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Anton Bruckner / Symphonie Nr.7 / Claudio Abbado – Sergiu Celibidache

Ich stelle voraus: Das KKL (Kultur- und Kongress- Zentrum Luzern) ist in meinen Augen aussen tolle Architektur, innen für mein Ohr akustisch…äh…wie sage ich das höflich? Ich weiss nur, dass ein guter Toningenieur sehr viele Miks aufhängen muss, um ein einigermassen gutes Klangbild einzufangen, und die Faustregel lautet: Je weniger Miks es braucht, desto besser ist die Raumakustik.

Somit haben die Luzerner Festival Strings mit Claudio Abbado gegenüber den Münchnern mit Celi in Tokyo ein akustisches Handicap.

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Brucknersinfonien sind nicht jedermanns Sache. Mal sehr leise, mal sehr laut, und vor allem einfach zu lang, gell. Der Brahmsverehrer Hanslick (Eunuch, bitte Verzeihung, Musikkritiker brauchen wir ooch –  Musikkritiker also, zur Zeit der beiden Giganten lebend und schreibend) fand dafür Bilder. Ganz genau krieg ich es nicht auf den Schirm, doch in Ungefähr: „Verwirrter Katzenjammer“ und „leere Kathedrale“.

Sanft rege ich für Brucknernichtliebhaber an, das Scherzo rauszupicken, das hat Form ABA, und Teil A ist nun mal wirklich sehr sehr lebendig, dynamisch, herzerhebend. Teil B scheint erst oberflächlich naiv vielleicht, doch wer hineinzuhören vermag, der vernimmt soo viel Liebenswertes!

Bei Abbado Minute 41. Dauer grad ma 9 Minuten.

Bei Celi Minute 54. Dauer, da Celi immer langsamere Tempi wählt, 11 Minuten.

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Leser. Ich könne leicht seitenweise darüber schreiben, was mir im Vergleich der beiden Interpretationes dieses gigantischen Werkes auffällt. Sei beruhigt, ich tue es nicht dir und nicht der Feder äh den Tasten an.

So wie ich bin, stehe ich zu mir und sage voll Subjektives und emotional Geprägtes.

Beide Dirigenten könnt ich drücken, dass ihre alten Skelette knirschen.

Der Celi war ein liebenswerter Sauhund, von den allermeisten Musikern sehr sehr hoch geschätzt in seinen Fähigkeiten, doch gefürchtet wie der Teufel. Der Celi konnte Musiker fertig machen, zur Schnecke machen, mit einer kurzen Bemerkung. Ein Diktator der Sonderklasse. Dabei war er ein demütiger Mensch. War bei Zen Buddisten. Er konnte aus Ueberzeugung auch knien, der Celi. Doch als Dirigent…“Takt 276, die zweite Geige, da war jemand nicht mit dabei. Ich sage nicht, wer es war, ich weiss es, und er weiss es.“

Anderseits gab er vor seinen geliebten Münchnern nach harter Probearbeit ein Statement ab, welches zeigt, wie er zwar Diktator, doch fein fühlend demütig dankbarer Mensch auch war. Hier:

CD:

EMI CLASSICS / CELIBIDACHE / MÜNCHNER PHILHARMONIKER / BRUCKNER 9 in concert and rehearsal

Diese Aufnahme steht in der Reihe der 9 Brucknersymphonien mit den Münchnern, bei EMI.

Alle sind gut. Sternstunden, eindeutig Sternstunden sind die Konzerte mit den Symphonien drei, acht und neun. Unter diesen Dreien ist die Achte in meinem Ohr nochmals der Oberhimmel. Wenn du die Neunte dir aneignest, dann bekommst du Probenarbeit mit, und haha, die hat sich, sagte schon, gewaschen – wie bei allen so herausragenden Dirigenten. Der Eine macht es mit unwiderstehlichem Charme, der andere mit stupendem Wissen, der Dritte mit Diktatur (Celi), aber alle, ausnahmslos, mit Charisma. Sie sind einfach die geborenen Führer, diese Typen.

Das ist es, was mich fasziniert!  Sie machen es auf so sehr verschiedene Weise!

Ich kann dir sagen. So ein Berufsorchester ist ein Sauhaufen, wenn vorne einer steht, der dem Sauhaufen nicht gefällt. Der da vorne steht muss die hundert Musiker überzeugen, wenn er das nicht kann, dann machen die Blödsinn wie eine blöde Schulklasse. Je überzeugender er ist, desto mehr geben die Musiker ihre wahren Fähigkeiten rein in das Werk. Das reicht von na ja korrekt Abspielen bis zum wirklich aller – engagiertesten Musizieren.

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So, endlich zu diesem Scherzo der Siebten. Und wie ich bin: Macho, erzähle von mir, von wem denn sonst.

Als ich 14 war, da waren wir im Herbst in Alassio zehn Tage in den Ferien. Ich kannte alle Bruckner Sinfonien vom Hören, ich liebte sie. Das ist nicht der Punkt. Wir alle, Papa, Mama, meine beiden Schwestern und ich, vor allem aber ich, je länger wir dort waren, desto häufiger und intensiver klang in uns das Thema des Scherzos der Siebten Bruckner ein. Ich summte es, ich sang es, ich sehnte mich danach. Alassio? Für mich damals das Paradies. Das Meer! Die Wellen! Der Strand! Die Sonne. Der Hauch von Italien!

Das geliebte Meer rief nach dem Scherzo der Siebten. Das Scherzo der Siebten verschmolz mit dem Meer. Tabadata tabadata tabadata tabadata booo biii ba‘ bada tu,, taaa taaa to’kodo tu‘.

Ich sehnte mich mehr und mehr und mehr nach dem Plattenspieler. Das Meer war Erfüllung, und gleichzeitig brauchte ich diese Musik im Ohr, und konnte sie doch nur endlos singen. Papa mit. Schwestern mit. Es war denkwürdig. Vorher und nachher nie haben wir Meer soo sehr intensiv erlebt und dabei eine solch denkwürdige Verbindung zu der Eingebung eines genialen Menschen gehabt: Das Thema der Siebeten des Anton Bruckner.

Die Heimfahrt war ein einziges Sehnen. Endlich angekommen rauf in die Stube, Platte raus, den dritten Satz auflegen und…ooooohhh Wonnen!

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Scheise auch. Ich bin 68. Ich hock in Bali am Rechner. Die Weltlage ist in vielen Teilen verd unlustig. Noch vor 24 Stunden bin auch ich wieder mal abgetaucht, da ich mir die Ungeheurlichkeiten zu nahe rangezogen habe. Auch hier wurde gestern und heute wieder intensiv gesprüht (Chemtrails), und logischerweise ist der Tropenregen furztrocken, also es regnet nicht, kann nicht regnen.

Ich wolle doch lustige kleine Vergleiche anstellen, das war meine Absicht, zwischen den zwei Wiedergaben der siebten Bruckner, und wo bin ich gelandet? In einem tiefen Erlebnis als ich 14 war.

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Ich habe schon zu viel geschrieben, und darum sage ich meinen Eindruck kürzest:

Mit Abbado: Schwer zu toppend leidenschaftlich. Die Musiker fliegen. Weil Abbado (der jeden Ton kennt) menschlich freundlich vital ist.

Mit Celibidache: Schwer zu toppend frei wiegend und detailreich. Die Musiker horchen, weil Genius Celi (der jeden Ton kennt) sie dazu angeleitet hat.

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Lieber Mönsch. Ich wünsche dir einen herrlichen Tag, morgen einen sehr schönen heiligen Abend und überhaupt alles Gute.

thom ram, am 23.12.0004 , was das Jahr vier des neuen Zeitalters ist, da Menschen fröhlich kreativ sich zuarbeiten.

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6 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. haluise sagt:

    MÖGEST DU IN DEINEN IMMER FEINEREN SCHWINGUNGEN IMMER WIEDER NEU ANKOMMEN.
    und nicht vergessen
    AUCH IN bb ANKOMMEN für KOMMUNIKATION, für UNSERE GEMEINSAMKEIT mit ERNST, ERWIN, … PIETER und CUMPELinenS, mit FREUD und ALBERNSEIN, mit GUTEN IDEEEN und schlichter ALLUMFÄNGLICHER LIEBE
    bis gleich … LUISE

    Gefällt 1 Person

  3. haluise sagt:

    ES regnet nicht, weil der WEIHNACHTSMANN KOMMT ,, versteh doch !

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  4. Elena sagt:

    Lieber Thom,
    ich LIEBE deine eigenen Texte. Bitte mach weiter damit. Rebloggen kann jeder. Aber seine eigene Meinung schreiben und auch noch so, dass es anderen ein LÄCHELN ins Gesicht zaubert: das ist Kunst! Bitte mehr davon! 😀
    Elena

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  5. thom ram sagt:

    Elena

    Oh, waddennewaddenne? Ah, mein gutes Ego isses, welches mich, sich aufplusternd, kräftigt anstupst.

    Das mit dem „gekonnten“ Schreiben ist so eine Sache.
    Es kommt vor, dass ich auf einen Text stosse, der mich durch Sorgfalt, Farbigkeit und Originalität beeindruckt. Natürlich lese ich dann weiter, und was? Nach einer Weile dämmert mir, dass ich selber diesen Text mal verfasst hatte.
    Seltsam das, oder etwa nicht?
    Man darf es Kunst nennen, denn Kunst kommt von können. Und entweder kann man oder man kann nicht.
    Ein Eunuch zum Beispiel kann nicht. Und ein Panzerschrank, der noch weniger. Am allerwenigsten aber kann der, der können will – um mal männliche Potenz als Vergleich herzuziehen.

    Das bedeutet: Das, was du lobst, betrachte ich nicht als Verdienst.

    Danke, Elena.

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  6. Vollidiot sagt:

    Kann den Thom nur loben für seine Ausführungen.
    Ich hab den Jochum noch in der Filharmonie gehört.
    Und den Karajan und viele andere.
    Mit Lehrere Tonis Sinphonien.
    Im Alter, also wenn das Hirn dürrer wird, die Muskeln schwinden und das Zahnfleisch sich zurückzieht um den Zahnhälsen freie Sicht zu gewähren, da bin ich auf den liebenswerten Menschen Wand gestoßen,
    auch in der Filharmonie (mit inbrünstigen Filharmonikern)………………………….

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