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Peter Haisenko: Der falsche Eindruck über die Lage in Syrien

Ich habe ein Parallelbeispiel selber erlebt, ein vergleichsweise sehr Harmloses, doch grundsätzlich das Gleiche zeigend. Als in den 70ern in Zürich die Studentenkrawalle über die Bühne gingen, da war ich Papa, Geldverdiener und Musikstudent, letzteres in Zürich. Im Schiurlaub konnte es ein junger Oesterreicher nicht glauben, dass ich in Zürich studierte. Er sagte:“ Wie, in Zürich? Da sind doch Krawalle! Wie bewegst du dich denn in Zürich?“ Ich war zweimal wöchentlich je einen Tag in Zürich, und was ich von den Krawallen mitbekam, das war gerade mal eine zertrümmerte Schaufensterscheibe.
Der junge Oesterreicher, fleissiger Zeitungsleser, hatte eine masslos übertriebene Vorstellung von den soo furchtbaren Vorgängen in Zürich.
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Nun Syrien, punkto Ausmass, Brutalität und Weltbedeutung um x Dimensionen grösser, fast schon peinlich, die beiden Geschehnisse zu vergleichen, ich weiss. Und doch…

bitte erwäge, was Peter Haisenko sagt, lieber Leser. Es gehört auch zum Plan der schwarzen Schattenwesen, dich und mich in der Ueberzeugung zu halten: Die Welt ist verloren. Zu diesem Zwecke wird nur über Gewalt und Missbrauch und Bomben berichtet. Wann hast du das letzte Mal ein Bild von Syrien gesehen, welches einen friedlichen Vorgang zeigt? Eben.

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Am Schluss zeichnet Peter Heisenko ein hübsches Bild der europäischen Demokratien. Da gehe ich mit ihm nicht einig. Die europäischen Demokratien sind weitgehend Augenwischerei, sie verschleiern die Tatsache, dass die meisten Sesselwärmer in den wichtigen Häusern nicht dein und mein Wohl im Auge haben, sondern schön im Dienste der schwarzen Schatten wirken, ob mehr oder weniger bewusst, macht in der Wirkung keinen Unterschied.
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Danke, Peter Haisenko!
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Wichtige Anmerkung
Ich habe keine Informationen von Einzelpersonen, welche die Darstellung Peter Haisenkos bestätigen oder welche ihr widersprechen. Ich stelle Haisenkos Artikel ein, da ich mir kein Motiv denken kann, welches Haisenko dazu veranlassen könne, einen Phantasiebericht in die Welt zu setzen.
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Der Artikel steht original hier:
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thom ram, 05.10.0004NZ (Neue Zeitrechnung, Neues Zeitalter)
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Peter Haisenko: Der falsche Eindruck über die Lage in Syrien

Weder Gaddafi, noch Saddam hätten jemals so viel Tod und Leid über die eigene Bevölkerung bringen können wie es letztlich der amerikanische „Feldzug für Demokratie“ bewirkt hat. Ganz zu schweigen von den unsäglichen Lebensumständen mit Hunger und Angst vor Terroranschlägen, die jetzt dort herrschen.

Wenn heute von Syrien die Rede ist, herrscht der Eindruck vor, das ganze Land sei im Terror versunken und es gäbe nur total zerstörte Städte und Dörfer. Dieser Eindruck ist falsch. Der größte Teil der syrischen Bevölkerung ist zwar potenziell terroristischen Bedrohungen ausgesetzt, führt aber ein weitgehend normales Leben. Worunter diese etwa 70 bis 80 Prozent der syrischen Bevölkerung, die im Machbereich der Regierung Assad leben, am meisten leiden, sind die Sanktionen und Embargos des Westens. Diese sollen einen durch Mangel erzeugten Regierungswechsel bewirken, wie es in den 1990er Jahren im Irak geplant war oder seit zwei Jahren in Russland.
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Meine unzähligen Reisen durch die Welt haben mich auch in aktive Konfliktgebiete geführt. Dabei habe ich eines gelernt: Wenn es nicht planmäßige Flächenbombardements gegen die Zivilbevölkerung gibt, dann sind Kampfhandlungen kleinräumige Ereignisse, die manchmal nur 500 Meter entfernt nur noch akustisch wahrgenommen werden. Die Reichweite eines üblichen Sturmgewehrs beträgt gerade mal 300 Meter. Ich habe bei Nacht aktive Kampfzonen überflogen und aus zehn Kilometer Höhe kann man gut erkennen, wie geradezu lächerlich klein die betroffenen Gebiete sind, solange nur am Boden gekämpft wird, ohne Luftangriffe.

Es war Churchill, der in einem seiner Bücher bereits 1928 darüber philosophiert hat, dass er mit seiner Luftwaffe den Krieg ins Hinterland ausweiten und so Zivilisten, Frauen, Greise und Kinder in die Vernichtung einbeziehen kann. Das hat er dann auch in den letzten Kriegsjahren gegen Deutschland exzessiv betrieben. Ohne die Flächenbombardierungen gegen die Zivilbevölkerung hätte diese auch in Deutschland wenig vom Krieg mitbekommen – außer Mangel und den Meldungen über gefallene Soldaten. Das war auch der generelle Zustand im Ersten Weltkrieg.

Weiterhin sollte man daran denken, dass sowohl der Erste, als auch der Zweite Weltkrieg effektiv nur vier Jahre gedauert haben. Eingedenk dessen wird ersichtlich, was den Bevölkerungen angetan wird in Afghanistan (Krieg seit 1980, also seit 36 Jahren), Irak (Krieg und Embargos seit 1991, also 25 Jahren), jetzt Syrien seit 2011 (fünf Jahre) und nicht zu vergessen Vietnam, das letztlich auch 20 Jahre Krieg im Lande hatte. In Jugoslawien dauerten die Kampfhandlungen „nur“ etwa fünf Jahre, was wohl der europäischen Tradition entspricht, was die Bevölkerung bereit ist auszuhalten.

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Bilder und Karten zeigen oftmals nicht die RealitätWenn uns Bilder aus Syrien erreichen, dann werden uns spektakuläre Szenen aus den direkt betroffenen Kampfzonen gezeigt – allzu oft häufig verwendetes Archivmaterial und keineswegs aktuell. Es sind Aufnahmen von den Schnittstellen zwischen terrorkontrollierten Gebieten und regierungstreuen Regionen, in denen die Menschen noch in Frieden leben können. Bilder aus Homs bekommen wir überhaupt nicht mehr zu sehen, seit diese geschundene Stadt von Assads Truppen befreit wurde. Wir erfahren nicht, wie großflächig die Zerstörungen dort wirklich sind und auch nicht, in welchem Maße der Wiederaufbau und der Weg zurück in die Normalität voranschreitet.
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Wir erfahren auch nichts darüber, warum zum Beispiel die Einwohner des terrorbeherrschten Teils von Aleppo nicht den kurzen Weg in den sicheren Teil der Stadt zur Flucht nutzen. Warum überhaupt kaum jemand die Möglichkeit erhält, in die sicheren Gebiete unter Regierungskontrolle zu wechseln. Man muss wohl davon ausgehen, dass die Terroristen das mit Waffengewalt verbieten, um nicht ihre menschlichen Schutzschilde zu verlieren, die immer wieder die schrecklichen und zugleich propagandistischen Bilder für die westliche Presse liefern.

Karten, die uns präsentiert werden, zeigen ein falsches Bild. Da werden große Gebiete ausgewiesen, die unter Kontrolle der unterschiedlichen Anti-Assad-Fraktionen stehen sollen. Wer das Land nicht kennt, fällt darauf herein. Der Osten Syriens und andere weite Teile des Landes sind unbewohnbare Wüstenregionen, die letztlich von niemandem zu kontrollieren sind. Aber so wird der Eindruck erzeugt von einer großflächigen Besetzung durch Kräfte, deren Ziel die Zerstörung des Landes ist.

Tatsache ist, dass die Menschen in 70 bis 80 Prozent des fruchtbaren und bewohnbaren Landes treu zu Assads Regierung stehen und dort ein weitgehend normales Leben führen. Hier ist nach wie vor ein friedliches Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen möglich. Genau das aber sollen wir nicht sehen, denn dann würde deutlich, was die Menschen vor Ort zu verlieren haben, wenn die säkulare Regierung Assad nach dem Muster von Irak und Libyen von der Koalition der Willigen aus dem Amt gebombt würde.


6 Kommentare

  1. mkarazzipuzz sagt:

    Bemerkenswert.

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  2. mkarazzipuzz sagt:

    Ich mag noch etwas „draufsetzen“.
    Peter Haisenko hat hier über Syrien geschrieben, er ist in meinen Augen vor Allem aber ein ausgemachter Experte in Sachen Luftfahrt. Er hatte sich sehr zeitig mit seiner Meinung aus dem Fenster gelehnt, als es um den Abschuss der MH-17 ging.
    Völlig nachvollziehbar und erstklassig aufbereitet. Deshalb hier ein link, den du Tom vielleicht an exponierter Stelle unterbringen kannst.
    Da ist er:
    http://www.anderweltonline.com/politik/politik-2016/warum-uebernimmt-russland-die-buk-version-bei-der-mh17-katastrophe/
    Lieben Gruß
    Martin

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  3. Endlich mal eine Ergänzung zur einseitigen Kriegstreiberei……………

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  4. luckyhans sagt:

    So ganz kann ich der Beschwichtigungstaktik des Herrn H. nicht folgen.
    Immerhin wurden nach Putins eigenen Angaben in dem einen Jahr Luftkrieg in Syrien mehr als 10.000 Einsätze geflogen (bis zu 100 am Tag in der „heißen Phase“!) und mehr als 30.000 Ziele bekämpft – das natürlich auf einem Großteil der Gesamt-Fläche von 185 Tausend qkm, d.h. halb so groß wie die BRvD (http://www.laender-lexikon.de/Syrien).
    Es kann also gar nicht so „begrenzt“ gewesen sein…

    Auch die Karten, die in den verschiedenen Medien auftauchen bezüglich der Positionen der Seiten, sind total unterschiedlich – Propaganda halt auf allen Seiten.
    Wobei die westliche Propaganda-Maschine der russischen um Größenordnungen überlegen ist…

    Zu dem verlinkten Buk-Artikel: auch wir hatten hier auf bb schon sehr früh darauf hingewiesen, daß die MH-017-Wahrheit nicht Buk heißen kann und andere Varianten diskutiert.

    Momentan geht es aber wohl eher um eine „allseitig annehmbare Version“ – nicht umsonst wird in russischen Netz-Medien zur Zeit ganz stark darauf angespielt, daß in der ukrainischen Armee damals sehr viel gesoffen wurde…
    Und eine Buk-Abschußrampe kann ja auch allein – ohne die zugehörige externe Fern-Radarstation – ihre Raketen abschießen – zwar sind die Zielbereiche des Bordradars so stark eingeschränkt, daß dies sehr schwierig ist, aber andererseits ist ein Passagierflugzeug derart riesig (im Radar), daß da vieles „theoretisch möglich wäre“.

    Zum Beispiel ein paar angetrunkene Soldaten und Offiziere, die anstelle eines „trockenen“ Übungs-Abschusses (d.h. Zielsuche mit eigenem Radar und durchspielen aller Operationen bis hin zum Abschuß, aber OHNE diesen zu vollziehen) dann vielleicht doch aufs Knöpfchen gedrückt hätten – das Putinsche Präsi-Flugzeug befand sich ja angeblich etwa zur selben Zeit nur einige Hundert km weiter nördlich… so als „Arbeits-Version“ – mr wees es nich…

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  5. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  6. luckyhans sagt:

    Hier für alle Haisenko-Fans und andere „nun-malt-doch-mal-nicht-so-schwarz“-Brüder und Schwestern ein paar Fotos aus Aleppo – die jeweiligen Orte dort vor dem Krieg und heute: http://webnovosti.info/n/37702/

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