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Jakob Kedmi im Internet-Interview bei Novorossija – Oktober 2015

Wir hatten schon mal das Vergnügen, unseren Lesern die sachlich-nüchternen Einschätzungen des ehemaligen israelischen Geheimdienstchefs (Nativ von 1992 – 1999) Jakob Kedmi zur Lage in der Ukraine nahezubringen.
Vor einigen Tagen wurde er von der Nachrichtenagentur von Novorossija befragt, diesmal zur Lage in Syrien nach dem Beginn der russischen Luftangriffe, und natürlich auch zur Lage in der Ukraine.
Nachfolgend leicht gekürzt seine wesentlichen Aussagen aus diesem Interview.
Luckyhans, 19. Oktober 2015
————————————–

Was sagen Sie über die Situation in Syrien:

Wessen „Schestjorki“ (Wortspiel: bedeutet sowohl „Sechs“, d.h. 6 Länder, als auch “Helfershelfer“, vor allem im Gaunermilieu) sind die 6 Länder, die da so lauthals gegen das Eingreifen der russischen Luftwaffe protestieren? Uns ist das klar…

Mit IGIL (die ISIS-Terroristen auf russisch) und Al-Kaida hat es von Seiten der VSA bis zum Eingreifen der russischen Luftwaffe keinen echten Kampf gegeben – es war eher Schizophrenie.
Vor 5 Jahren wollte man Assad beseitigen und ein anderes Regime errichten – das ist komplett gescheitert. Die VSA machen jetzt gute Miene zum bösen Spiel.
Die Saudis und Katar wollen das noch erreichen.

Das Eingreifen der russischen Luftwaffe wird dazu führen, daß die Assad-Streitkräfte mit Hilfe der iranischen Garde und der Hezbollah diese Meuterei beseitigen.
Mit Unterstützung der russischen Luftwaffe wird der nördlichen Teil des Landes befreit werden – dort sind vor allem Dshabad el-Nusra und 10 weitere Gruppen der Moslem-Brüder am Werke. Mit dem Abschneiden der Terroristen vom Zugang zur türkischen Grenze wird der Nachschub von Waffen, Munition, Geld und Personal beendet. Das führt zu deren schneller Niederlage, da die südlicheren Formationen keinen anderen Nachschubweg haben.

Die Anwesenheit der russischen Luftwaffe hat dazu geführt, daß weder die türkische noch die amerikanische Luftwaffe und deren Verbündete weiter hier wirksam werden können. D.h. die Drohung der VSA: „wenn ihr die Leute, die wir herangezogen haben, bekämpft, dann werden wir euch bombardieren“ ist unwirksam – die VSA wissen das.
Die VSA-Bombardierungen der IGIL in den östlichen Wüstengebieten haben keinerlei Einfluß auf die wirkliche Lage in Syrien.

Und wenn Assad es gelingt, mit den Kurden ein Einvernehmen zu erzielen, dann werden diese sich auf die Seite der syrischen Regierung stellen, und dann wird es auch keine Bombardierungen der Kurden (in Syrien) durch die türkische Luftwaffe mehr geben, da dann auch dort die russische Luftwaffe den Ton angeben wird.
Das verändert alle Pläne derjenigen, die mit Syrien auch das Kurdenproblem „erledigen“ wollten.

Eine zweite Etappe wird dann die Befreiung der restlichen Teile Syriens von der schwächer werdenden Opposition sein, darunter auch von IGIL, welche die östlichen Wüstengebiete von Palmira bis Bagdad beherrscht.
Falls die russische Luftwaffe professionell handelt, wird das IGIL-Problem dort sehr schnell gelöst werden, zuerst auf dem syrischen Territorium, und vielleicht dann auch im Irak, wo dann die irakische Armee, die Iraner und die Kurden zusammen mit der russischen Luftwaffe wirken könnten.

Damit wären alle Pläne, die unterschiedlich in Er-Riad, Katar und Washington geschmiedet wurden, im Nahen Osten neue Regierungen einzusetzen, mit dem Eingreifen Rußlands in den Konflikt praktisch gescheitert. So erklären sich die Schreie aus den Hauptstädten der „Sechser“-“Helferlein“…

Was ist mit der EU?

Der russische Präsident hat in der UNO ja gefragt: „Habt ihr jetzt begriffen, was ihr angerichtet habt?“ – das ist offensichtlich mit dem Strom der Flüchtlinge klar geworden.
Sie haben begriffen, daß die Flüchtlingsprobleme des Nahen Ostens – potentiell 15 – 20 Mio Menschen – auch nur im Nahen Osten gelöst werden können.
Weder Grenzkontrollen noch Sanktionen helfen da – ohne Rußland, das hat sogar Frau Merkel begriffen, gibt es keine Lösung. Die Engländer sind da etwas denkträger, aber sie werden es auch noch kapieren.

Wir hier in Israel sind etwas näher dran, wir wissen bestens, was diese syrische Opposition in sich darstellt. Das sind zu etwa 60% Al-Kaida und IGIL. Der Rest sind etwa zur Hälfte Moslem-Brüder verschiedener Art, mehr als 10 Organisationen.
Von den übrigen sind auch wieder ein Teil etwa 10 Gruppen nichtreligiöse, sog. weltliche, Opposition. Der Rest sind einfach städtische Banden zu 10 – 30 Mann – in jeder Stadt, welche die „Opposition“ besetzt hält, sind 10 – 20 Banden am Werk, die einfach rauben soviel sie können.
Und diese „weltliche Opposition“ wollten die klugen Westler an die Macht bringen?
In der Hoffnung, daß die sich nicht gegenseitig umbringen?
Und daß sie die anderen Gruppen, die 10mal soviele und 20mal so stark sind, alle besiegen?

Aber die Fakten sind eindeutig: 80% der Bevölkerung Syriens befinden sich unter der Macht von Assad, denn das meiste Territorium der Opposition sind menschenleere Wüsten. Und wenn das Problem der dichtbevölkerten nördlichen Gebiete Syriens, von Damaskus bis zur türkischen Grenze, gelöst sein wird, wo jetzt die russische Luftwaffe hauptsächlich zuschlägt und eine Bodenoffensive der syrischen Armee vorbereitet wird, dann wird der Umschwung eintreten und die Opposition auf dem gesamten syrischen Gebiet niedergehen.

Was hat das für Folgen für die Ukraine?

Große. Wenn die Pläne Moskaus und Damaskus‘ aufgehen, wird die Autorität Rußlands weltweit erhöht werden und alle Handlungen Rußlands werden anders aufgenommen werden.
Die Probleme der Ukraine, des Donbass und des Poroschenko-Regimes bleiben, solange alle hoffen – Rußland und Europa – daß eine Lösung ohne weiteren Krieg möglich ist.
Inwieweit dies richtig ist, entscheidet die innere Lage in der Ukraine.
Daß das Poroschenkos Regime sehr schwach ist, weiß jeder. Daß in der Ukraine Banden ähnlich den syrischen Raubbanden am Werke sind, das wissen wir, und das verstärkt sich mit jedem Tag.

Deshalb kann die Situation in der Ukraine sich in zwei Richtungen entwickeln.

Das ist einmal: das langsame Verfaulen des Regimes in der Ukraine und die Fortsetzung der wirtschaftlichen Katastrophe führt zu inneren Veränderungen der Macht in der Ukraine, in der notwendigen Richtung der Abschwächung des Widerstandes und in der Anerkennung des existierenden Faktes der zwei Republiken -der Donezker und der Lugansker.

Zweitens. In der Zeit wird der kritische Punkt die Wahlen sein. Diese sind in den Minsker Vereinbarungen festgelegt. Die Durchführung der Wahlen wird alle Teilnehmer der Minsker Vereinbarungen dazu zwingen, deren Ergebnisse anzuerkennen.
Dann wird formal ein wichtiger Schritt gegangen: ganz Europa wird Lugansk und Donezk als gesetzliche politische Formationen anerkennen müssen, und das wird der Ukraine nicht mehr ermöglichen, wie bisher diese unter der Flagge des „Anti-Terroristischen“ zu behandeln – als Organisation, die gegen die „legitime“ Macht kämpft.

Zweitens – wenn das anerkannt wird, dann wird das ein ernsthafter Schritt zur Destabilisierung der jetzigen Macht in der Ukraine – die wird das nicht aushalten.
Wenn das nicht anerkannt wird, dann bedeutet das ein Ende der Minsker Vereinbarungen, und damit steigt ganz stark die Wahrscheinlichkeit kriegerischer Handlungen.

Wenn man die entschlossene Unterstützung Rußlands in Syrien berücksichtigt, und diese erfolgreich sein wird, dann wird das den Wunsch der Poroschenko-Leute abkühlen, sich mit der russischen Unterstützung für Novorossija in der Ukraine anzulegen.

So oder so – die Entwicklung in der Ukraine verläuft nicht zugunsten des Regimes Poroschenko, zugunsten der Majdan-Macht, sondern umgekehrt.
Es ist zu wünschen, daß es ohne menschliche Opfer abgehen wird.
Es kann sein, daß die Einwohner von Lugansk und Donezk ungeduldig werden, die Lösung abzuwarten. Es kann ebenfalls sein, daß auch die Bewohner von Charkow, Dnepropetrowsk, Odessa und anderswo diese Probleme schneller lösen wollen, als es der Gang der Ereignisse vorsieht.
Aber nicht immer entwickeln sich die Ereignisse so schnell, wie wir das wollen.
Das wichtigste ist: sie verlaufen in der erforderlichen Richtung. Früher oder später wird es so kommen.

Eine letzte Bemerkung: ich kann die Ereignisse nur analysieren und kommentieren – wenn ich daran beteiligt sein könnte, denke ich, daß die Entwicklung der Ereignisse eine andere wäre.

Quelle: Яков Кедми о Российской авиации в Сирии. Россия наводит порядок на Ближнем востоке – https://www.youtube.com/watch?v=pIfDHEh4ncA


6 Kommentare

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  2. luckyhans sagt:

    Ergänzend nochmal die „großen Zusammenhänge“ – Andreas von Bülow mit dem geschichtlichen Hintergrund:

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  3. Herr Jakow Kedmi ist ein achtbar weitsichtiger Mann. Bsonders beeindruckend, dass er als ehemaliger Geheimdienstchef nicht etwa dem früheren Brötchengeber zu Munde redet, sondern leidenschaftslose Analyse betreibt. Grundsätzlich sieht er neben dem politischen, weil ökonomischen Niedergang der VSA, die neue Macht China gleich um volle 200 % zulegen. Sie haben Russlands Rohstoffe (100 %) und Militär/ Militärtechnik (100 %) mit an Bord genommen.

    Als damals im Sommer 2014 Obama eine Bombenkriegseröffnung gegen den IS/ ISIS verkündete, hatte er dabei ganz ausdrücklich erklärt, dass dieser Luftkrieg mit Sicherheit lange Jahre dauern würde. Knapp ein Jahr später wiederholte er sich dann:
    „Dienstag, 7. Juli 2015, 08.57 Uhr: US-Präsident Barack Obama hat die Notwendigkeit eines langjährigen internationalen Einsatzes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien bekräftigt. „Dies wird nicht schnell gehen“, sagte Obama nach einem Treffen mit ranghohen Militärs im Verteidigungsministerium in Washington.“
    Seine Prophezeiung jedoch entsprach nicht wie die obige Prognose des Herrn Kedmi irgendwelcher
    leidenschaftsloser Faktenanalyse, sondern war nur die wiederholte Offenlegung der amerikanischen „Strategie“.

    Die guten alten Zeiten, als die Amerikaner noch agieren, ihren „Strategie“-Flickenteppich der Welt als Welt-Macht verkaufen konnten, neigen sich dem Ende zu. Inzwischen re-agieren sie immer mehr, anstatt zu agieren. Brauchen statt Strategen nun Taktiker. Den inzwischen nicht gewonnenen, nicht zu gewinnenden Kriegen nach 1945 addiert sich nun mit Syrien der nächste blamabel hinzu. Auch die gekauften „bunten“ Revolutionen gehen (Krim!!!) nun schmerzlich direkt nach hinten los.

    Inzwischen steht die erste der russischen Landbrücken zur Krim, die vorerst zum einen Baumaterialbrücke und ebenso die Basis für den Standort von schwerer Brückenbautechnik für Gewaltigeres ist.

    Ja, so lässt sich vor der UN-Vollversammlung trefflich vom Leder ziehen. Die neue Seidenstraße lässt grüßen. Nur Europa und seine erpressten/ gekauften Regierungen verhandeln lieber ein tolles, neues (TTIP) Unterwerfungsabkommen, weil ja außer Deutschland bisher die anderen Staaten Europas noch Staaten und souverän waren.

    Mir scheint, dass außer diesem chinesisch-russisch angesagten Schachmatt der VSA außer den bedauernswerten amerikanischen Otto Normalverbraucher Bürgern noch ein paar sehr dumme deutsche und europäische Wähler ihre moralische Prügel erhalten werden.
    (https://bumibahagia.com/2015/09/13/die-vsa-in-d-und-das-wahre-recht)

    Sie hätten es sich überzeugendst verdient, weil sie offensichtlich den Artikel 20, Absatz 4 des GG nicht kennen.

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  4. Manfred sagt:

    Wie der Mann hier zitiert wird – so erscheint das logisch und hoffnungsvoll.
    Hoffe das Bete !

    Manfred aus Gera

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  5. thomram sagt:

    Willkommen, Manfred aus Gera 🙂

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  6. Texmex sagt:

    Fuer das ilegitime Verwaltungskonstrukt in einer privaten Stiftung namens Israel geht es bei Syrienkonflikt um ALLES.
    Unter dem Aspekt sind die Aussagen Kedmis zu sehen, denn letzlich hat Israel den Konflikt angezettelt, der Hund wackelt mit dem $-Schwanz und nicht umgekehrt!
    Sollte das Herzland fallen, i.Augenblick sieht es nicht danach aus, dann stehen die Zeichen auf Gross-Israel vom Eufrat/Tigris bis zum Nil!
    Dabei wissen sie 100%ig, dass das einzig legitime Land fuer sie Birobidschan ist! Dorthin werden sie, wenn ihre Plaene gescheitert sind, verfrachtet, so dass sie NIE wieder dort rauskommen!
    Dann wird endlich Frieden auf der Erde einkehren.

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