bumi bahagia / Glückliche Erde

Putins Wahl

Oh nein, es wird jetzt nicht um die Präsidentenwahl in Rußland im nächsten Jahr gehen – ob da Putin gewählt werden wird, ist durchaus noch fraglich.
Nein, es geht um eine Wahl, welche Putin selbst getroffen hat: Putin hat gewählt.
Wen oder was?
Erfahren wir gleich…
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 28. März 2017
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Putin hat seine Wahl getroffen

25. März 2017, 10:20

Foto: Sputnik/Mikhail Klimentyev/Reuters, Text: Peter Akopow

Das Treffen Wladimir Putins mit Marin LePen ist nicht nur wichtig im Kontext der französischen Wahlen. Viel größere Bedeutung hat es, daß am 24. März endgültig der Beginn eines neuen Abschnittes in den Beziehungen zwischen Rußland und dem Westen bestätigt wurde.
Wir haben hier den neuen Stil Wladimir Putins gesehen: der Präsident Rußlands demonstriert nicht mehr, daß der Kreis seiner Kommunikation begrenzt ist auf die momentanen Machthaber und ehemalige Führer der Länder des Westens.
Der Kreml tritt aus dem Schatten.

Wladimir Putin ist immer demonstrativ außerordentlich höflich in den Beziehungen mit den Führern anderer Länder, in seiner öffentlichen Diplomatie. Das sind nicht nur die Regeln des Guten Tons und die professionelle Routine, die er aus seiner Geheimdienstvergangenheit mitgenommen hat – das ist eine bewußte Linie.

Putin hat mehrfach unterstrichen, daß die russische Macht nur mit den momentanen Machthabern verkehrt und nicht versucht, gegen diese einzuwirken, indem sie mit der Opposition spielt – mit einem Wort: sie mischt sich nicht in den innenpolitischen Kampf in fremden Ländern ein.
Besonders angebracht war es, dies zu unterstreichen, als Kontrast zu den angelsächsischen „Partnern“ – denn die VSA verdecken schon lange nicht mehr, daß es für sie keine Grenzen zwischen den inneren und äußeren Angelegenheiten anderer Länder gibt.
Und so mischen sie sich in innenpolitische und Wahlvorgänge in den verschiedensten Ländern ein – manchmal offen, manchmal mehr verborgen. Aber was soll man auch von einem Land erwarten, daß sich zum Garanten der Einhaltung der Menschenrechte und der Freiheit in der ganzen Welt erklärt hat?
(selbstverständlich nur anderswo – im eigenen Land VSA wird das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben durch eigene Arbeit vielen Menschen vorenthalten, und die „Freiheit“ wird anderen mit Bomben, Granaten und mordenden Söldnern „gebracht“ – d.Ü.)

Rußland und Putin hatten das vollständige Gegenteil dazu demonstriert. Obwohl alle verstehen, daß unser Land die unterschiedlichsten Möglichkeiten hat, um auf die Situation in verschiedenen Ländern der Welt Einfluß zu nehmen – schließlich sind für alle die Geheimdienste tätig, die Einflußagenten, die auch „ihre“ Politiker in für sie wichtigen Ländern fördern: das machen alle Weltmächte – aber es ist sehr wichtig, daß unsere offizielle Position immer genau die „Nicheinmischung“ verkündet.

Worin zeigt sich das im Leben? Zum Beispiel darin, daß sich ebenjener Putin niemals mit Vertretern der Opposition am Vorabend von Wahlen in den europäischen Ländern getroffen hat. Er konnte denselben Francois Fillon vor zwei und drei Jahren empfangen, als dieser einfach nur ehemaliger Premierminister Frankreichs war. Aber Putin hätte sich früher nie demonstrativ mit einem Kandidaten für den Posten des Präsidenten oder Premierministers eines beliebigen europäischen Landes getroffen.
Jetzt ist diese Barriere gefallen – Moskau tut schon nicht mehr so, als sei es uns gleichgültig, wer sich in den westlichen Ländern an der Macht befindet. Wobei wir formal immernoch eine Reihe von Vorbehalten machen, als ob wir uns schämen würden, das direkt zu sagen, wofür man sich nicht schämen braucht, was man nicht verheimlichen muß. Zum Beispiel hat der Pressesprecher des Präsidenten zur Erläuterung des unerwarteten Treffens Putin und LePens für die Journalisten gesagt:

Sie hat im Kreml in den Patriarchen-Kammern eine Ausstellung französischer Kunstwerke besucht, und bei diesem Anlaß wurde sie im Kreml von Präsident Putin empfangen.“

Putin selbst hat bei der Begrüßung LePens sofort angemerkt, daß wir in den Beziehungen mit Frankreich „uns bemühen, gleichwertige Beziehungen sowohl mit den Vertretern der momentanen Macht, als auch mit den Vertretern der Opposition zu unterhalten“:

Natürlich weiß ich, daß jetzt der Wahlkampf in Frankreich in seine aktive Phase tritt. Wir wollen in keinem Falle irgendwie die vor sich gehenden Ereignisse beeinflussen, aber wir nehmen unser Recht wahr, mit allen Vertretern aller politischen Kräfte des Landes zu kommunizieren – so wie das auch unsere Partner in Europa und in den Vereinigten Staaten tun.“

Daß der Präsident hier auf die „Partner“ verwiesen hat, ist verständlich – Rußland gewöhnt sich erst daran, mit voller Stimme zu reden, ohne sich umzublicken.
Putin hat damit in München vor 10 Jahren begonnen, und in den letzten drei Jahre wurde das Niveau der Offenheit immer höher – dem hat natürlich die offene geopolitische Konfrontation mit dem Westen Vorschub geleistet.
Und nun, am Ausgang aus dieser hohen Phase, kehrt Rußland nicht zurück zu jenen Formen der Beziehungen zum Westen, wie sie vor 2014 waren – nein, wir gehen zu einem neuen Protokoll der Beziehungen über.

Daß eine neue Etappe beginnt, wurde im vergangenen Monat verständlich, als eine der Führerinnen der „Alternative für Deutschland“, Frauke Petri, in Moskau weilte. Sie war auf Einladung der regionalen Zusammenarbeit gekommen, aber alle haben kapiert, daß die Ankunft des Hauptes der wichtigsten Oppositionspartei Deutschlands in Rußland ein außerordentliches Ereignis ist.
Tatsächlich sind die Euroskeptiker und Anti-Globalisten aus der „Alternative“ ein Alptraum für die Systemparteien der BRD – sie sind von unten hervorgegangen, hauptsächlich aus Kreisen der Anhänger der Christdemokraten – sie sagen, was sie denken, und sie treten als contra-elitäre Kraft auf.
Wie jene, die im Westen als „Populisten“, „Rechtsaußen“ und „Radikale“ verschrieen sind – aber man kann das Wachstum ihrer Popularität nicht aufhalten. Bei den Wahlen für den Bundestag im Herbst dieses Jahres wird die AfD mehr als 10% bekommen und eine Parlamentspartei werden.
Erstmals hat man Frauke Petri in der Staatsduma empfangen – mit ihr hat sich Wolodin (Sprecher der Staatsduma, der „großen“ Kammer des russischen Parlaments – d.Ü.) getroffen, obwohl früher die „Alternativen“ und die russischen Machthaber praktisch jeglichen Kontakten aus dem Weg gegangen waren (um nicht einen Vorwand zu liefern, in der Partei „Agenten des Kreml“ zu sehen).

Und nun kommt kurz darauf Marin LePen nach Moskau – die populärste Präsidentschafts­kandidatin Frankreichs. Bis zu den Wahlen bleibt weniger als ein Monat – und davon, daß sie für eine Normalisierung der Beziehungen beider Länder eintritt, wissen alle – sowohl bei uns im Lande als auch in Frankreich.
LePen ist auch nicht das erste Mal in Moskau, und Treffen in der Staatsduma auf Ebene des Sprechers hatte sie schon früher – und auch diesmal hat sie sich mit Wolodin getroffen.
Aber das darauffolgende Treffen mit Putin ist schon ein ganz anderes Spiel.

Die Entscheidung zum Beginn desselben hat Wladimir Putin getroffen. Er wurde solange im Westen dämonisiert, wurde solange als einflußreichster Mensch in der Welt benannt, daß er jetzt beschlossen hat, dem nicht mehr zu widersprechen.
Aber im Ernst: Putin ist nach 2014 tatsächlich nicht nur der mächtigste Mann in der Welt geworden, sondern auch der populärste. Und nun beginnt er, dies auszunutzen.

Diese Popularität gilt nicht für die ganze Menschheit insgesamt – und es hat noch nie politische Figuren gegeben, die gleichmäßig von den Einwohnern Englands, Somalias und von Peru bewundert wurden. Sogar die allseitig bekanntgemachten Führer – der Papst in Rom und der Dalai Lama – sind nicht für alle Autoritäten.
Die großartige Popularität von Mandela oder Fidel Castro war mit deren jahrzehntelangem Kampf verbunden – beim einen für die Rechte der schwarzzen Bevölkerung, beim anderen gegen den amerikanischen Imperialismus -, aber keinesfalls mit dem Gewicht und der Autorität ihres Staates.
Putin dagegen steht für die Interessen Rußlands ein – und der gewaltige historische Einfluß unseres Landes (das sich die vergangenen zwei Jahrhunderte im Zentrum aller Weltereignisse befunden hat) verhilft dem Wachstum seiner persönlichen Autorität. Putin macht Rußland stärker, und das erstarkende Rußland macht den Putin stärker.

Im Ergebnis dessen gibt es tatsächlich in der Welt keinen Führer, der mit Putin an Autorität und Popularität vergleichbar wäre – sowohl weil die Welt-“Führer“ sich „zerkleinert“ haben, als auch weil Putin gewaltig Erfahrungen gesammelt hat.

Die Mehrzahl der Chinesen und ein nicht geringer Teil der Trumpisten-Amerikaner achten Putin, und zwar für ein und dasselbe: dafür, daß er mutig und hart die Interessen seines Landes vertritt.
Und Putin ist auch bei einem merklichen Teil der politisch aktiven Bürger der Westens populär – bei jenen, die mit der Globalisierung, dem (sogenannten! denn mit Kultur hat das, was da propagiert wird, nur sehr wenig zu tun – d.Ü.) Multikulturalismus sowie den geschlechtslosen, antinationalen und käuflichen lokalen „Eliten“ nicht einverstanden sind – bei den französischen Katholiken und italienischen Rechten, den Verteidigern der traditionellen Familie und der natürlichen Werte. (auch dies darf hinterfragt werden – d.Ü.)
Und nun wird er dies auch nutzen.

Natürlich sind diese Veränderungen auch dadurch hervorgerufen, daß der Westen selbst in ein Stadium erhöhter Turbulenz gelangt ist – dort hat sich der inner-elitäre Kampf stark verschärft, es gibt eine reale Auseinandersetzung zwischen den Globalisten und den Nationalisten, und da beiseite stehenzubleiben ist für Rußland völlig unvorteilhaft.
(wir sollten über diesen „innerelitären Kampf“ aber bitte nicht im Zweifel sein: es geht beiden Teilen der selbsternannten „Elite“ nur um ihre jeweiligen engen eigenen Macht-Interessen, keinesfalls um die Interessen der Menschen! – d.Ü.)
Um so mehr unter den Bedingungen, da der Kreml auch ohne dies ständig der Einmischung in die inneren Angelegenheiten bezichtigt wird: zuerst in Großbritannien, dann in den VSA und nun in Frankreich. Wobei diese Anschuldigungen völlig ohne jegliche Beweise vorgebracht werden – dafür aber sehr laut und skandalträchtig.

Für Putin wurde in der westlichen Welt eine tollwütige Reklame gemacht, in der Annahme, damit Rußland zu schädigen und die eigenen innenpolitischen Probleme lösen zu können, aber im Ergebnis wurden nur dem Präsidenten Rußlands zusätzliche Möglichkeiten für den Einfluß auf die internationale Lage geschaffen.

Aber Putin ist nicht Lenin – er braucht keinen Export der Weltrevolution.
Und Rußland ist nicht die VSA, wir haben kein eigenes „globales atlantisches Projekt“ und streben nicht nach Dominanz (full spectrum dominance – d.Ü.) in der Welt, wollen nicht alles und jeden kontrollieren.
(hochinteressant, daß hier nicht gesagt wird: „Rußland ist nicht die UdSSR“ – man vermeidet es, sich trotz aller Kritik daran von seiner eigenen Geschichte „loszusagen“ – ein gerade für uns Deutsche sehr bemerkenswerter Fakt – d.Ü.)

Aber wir haben nationale Interessen, wir haben eine tausendjährige Zivilisation (hier is wohl eher die „slawische“ Kultur gemeint – d.Ü.) und die Verpflichtung, die russische (slawische? – d.Ü.) Welt zu verteidigen – und wir haben die Absicht, eine solche Architektur der internationalen Beziehungen zu erschaffen, welche in maximaler Weise die Sicherheit und das Erblühen Rußlands gewährleisten wird.
(hier ist durchaus festzustellen, daß „die Interessen Rußlands“ weit über die Grenzen des eigenen Landes hinausgehen – wie das auch bei anderen der Fall ist; nur fehlt dabei tatsächlich die globalistische Komponente – diese bleibt eine „Erfindung“ und das „Wahrzeichen“ eines Teils des Westens, im Auftrag bestimmter Kreise – d.Ü,)

Dabei haben wir eine Vielzahl von Verbündeten – jene Politiker, welche unsere Vorstellung teilen von der Vielfalt der Welt, vom Recht jedes Volkes, nach seinem Sinn auf seinem Land zu leben. Und solche Politiker wird Putin nun offen und direkt unterstützen.

Quelle: http://www.vz.ru/politics/2017/3/25/863449.html


6 Kommentare

  1. ich freue mich, Mitteilungen aus Russland lesen zu können.
    und dass die „populistischen Weiber“ aus MittelbisWesteuropa schon kontaktet haben, ist in Ordnung… 🙂

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  2. chaukeedaar sagt:

    Hare Krishna, kann ich da nur sagen! Danke gewandter Lucky für die Bereicherung, der Text macht Spass 😀

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  3. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  4. helmutn sagt:

    Gebe das Schicksal dem W.W.Putin noch ein langes Leben und dem Luckyhans auch für seine Emphatie.Wo stünde die Welt heute ohne Putin.Man möchte es gar nicht wissen.Hoffen wir nun auf Marine Le Pen nachdem es in Holland und im Saarland und auch in Austria noch nicht gereicht hat.Mit anderen Politikern und ohne die Brüsseldiktatur kommen wir vielleicht auch mit Europa weiter.Dazu braucht es aber einen völlig neuen Denkansatz-ohne Nato!

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  5. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  6. Luckyhans sagt:

    Nur ganz kurz noch ein paar Fakten, weil sich die Qualitätsfreien Medien hierzulande wieder mal überschlagen haben vor Hetze:
    insgesamt sind am vergangenen Sonntag im ganzen Land Rußland etwa 60.000 Menschen auf die Straße gegangen, um den Aufruf zum Kampf gegen die Korruption zu folgen, den ein gewisser „Oppositionär“ Nawalnyj vor allem mit Hilfe von verführten Schulkindern anzuheizen versucht.
    In Moskau wurde die Demo mit (im Vergleich zu „üblichen“ westlichen Maßnahmen) sehr sanfter Gewalt aufgelöst, weil der Platz, an dem demonstriert wurde, nicht für die Demo freigegeben war, daher war diese so nicht genehmigt. (obwohl N. natürlich was anderes behauptet)
    Herr N. wurde dann in einem hübschen (mit Gardinen an den Fenstern) eigenen Gefangenentransporter und ohne Handschellen weggefahren und hat 14 Tage Arrest bekommen, während seine junge Mitdemonstranten (in normalen LKWs abtransportiert) wohl vergeblich auf die ihnen im Falle einer Festnahme versprochenen 10.000 Euro „Prämie“ warten werden.
    In Jekaterinburg (dort war die Demo ebenfalls nicht genehmingt) hat der Stab des N. den Verhafteten nicht mal die Geld-Strafen erstattet, mit denen diese belegt worden sind.
    Im russischen Netz wird N. schon mit „Kinder-Führer“ und „Baby-Caesar“ bezeichnet.
    Eine derart herunterkommene „Opposition“ hat Rußland nun wirklich nicht verdient…

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