbarschaftsplattform
nebenan.de unsere kostenlose Nachbarschaft
„Dettenheim“ ins Leben gerufen:

http://www.nebenan.de/einladung/dettenheim

Auf dieser Seite können wir uns schnell und
unkompliziert miteinander austauschen, uns gegenseitig
aushelfen, unterstützen und vor allem unsere
kommenden Aktivitäten & Veranstaltungen planen.

Um mitzumachen, registriert Euch einfach hier:

www.nebenan.de/einladung/dettenheim

(online oder direkt mit der nebenan.de App für Android und iOS)

Damit auch wirklich nur Anwohner Zugang haben,
gebt bitte folgenden Zugangscode ein: napla-dempo

Lasst uns alle mitmachen!

Euer Nachbar

Alexander aus dem Nelkenweg

Alexander hat diese Nachbarschaft auf nebenan.de gestartet und die Verteilung dieser Einladung angestoßen. nebenan.de ist eine kostenlose Online-Plattform zum nachbarschaftlichen Austausch und wird von dem Sozialunternehmen Good Hood GmbH
(Köpenicker Straße 154, 10997 Berlin) betrieben. Mehr Informationen gibt es hier: www.nebenan.de/about

Aha, mein Nachbar Alexander ist der Initiator, lese ich. Gerade der, das größte Arschloch in der Straße, der jeden anzeigt, wenn er sein Auto unerlaubt vor der Garage wäscht oder eine Grillpartie bis in die Puppen ein zweites Mal im Monat veranstaltet oder meine Katze liebsten vergiften würde.

Da ist doch was faul, kommt mir in den Sinn. Warum fehlt sein Nachname? Vielleicht ist es er gar nicht der, der mir hier schreibt.

Im Impressum von Good Hood steht ‚Sozialunternehmen‘.

Sozial ist in dieser digitalen Welt der Grünschnäbel, was Kohle reinbringt, meine ich.

Crowdfunding entwickelt sich im Stillen, im Selbstmachen – im Vorleben. Nicht über Geldsammelmaschinen und schon gar nicht über Apps.

Stelle mir gerade vor, meine Bohrmaschine ist kaputt und ich habe das dringende Bedürfnis ein Loch in meinem Brett vor dem Kopf zu bohren um meinen Horizont zu erweitern. Muß erst eine App bemühen, ob mir der Nachbar seine gern ausleiht. Wo sind wir angekommen?

Soll so die die künftigen Gespräche unter Nachbarn aussehen?

Da dieser Flyer gleichzeitig bundesweit in den Briefkästen landete, nehme ich an, daß so was ein Haufen Geld kostet, das – sollten sie wirklich nur ehrenwerte Ziele haben, nie über kleindepperten Spendern wie mich zu finanzieren wäre. Also hat da eine größere weltweit agierende Interessengruppe die nur vorgeschickt um unsere Daten und Vorlieben zu sammeln.

Eine riesige Leistung für ein Start Up Unternehmen von Grünschnäbeln ohne finanziellen Background, die gerade noch den nachbarschaftlichen Pizzaservice bezahlen können um nicht zu verhungern. Woher kommt das Geld für dieses ‚soziales‘ Engagement?

Bei der Anmeldung werden Klarnamen und Adresse abgefragt und geprüft, wie deren Regularien vorschreiben. Warum steht dann vom Nachbarn nur der Vorname.

Mein Verdacht, es steht die große Datenkrake dahinter, die die letzten Verweigerer von Fratzenbuch und Co. über diese Geschäftsidee auch noch fangen wollen.

Ich kann nur warnen vor solchen Angeboten. Möchte den jungen Machern dieser Seite jedoch keine unlauteren Machenschaften unterstellen. Ich denke, sie sind einfach dem Zeitgeist des Endzeitkapitalismus verfallen. Mit diesen Gedanken wünsche ich ihnen, daß sie endlich aufwachen und erkennen wofür sie benutz werden. Ich sehe in ihnen ein ungeahntes Potential, wenn sie denn raus aus ihrer Verblendung finden, das digitale Zeitalter könnte die Zukunft sein.

Hab mir dennoch überlegt, euch was zu spenden für euren künftigen Weg. Einen Spaten und alte Sorten Gemüsesamen von unserer Mühlenfee Susi. Ein Hektar Ackerland stellen wir euch zur Verfügung.


6 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

  2. palina sagt:

    die Plattform wurde von 2 erfahrenen Voll-Profis gegründet. Finanziert unter anderem von der Firma „Burda“. Ein ähnliches Unternehmen gibt es schon länger in den USA.

    Ich gehe davon aus, dass es hier um Datensammlung geht.

    Hier kann man weiterlesen (die Kommentare sind auch sehr interessant).
    http://www.toptestsieger.de/nebenan-de-erfahrungen-mit-den-fake-nachbarn-von-nebenan/

    Gefällt mir

  3. delledschäck sagt:

    Na Du kommst auf Ideén__wunderbar__ , doch utopisch, denn dazu müßte mer sich bewegen, womöglich wirds einem warm dbei. vermutlich muß erst gegokkelt werden ‚hau tu jus‘ dieses Werkzeug ausdm lädschten Jahrtausend

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  4. Maria-Theresia sagt:

    Hallo, mein Nachbar ist mit Vor- und Nachnamen und Adresse und Foto in diesem Netzwerk eingetragen.
    Und… die ersten haben sich bereits getroffen und weitere Treffen sind vereinbart.
    Also grundsätzlich finde ich das gut, denn meine direktennachbarn kenne ich, doch weitere, die sich auch noch austauschen möchten, kenne ich nicht. Für mich eine Möglichkeit des Erstkontaktes, doch dann ist hingehen und oder verabreden dran. Und auch, weil ich seit ewigen Jahrzehnten nicht mehr in dem Ort war und fast niemanden kenne finde ich dies gut.
    Danke für den Hinweis bezügl. des Hintergrundes. Werde da mal nachlesen.

    Gefällt 1 Person

  5. Vollidiot sagt:

    Die Adressen dieser Kommjunnitimitglieder sind schon interessant, und deren eventuelle Ideen und Absichten.

    Ach wie stinkt es, ach wie strenge
    so ein Mensch mit kaum verhüllten Schein
    und hoffend auf der Daten Menge
    ihm kommt durch List ins Zimmer rein

    Er nebelt von sozialer Nähe
    von Hilfe durch und Nachbars Güten
    doch letzhin ist es niederstes Geblähe
    Verrat er liefert dann in voller Tüten

    Big Data hat so großen Hunger
    und schreit nach Futter von den Thoren
    In jedem Haus, jawohl, ein Dummer
    das Individuelle geht verloren

    Die Verführten haben ja in rechtem Ahnen
    daß Gemeinschaft und ein eigner Wille
    brechen könnte sich in ihnen Bahnen –
    Big Datas Herren aber lieben hier die Stille.

    Gefällt mir

  6. Hat dies auf HEIMDALL WARDA rebloggt und kommentierte:
    aus einem Kommentar hierzu: die Plattform wurde von 2 erfahrenen Voll-Profis gegründet. Finanziert unter anderem von der Firma „Burda“. Ein ähnliches Unternehmen gibt es schon länger in den USA.

    Ich gehe davon aus, dass es hier um Datensammlung geht.

    Hier kann man weiterlesen (die Kommentare sind auch sehr interessant).
    http://www.toptestsieger.de/nebenan-de-erfahrungen-mit-den-fake-nachbarn-von-nebenan/

    Gefällt mir

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