bumi bahagia / Glückliche Erde

Rußlands Tanz auf der Säbelspitze – 3

Wir wollen – in Fortsetzung der vorigen drei Teile dieser Analyse nun nochmal kurz die Beziehungen Rußlands zur EU und zur Nato streifen, bevor wir dann (endlich!) zum Ausblick kommen.
Luckyhans, 31. Mai 2016
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4. Rußland und der Westen

Die Beziehungen zwischen Rußland und der Nato waren ab 1991 nach der Auflösung des Warschauer Paktes sehr „schwammig“: die Frage, warum sich nicht auch die Nato einfach auflöst, wo doch der Gegner, wegen dem man (angeblich) diese Organisation gegründet hatte, nun plötzlich verschwunden war, beschäftigte Anfang der 90er Jahre auch im Westen viele nüchtern denkende Menschen.

Zumal Rußland unter Jelzin in den 90ern tatsächlich mit der Konversion der Wehrtechnik-Industrie ernst machte, die Wehrtechnik-Betriebe ohne jegliche staatliche Unterstützung hängenließ und führende Manager auf Reisen in den Westen schickte, damit sie dort Erfahrungen für den Umbau ihrer Werke auf zivile Fertigungen sammeln konnten.
Da besuchten sich plötzlich gegenseitig Menschen, die vorher „erbitterte Feinde“ gewesen waren – und merkten durchaus, daß der jeweils andere auch ein Mensch aus Fleisch und Blut ist und kein „Untier“…

Leider fielen diese Initiativen bei den führenden Kreisen des Westens nicht auf fruchtbaren Boden – hier hatte man, in der irrigen Annahme, man hätte nun „alles gewonnen und könnte machen, was man wolle“, im Siegesrausch ganz einfach die Achtung für den Partner „verloren“.
Statt auch die Nato aufzulösen und ein einheitliches System der kollektiven Sicherheit in Europa zu schaffen, wurde – unter Mißachtung der sehr klar formulierten Zusicherungen an die russische Seite – nicht nur die ehemalige DDR und die ehemaligen WP-Staaten Osteuropas mit Hilfe der Nato neu militarisiert, sondern auch einige in die Unabhängigkeit entlassenen ehemaligen Sowjetrepubliken (das Baltikum, Georgien u.a.).

(Die Propaganda-Lüge, daß die Völker dieser Länder in die Nato gewollt hätten, ist leicht zu widerlegen: in welchem dieser Länder wurde bitteschön ein Volksentscheid zu dieser „lebenswichtigen“ Frage durchgeführt?)

Daß Jelzmans Rußland dazu – teils gezwungenermaßen, teils aus falsch verstandenem Zutrauen zum Westen – nicht laut und vernehmlich protestierte, war vor allem dem von den Chicago-Boys organisierten wirtschaftlichen Zusammenbruch in Rußland (die sog. Schock-Therapie) und dem irrigen Glauben der russischen „Eliten“ an das wohlmeinende Verhältnis der westlichen „Eliten“ zuzuschreiben.

Erst als immer offensichtlicher wurde, daß der Westen keineswegs gewillt war, die russischen Eliten als gleichwertig zu akzeptieren und nie auf gutnachbarliche Beziehungen aus war, sondern nur die Sprache der Macht und Gewalt „verstehen“ wollte, konnten sich die unterschiedlichen Kräfte in den russischen Eliten auf den „unbekannten“ Putin als neuen „starken Mann“ einigen.
Die weitere Entwicklung ist bekannt – Rußland ist mit viel Mühe wieder erstarkt, wird aber den Verrat des Westens auf keinen Fall vergessen: zu offensichtlich sind die Folgen, zu gefährlich für die Existenz des russischen Staates.

Die Nato ist spätestens 2014 in das Herzland der russischen Völker eingedrungen und hat diese in einen Bruderkrieg gezwungen – so sieht man die Lage jedenfalls in Moskau.
Anstelle der überlebenswichtigen Pufferzone von Satelliten-Staaten steht nun zwischen Ostsee und Schwarzem Meer ein abgrenzender Riegel von (zumindest in den Parteien und ReGIERungen) aufgeputschten feindlich gesinnten Ländern, der ein Zusammengehen der deutschen/westeuropäischen und russischen Völker verhindert.

Und mit fadenscheinigen „Begründungen“ und gezielten Falsch-Interpretationen, die keiner völkerrechtlichen Prüfung standhalten, bezüglich des Anschlusses der Krim an Rußland wird immer weiter gegen „Putins Rußland“ Stimmung gemacht, aufgerüstet und der Haß geschürt.
Zwar hat der Nato-Rat einseitig und ohne sich vorher dazu mit Rußland zu beraten angekündigt, man werde nach dem Nato-Summit in Warschau wieder mit Rußland reden, aber wenn man sich die diensthabenden und ehemaligen Nato-Generäle so anhört, dann klingt das recht eindeutig nach dem „big stick“, den man herausholen wolle.
Offensichtlich vergißt man in Brüssel, daß jetzt nicht 1946 ist und eine atomare oder sonstige Überlegenheit keinesfalls mehr gegeben.

Im Gegenteil, selbst wenn man den Propaganda-Anteil an dem Gejammer um die verlorengegangene Überlegenheit der Nato mal auf das reale Maß reduziert, bleibt festzuhalten, daß die Nato in der jetzigen Form einen großen Konflikt mit Rußland oder China nicht durchstehen kann.
China hat, wie schon gezeigt, eine gut ausgerüstete und ausgebildete Riesenarmee zur Verfügung. Und auch wenn die meisten überlegenen russischen Waffensysteme noch in sehr geringen Stückzahlen vorhanden sind: allein der Fakt ihres Vorhandenseins und ihrer baldigen Verfügbarkeit in der russischen Armee, die – wie der syrische Einsatz und die vielen laufenden Manöver beweisen – durchaus wieder eine ernstzunehmende Kampfkraft aufweist, sollte die nüchtern denkenden Militärs im Pentagon und Brüssel doch zum Nachdenken gebracht haben.

Aber nein – die Propaganda, die Hetze und das Schüren des Hasses geht von allen Seiten ungebremst weiter…
Das paßt doch überhaupt nicht zusammen und läßt sehr nachdenklich werden.
Werden wir hier alle komplett veräppelt?

Wird diese ganze Konfliktsituation zwischen Rußland und der Nato nur inszeniert, um die Menschen in Angst und Schrecken zu halten?
Was soll damit verhindert werden?

Oder ist sich die Nato schon dessen bewußt, daß sie eigentlich gar nichts mehr zu melden hat, und sie will nur verhindern, daß die Menschen zu früh darauf aufmerksam werden und endgültig deren Auflösung fordern?

Oder sollen die Völker (Ost- und Mittel-)Europas – „stellvertretend“ für die VSA – als „Nato-Streitmacht“ nochmal in einen gegenseitigen Ausrottungskrieg getrieben werden, um die Menschheit, wie auf den Georgia guide stones vermerkt, auf unter 500 Millionen zu reduzieren?

Jedenfalls entbehren die gegenwärtigen Ereignisse jeder (auch Patho-) Logik…

Rußland und die EU

Offensichtlich setzt sich bei den russischen „Eliten“ – zumindest bei deren „blickigem“ Teil – langsam aber sicher die Erkenntnis durch, daß die real existierende, politisch völlig illegitime EU nur ein Vehikel zur Steuerung Europas gemäß den Interessen der Wallstreet sein kann.
Daß die Brüsseler Eurokratie komplett aus Wash-DC (und diese aus der Wallstreet) gesteuert wird und schon seit der EU-Gründung ununterbrochen gegen die Interessen der europäischen Völker agiert, ist heutzutage derart offensichtlich, daß da jegliche weitere Analyse überflüssig ist.
Und es ist auch völlig egal, der da gerade turnusgemäß die „Führung“ innehat: alle Signale stehen sowieso auf freie Fahrt für die Interessen der globalen Finanzoligarchie.

Warum gibt sich Rußland überhaupt noch mit diesem hohlen Popanz ab?

Wahrscheinlich weil es den Kontakt zu den europäischen Völkern nicht verlieren will. Irgendwie scheint der eine oder andere denkende Mensch in Moskau zu fühlen, daß nur im Zusammenhalt der europäischen Völker eine langfristig tragfähige Lösung für Frieden und kooperatives Wirtschaften in der Welt erschaffen werden kann, und daß Rußland die Brücke Europas nach Asien dabei sein wird.
.

5. Ausblick

Ausgehend von der durchgeführten Lageanalyse kommen wir nun zum Blick nach vorn, d.h. welche Entwicklungen sind demnächst zu erwarten.

Wir hatten festgestellt, daß sich die VSA auf dem Wege von der einzigen Welt-Supermacht zu einer zerfallenden Großmacht befinden, und daß China auf dem besten Wege ist, zu der globalen Supermacht aufzusteigen, und das auch völlig unabhängig davon, ob die internationale Finanzoligarchie weiterhin die Zügel in der Hand behält oder nicht.

Europa wird, wenn es nicht umgehend zu einer eigenen, von der Wall Street unabhängigen Politik findet, im Bürgerkrieg versinken – viel hängt dabei vom immernoch besetzten Deutschland ab, das durch die Feindstaatenklauseln des UN-Statuts ein extrem hohes Risiko eingehen muß, um sich wirklich zu befreien und Europa (nicht die EU!) kulturell zu erhalten.

Rußland wird, wenn es ihm gelingt, den Frieden auf seinem Territorium zu erhalten (wofür sehr vieles spricht) und weiter einen Kurs ähnlich der „Putin-Linie“ (aber mit mehr Offenheit und Risikofreude) zu fahren, ein starker Anker und ein wichtiger Korrekturfaktor im neuen weltweiten Kräfteverhältnis sein – zusammen mit seinen Partnern in Europa und anderswo.

Nach wie vor ist der Schlüssel zum Weltfrieden ein enges Zusammenwirken der europäischen Völker: vornehmlich des französischen, deutschen und russischen, aber auch aller anderen, sobald sie sich auf ihre ureigenen Interessen besinnen – weil es nur dann gelingen wird, den nachfolgenden Appetit Chinas auf die Weltherrschaft zu zügeln.

Für ein vollständigeres Bild werden wir nicht umhin kommen, uns mit der immer schneller um sich greifenden Geschäftswerdung der Welt auseinanderzusetzen, weil hier sehr wahrscheinlich der letzte Akt der Schaffung des scheinbaren Chaos gestartet wird, aus dem sich dann der Phönix der NWO als neue Ordnung erheben soll.

Und es ist der Blick auch von den Niederungen der grobstofflichen Welt des mono- oder atheistischen Materialismus nach oben zu wenden, in die nachgewiesenen feinstofflichen und höheren Sphären.
Viel hängt davon ab, ob die spirituelle Entwicklung der Menschheit schnell genug die Stufe des „hundertsten Affen“ erreicht, so daß der Gedanke an Gewalt und Krieg von allen Menschen einfach als nicht mehr akzeptabel angesehen wird – und alle dorthin drängenden Kräfte keine Unterstützung mehr bekommen, nach dem alten Spruch:
„stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin…“ 😉

Das letzte Wort in diesem Beitrag überlassen wir Paulo Coelho:

Die Welt erlebt einen Augenblick, in dem viele Menschen denselben Auftrag erhalten.
Folgt euren Träumen, macht daß euer Leben ein Weg zu Gott werde.
Verwirklicht seine Wunder. Heilt. Macht Prophezeiungen.
Hört auf euren Schutzengel. Verändert euch.
Seid Kämpfer und seid glücklich in eurem Kampf.
Riskiert etwas.“

(aus Paulo Coelho „Am Ufer des Rio Pedro saß ich und weinte“)


6 Kommentare

  1. weil es nur dann gelingen wird, den nachfolgenden Appetit Chinas auf die Weltherrschaft zu zügeln.

    China strebt doch überhaupt gar nicht die Weltherrschaft an. Wie kommt ein Mensch nur auf eine derartig absurde Idee? China ist in allem die Nummer Eins in der Welt — im Gegensatz zu GB/FR und den USA macht China nirgends Krieg; das wäre aber erforderlich, um eine Weltherrschaft zu begründen.

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  2. Hawey sagt:

    Hat dies auf meinfreundhawey.com rebloggt.

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  3. luckyhans sagt:

    @ Jauhu:
    „China strebt doch überhaupt gar nicht die Weltherrschaft an.“

    … „noch“ möchte man hinzufügen.

    Vertrauen in allen Ehren – das Verhalten Chinas zu verstehen ist natürlich nicht einfach, und vor allem wenn wir es ständig durch „unsere“ europäische Brille betrachten (und die meisten haben auch keine andere).
    Die in den vier Teilen dargelegten Verhaltensweisen der Chinesen (ja, ich weiß, es gibt auch nicht „die Chinesen“, aber es gibt – wie auch bei uns – einige „typische“ Verhaltensweisen und einige „offizielle“ Handlungen – diese wurden betrachtet) zeigen recht klar, daß dort vor allem auf den eigenen Vorteil geachtet wird, und daß auch äußere Veränderungen der Bedingungen ziemlich rigoros ausgenutzt werden.

    Und genau das ist es, was mich für die Zukunft zu jener Vermutung brachte: wenn sich „plötzlich“ die äußeren Bedingungen ändern und die Welt „mit bloßen Händen“ zu erobern wäre, könnte man mit dieser ur-pragmatischen Handlungsweise schnell der Versuchung erliegen – wie gesagt, nicht unterstellend, daß es jetzt „Strategie“ wäre, sondern einfach als Ausnutzung von Gegebenheiten und Gelegenheiten, was ein Wesenszug der chinesischen Mentalität zu sein scheint.

    Die allzu leichte Verabschiedung von den jahrtausendealten philosophischen Traditionen gehört natürlich auch dazu…

    Und zum Krieg: der Charakter der heutigen „Kriege“ ist ein anderer als die vorigen „Weltkriege“(-Etappen) – heute sind Übernahme der wirtschaftlichen Macht (der Infrastruktur und der Unternehmen) sowie der Finanzmacht (Banken und Versicherungen) fast wichtiger als militärischen Besetzung – die BRiD ist das beste Beispiel dafür: Besetzung zwar noch formal vorhanden, aber solange die Massen nix merkeln, daß sie vergauckelt werden, eigentlich nicht notwendig…

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  4. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  5. Hans Kolpak sagt:

    Luckyhans, ohne von Deinen Ausführungen zu wissen, stellte ich am 31. Mai um 0 Uhr einige englischsprachige und deutschsprachige Links unter dem Thema „Das unscheinbare Ende der NATO“ zusammen:
    http://www.dzig.de/Das-unscheinbare-Ende-der-NATO

    Mit Deinem Artikel zusammen ergibt sich für mich ein stimmiges Gesamtbild.

    11. März 2016 | »Wir sind zwei, drei Wahlen entfernt vom Ende der NATO, dem Ende der Europäischen Union«
    Eine NATO ohne die USA fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Treten Großbritannien und Frankreich aus, gibt es erst einen Domino-Effekt und hinterher keine EU mehr. Anne Applebaum fürchtet das als ein Ende der westlichen Zivilisation. Wenn all das eintritt, ist es aber bloß ein Neuanfang.

    29. Mai 2016 | Wie Russland sich auf den dritten Weltkrieg vorbereitet (Original vom 26. Mai)
    Die Russen sehen alle, dass die Macht der USA im Abstieg ist und dass der Dollar früher oder später, schrittweise oder plötzlich, seine Rolle als Weltleitwährung des Planeten verlieren wird (der Prozess hat bereits begonnen). Einfach gesagt – wenn die USA keinen Weg finden, die jetzige internationale Dynamik entscheidend zu ändern, dann wird das anglozionistische Empire zusammenbrechen.

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