Jeder, der in einem Zweit- oder Drittweltland zusammen mit dem „gewöhnlichen Volke“ lebt, der kennt es, und jeden wohl immer wieder droht es innerlich zu zerreißen. Ich nehme die im Bau befindliche „Villa Marokko“ als Ausgangspunkt. Erst mal ein paar Bilder davon:

Standort: Südbali

Im Vordergrund ein Teil des Swimmingpools



60 Lampenschirme für die Erleuchtung

Bauführer Jack, Papa vier strammer Jungs, von einer anderen indonesischen Insel stammend, einer meiner Freunde hier. Die gute Nachricht: Er hat für fast drei Jahre gesicherte und bezahlte Arbeit. Monatslohn 250 Europawährung. Die üble Nachricht: Mit drei schulpflichtigen Kindern reicht dieser Betrag nirgends hin. Der Älteste ist in der 11.Klasse. Schulkosten für ein Jahr: 800, monatlich mithin etwa 85 Europawährung. Die zwei jüngeren Geschwister fahren günstiger, doch auch nicht for free. Nahrung und Dach über dem Kopf, Gas, Strom, Mopedunterhalt…wie könnte das aufgehen.
Zwei baugleiche Villen werden daneben aufgezogen und dann zum Vermieten angeboten werden.
Du verstehst, worauf ich hinaus will? Der Bauherr, ein junger Mann vom Stamme der Bären, er hat die Mittel, drei Häuser bauen zu lassen. Die Baupläne stammen von ihm. In meinen Augen ist es wunderschöne Architektur. Wie sie sich ausmacht mit den nachbarschaftlichen, ärmlichen Häuschen, na ja. Der betriebene Aufwand ist enorm. Beispiel: Die Verschalung für den Betonguß der (wunderschönen, ja!) Wendeltreppe kostete die Arbeit zweier Männer während eines Monates. Damit nicht genug. So wie von A bis Z das ganze Gebäude innen wie außen mit Spezialbeton verspachtelt wurde, so eben auch die Treppe. Das sind mehrere Schichten, jede Schicht muß geschliffen werden.
Da haben wir also einen Einheimischen. Der ist Bauführer. Die drei Häuser dürften auf 1 Mille Europawährung zu stehen kommen. In DACH gebaut ein Vielfaches davon, versteht sich. Sie werden vermietet werden an Leut, denen es nichts ausmacht, täglich 300 Europawährung oder auch mehr hinzublättern.
Jedes Haus wird mit 60 Lampen bestückt. Plus Aussenbeleuchtung.
Der Bauführer lebt mit Frau und vier Söhnen in einem Steingehütt mit Grundfläche 25m2, weiß nicht, wie die fällige Landmiete (eine halbe Are) zu bezahlen.
Du kannst mein innerliches Gezerre nachfühlen? Wohl mag ich jedem Menschen materiellen Reichtum gönnen, darum geht es nicht. Aber direkt vor der Nase täglich die Reichtumsschere zu sehen, das betrübt mich. Könnte denn der Bauherr nicht einen Lohn entrichten, der über das schäbige Landesübliche hinausgeht? Das Doppelte würde einigermaßen hinreichen. Vielleicht müßte der Bauherr beim Bau etwas Luxusabstrich machen, sollte er knapp kalkuliert haben. Doch wäre das nicht eigentlich Menschenpflicht?
Ich selber stehe materiell auch mittendrin. Meine Rente ist so, daß ich hier sehr feudal leben könnte, würde ich meine Freunde nicht unterstützen, und sie ist so, daß ich in der Schweiz unter der sogenannten Armutsgrenze wäre, in der Schweiz könnte ich Armengeld einfordern, und ich würde es auch bekommen. Ist doch verrückt, sowas. Und ist erdenweit so. Die Schere zwischen arm und reich, nicht zu reden von der Kluft zwischen Hungertotem und richtigem Geldsack.
Dies, die wirtschaftlichen Verhältnisse, welche ich „oben“ und „unten“ täglich vor Augen habe, dies sind zwei Welten, die mir zu schaffen machen.
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Die andere Ebene zweier Welten, mit denen ich konfrontiert bin, die beleben und belustigen mich 🙂
Es sind
die Eigenarten der Menschen zweier Kulturen.
Schweizer: Pünktlich und verläßlich. Abmachung ist Abmachung.
Hier: Pünktlichkeit ist so gut wie Fremdwort, Verläßlichkeit finde ich, wurde aber auch oft enttäuscht. Abmachung? Man hat etwas durchgesprochen und abgemacht. Morgen ist alles anders oder so gut wie vergessen.
Missgeschick.
Ich, Schweizer, mache handwerklichen Fehler, und was? Ich werde wütend und meine Ungeduld schnellt hoch.
Hier: Man ruft erstaunt „haduu“ und…..lacht!!!
Gespräch.
Schweiz. 1:1 so erlebt: Schule. Pause. Im Lehrerzimmer. Zwei Kolleginnen plappern zusammen lustig Belangloses, Außerschulisches. Ich benötige dringlich eine schulspezifische Auskunft. So mische mich ein und stelle meine Frage. Die beiden weisen mich zurecht. Sie seien im Gespräch. Ob es mir denn noch gehe, ein Gespräch zu unterbrechen.
Motto: Prinzipienreiterei.
Hier. 1:1 x-fach so erlebt: Ich bin mit einem Bekannten in thematisch gewichtigem Gespräch. Fährt ein Moped vor. Mein Bekannter unterbricht per sofort, wendet sich dem Anderen zu. Gespräch Ende und wird nicht wieder aufgenommen.
Motto: Ablenkung hat Vorrang. Immer. Ausnahmslos.
Kinder
Schweiz. Säugling im Kinderwagen.
Hier: Säugling im Tragetuch an der Brust.
Ganz wichtiger Unterschied, und 3:0 für Indonesia. Eine weise Schweizerin, Mutter von vier sehr lebenstüchtigen Kindern, die pflegte zu sagen: „Das Kind, die Zukunft des Kindes wird in den zwei ersten Lebensjahren gestrickt.“
Schweiz: Mutter fragt, was es in der Schule heute so gegeben hat.
Hier: Eltern fragen Kinder nichts. Dies ist dann die Kehrseite. Kommunikation familienintern findet wenig statt.
Schweiz: Kind fragt Eltern etwas. Eltern befleißigen sich, wahre Antwort zu geben.
Hier: Kind fragt Eltern etwas. Eltern sagen: „Ja“.
Sorgen
Schweiz: Ein Mensch hat tiefe Sorgen. Man sieht es ihm an. Es ist ihm kaum möglich, auf kleines heiteres Gespräch einzugehen.
Hier: Ein Mensch hat tiefe Sorgen. Es ist ihm kaum anzusehen. Sprich ihn an, und er springt an, seine Sorgen sind augenblicks weggesteckt.
Kind, zum Zweiten.
Ich war bei den rituellen Einweihungsfeiern von Agus, damals 8, sowie Ningsi, damals 6 als Freund und Gast geladen. bb Freund Krazzi war bei der Agus-Einweihung mit dabei.
Die lebensbejahenden Elemente solchen Anlasses hier zu beschreiben so, daß Du mit einsteigen kannst, bin ich überfordert. Ich greife ein einziges Bild des Anlasses heraus!
Es gab mehrere Höhepunkte. Bei einem davon, da wurde vorne auf dem üppigst verzierten Altar vom Oberpriester und seinen Gehülfen Verbindung mit der geistigen Welt aufgenommen. Wir alle saßen davor, natürlich auf dem Boden, und, jetzt kommt es:
Agus, Junge, der saß, und hinter, neben und vorne von ihm was? Saßen Verwandte und Befreundete… Männer! Erwachsene, gestandene Männer, Onkel, Nachbar, Opa und BordfliegePapa sowieso. Er saß inmitten eines Konzentrates von Männerpower.
Bei Ningsih, Mädel, da saßen Frauen um sie herum. Frauenpower für das kleine Mädel!!!
Schweiz. Einweihung? Vielleicht die Konfirmation / Firmung? Ich kenne Beides aus eigenem Erleben. War da für Jungen keine Männerpower, für Mädel keine Frauenpower, waren schöne Kleider, ja, und man beschwor Jesus und den Lieben Gott, doch inwieweit waren die Kinder dabei eingebettet in ihre Familie und in ihren Freundeskreis? War weder ich, noch waren es meine Kinder während der Zeremonie.
Straßenverkehr
Schweiz. Wechsele in Zürich die Spur, du kriegst den Penetrationsfinger. Tue es mit aargauer Nummernschild AG, und dann bisde das Arschloch mit Durchmesser maximal mal Pi.
Hier. Ich freue mich über jede Straßenkreuzung, eben auch bei dichtem Verkehr, da von drei oder vier Seiten so Manche warten. Nie gibt es zwei gleiche Situationen. Es ist ein lockeres Gemisch von Drängeln und von Rücksichtnehmen. Ein saugutes Gemisch. CH Faarschulleerer würde in Ohnmacht fallen.
Kann es nicht lassen, sage meine Assozieeschen dazu. Nicht so ganz off topic. War im dritten Reich ein U-Boot Mannschaftsausbildner, scharf wie Messer, gefürchtet und gehasst. Irgendwann war Mannschaftsbestand so knapp, daß auch er mittels Unterwasserröhre auswärts geschickt wurde. Er natürlich Commander. Und er, der alles immer besser gewusst hatte, bei erstem Fei Kont soff ab.
Bitte um Verzeihung für den Einschub.
Deutsche Geschichte ist mir eben genau so nah als wie mein hier heute tägliches Erleben, bis hin zur Bordfliege im U Boot des damals mitfahrenden Kriegsberichterstatters Buchheim. Vor Gibraltar 280m.u.M. auf Grund. Das Buch heißt: „Das Boot“. Hab ich sieben Mal gelesen.
Ende meiner Abschweifung.
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Ich genieße die Andersartigkeit der Leut hier.
Ich schneide mir fleißig Tranchen ihrer Eigenarten ab, welche mir fehlen, welche ich mir zu eigen machen will.
Ich schätze mich glücklich, daß ich hier eine Handvoll Einheimische habe, welche ihrerseits Dasselbe tun, nämlich gute DACH – Eigenschaften sich eigen zu machen.
Herzensgruß in die Runde.
Thom Ram, 22.07.11
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Scheint ja alles ziemlich teuer in Bali zu sein,
außer der Preis der menschlichen Arbeitskraft; der ist sehr niedrig:
Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig.
Du denkst, daß der Bauherr einen höheren Preis für die menschliche Arbeitskraft zahlen sollte?
Das könnte er sicher machen. Aber im Kapitalismus kostet ihn das seinen Kopf. Denn er würde ja damit einen Präzedenzfall schaffen und die übrigen „Bauherrn“ wären dann gezwungen, auch höhere Preise für die menschliche Arbeitskraft zu zahlen.
Schließlich würde sich ein höherer Preis für die menschliche Arbeitskraft in Windeseile herumsprechen und alle, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, würden dann auch einen höheren Preis einfordern, denn die Kapitalisten in Indonesien nicht bereit sind zu zahlen. Die Folge wären landesweite Massenstreiks. Dies würde aber die korrupte, kapitalistische Hierarchie und Herrschaft in Indonesien direkt gefährden … und was dann geschieht, weiß man ja aus den 1960er Jahren:
Die Kommunistische Partei Indonesiens und die Gewerkschaften wurden zerschlagen:
Zwei Millionen Kommunisten und Gewerkschaftler wurden ermordet, gleichzeitig wurde sich etwa 100.000 Chinesen (dort sozusagen die „Juden“) entledigt.
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Lieber Thom, bitte ersten Kommentar löschen – Formatierungsfehler – alles erscheint in Fettschrift.
Scheint ja alles ziemlich teuer in Bali zu sein,
außer der Preis der menschlichen Arbeitskraft; der ist sehr niedrig:
Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig.
Du denkst, daß der Bauherr einen höheren Preis für die menschliche Arbeitskraft zahlen sollte?
Das könnte er sicher machen. Aber im Kapitalismus kostet ihn das seinen Kopf. Denn er würde ja damit einen Präzedenzfall schaffen und die übrigen „Bauherrn“ wären dann gezwungen, auch höhere Preise für die menschliche Arbeitskraft zu zahlen.
Schließlich würde sich ein höherer Preis für die menschliche Arbeitskraft in Windeseile herumsprechen und alle, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, würden dann auch einen höheren Preis einfordern, denn die Kapitalisten in Indonesien nicht bereit sind zu zahlen. Die Folge wären landesweite Massenstreiks. Dies würde aber die korrupte, kapitalistische Hierarchie und Herrschaft in Indonesien direkt gefährden … und was dann geschieht, weiß man ja aus den 1960er Jahren:
Die Kommunistische Partei Indonesiens und die Gewerkschaften wurden zerschlagen:
Zwei Millionen Kommunisten und Gewerkschaftler wurden ermordet, gleichzeitig wurde sich etwa 100.000 Chinesen (dort sozusagen die „Juden“) ‚entledigt‘ = ermordet.
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Das sehe ich genauso wie Juhu, Leider.
Es gebe aber eine möglichkeit wo der Bauherr sein Gesicht wahren könnte ohne unruhen.
Indem er die Kosten für die Schule direkt übernimmt, die Miete Bezahlt oder Lebensmittel Einkauft macht oder ähnliches. Also keine Lohnerhöhung macht sondern seine Nebenkosten übernimmt. Das setzt natürlich eine Soziale Verantwortung voraus des Bauherrn. Vielleicht kann er auch die Ehefrau im Bauprojekt mit einspannen, zumindest in der Zeit wo die Kinder in der Schule sind.
Der mehrgewinn wäre aber ein Treuer Zuverlässiger Handwerker und vielleicht auch als späterer Hausmeister oder Reinigungskraft für das Gästehaus tätig. Gute Freunde kann man immer benötigen wenn man lange im Land bleiben möchte.
Nebenbei ist das Haus Wunderschön gemacht mit den vielen Rundungen.
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Salve 📣 Tom Ram, sehr gut geschwiffen ab, danke. Wie lange geht es noch weiter mit diesem Zirkus auf unserem Affenplaneten im Heimatuniversum Nebadon, benannt nach Nebadonia, der Lebensgefährtin von Christ Michael, dem Schöpfersohn unseres Universums, welches er einst erschaffen hat aus einer Laune heraus, als ihm langweilig war und er mit seinen Händen kopfstützend überlegte, was er denn nun tun könnte zur Freude seines himmlischen Papas. – Nun geht das Gerücht herum, dass er sich anschickt wieder zu kommen in diesen Tagen. Laut der Seite von Christ-Michael.net kommt er recht bald, vielleicht schon morgen oder übermorgen. Die christliche Terminologie nennt es das Zweite Kommen. Auf der Seite http://www.jesus-comes.com wird verlautet von Jesus Esu Immanuel „Ich gebe euch noch weitere fünf Jahre“ . Das wäre dann 2028 bis zur Entrückung. Also dürfen wir uns noch fünf Jahre gedulden und harren der Dinge, die da kommen. Wenn ich mir die Weltlage so anschaue, einfach zum Knochen kotzen. Es dürfte auch ein wenig schneller gehen. Ich habe so eine große Sehnsucht nach einer Verbesserung, aber ich habe das Gefühl, dass man uns eine Karotte vor die Nase hält.
Salut 🎉
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Ich kenne diesen Menschen ja leider nicht!
Dennoch denke ich, daß „dieser Bauherr“ *insgeheim* tut, was du denkst!
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Hat dies auf Märchen von Wurzelimperium S1 SunShinE rebloggt und kommentierte:
Könnte auch bald bei uns und in vielen anderen EU Staaten so aussehen, die Einheimischen arbeiten für „Peanuts“ und (nicht nur fremdländische) Reiche nutzen das zu ihrem Vorteil
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Viele Fragen und Themen!
Ich frage mich: „Wie kommt Ludwig Erhardt in den fliegenden Koffer deines neuen Blog-Bildes ?“
Dies Frage scheint mir wichtiger als so viele andere…!
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2244 Uhu
Nö, tut er nicht.
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