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Kultur / Essay

„Dieses Volk verfügt über eine hohe Kultur.“

„Die Kulturlosigkeit jener Menschen ist sprichwörtlich.“

„Kultur? Das ist Musik, Dichtung, Malerei.“

Immer wieder stolperte ich während eines ziemlich langen Lebens über solche Aussagen. Ich konnte nie was damit anfangen.

Wieder mal neu angekickt, über Kultur nachzudenken, komme ich für mich zu ähnlicher Definition, welche auch Wiki bringt. Wir wissen, Wiki ist komplett unterwandert. Doch Begrifflichkeiten sind oft saugut umschrieben, so auch „Kultur“.

Betritt man ein Land, so springt einem die herrschende Kultur direkt ins Gesicht. Je länger man sich in diesem Land aufhält, desto breiter und tiefer wird die Kenntnis der betreffenden Kultur.

Das fängt an zum Beispiel mit den Geräuschen, welche einen empfangen. Steige ich in Aarau in der Schweiz aus dem Zug und begebe mich in den brandneuen Glaspalast (= Ausdruck der herrschenden Kultur natürlich auch), so herrscht, je nachdem wie ich das nun werte, Grabesstille oder eben wohltuende Ruhe. Das ist Ausdruck einer ganz anderen Kultur, als wenn ich in Yogyakarta aussteige, wo mich tausend Geräusche überfallen.

Die Menschen, die in Aarau in mein Gesichtsfeld geraten, sie sind sauber, sie schauen sauber in die Welt, sie bewegen sich ordentlich. Das ist Kultur. Das ist nicht gut, das ist nicht schlecht, es ist Kultur. In Yogyakarta sind die Menschen nicht unbedingt sauber, sie schauen vom Leben gezeichnet aus dem Gesicht, und sie bewegen sich in allen Variationen. Das ist nicht gut, das ist nicht schlecht, es ist Kultur.

Das Essen, welches ich in Aarau bestelle, es kommt heiss auf den Teller, und wenn ich die Serviertochter anlächle, so macht sie Kuhaugen. Das ist nicht gut, das ist nicht schlecht, das ist Kultur. Beim selben Vorgang in Yogyakarta ist das Essen kalt oder lauwarm, und die Serviertochter ist keine Serviertochter, sondern eine Mbak, und sie gibt mein Lächel bezaubernd zurück. Das ist nicht gut, das ist nicht schlecht, das ist Kultur.

Nachts sind die Strassen in Aarau ohne Fussgänger. Man trifft sich nicht auf der Strasse, sondern im Kaffee oder in der Stube. Das ist Kultur. In Yogyakarta trifft man sich, egal wo, warum nicht im Kaffee, aber das braucht es nicht, eine Mäuerchen im Schatten tut es auch zum Zusammensein. Das ist Kultur.

Na, ich will dich nicht mit weiteren Banalitäten langweilen, lieber Leser, du verstehst, was ich meine.

Weil Wiki tatsächlich genau schreibt, was ich denke, sei hier mal Wiki die Ehre angetan und zitiert:

Kultur (von lateinisch cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“) bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik oder der bildenden Kunst, aber auch geistige Gebilde wie Moral, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaft.

Die letzten vom Autor aufgeführten Begriffe, die haben es in sich! Moral! Religion! Recht! Wirtschaft! Wissenschaft! Was das alles beinhaltet…und ist alles Teil der herrschenden Kultur!

Ich komme auf die drei einleitenden Aussagen zurück:

Wer sowas sagt, wer sagt, dass eine Kultur „hoch“ sei, wer sagt, dass ein Volk „keine Kultur“ habe, wer meint, dass Kultur aus der ausgeübten Kunst herauszulesen sei, der missbraucht den Begriff.

Kultur ist die Summe der landes- oder volkstypischen Verhaltensweisen und Sammelbegriff für all das, was die Menschen dieser Gruppe dendenziell produzieren, inklusive Gedanken und Gefühle.

Definiere „Kultur“ mal selber, lieber Leser. Bin neugierig.

😉

Gruss von meinem Hirni.

thom ram, 27.05.2015


34 Kommentare

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG sagt:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:

    Glück, Auf, meine Heimat!

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  2. luckyhans sagt:

    @ Thomram:
    Der Schiedunter besteht darin, daß Kultur eben KEIN „geistiges Gebilde“ ist wie die aufgeführten künstlich vom Menschen geschaffenen „Moral, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaft“.
    Wohlgemerkt: nicht Ethik, sondern Moral – genau, also das irre Regelwerk, das den Menschen in bestimmte Verhaltensweisen zwingen will, statt daß er auf seine innere Stimme hört.

    Und nun will ich mich auch als jemand eröffnen, der meint, daß diese Kultur zu revolutionieren (= „herumdrehen“) sei – ich meine, daß wir viel weniger „Künstliches“ benötigen, um glücklich zu sein.
    Und was soll uns noch interessieren im Leben außer selbst und am besten mit allen Menschen drum herum glücklich zu sein?

    Also: zurück in die natürliche „Rolle“ des Menschen – als Bestandteil der Natur. Natürliches Verhalten steht über jeder „Kultur“.

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  3. Hans Steinle sagt:

    Kultur? Gartenkultur, das ist das Einzigste was mir dazu einfällt und was mich positiv stimmt.

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  4. Petra von Haldem sagt:

    Als wir in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts im letzten Jahrtausend 😉 unseren kleinen Naturkostladen erweiterten,
    und zwar erheblich vergrößerten, und ihm bei dieser Gelegenheit auch einen neuen Namen gaben, war das für die Kunden und auch für Anwohner und viele andere die reinste Provokation.
    Warum, dazu komme ich gleich noch……..

    Der von den Vorgängern übernommene Name „Kraut und Rüben“- mit dem Untertitel Naturkostladen- aus den siebziger Jahren-
    hatte ausgedient. Eindeutig!!

    Uns war nämlich klar geworden, dass wir kein einziges reines Naturprodukt im Laden hatten.
    Nicht Eines!!
    Selbst wenn wir Wildpreiselbeeren verkauften, so war die Pflückarbeit, die Verpackung, der Transport u.s.w. u.s.w.
    Menschenarbeit, also keine reine Natur!

    Und von daher war für uns der Name Natur-Kost irreführend.

    Der neue Name hatte als Untertitel „Natur-u.Kulturkost“ und trug den damals noch restlos exotischen Namen *Quintessenz*.
    In unserem Flyer machten wir deutlich, dass die Natur uns die vier Elemente Erde-Wasser-Luft-Feuer anbietet
    und der Mensch als das fünfte „Element“ (quinta essentia) die Natur gestaltet.
    Und diese Arbeit wird Kultur genannt.

    Es war sehr spannend mitzuerleben, welche Gespräche mit den Kunden sich allein durch diesen Namen ergaben.
    War doch bis dato für fast alle das Wort Kultur einzig verknüpft mit Theater, Konzert, ja vielleicht Tisch-oder Ess-Kultur,
    eventuell noch mit Vorträgen.
    Dass aber das gesamte Produktions- und Wirtschaftsleben reine Kulturarbeit ist, kam fast keinem in den Sinn.
    *
    Als wir dann nach dem „Mauerfall“ die ersten Kontakte zur neu entstehenden Naturkost-Initiative in Leipzig knüpften,
    war der dortige Laden-Gründer derart begeistert von dem Kultur-Gedanken, dass er seinen Laden gleich *Kulturkostladen* nannte.
    Es war unseres Wissens nach der erste „Bio-Laden“ im sogenannten Osten unseres Landes 🙂 🙂 🙂
    *
    Wenn wir uns der Kultur – auch als Wort-Begriff – berauben,
    geben wir menschliches Bewußtsein, menschliche Errungenschaften unbewußt einfach auf………

    Die blogger-kultur halte ich für eine der jüngsten kulturformen…….
    und auch da ist zu sehen, wie sehr kultur ein zu pflegendes und zu schützendes ist.

    Ein Volk ist dadurch ein Volk, dass es seine Kultur zu schützen weiß.

    Kultur ist das Gestaltungselement einer Menschengemeinschaft.

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  5. Ludwig der Träumer sagt:

    Kultur zu definieren ist in der Tat schwer. Sie scheint auch der Mode unterworfen. Was ist Mode. Ein Zirkelbezug zur Kultur – oder fremdgesteuert. Darüber hat sich einer Gedanken gemacht, den ich in seiner Klarheit nicht im Amiland vermutet hätte. Es scheint eine übergeordnete übergestülpte Kultur weltweit zu geben, der alle Völker mehr oder weniger hörig sind. Die Unterschiede der Kulturen – Eigenartigkeiten der Völker sind dagegen in die Rubrik Folklore einzuordnen.

    Kultur wird heute geprägt von der Stütze der Elite, welche sich noch als Intellektuelle, Beamte, Schauspieler, Fußballstars, Manager und sonstige Zeitgenossen in finanzieller Sicherheit wiegen. Das kleine Arschloch versucht es denen nachzumachen – wenigstens davon zu träumen, statt denen eins auf die Fresse zu geben, wenn die das mühsam Erarbeitete uns rauben. Wenn schon der Kühlschrank leer ist, will man wenigsten im Traum/a an der Kultur des Wohlstands teilhaben. Dafür gibt es die Beglückung durch die Medien. Wie sonst könnte man das kleine A noch bei der Stange halten? Die letzten drei bis vier Stunden, die dem Hamsterradler noch nach dem Versuch, sein Leben monetär aufrechtzuerhalten, verbringt er mit Fernsehen, Fußball, Bild oder Goldenes Blatt lesen. Lassen wir ihm seinen Traum. Den weis die Elite und die, die sich da einschleimen bestens für ihren Wohlstand auszunutzen. Étienne de La Boëtie, „Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen“ oder Paul La Farge: Das Recht auf Faulheit, nochmal nachlesen. Hatte darüber schon mehrmals geschrieben.

    Warum noch aufregen über das kleine Arschloch. Es schreit ja schon vor Glück, wenn es 20% auf alles gibt. Sogar auf das Gehalt. Hauptsache noch Job. Brüllt die Zugführer nieder, weil die einen verzweifelten Versuch unternehmen, etwas mehr Geld fürs Überleben durch einen Streik zu bekommen. Hatte heute ein bemerkenswertes Erlebnis in der Poststelle. Eine Fluns hat das Mädchen hinterm Tresen angebrüllt, weil wg. dem Poststreik ihr so ersehntes Amazon-Paket noch nicht da ist.

    Somit komme ich zu dem Schluß: Kultur ist Zeitgeist. Kultur der Urvölker in der wir uns zumindest das Leben ohne Geld vorstellen, kann nicht mehr sein und wird nicht mehr kommen. Alle bisherigen Kulturen sind untergegangen und haben neue geschaffen. Die wurden zwar immer blöder, aber auch angenehmer für die Knochen und das Kreuz. Meine damit den menschlichen Buckel. Jetzt ist das Hirn dran. So wie sich der Mensch von der körperlichen Belastung befreite durch die Maschinen, wird er sich von der Belastung durch die Hirnis der Elite befreien. Kultur bleibt nicht stehen. Wenn der geringste göttliche Verstand noch im Menschen – dem kleinen A vorhanden sein sollte, wird er auch die Kultur der Elite, der er sich freiwillig unterworfen hat, überwinden.

    Hätte fast den aus dem Amiland vergessen – absolut lesenswert. Eine Rezension von Wolfgang Lieb, der es auf den Punkt bringt.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=13260

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  6. preusse sagt:

    Über den Begriff Kultur lässt sich trefflich streiten, weil jeder etwas anderes damit verbindet oder darunter einordnet.

    Kultur ist für mich zum einen alles Schaffen, was im Einklang mit der Natur stattfindet und diese nicht nachhaltig schädigt, ausplündert oder anders vergewaltigt. Die Achtung der Natur als Lebensquelle.
    Zum anderen aber die Form des friedvollen und Rücksicht nehmenden Zusammenlebens der Menschen. Was einzelne Völker dann noch an Besonderheiten und Brauchtum entwickeln, nennen einige Volkskultur und andere ethnische Besonderheiten. Oder noch anders, jeder wie er mag.

    Ich tue mich allerdings auch mehr als schwer damit (d. h. ich verweigere mich), Moral, Religion, Wirtschaft, Wissenschaft oder ähnliches und gerade die Verhaltensweisen hieraus dem Begriff zuzuordnen. Man kann meistens sicher sein, dass diese Inhalte zu bestimmten Verhaltensweisen (Unterdrückung, Beherrschung, Angsterzeugung etc. ) entwickelt wurden, selten zum kostenfreien Nutzen und Segen der Menschen sondern eher für einige wenige. Und viele schon gar nicht im Einklang mit der Natur.

    Aber jeder darf seine eigene Definition haben und pflegen. Städter wie Landleute, junge wie alte Leute.

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  7. Petra von Haldem sagt:

    @ preusse

    ***Aber jeder darf seine eigene Definition haben und pflegen.***

    Wie er auf mich wirkt, ist dieser Satz nett, freundlich, entgegen-kommend? und stagnationsfördernd ;).

    Eigentlich so, dass „man“ darauf nix mehr zu sagen braucht
    oder
    aber könnte er die volle Provokation sein. Eben………………

    jeder nach seiner …………?
    jeder nach seiner Natur?
    jeder nach seiner Art?
    jeder nach seiner Kultur??

    Gibt es eigentlich eine Individualisten-Kultur???
    Wär doch was, oder??
    Wie wäre die zu erkennen??

    Höchst interessant……………………………………..

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  8. preusse sagt:

    @ Petra von Haldem
    Nett und freundlich -ja-, stagnationsfördernd -nein-, provokant -ja-, regt immer zum Nach-Denken an.

    Thom hat damit, sicher bewusst ein Thema losgetreten, dass jeder für sich, weil er eine eigene Definition für Kultur aufgebaut hat, durchaus abweichend vom anderen beantworten kann.
    Versuchen Sie mal einem sechzehnjährigen die Definition von luckyhans als einzig wahre einzutrichtern. Der sagt: Kultur ist für mich Mäck Doonald beim Essen, manchmal Kino (Äktschen möglichst) und ansonsten rumhängen, saufen und chillen oder Mädels aufreißen.
    Eine siebzigjährige Städterin sagt: Hören sie, ich bin kulturell sehr interessiert und habe ein Opernabo alle 14 Tage. Außerdem gehe noch mehrmals in das Staatstheater und auf Vernissagen, jaa.

    Jeden, den man fragt, kann also Kultur durchaus anders definieren.

    Es gibt Sachen, bei denen kann und sollte man nicht absolut meinungsbildend sein. Wenn sich viele oder die meisten z . B. eines Volkes oder einer Region ungezwungen zu einer Meinung, Tätigkeiten, zu Gemeinsamkeiten zusammenfinden, kann man m. M. von Kultur sprechen. Da stehe ich der WIKI-Definition durchaus nahe als ein Teilaspekt meiner Definition.

    Diejenigen, die aus dieser „Kultur/Verhalten“ (Gruppenverhalten) ausscheren, sind dann sicher als Individualisten anzusehen, egal welcher Lebensform, welchem Lebensverhalten sie nun gerade anhängen.

    Aber das Thema ist lang und fast unerschöpflich. Ich habe mich entschlossen, Meinungen anzuhören, mich zurück zu lehnen (möglichst mit einem Glas Rotwein) und darüber nachzudenken —oder auch nicht. Ich will kein Oberlehrer sein, davon haben wir, glaube ich schon zu viele.

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  9. thomram sagt:

    Ich sags mal anders rum.
    Ich habe mal gelernt, dass es eine Kultur der Malerei, der Musik, der Literatur gebe. Ferner dann noch Kultur des Essens, der Kleidung. Noch fernerer eine Kultur des Umganges miteinander.

    So man an dieser Definition klebt, kommt sofort die Wertung ins Spiel. Der Französische Feinschmecker und der amerikanische Feinschmecker (da stock ich schon. Amerikanischer Feinschmecker?) werden sich gegenseitig der kulinarische Kulturlkosigkeit bezichtigen.
    Da kommt eben die Frage: Wer bestimmt, was Kultur ist, wenn Kultur nur als Bezeichnung für Gutes, Edles gebraucht wird?
    Braucht man den Begriff in diesem Sinne, bleibt man in der engen dunklen Büchse der anerzogenen Wertungen hocken.

    Ich postuliere deswegen nochmal. Kultur ist der Begriff für tendenziell ausgeprägte Gewohnheit, Streben, Eigenarten einer bestimmten Menschengruppe.

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  10. thomram sagt:

    Hallo Preusse,

    du weisest mit deiner Definition genau darauf hin, was ich meine: Was Mister Preusse oder Mister Voegeli ablehnt, das kann nicht Kultur sein, was wir bewundern, das ist hohe Kultur.
    Damit ist die Sache gegessen und der Begriff nicht zu gebrauchen, denn was du und ich ablehnen und als kulturlos bezeichnen, das finden Mister Hung oder Mister Miller vielleicht affengut und schreiben von der hohen Kultur.

    Beispiel.
    Den Schalentieren die Scherenarme fesseln, sie so siechen lassen, und sie dann in kochendes Wasser schmeissen:
    Gebrauche ich „Kultur“ in deinem Sinne, dann würde ich sagen: Das entbehrt jeder Kultur, denn da ist kein Mitgefühl, da ist Brutalität.
    Ein Schalentierfressliebhaber hingegen findet das ganz wunderbar, weil die Oberfläche des Krebses dann so schön rot ist und rühmt die Kultur des Krebskochens.

    Jeder füllt den Begriff dann nach seinem Gusto und man hat wieder mal einen kompletten Sprachsalat.

    Nö. Ich finde Wikis Vorschlag zum Gebrauch des Wortes einzig sinnvoll.

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  11. Dude sagt:

    „kommt sofort die Wertung ins Spiel.“

    Und was soll daran auszusetzen sein? Im Gegenteil tut die (bewusste!) Wertung tunlichst Not in dieser Gesellschaft!

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  12. Dude sagt:

    Ps. Ich bewerte diesen Deinen Kommentar jedenfalls als ernsthaft hinterfragenswert in diesem Punkt, denn https://dudeweblog.wordpress.com/2013/11/04/urteilsfreie-unterscheidung-erfordert-vorangehende-bewertung/

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  13. thomram sagt:

    @ Dude
    Seltsam. Man kann mir nicht folgen.
    Dein Titel „Urteilsfreie Unterscheidung erfordert vorangehende Bewertung“, sorry, Junge, dieser Titel strotzt vor … ich sag mal freundlich Ungereimtheit.
    Mannmannmann. Ich kann zwischen einem Apfel und einer Birne urteilsfrei unterscheiden auch dann, wenn ich mir nicht überlege, ob mir der Apfel oder die Birne lieber ist. Wohl kann ich aber Form und Farbe und Konsistenz unterscheiden.
    Wir sind mitten im Thema „Bewertung“ wieder.

    Es ist umgekehrt. Erst unterscheide ich, dann bewerte ich (so ich mir das Bewerten erlaube).
    In der Schweiz ist der Hund dein Freund.
    In China sei der Hund einzig zum Verzehr geeignet.
    Ist das eine Unterscheidung? Ja.
    Habe ich bewertet? Nein.

    Die Kultur in der Schweiz: Schöne Beziehung Hund-Mensch.
    Die Kultur in China: Hund lecker kochen.

    Erst danach stelle ich mir frei, das Eine als humaner, freundlicher, herzlicher, besser zu bewerten. Der Chinese wird den Kopf schütteln.

    Aus diesem Grunde postuliere ich, „Kultur“ von Bewertung zu befreien. Denn der Chinese empfindet seine Hundkocherei als Kultur. Und ist es auch. Es ist Tradition, Gewohnheit, Können dabei.

    Ich lehne das Hundeessen ab. Aber das hat mit Kultur oder Kulturlosigkeit nichts zu tun.

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  14. Vollidiot sagt:

    Menschliche Leistung ischt Kultur!
    Guantanamo, Faust, Demetrios, Reißverschluß, Chinaböller, Donnerbalken, Bergen-Belsen, Rheinwiesen, Gulag, Kondome, SARS, WTC, Mossad,
    Rotes Kreuz, Gargantua und Pantagruel, Utopia, Bundesliga, Häwi Mettl, Hakle Feucht, Puffs, Hasch, Cristl, Koprofilie, Sodomie, Heilsarmee, Waldorfschulen, Verlag Freies Geistesleben, Bild, Zeit, Giftspritze, Raund Täbl, Greyerzer, Bankgeheimnis.
    Das ist offensichtliche Kultur, wenn ich mich bemühe aus einem mächtigen Furz eine Kaskade von Fürzchen zu formen, dann ist es private Kultur.
    Hätten Mehrere ein Interesse eine Meisterschaft in solchem zu veranstalten, dann wäre es öffentliche Kultur.
    Und für einen „Kulturwandel“ spräche, wenn in späteren Zeiten einmal die Fortpflanzung sich nicht mehr über den Fick gestaltet, sondern meinetwegen so, daß man seiner Liebsten ins Ohr flüstert: ick mach Dir jetztn Plag (z.B.).
    Daraus erwächst die Sinnlosigkeit des Begriffes „Kulturlosigkeit“.
    Schon ein kunstvoll abgelegter Scheißkegel kann mehr als Notdurft, kann Kultur sein.
    Jetzt kann man sich überlegen wieviel Gehalt an den o.g. Kulturleistungen jeweils aus und welcher Sphäre der Ideen und wie drinnesteckt.

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  15. Hans Steinle sagt:

    Im Grunde halte ich aus Erfahrung nichts mehr von Gemeinsamkeiten und „Kulturen“. Ich bin lieber eine positiv wirkende Bazille im Endarm. Die kann dann viele negativ gepolte Bazillen anregen sich umzupolen um damit ihr segensreiches Veredelungsvermögen für das Endprodukt einzusetzen. Als rechtsdrehende Milchsäurebakterie würde ich mich bezeichnen. Jaaa…verpisst euch ihr linken Bazillen! Dies ist nicht politisch gemeint. Obwohl sich da die meisten linken Bazillen herumtreiben.

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  16. thomram sagt:

    @ Volli

    „Menschliche Leistung isch Kultur“ und deine Aufzählung von Leistungen retten meinen Abend. Meine heutige Leistung: Ich habe es fertiggebracht, meine Oberlippe so anschwellen zu lassen, dass mich nur noch kennt, wer in meine Augs schaut. Meine Kulturtat.
    LoL.
    Mir geht es darum, damit aufzuräumen, dass jeder aus dem Menschlichen Tun einen Teilbereich rausnimmt, den als hohe Kultur oder Kulturlosigkeit bewertet und damit sich aufs Ross des alles „richtig“ beurteilen Könnenden aufschwingt.

    Und mir geht es darum, ich weiss, ich sugete es schon dreimal hier, haha, dass wir beginnen, das andersgefärbte Wirken anderer Menschengruppen anzuschauen und zu respektieren.

    Freund Dudeli und Gleichgesinnte werden wieder kommen und sagen, ich sei verrückt. Wie könne ich das Wirken unserer Spezis, den Zionisten, respektieren. Und das von Herrn Soros. Und das von Herrn Kerry. Und…

    Und genau darum aber geht es. Ich sage: Respektieren. Ich sage nicht: Gutheissen.
    Ich komme immer auf das Gleiche. Ich komme natürlich immer darauf, weil ich selber am fleissig fleissig Ueben bin…das dürfte jedem geneigten Leser klar sein.

    Wenn ich einen, der Dinge tut, die in meinem Werteschema schändlich sind, respektiere, dann gebe ich mir meine eigene Freiheit zurück, welche ich im ersten Moment verliere, wenn ich angesichts einer neuen Schreckenstat in Abscheu gegangen bin.

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  17. thomram sagt:

    @ Enddarmbazille, eh Hans Steinle

    …hat Volli mir den Abend gerettet, so sicherst du mir gleich für die ganze Nacht schöne Heiterkeit.

    Und du weisst, dass es lustig zu zu und hergehen kann dort? Von der Kette gelassene Spermien rasen um die Wette, um als erstes das Ei zu erreichen. Stoppt der Vorderste, schnüffelt. „Es stinkt“. „Mein Gott, Dickdarm.“ „Unser Chef ist schwul.“

    Der ist natürlich nicht lustig.
    Aber auch der ist somit und nunmehr Teil der Kultur, der ich vorwiegend angehöre. Also: Käse, Schokolade, Uhren und fahle Witzchen…langsam erzählt.

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  18. Vollidiot sagt:

    Thom
    Um Mißtverstehen auszumräumen!
    Kerry, Soros, Gates und andere Wohltäter – die respektiere ich als Menschen, nicht als das zum dem sie sich gemacht haben.
    Alle sind Menschen, DARUM respektiere ich sie. Ihre Kulturleistung bewerte ich unter dem Aspekt von Wirksamkeit geistiger Kräfte und der individuellen Hingabe ihrer Iche an dieselben und dann gibt es noch Karmisches und Aufgaben von Geistigem. Siehe bei: das Böse das Gutes schafft.
    Denn diese Burschen könnten ja auch die Weckrufer sein – nach dem Motto: schaut her und seht was ich für eine Scheiße mache, riecht, schmeckt!! Aufwachen, möglichst schnell, muß Jeder alleine. So relativierte sich auch die Kultur des Schlafes oder nicht Aufwachenwollens als zumindest schädlich. Diese Symbiose ists ja, die die Welt in Atem hält – als Lernstoff für die, die die Erde mit Füßen treten.

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  19. Vollidiot sagt:

    Thom
    Dein Witz hat tiefe innere Weisheit.
    Hat auch biologische Mängel, denn die Spermien finden nicht die Kultur um loszuwetzen.
    Sie treffen im Mastdarm (!) auf Scheiße oder Einlaufreste – vielleicht ist das der von der Evolution vorgezeichnete Weg, ganz „human“ eben.

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  20. Dude sagt:

    „dieser Titel strotzt vor … ich sag mal freundlich Ungereimtheit.“

    Du sollst auch nicht nur den Titel lesen…
    Mir geht einfach das dauernde, dumme Esogewäsch von wegen nicht bewerten gröbst auf den Sack hier…

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  21. thomram sagt:

    @ Dude

    Gibt es jemanden, der dich zwingt, etwas zu lesen, was dir gröbst auf den Sack gibt?
    Die Antwort auf die Frage wäre für dich wieder Esogewäsch, ich tue dir nicht den Gefallen, sie zu schreiben.

    Doch keine Bange, Junge, deine diesbezügliche Neigung (grad eben das lesen, was auf den Sack gibt) ist jedem eigen.
    Und wieder. Was jeder mit dieser Neigung anfangen muss, um nicht immer noch mehr grobe Gaben auf dem Sack zu haben, das wäre schon wieder Esogewäsch. Ich tue dir nicht….

    Loveli.

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  22. Vollidiot sagt:

    Dude

    Das Thema Bewerten, Beurteilen unson Kram desweiteren kriegen wir nicht vom Eis.
    Was regst Dir auf?
    Nimm es dankbar an und bewerte damit Du urteilsfrei Unterscheidest.
    Was Gott gegeben versuche nicht als sinnlos hinzustellen.
    Einfach bei deutlicher Tendenz sagen: ja leck doch mich……………. so ein Esoriesehuereseich les ich net.
    So hat der Herr Dir zu einer klaren Entscheidung verholfen.
    Vieviele verpassen doch diese Schangse.

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  23. Petra von Haldem sagt:

    ***Vieviele verpassen doch diese Schangse.***

    Zwei Minuten herzhaft laut gelacht und immer noch zuckt es in den Mundwinkeln…………..
    Herzhafter Satz…………………….

    Ich liiiebe den Humor hier, wenn ich ihn zu erkennen vermag 😉 😉 🙂

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  24. Ludwig der Träumer sagt:

    Lassen wir Mal andere über Kultur sinnen:

    Die Kultur hängt von der Kochkunst ab.
    Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt – der hat Kultur. (Oscar Wilde)

    Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt. (Platon)

    Hesse war das Ende der geistigen Kultur. Cioran, Winkler , Kane und andere ein notwendiger Neuanfang. (Peter Rudi) Anm: das sehe ich auch so. Cioran hatte ich mir vor kurzem reingezogen. Paßt zum Neuzeitdenken.
    Kultur ist in meist nur das Gerücht von Kultur. (Gregor Brand)

    Wenn eine Kultur sich am Ende befindet, ruft sie nach den Priestern.
    Jeder Staat führt den Krieg gegen die eigene Kultur. Anstatt Krieg gegen die eigene Unkultur zu führen. (Karl Kraus)

    Kultur hat mit Technik und Wissensmenge nichts zu tun, sie ist ein innerer Zustand. (Joseph Chamberlain)

    Der schafft Kultur, der mehr als sie erstrebt. (Richard Wagner)

    Wortspiel: Kult – Kultur – ur – uralt – Altar – Kulturaltar. (Emil Baschnonga)

    Die kulturhemmenden Umstände des modernen wirtschaftlichen und geistigen Lebens wirkten sich am Menschen aus, ohne daß er sich gegen sie zur Wehr setzte. Der überbeschäftigte und ungesammelte Mensch verfiel der geistigen Unselbständigkeit, der Veräußerlichung, einem falschen Wirklichkeitssinn, einem falschen geschichtlichen Sinn, einem kurzsichtigen Nationalismus und einer erschreckenden Humanitätslosigkeit. Darin wirkte sich der Niedergang der Kultur aus. (Albert Schweitzer)

    Welche Kultur hätten wir haben können, in den 2000 Jahren, ohne das vermeintliche Christentum? (Erhard Blanck)

    Ein kanadischer Wilder, dem man alle Herrlichkeit von Paris gezeigt hatte, wurde am Ende gefragt, was ihm am besten gefallen hätte. Die Metzger-Läden, sagte er. (Georg Christoph Lichtenberg)

    Da, wo Kultur geschwafelt und vermutet wird, muß nur eine Katze auftauchen. Dann wißt ihr, wer die wahre Kultur inne hat. (Miau Meeh) Anm: Lernt immer besser tippen, meine Miezekatze.

    Ein kultiviertes Schwein wäscht sich, bevor es sich im Dreck wälzt. (Stefan Fleischer)

    Die Kultur, die alle Welt beleckt, Hat auf den Teufel sich erstreckt. (Johann Wolfgang von Goethe)

    Je höher der Mensch auf der Stufenleiter der Kultur sich erhebt, desto größer sind die Opfer, welche er der Gesellschaft bringen muß, denn die Interessen der letzteren gestalten sich immer mehr zugleich zum Vorteil des Einzelnen, sowie umgekehrt die geordnete Gemeinschaft um so mehr gedeiht, je mehr die Bedürfnisse ihrer Glieder befriedigt werden.

    Niemand kann zuletzt mehr ausgeben, als er hat – das gilt von einzelnen, das gilt von Völkern. Gibt man sich für Macht, für große Politik, für Wirtschaft, Weltverkehr, Parlamentarismus, Militär-Interessen aus – gibt man das Quantum Verstand, Ernst, Wille, Selbstüberwindung, das man ist, nach dieser Seite weg, so fehlt es auf der andern Seite. Die Kultur und der Staat – man betrüge sich hierüber nicht – sind Antagonisten. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

    Knechtung, Ausbeutung, Unterwerfung, Versklavung, Vernichtung ganzer Völker in allen Epochen! Und da reden Experten von Hochkulturen. Der Fall setzt sich fort. (Raymond Walden)

    Für jeden Menschen, sagt Goethe, kommt der Zeitpunkt, von dem an er wieder »ruiniert« werden muß. So auch: für jede Kulturperiode. (Christian Morgenstern)

    Die Wertschätzung des Überflüssigen ist Bestandteil von Kultur. (Peter Cerwenka) Anm: meine Rede. Ohne Überfluß stirbt der Mensch. Hab schon mal hier drüber geschrieben.

    Kultur kann nur im Überfluß existieren, niemals im Mangel. Das, was heute als Kultur gepredigt wird, geht nur von ‚Besserbemittelten‘ aus, wie auch Noam Chomsky nicht besser beschreiben könnte. Muß daher nochmals die Rezension rauskramen
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=13260
    Der kleine Hamsterradler, der kaum über die Runden kommt und nicht weiß, wie er seine Brut ernähren soll, wird sich niemals dem Begriff Kultur nähern können. Allenfalls davon träumen. Die anderen, die aufgrund ihrer fetten monetären Situation, die sie auch Scheiße finden, sich zurück zur Natur wünschen, sind ebenfalls Tagträumer.

    Kultur ist für mich Anarchie im Sinne der Schöpfung des Menschen. Der Mensch wurde frei geboren, ohne Bedingung Gottes. Er wollte sein Ebenbild – und das war nicht Fremdbestimmung.

    Warum wurde Kultur bisher immer nur von Zeitgeistern definiert, die etwas Materielles hatten? Vielleicht, weil wir sie nur über den Weg des Materiellen erreichen können – und nicht über dem Weg des Mangels. Zurück to the roots ist versperrt. Gut so.

    Kultur als Kampf um die Verteilung der Ressourcen? Denke nicht, jedenfalls nicht mehr lange. Es ist genügend da für alle Menschen, sogar der Überfluß. Was sollten wir sonst noch auf der Erde.

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  25. Hans Steinle sagt:

    Nun, was predige ich die ganze Zeit. Kultur geht nur über sich selbst. Selbstkultur. Nur die Gartenkultur lasse ich noch gelten. Aber dabei ist die Grundbedingung, dass jeder seinen eigenen Garten hat. Von Stadtkultur kann man in der Unterschiedlichkeit der Kulturbegriffe ja nicht reden. Es ist genug Platz da wenn man die Monokulturen aufgibt. Es ist genug für jeden da. Überfluss allenhalben. Nur einige haben die ganze Welt in ein paar Parzellen eingeteilt. Aber es gibt ja schliesslich Nischen. Nur wollen das einige nicht wahrhaben. Sie träumen dann von einem Kulturvolk. Traumtänzer ohne Realitätssinn.

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  26. Dude sagt:

    Das ist ein Dienst an den Deppen. Denn dieses dumme Esogewäsch verseucht allzuviele leichtgläubige Geister…

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  27. thomram sagt:

    Seufz

    Von Lichtenberg bis Nietsche, sie alle scheinen unter Kultur das zu verstehen, was ich einstmals gelernt habe und was ich heute als wenig zweckdienliche Einschränkung des Begriffes beurteile.

    Wenn der Begriff so verstanden wird von meinem Umfeld, dann bleibt mir ausschliesslich die Haltung des Hans Steinle übrig, welcher grimmig augenzwinkernd einzig Gartenkultur gelten lässt. Ich möchte ein bisschen rigoroser eingrenzen und ich sage: Für mich gibt es bloss eine Kultur: Gut Nasenpopeln. Und warum gerade Nasenpopeln? Weil ich das gut kann.

    Machen alle so. Die Deutschen blabern heute noch davon, dass da Dichter und Denker gewesen seien.
    Motto: Das ist gut, was wir selber prima machen.
    Man muss sich einfach darüber klar sein, dass der Folterer das Handwerk seines noch raffinierteren Kollegen als Ausdruck hoher Kultur betrachtet…wenn man den Begriff im landläufigen und hier noch noch wiedergekäueten Sinne verwendet.

    Frei nach Freund Dudeli ist die landläufige Verwendung für mich dummes Schöngeistgewäsch, mit welchem ich meinen Sack nicht belasten will.

    LoL

    Es erheitert mich (wahr!), dass mein Artikelchen ins Leere zu stossen scheint und nur dort Stäubchen aufwirbelt, wo ich gar nicht hingezielt habe.

    🙂 🙂 🙂

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  28. Dude sagt:

    „Für mich gibt es bloss eine Kultur: Gut Nasenpopeln. Und warum gerade Nasenpopeln? Weil ich das gut kann. “

    Dir ist aber hoffentlich klar, dass diesem Deinem Statement – das ich nicht abschliessend als richtig oder falsch bewerten möchte – eine Bewertung vorangegangen sein muss? 😉

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  29. Dude sagt:

    *eine bzw. sogar mehrere…

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  30. Ludwig der Träumer sagt:

    @thom, auch seufz. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, ist Kultur – was ist. Ein großer Eintopf. Die Zutaten und Würze sind wurscht. Basta. Schön, dann brauche ich nicht weiter darüber nachdenken.

    Mich interessieren aber die Zutaten, vor allem die Würze. Wer gibt sie hinein? Spätestens hier bleibt mir nix anderes übrig als den Eintopf in seine Bestandteile zu zerlegen. Wenn ich die Bestandteile kenne, stellt sich für mich zwingend die Frage: wer liefert sie?

    Das und nix anderes hatte ich versucht, in meinen Vorkommentaren zu beäugen. Kultur ist sicher kein großer Ameisenhaufen, der sich aus dem Nix organisiert. Es stecken Kulturmacher dahinter. Es steckt unzweifelhaft viel dummes Schöngeistgewäsch hinter dem Begriff. Zeigt aber auch, daß selbst Philos damit überfordert sind. Einfach deshalb, weil sie die Macher der Kultur zu wenig beachten.

    „Intellektuelle bilden für Chomsky eine „Art säkulare Priesterschaft“ für die Machtelite, weil sie Ideen, Pläne, Strategien, Werte, Theorien, Rechtfertigungen und Doktrinen für die ökonomischen und politischen Entscheidungsträger des Herrschaftssystems entwickeln und dem Rest der Bevölkerung „verkünden, was sie glauben sollen“

    Der Glaube, egal in welche Richtung bestimmt die Kultur, möchte ich behaupten. Nun, Chomsky hat sich hier die Intellektuellen (Was oder wer Intellektuell ist, bedarf noch einer genaueren Betrachtung) vorgenommen, die wahre Stütze der Elite. Mag zwar einigen bb-Lesern nicht gefallen – Schuldige ausmachen. Aber genausowenig gefällt mir das Esogeschwurbel von ‚Jeder ist seines Glückes Schmid‘ oder mantrahaft ‚Jeder muß bei sich selbst anfangen‘. Damit werden nur die Schuldigen von oben nach unten transformiert. Ein großer Coup ist den Intellektuellen damit gelungen, in dem sie auch die Esoszene vorangebracht haben. Geht übrigens zurück bis zu den Gebrüder Grimm. Das funktioniert erst dann, wenn das eigene Bewußtsein soweit ist. Das kann einige Inkarnationsschleifen erfordern.

    Kultur ist gesteuert, von einer „Art säkulare Priesterschaft“, wie es Chomsky so gut formuliert und somit fremdbestimmt.

    „Das ist nicht gut, das ist nicht schlecht, es ist Kultur.“

    Halt auch noch die beiden Backen hin, wenn du eins in die Fresse kriegst. Aua schreien ist nicht gut, ist nicht schlecht, ist Kultur. Nicht mehr unterscheiden, nicht mehr bewerten, soll Kultur sein? Dann sind wir bereits tot, bevor wir angefangen haben zu leben. Sollte ich etwas falsch verstanden haben, nehme ich das zurück und behaupte fast das Gegenteil.
    Dann leben wir uns bereits tot.

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  31. Ludwig der Träumer sagt:

    @Dude, es menschelt halt immer noch. Wenn der Mensch nur noch Hirn hat,kompostiert er sich selbst. Hatte mal einen Nasenpobel, der war schöner als Sex.

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  32. Dude sagt:

    @Louis

    „menschelt“?
    Also „zömbelt“ passt m.E. wesentlich besser (wenn ich mich umschaue in der terraren Deppenkolonie). Wobei diesbezüglich BB im Regelfall natürlich augeschlossen ist.
    Umso mehr frag ich, weshalb dieser Esoquatsch von wegen nicht bewerten hier schon in etlichen Artikel kolportiert wird, und das von zweien mit der hellsten Geister.

    Apropos: Für den bewusst kultivierte Geist wird das Cerebellum ziemlich irrelevant… 😉

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  33. luckyhans sagt:

    Lieber träumender Ludwig,
    allein die Idee, hier Zitate von „großen Geistern“ zum Thema zu re-zitieren, zeigt, daß wir noch lange nicht in der Lage sind, unsere eigenen Prägungen – vor allem die kulturellen – wirklich zu hinterfragen und uns von ihnen zu lösen.

    Denn wie wollen wir vorurteilsfrei bewerten, wenn wir voller Vorurteile stecken, die bei jedem Gedanken, bei jedem Wort, bei jeder Gefühlsregung in uns „hochgespült“ werden – ob wir wollen oder nicht?
    Daher kann ich es nur als unbewußte Ignoranz auffassen, wenn erwachsene Menschen sich immernoch weigern, ihren eigenen „inneren Schweinehunden“ auch in dieser Hinsicht gegenüberzutreten.

    Wir alle sind nach wie vor in mehr oder weniger hohem Maße derart voller Vorurteile, Vorbehalte, Prägungen und Konditionierungen, daß alles zu spät ist.
    Warum ist denn niemand bereit, mal sich selbst in Ruhe hinzusetzen – von mir aus auch mit einem Glas Wein oder Bier – und mal seine Gedankengänge zu durchforschen, woher denn dieser oder jener „Geistesblitz“ wohl seine Ursprünge haben mag und was alles dazu beigetragen hat?

    Und es hat auch mit „mantrahaften“ Wiederholungen nichts zu tun, wenn in jeder Antwort anderer auf deine Hinweise wieder der Unwillen, sich selbst und sein Innenleben mal näher zu betrachten, deutlich wird – daß man darauf nur mit erneutem Hinweis reagieren KANN, ist doch wohl verständlich.

    Zur Klarstellung:
    keinesfalls bin ich der Meinung, daß ich MEINE eigenen Konditionierungen etc. schon weitgehend erkannt oder verarbeitet hätte – i bewahre.
    Aber was ich geschafft habe, ist zumindest, daß ich den Gedanken gegenüber, die mir so ins Hirn schießen, eine gewisse Zurückhaltung und Reserviertheit an den Tag lege und alles versuche, sie zu hinterfragen: wo kommst du jetzt wieder her, mein Freundchen?

    Das ist sehr mühsam und zeitaufwendig, aber ich bin davon überzeugt, daß VOR dem Abbiegen auf die geistige Überholspur, indem wir uns von ALLEN bisherigen Vorbehalten frei machen können und wirklich NUR NOCH das gelten lassen, was uns an Ureigenem auf dem Wege in eine freudvolle, naturnahe Zukunft voranbringt, OHNE den ganzen alten Ballast der „Vor“s mitschleppen zu müssen und OHNE sich in jedem Augenblick vielfach fragen zu müssen, ob das jetzt wieder nur ein induzierter oder doch ein eigener, freier Gedanke ist – DAVOR muß man sich schon mal darüber im klaren werden, wie tief man so in seinen eigenen Voprurteilen drinsteckt.
    Sonst werden wir den Schritt hinaus in die geistige Freiheit nie schaffen.

    Und da ist auch die Kultur, als das was uns allen als Volksgruppe gemeinsam eigen ist, in höchstem Maße zu hinterfragen – und deshalb mein obiges Postulat, daß wir nur eine Zukunft haben, wenn es uns gelingt, die Natur VOR die Kultur zu stellen.
    Denn DIESE Kultur steckt bis zum Rand voller Prägungen und Konditionierungen.

    Für den etwas heftigen Ton soeben bitte ich um Verständnis, aber auf sanfte Weise scheint das Anliegen nicht verstehbar zu sein. Danke.

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  34. Ludwig der Träumer sagt:

    Lieber Lucky, die Kultur, die bis zum Rand voller Prägungen und Konditionierungen hinter mir zu lassen ist ebenso mein größtes Anliegen. Insofern denke ich, sind wir Gleichgesinnte. Ich habe mehrere Möglichkeiten, diesem Ziel näher zu kommen. Vom Erreichen kann ich vermutlich nur träumen – jedenfalls auf absehbarer Zeit. Von A – Z, von Auswandern bis Zerschlagen der alten Strukturen (Kultur) wurde von vielen Zeitgenossen alles ausprobiert um den zu entkommen. Viele haben ihre Gedanken und Erfahrungen dazu zu Papier oder heute ins I-Net gebracht. Sicher wäre es der Idealfall, alles alte Denken hinter mir zu lassen um ‚Kultur‘ neu zu gestalten. Ich selbst habe den knallharten Weg gewählt aus dem Hamsterrad auszusteigen, soweit es überhaupt auf der Welt möglich ist. Alte Schule, Kirche, finanzielle Sicherheit aufgegeben. Nach fünf Jahren into the wild, im Wohnwagen auf einer Waldwiese, wo ich das Wasser kanisterweise bei schleppe und mit Spatenklo im Wald, bilde ich mir ein, daß sich mein Weltbild gravierend von alten Vorurteilen gelöst hat (blödes Deutsch – alt und Vor-Urteil).

    Wenn ich dennoch auf alte konditionierte Zeitgenossen – sei es auch nur durch Zitate zurückgreife, hat das sicher seinen Grund. Der muß nicht unbedingt darin liegen, daß ich den Altvorderen noch hörig bin. Ich versuche nur zu verstehen, warum es zu diesem menschlichen Drama kam. Dazu betrachte ich es als wichtig, bei den Altvorderen nachzufragen, wie sie getickt haben. Da bleiben zum Verständnis weiter Gedanken von mir leider keine Zitate aus. Nebenbei: Z. Zt. nehme ich mir den Jean de La Bruyerè, Die Charaktere vor. Ein Feuerwerk von Zitaten, die nach 400 Jahren noch gültig sind.

    Wir stehen hier auf einem geistigen Fundament, das nicht einfach so verlassen werden kann. Dann stürzen wir ins Bodenlose ab. Wir haben für unsere Weiterentwicklung nur das bisherige Fundament – unsere Geisteshaltung. Auf der gilt es aufzubauen – und nicht einfach wegbeamen, damit alles gut wird.

    „Den Denkern mißtrauen, deren Geist nur
    mit einem Zitat zu funktionieren beginnt.“
    (Emile M. Cioran)

    😀 Lucky hats dennoch gut kommentiert. Werde Besserung geloben und mit einem Witz vom schwäbischen Bürgermeister abschließen:

    Beschwert sich der Hans beim Bürgermeister. Du gibst jeden Recht, der zu dir kommt und sich beschwert. Das kann nicht so weitergehen.
    Hans, da hast du auch wieder recht.

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