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Eltern, Kind und Kinderstube – 67. von 144 – Die beiden Pole

Die Familie und ihr Äquator

Eckehardnyk

1

Du als Mutter oder du als Vater, ihr als Eltern werdet mit der selbstbestimmten Entscheidung manchmal in Not geraten. Was nämlich häufig vorkommt, ist Delegation, eine Abspaltung von elterlicher Macht. Als Mutter möchtest du auch mal frei nehmen und deinen Interessen, ohne über Kinder zu stolpern, nachgehen. Du überträgst deine mütterliche „Gewalt“ an den Vater deines Kindes. Und wie?! Er muß alles genauso machen, wie du es gern hättest. Du schreibst ihm auf und vor, was er zu tun und vor allem, was er zu lassen habe.

2

Solange du dann weg bist, spielt es für ihn keine Rolle, sich daran zu halten (oder auch nicht). Aber deine Kinder, die passen auf. „Mama hat aber gesagt, wir dürfen das (oder auch nicht)“. Ob „das“ jedesmal stimmt, ist noch die Frage. Es geht ums Prinzip, daß die Kinder von „abgespaltener Macht“ zu profitieren suchen. Man nennt das auch, die Eltern gegeneinander auszuspielen.

3

Bitte, das soll kein Vorwurf sein! Das kommt in allen Familien vor, die sich nicht „dialogisch“ orientiert haben. Was bedeutet das schon wieder? Könnten wir weitläufig erörtern und beim Licht anfangen, das sowohl Welle als auch Teilchen sein kann. Aber machen wir’s kurz und einfach: Dialog zwischen elterlichen Machtbereichen (also zwischen den Partnern) macht es unmöglich, daß Kinder sie gegeneinander ausspielen. (Siehe dazu auch die englische Zusammenfassung).

4

Die beiden, Frau und Mann, nehmen sich gegenseitig an als wären sie Nord- und Südpol einer sich drehenden Kugel oder – wie in 59. von 144 – als Lehrende und Lernende. Die beiden Pole kommen einander nie zu nahe aber ihre Sphären berühren sich am Äquator, wo alles in tropischer Hitze sich miteinander verschlingt und verwebt, was sonst Gegensätze bildet. Das heißt, „am Äquator“ treten beide Eltern gemeinsam auf, obwohl sich weiter südlich oder nördlich ihre Sphären natürlicherweise trennen. Als Naturbild: Im Norden ist der zunehmende Mond nach links geöffnet, im Süden nach rechts, und beides ist identisch, authentisch und richtig.

5

Im praktischen Leben bedeutet die korrekte Anerkennung dieses gewichtigen Unterschiedes einen großen Vorzug. Wenn Kinder beim Vater sind, dürfen und werden und müssen sie andere Dinge erfahren als bei der Mutter. Sie werden zum Beispiel länger aufbleiben (bis sie müde sind), andere Spiele machen, andere Veranstaltungen besuchen und andere Filme sehen als mit ihr, wo sie um halb Acht im Bett sein müssen. Sie werden sogar anders reden; denn haben nicht Familien heute vielfach zwei Umgangssprachen? Der Vater könnte Sizilianer sein und die Mutter Norddeutsche. Vom Vater lernen Kinder italienische Sprache und Statur, von der Mutter Deutsch und Frohnatur. (Das Original zu dieser Anspielung stammt aus einem Goethegedicht von 1827, Zahme Xenien VI, und begann: „Vom Vater hab ich die Statur, Des Lebens ernstes Führen. Vom Mütterchen die Frohnatur Und Lust zu fabulieren…“)

6

Dies oder das gibt eine interessante, reichhaltige Mischung. Kinder leben mit diesen Unterschiedlichkeiten viel lieber als mit dem Einheitsbrei von (vorgetäuschter?) Harmonie. Wesentlich dabei ist die Echtheit von Seelen, die in ihrer Verschiedenheit steckt und in der Zusammenkunft der Eltern in intimster Weise für aufregende Gefühle von Nähe und Wärme sorgt. – Das Vertrauen der Eltern zueinander erleichtert es den Kindern, sich immer wieder dem einen oder anderen Elternteil zu überlassen.

7

Ihr, der Eltern, eigener Dialog beflügelt auch ihren Nachwuchs, miteinander in den verschiedensten „Sprachen“ zu verkehren. Man verwendet die Lebensvielfalt in immer spannenderen Kombinationen, obgleich man sich im Grunde treu bleibt. – Denkt bitte daran, daß das Leben niemals Fehler macht. Es ist wie es ist. Bist du ein Leben für dich, dann liegst du schon richtig, und versuche unbefangen, deine Vollständigkeit auf allen Positionen zu erreichen. Das gelingt nicht immer auf Anhieb, aber gerade das spornt deine Kinder an, mit dir, mit euch, durch die Welt zu treiben und eines Tages auch ihr eigenes Spiel zu etablieren. – Spornt sie zur größtmöglichen Vielfalt an, die euch eure kulturelle Herkunft bietet. Palermo und Lübeck sind zwar entfernte Welten; doch werden sie zusammen wachsen und sich ergänzen, wo sie familiär es dürfen.

©️ (eah) 24. Dezember 1998 und 20. August 2020


Dazu die englische Zusammenfassung „Encounter Education“ 3/40:

°
What would be taken as a result of a splitting off of parental influence? Children would play one parent off against the other. That happens in all the families whose foundation is not based on dialogue. I don‘t reproach anybody for a mistake. That‘s life, and life doesn‘t commit errors. But that‘s another story. The priciple of dialogue bases on as well…as and not on either…or. Light happens as well as waves as particles: Nils Bohr‘s experiments lead him to this knwoledge.

°°
But I don‘t know whether or not Mr Bohr experienced anything about a real dialogue between a light‘s corpuscule and a light‘s wave. Maybe we find more about dialogue by Martin Buber who was the inventor of dialogue‘s philosophy. None the less parents turn it to a good account when they listen to Heinz Stefan Herzka who took the best advantage for education of the dialogue-system (Dialogik in Psychologie und Medizin, 1999, ISBN 3-7965-1051-5).
Dialogues (especially between parents) let it be reckoned in the differences not only between woman and man but also with the abysses between the social, religious or ethnical items of father and mother. These two are separate like the hemispheres of a globe which come in contrast whith each other only along the equator.

°°°
Applied to the contact with children that means: If children belong to the father they will learn from him the rules of getting together in an other way they learn them in the care of their mother. Parents must know who has in the very moment the child. This one acts, the other respects. Parents should see that none of them ruins their offspring (if he or she is not insane or a criminal), and tolerate the schedules, procedures, laws and rules of the partner. The children would live naturally among the spheres of this sort of colleague-parents. They learn from the beginning that playing off father against mother (or the opposite) is impossible or taboo. And if there are the spheres „ajar“ – a familiy conference, which should happen in not too wide distances, will render assistance to them who are not quite in the picture (that may be useful for grandparents or so, living in the neighbourhood or in the same house(hold)).
©
(eah) 28. März 2005 und 20. August 2020


1 Kommentar

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:
    kontrolle-kontrolle bedeutet für KIND/MENSCH nicht gut genug zu sein, raubt das SELBSTVERTRAUEN …
    LIEBE weist sich durch LOSLASSEN aus …
    luise
    loslassen ist nicht gleich ignoranz

    Liken

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