bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » AUTOREN » ADMIN THOM RAM » Zum 25. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten III

Zum 25. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten III

Eine wundersam dicht mit Lebensfragen und Lebensweisheiten verflochtene Autobiografie, real-phantastisch-real, stabil geerdet, frei schwingend, schwere und glückliche Zeiten, Sorgen und Freuden  mitschwemmend.

Thom Ram, 25.12.NZ7 (Neues Zeitalter Jahr sieben)

*****

*****

Die vorliegende Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten.

Der Traum, in den die Geschichte eingebettet ist, wurde tatsächlich während einer ganzen Nacht in einer Art Wachzustand geträumt.

Alle anderen Träume, Eingebungen und Visionen wurden ebenfalls erlebt und erfahren.

Die Zeitepoche, in die der Verfasser die Geschichte einpflanzte, soll eine gewisse Zeitlosigkeit darstellen.

Alle Geschehnisse wurden aus der Sicht des Erzählers geschildert und müssen nicht zwingend mit den Wahrnehmungen eventueller Beteiligter übereinstimmen.

Was den Glauben an das Göttliche und die Bezeichnung Gottes betrifft, wollte der Erzähler keine religiösen Begriffe und bekannte Vorstellungen verwenden.

Denn jedes abgenutzte Wort enthält unzählige Interpretationen in sich.

Die schöpfende Macht des Universums ist nach seinem Verständnis

das HÖCHSTE, existierende SEIN.

*****

Die Rückkehr

Von Jasper Hasenbach

„Steh auf Samu, mach schnell, wir müssen von hier verschwinden, bevor sie zurückkommen“, hörte er plötzlich seinen Bruder flüstern, der sich daran machte, Samuel von den Fesseln zu befreien.

Ganz benommen und verwirrt, wie aus dem Tiefschlaf erwachend stellte Samuel verwundert fest, dass er noch lebte.

„Wie kann das sein, dass wir noch Leben, du und ich sollten doch Tod sein, was ist geschehen“? fragte Samuel seinen Bruder.

„Sie liefen mit mir durch den Busch und plötzlich liessen sie mich frei und ich bin so schnell wie möglich zu dir zurückgelaufen“, antwortete ihm Jakob.

Schnell liefen sie zu ihrem Wagen, schirrten die Pferde vor und verschwanden so schnell sie konnten von der Lichtung.

Sie fuhren direkt zur nahegelegen Stadt und suchten sich ein Nachtquartier, aber niemand wollte ihnen Unterschlupf gewähren.

In einer Herberge fragten die beiden um ein Zimmer, aber der Wirt weigerte sich, ihnen eines zu geben.

„Wir sind Brüder, gib uns doch ein Zimmer“, bat Samuel den Wirt.

„Nein, Männer schlafen bei mir nicht auf dem gleichen Zimmer“, antwortete der Wirt bestimmt.

„Dann müssen wir uns also zuerst auf der Strasse zwei Huren holen. Gibst du uns dann ein Zimmer“? gab Samuel zynisch zurück.

„Klar, dann könnt ihr sogar zwei mieten“, schlug der Wirt mit einem anzüglichen Lächeln vor und unterstrich sein Angebot mit zwei Fingern, die er in die Luft streckte.

Angewidert machten die beiden kehrt und suchten sich ein einigermassen sicheres Plätzchen, wo sie in ihrem Wagen die Nacht verbringen konnten.

Aufgewühlt von ihren Erlebnissen und um Schlaf ringend, brachten sie die Nacht in der schwülen Hitze und von unzähligen Moskitos geplagt, hinter sich.

*****

Reflektionen

Der Überfall beschäftigte sie noch lange und jeder zog aus dem Erlebten seine eigenen Schlüsse.

Für Samuel war auch diese Erfahrung ein Schlüsselerlebnis.

Samuel hatte sich Jahre nach dem Überfall wieder einmal durch seine Unbeherrschtheit in eine ausweglose Situation gebracht.

Als die beiden Söldner, die er unwissentlich beleidigt hatte, voll Hass und Zorn auf ihn zukamen, wusste er augenblicklich, dass er gegen die beiden kampferprobten Männer keine Chance hatte.

„Beweg dich wie ein Schilfrohr im Wind“,

durchdrang eine Stimme Samuels Geist, als die Schläge auf ihn niedertrommelten. Samuel stand vor den beiden, er wehrte sich nicht und schützte sich nicht.

Jedes Mal wenn ihn ein Faustschlag traf, überliess er seinen Körper dem Schwung des Schlages. Es war, als würden die Schläge ins Leere treffen. Die zwei betrunkenen Söldner hörten augenblicklich mit dem Schlagen auf und verzogen sich.

Samuel lernte aus diesem Ereignis, dass es noch andere Wege gab, als gleiches mit gleichem zu vergelten. Den gewaltlosen Weg wollte Samuel gehen und lernen, seine Zunge zu hüten.

Das Höchste liess ihn am Leben, obschon ES wusste, dass Samuel seinen Lebenswandel von sich aus nicht so schnell ändern würde. Erst viele Jahre später fing Samuel an zu begreifen, wie wertvoll diese Erfahrungen für ihn waren.

Zwei Jahrzehnte später, als Samuel seine Erlebnisse endlich in Worten fassen und niederschreiben konnte, erwachte er eines Morgens und trug plötzlich die Frage in sich:

‚Warum habe ich eigentlich damals als ich dachte, ich spreche zum Höchsten mein letztes Gebet, die Worte gewählt: „Sorge für meine Frau und meine Tochter?“

Der Mensch sorgt sich doch ständig um alles, weil er das Gefühl hat, er sei allein und sich selbst überlassen.

Kann sich das Höchste den auch Sorgen machen? Oder berühren wir ES, indem wir IHM unsere Sorgen hingeben? Weil ES das Beste für seine Kinder will und ES möchte, dass wir glücklich sind?

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich das Höchste sorgen machen kann, weil ES alle Zusammenhänge kennt. Egal, wie die Menschen ihr Leben weben, ES weiss, wie sich ihre Geschichte zum Guten wenden lässt. Ich bin davon überzeugt, dass ES keines seiner Geschöpfe jemals aufgibt‘, sinnierte Samuel über das Geschehene nach.

Da erkannte er plötzlich, warum er noch lebte. Das Höchste wusste, dass seine Familie Samuel noch brauchte. Sein Herz wurde in der Stunde des Todes vom Höchsten berührt. Denn Samuel machte sich plötzlich nicht mehr Sorgen um sich selbst, sondern sorgte sich um seine Nächsten.

‚Hätte ich nur an mich gedacht, wäre ich jetzt vielleicht nicht mehr am Leben‘, dachte er verwundert.

Samuel hatte die Fürsorge des Höchsten schon so oft in seinem Leben erlebt und plötzlich kam ihm eine andere Begegnung mit IHM in den Sinn. Etwa sieben Jahre lag sie zurück:

Wieder einmal hatte sich Samuel in seinem selbstgewobenen Teppich verstrickt, als ihm dieser plötzlich, auf einen Schlag, unter den Füssen weggezogen wurde und er in eine bodenlose Finsternis abstürzte. Wie in einem nicht enden wollenden, freien Fall, fühlte er sich.

Samuel war an diesem Morgen, kurz vor dem Fall, unglaublich glücklich. Es fühlte sich so an, als ob er nach all den Jahren des Umherirrens endlich nach Hause zurückgefunden hätte. Endlich fühlte er sich glücklich und geborgen. Kaum hatte er diesen Gedanken in Worte gefasst und jemandem Vertrauten geäussert, vielen mit einem Schlag alle Illusionen in sich zusammen. Samuel wurde wieder einmal schmerzhaft bewusst, wie er sich, und dadurch auch seine Nächsten getäuscht hatte.

Verhöhnt und wie gekreuzigt fühlte er sich, sein ganzes Sein schmerzte. Er begriff plötzlich, wie sich sein Meister Jesus, den er so verehrte, gefühlt haben musste, als dieser verhöhnt und gekreuzigt wurde. Jesus wollte doch nur den Menschen liebend helfen und ihnen den Weg zurück zur Einheit mit dem Höchsten, unserem Vater zeigen. ‚Keine gute Tat, bleibt auf dieser Erde ungestraft‘, kam Samuel das bekannte Sprichwort in den Sinn.

‚Warum ist in dieser Welt Liebe und Hingabe an das Gute unerwünscht? Warum will sich niemand helfen lassen? Warum fühlen sich die Menschen schuldig, wenn ihnen geholfen wird? Warum können sie nicht begreifen, dass vom Helfer keine Gegenleistung verlangt wird? Warum darf man nicht einfach geben und lieben‘? schrie Samuel zum Höchsten mit blutendem Herzen.

Zu seinem Meister sagte Samuel: “Jesus, jetzt fühle ich mit, was du gefühlt hast, als wir dich ans Kreuz nagelten und dich verspotteten. Nichts ist schlimmer zu ertragen, als von seinen geliebten Brüdern und Schwestern missverstanden und verstossen zu werden“.

„Für das Gute und Wahrhafte, das du uns in Liebe gebracht hast, haben wir dich hingerichtet. Weil wir deine Gerechtigkeit nicht ertragen konnten. Weil wir uns vor dem Höchsten schuldig fühlen. Dabei wolltest du uns doch nur zum Hause unseres Vaters zurückführen, uns den Weg zeigen. Du hast doch nur getan was das Höchste dir in Liebe aufgetragen hatte! Es tut mir leid, dass ich es bis jetzt nicht erkannte!“ schloss Samuel seinen Dialog mit Jesus.

Tage später wandelte Samuel, noch immer wie umnebelt, mit seinem Bogen in der Hand durch sein geliebtes Waldstück, seinem Rückzugsort in glücklichen und schweren Zeiten. Sein ganzes Herz schüttete er vor dem Höchsten in einem langen Zwiegespräch aus und wünschte sich, ein Bote des Lichts würde plötzlich neben ihm stehen und ihm weiterhelfen.

Samuel schritt, ins Gespräch mit dem Höchsten vertieft auf eine kleine Waldlichtung zu, als plötzlich ein Sonnenstrahl die Lichtung erhellte und ein Hase vor seinen Füssen langsam auf ihn zu hoppelte und stehen blieb. Samuel fühlte sich vom Höchsten erhört und war dankbar für diese kurze Begegnung.

Als es langsam dunkel wurde, beschloss Samuel, sein Gespräch mit dem Höchsten abzuschliessen und schloss mit den Worten: „Danke Vater, für Dein zuhören, Amen“.

Kaum hatte Samuel das „Amen“ ausgesprochen, drang eine deutliche Stimme in seinen Geist und sprach:

„Seit ICH dich erschuf, liebe ICH dich, Samuel. Du bist MEIN geliebter Sohn“.

Als wollte das Höchste diese Worte unterstreichen, schritt in diesem Augenblick ein Fuchs einige Meter vor Samuel auf die Lichtung und überquerte sie majestätisch. Ergriffen über so viel Wohlwollen des Höchsten ihm gegenüber, machte sich Samuel nachdenklich auf den Heimweg. Plötzlich stand er vor drei Rehen, die ihn mit grossen Augen anschauten. „Danke Vater, für so viel Liebe und Verständnis“, flüsterte Samuel mit Tränen in den Augen und einem warmen Gefühl in seinem Herzen.

*****

Zurück

Als die beiden Brüder am Tag nach dem Überfall aufstanden, empfanden sie die Menschen und die Umgebung um sie herum als feindselig. Die Leute schauten sie stechend und abweisend an, alles schien erbärmlich. Und so beschlossen die beiden Brüder, sich langsam auf den Rückweg in die Heimat zu machen.

Nach der langen Trennung versuchten Irma und Samuel ihr Leben neu zu gestalten, gemeinsam den Weg zu finden und eine gemeinsame Aufgabe zu finden.

Nach einiger Zeit bekamen sie den Auftrag, auf dem schwarzen Kontinent mit ihren Fähigkeiten ärmeren Menschen zu helfen. Für einige Jahre waren sie dort, erfüllt von ihrer Aufgabe, bis es eines Tages Zeit war, wieder in ihre Heimat zurück zu kehren. Das Leben in der Savanne hatte sie beide tief geprägt und ihre Wertmassstäbe völlig verändert.

Zurück in der Heimat war es für die beiden schwierig, wieder heimisch zu werden. Irma hatte es einfacher als Samuel. Sie konnte ihr Schneiderhandwerk unterrichten und verdiente gutes Geld damit.

Samuel tat sich schwer mit der neuen Situation und es dauerte lange, bis er sich wieder einigermassen wohl fühlte.

In all den Jahren versuchte Samuel immer wieder, Irma zu erkennen und zu verstehen. Aber es gelang ihm nie und die Ausweglosigkeit aus seiner Situation übermannte ihn. Auf der Suche nach dem Glück verstrickte er sich immer wieder in den Wirren dieser Welt.

*****

Ersehnte Liebe und selbsterzeugtes Leid

Nicht, das Irma sich ihrem Manne nicht hingeben wollte, sie konnte es einfach nicht. Irgendetwas verbot es ihr. Jedes Mal, wenn Samuel das Tor ihres Herzens zu öffnen versuchte, versteinerte sich Irmas Blick. Es schien, als würde Samuel der Schlüssel fehlen, der ihm den Zugang zu ihrem Herzen ermöglichen könnte. Fast spürbar wurden die Mauern, die sie augenblicklich um sich errichtete.

Irma konnte in all den Jahren Samuel nie offenbaren, was sie in ihrem Herzen trug. Sie liebten einander auf einer bestimmten Ebene, aber beiden wurde in all den Jahren schmerzlich bewusst, dass sie nicht fähig waren, einander das zu geben was jeder so dringend brauchte.

Seelische Verbundenheit, Liebe und Verständnis aus tiefstem Herzen.

Da sich Irma in Geist und Seele ihrem Manne nicht öffnen konnte, konnte sie es auch körperlich nicht wirklich. Sich eine Zärtlichkeit bei Samuel zu holen, ihn einzuladen ihr beizuschlafen, dafür fand sie in all den Jahren nur selten den Mut.

Samuel fühlte sich deswegen oft schuldig, denn immer war er es, der um den Beischlaf bat. Einfach nehmen wollte er nicht, Irma musste auch einverstanden sein.

Unbewusst kam er zu der Überzeugung, niemand begehre ihn wirklich und so begann er mit den Jahren die Liebe und Zuneigung, die ihm zu fehlen schien, anderswo zu suchen.

Wenn Samuel einer Frau beiwohnte, ging es ihm nicht nur um die Befriedigung seiner Lust. Sein Herzenswunsch war, seinem Gegenüber so nah wie möglich zu kommen, es tief zu lieben und wenn möglich zu erkennen. Sich ganz ihr hinzu-geben, die Liebe und die Lust seiner Partnerin zu wecken und sie nach bestem Wissen zärtlich zu befriedigen.

Doch mit der Zeit fühlte er sich nach einer Liebschaft mit einer anderen Frau immer schuldiger, denn es wurde ihm bewusst, dass seine Handlungen unrecht waren, sich selbst gegenüber und der Frau mit der er schlief, gegenüber Irma und dem Höchsten.

Er gestand Irma immer wieder seine Fehltritte, bat sie um Vergebung und oft vergossen sie zusammen Tränen darüber. Warum sie in dieser Sackgasse gelandet waren, war für beide ein Rätsel.

Beiden wurde bewusst, dass jeder durch sein Handeln, welches ihm im Moment überlebenswichtig schien, dem anderen tiefste Verletzungen zufügte. Nie wollten sie sich gegenseitig Schmerzen zufügen. Ihre Hoffnung war vielmehr, gemeinsam Heil zu werden.

Mit der Zeit lernten Samuel und Irma aber, gemeinsam die körperlichen Gefühle zu geniessen und sich ihren tiefen Empfindungen hinzugeben.

Nach Jahren der Zurückgezogenheit erahnte Samuel nach und nach, was der Unterschied zwischen wahrer Liebe und Lust, die sich als Begierde äussert, sein könnte.

*****

Liebe gibt.

Lust nimmt.

Liebe ist eine Herzensangelegenheit.

Lust dient nur der Befriedigung der Sinne.

Wahre Liebe ist eine nie versiegende Quelle,

die ewig sprudelt.

Lust kann man nicht befriedigen, denn sie ist unersättlich.

*****

Was Samuel in all den Jahren begriff war, dass eine Beziehung nur dann funktionieren kann, wenn beide Partner auf allen drei Ebenen; Körper, Geist und Seele harmonieren und im Grund der Dinge, gleich empfinden.

‚Sie erkannten sich und wurden Eins, heisst es im Buch der alten Weisheiten. Aus zwei muss eins werden, das ist ein göttliches Prinzip, welches sich durch die ganze Schöpfung zieht. Wenn ich in einen Spiegel schaue und mich in meinem Spiegelbild nicht wiederkennen kann, wer bin ich dann‘? fragte sich Samuel.

‚Mein Gegenüber ist mein Spiegel. Es soll sich in mir wiederspiegeln können und ich in ihm. Denn nur so können wir uns erkennen‘.

Da wünschte sich Samuel mit brennender Sehnsucht im Herzen, dass er und Irma erkennen mögen, wer und was sie wirklich sind, ob sie tatsächlich Eins werden können und zueinander gehören.

Und die Seelen der Suchenden machten sich auf den Weg und näherten sich einander behutsam.

*****

Der Horizont weitet sich

Wie sich die See nach einem Sturm langsam wieder glättet, wurde auch das Leben Samuels mit den Jahren ruhiger. „Nicht zu heftig aufs Wasser schlagen, dann gibt’s nicht so grosse Wellen“, pflegte er zu sagen.

Samuel liebte die Verarbeitung von Eisen und Metallen, aber nach dem er von seinem Meister wegen einer Meinungsverschiedenheit aus der Werkstatt gejagt wurde, fand er lange keine Anstellung mehr. Aufs Eisen wollte er nicht mehr unbedingt zurück, aber was er sonst noch tun könnte, wusste er nicht.

Eines Tages sagte ihm sein Vater, er solle doch mal in der Gärtnerei der Anstalt für Tunichtgute und Taugenichtse vorbeischauen, die würden einen Gärtnergehilfen suchen.

Sein Vater war selber ein begabter Gärtner und hätte seinen Sohn gerne auch als einen solchen gesehen. Samuel sträubte sich normalerweise bei einem Vorschlag wie diesem mit Händen und Füssen. Aber da sein Geld langsam versiegte, gab er seinen Widerstand auf und folgte dem Rat seines Vaters. Prompt bekam er die Anstellung.

Samuel machte Anfangs die Arbeit mit den Pflanzen Angst, denn sie schienen ihm so zerbrechlich. Auch den Halbwüchsigen traute er zuerst nicht, denn es waren ja alles Verbrecher. Mit der Zeit verlor er aber sein Unbehagen.

Zu seiner Verwunderung begann er die Pflanzen zu lieben und zu bewundern. Jede einzelne seiner Anvertrauten behandelte er mit Liebe und Respekt.

Auch das Vertrauen der Jungs durfte er gewinnen. Denn er wollte jeden Einzelnen als Menschen und Bruder sehen. Wenn er einem seiner Sprösslinge tief in die Augen schaute, wünschte sich Samuel immer, dass er doch den Funken des Höchsten, den ES in jede Seele legte, erblicken möge. Nach einem langen Augenblick durfte Samuel sehr oft ein Funkeln in den Augen eines Jungen erkennen. Ab diesem Moment bildete sich jedes Mal ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis.

‚Das Aburteilen eines Menschen ist uns nicht gestattet, wir verurteilen uns dadurch nur selbst‘, war die Überzeugung, zu der Samuel in dieser Zeit kam.

Oft litt er selber an den Urteilen, die über seine Jungs gefällt wurden. Ihm wurde schmerzlich bewusst, dass er selbst in der Haut eines Verurteilten stecken könnte. Denn jeder Mensch macht sich schuldig in seinem Leben. Die meisten kommen einfach nur ungeschoren davon. Nicht angeklagt zu werden, heisst noch lange nicht, dass man sich nicht schuldig gemacht hat.

Samuel wusste, der Wandel des Lebens zwischen Gerechtigkeit und Unrecht, gleicht dem Balanceakt über eine Rasierklinge. Nur derjenige, der reinen Herzens ist, kann eine solche Herausforderung meistern.

Samuel begann, sich und allen Menschen die er kannte zu vergeben, sogar dem Höchsten vergab er. Eigentlich begriff er nicht, was das Wort Vergeben aussagen sollte. Denn das Wort Vergeben hatte so viele verschiedene Bedeutungen. Viele Jahre lang forschte er nach und kam zum Schluss, dass er lieber das Wort verzeihen benutzte. Zeihen bedeutet beschuldigen und verzeihen, jemanden von seiner Schuld zu befreien.

‚Vergeben konnte man eine Mahlzeit vergebens geben, wenn aber die letzte Mahlzeit vergeben war, wartete der Bettler in der Schlange vergebens darauf, satt zu werden‘, war ein Wortspiel von ihm.

‚Mit dem Ur-Teilen hat doch alles begonnen, das war der eigentliche Fall aus der Einheit mit dem Höchsten‘, dachte Samuel eines Tages.

‚Der Schöpfer schuf im Ursprung alles in Einheit und wir begannen irgendwann alles in zwei oder mehr zu teilen. Dazu benötigten wir Gefässe, in die man alles verstauen konnte. Was wir als gut befanden, kam auf die rechte Seite und was schlecht war, wurde links liegen gelassen. Dabei harmoniert doch alles Erschaffene im Universum in Einheit. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Wir sollten das mal mit dem Tag und der Nacht probieren. Rechts kommen die Tage, links die Nächte und dann schauen wir mal, was dabei raus kommt‘.

Samuel war davon überzeugt, dass wir Menschen nicht fähig sind, ein Urteil über irgendetwas zu fällen. Weil sich die verwobenen Zusammenhänge der Existenz unserer beschränkten Wahrnehmung entziehen.

Seine Erfahrungen im Leben zeigten ihm aber, dass das Höchste einem Menschen, der die Wahrheit über eine Situation wirklich erkennen möchte, diese mit SEINEM Blick auch zeigen kann.

Samuel hatte einmal das Glück, dies selber erfahren zu dürfen. Das Höchste zeigte ihm, wie es dazu kam, das ein geliebter Mensch zu dem wurde, was er war.

Als Samuel ein Teil der Geschehnisse in einem lebensechten Film gezeigt bekam, konnte er kein Urteil mehr über diesen Menschen fällen. Ein tiefes Verständnis, Mitgefühl und eine unglaubliche Liebe wurden ihm zuteil.

Da Begriff Samuel, warum alle Lebenswege im Buch des Lebens niedergeschrieben werden.

Damit das Handeln jedes Menschen von allen verstanden werden kann.

‚Des Höchsten Willen ist es, das jeder Mensch glücklich ist und erkennt, wer er wirklich ist und wie er von IHM erdacht wurde‘, war Samuels tiefste Überzeugung.

‚Aber was hindert uns daran, dies zu erkennen und mit Freuden anzunehmen? ‘, fragte er sich oft.

Samuel stellte fest, dass er sich immer noch vor IHM fürchtete und ihm nicht ganz vertraute. Obschon er so viele unglaubliche, direkte Begegnungen mit IHM hatte, glaubte er noch immer, er könnte durch die Maschen der Gnade fallen und verstossen werden. Als ob das Höchste ein Interesse daran hätte, eines Seiner Kinder zu verstossen.

Eines Nachts träumte Samuel seinen Tod und schaute sich selbst beim Sterben zu. Er sass auf einem Stuhl, sein Rücken war gekrümmt und ihm wurde gewahr, dass er gleich seinen letzten Atemzug tun wird. Bei vollem Bewusstsein sog er noch einmal Luft in seine Lungen und atmete sie in einer tiefen Seligkeit wieder langsam aus. Keine Spur von Angst war in ihm vorhanden, nur vollkommener Frieden. Seine Lungen leerten sich vollständig und fielen mit einem leisen „Plop“, in sich zusammen. Das Pochen in seinen Adern wurde schwächer und hörte plötzlich auf. Samuel war nicht mehr unter den Lebenden.

Nach dem Nichts hörte er auf einmal eine Stimme, die deutlich zu ihm sagte:

“Verzeih bitte, aber dies war notwendig, denn dein Herz musste Neu eingesetzt werden“.

Wie neugeboren wachte Samuel an diesem Morgen auf. Alle Sorgen, die er sich tags zuvor gemacht hatte, waren wie weggeblasen. Samuel ist sich sicher, dass er für einige Augenblicke nicht mehr war.

„Wie viele Bezeugungen Deiner Liebe brauche ich denn noch, bis ich mich Dir endlich ganz hingebe, lieber Vater“,

sprach er in seinem Herzen.

„Ich weiss tief in meinem Innern, dass Du mich täglich mit dem nötigen versorgst, also will ich Dir ganz vertrauen. Auch alle Herzensangelegenheiten will ich Dir anvertrauen und mich Deiner Führung unterstellen.

Denn nur Dein Wille soll geschehen und nur Du kannst mich zu Dir zurückführen“.

*****

Der Regenbogen und der Bogenbauer

Zu dieser Zeit trafen sich Samuel und sein Bruder Jakob regelmässig bei ihrem Waldstück, um ihre Pfeile fliegen zu lassen. Sie liebten es, dem Flug des Pfeils mit ihren Blicken zu folgen. Gerade so als würde man den Flug eines Vogels beobachten. Im Wald schossen sie auf abgestorbene Wurzelstöcke und wenn sie geschickt trafen, freuten sich beide darüber.

Manchmal trafen sie nicht und der Pfeil flog ins Laub oder hohe Gras. Durch das Suchen lernten sie die Kunst des Findens. Stundenlang suchten sie manchmal ihre Pfeile und oft mussten sie die Suche ergebnislos abbrechen. Dadurch lernten sie den schwierigen Prozess, das Gesuchte loszulassen.

Sie lernten, was Loslassen bedeutet: etwas so sein zu lassen wie es ist und es als richtig zu erachten, wie es ist. Frust, Trauer und Verlustgefühle, selbst die Hoffnung und der Wille den Pfeil zu finden verhinderten sein Auffinden, stellten sie bald fest. Aber wenn sie quasi den verlorenen Pfeil vergessen hatten, lag er vor ihren Füssen. Samuel versuchte das Wissen in eine Technik zu verwandeln, aber es gelang ihm nicht. Denn nichts lässt sich erzwingen, stellte er fest.

Während ihren Waldläufen unterhielten sich die beiden Brüder angeregt. Das Bogenschiessen war wichtig, aber das gemeinsame Austauschen von Erkenntnissen und das miteinander Teilen der Sorgen, die jeden beschäftigten, war ihnen noch wertvoller. Oft begab es sich, dass sie auf den Grund eines Problems vorstossen konnten und jeder erfüllt mit neuen Erkenntnissen zurück nach Hause kehrte. Manchmal rissen sie sich gegenseitig alte Wunden auf, damit sie heilen konnten. Beide waren auf dem Weg zurück zum Licht und wollten miteinander weiter zur Wahrheit vordringen. Es war eine sehr wichtige und intensive Zeit für Samuel, denn damals begann er sich definitiv zu fragen, was der Sinn des Lebens sei und für was er eigentlich auf der Erde ist.

Eines Tages, als sich Samuel seinem Bruder öffnete und gestand, dass er eigentlich nicht wisse mit welcher Tätigkeit er sich auf dieser Welt noch beschäftigen solle, antwortete ihm Jakob:

“Warum baust du eigentlich nicht selber Bögen? Du liebst das Bogenschiessen über alles, bastelst an deinen gekauften Bögen rum, da kannst du auch geradesogut deine Eigenen bauen“.

Samuel lächelte und dachte, das könne er sowieso nicht und das sei sicher viel zu schwierig. Doch in seinem Herzen keimte der Wunsch, es doch zu versuchen.

An einem Samstagmorgen als Samuel aufwachte und die Augen aufschlug, war die Gewissheit da: ‚Jetzt baue ich mir meinen eigenen Bogen‘!

Voller Freude und Elan versuchte er mit dem bereits vorhandenen Wissen und den Materialien, die er zur Hand hatte, seinen ersten Bogen zu bauen.

Samuel begann während der Zeit als Gärtner mit dem Bogenbauen. Eigentlich wollte er zuerst nur herausfinden, wie so ein Bogen hergestellt werden musste. Die ersten fünf Bögen misslangen ihm. Aber beim Sechsten hatte er seinen ersten Erfolg. Aus Freude darüber, schenkte er den Bogen seinem Bruder.

Da begann er die ersten Grundregeln des Bogenbaus zu begreifen. Von da an erfüllte ihn diese Tätigkeit mit immer mehr Freude. Mit jedem Bogen den er erbaute, wuchs die Begeisterung und Freude an seiner Arbeit. Neue Türen des Wissens öffneten sich ihm und er lernte ständig dazu. Mit der Zeit hatte er seinen eigenen Stil entwickelt und sein Ziel war, dass jeder Bogen zu einem einmaligen Kleinod wurde.

Langsam aber stetig baute er sein Atelier auf und schuf sich dadurch einen Rückzugsort. In seine Handarbeit vertieft, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Über das Leben, seine Vergangenheit, sich selbst und über das Höchste Sein. Hier begann sein eigentlicher Weg der Erkenntnis. Durch viele finstere Täler, aber auch über lichte Höhen, wanderte er in dieser Zeit. Er begann, langsam die Wahrheit zu erahnen. In den Pausen las er alle Bücher der Weisheit und Wahrheit, die ihm in die Hände kamen. Er begann, sein Leben zu entschleunigen und lernte Schritt um Schritt, das anzunehmen was ist.

Der Bau eines Bogens war für seine Wesensart die perfekte Herausforderung, denn er wurde dadurch auf allen Ebenen geprüft. Jeder Bogen verlangte seine gesamte Aufmerksamkeit und Hingabe, sein komplettes handwerkliche Wissen und Können, seine ganze Liebe und Sorgfalt. Denn am Schluss des Herstellungsprozesses musste er ihn auf Biegen und Brechen prüfen. Jetzt zeigte sich die Art und Qualität seiner Arbeit. Durch Erfolg wie Misserfolg erkannte er, dass er allein die Verantwortung für seine Werke trägt.

Die Verantwortung für seine Bögen erweiterte sich, als er die ersten Exemplare verkaufen konnte. Für ihn war der Bogen Anfangs nur ein Gerät, mit dem man am Schiessen Spass haben konnte. Klar wurde er auch zum Jagen und Kriegen gebraucht. Aber der Gedanke, dass seine Bögen missbraucht werden könnten, machte ihm Angst. Denn er baute keine Tötungsgeräte, sondern Werkzeuge zur Steigerung der Konzentration. Er wünschte sich, dass durch das Schiessen seiner Bögen die Menschen zur Ruhe kommen und dadurch einen Weg finden könnten, die Wahrheit zu erkennen.

So begann er zu überlegen, was den eigentlich der ursprüngliche Sinn des Bogens war.

Eines Tages erblickte Samuel nach einem gewaltigen Gewitter, am Horizont einen ungewöhnlich schönen Regenbogen. Wie auf zwei gewaltigen Säulen stehend, wölbte sich der Bogen in seiner ganzen Farbenpracht übers Firmament. Plötzlich realisierte er, dass sich über dem Regenbogen noch ein zweiter entfaltete. Fasziniert und gebannt betrachtete er das Naturschauspiel eines Regenbogenbogens.

Da erinnerte er sich an den Sinn und die Symbolkraft des Bogens. In den alten, weisen Schriften war die Geschichte niedergeschrieben:

Nachdem sich die Menschheit vollends von IHM abgewandt und ihre ursprüngliche Herkunft gänzlich vergessen hatte, beschloss das Höchste, der Natur zu erlauben, die Menschen und ihre Werke in einer Sintflut zu vernichten.

Einzig Noah war reinen Herzens und hatte nicht vergessen, von wo er kam, wer er war und was das Höchste ist. Noah und seine Familie verschonte ES und gab ihnen den Auftrag, eine Arche zu bauen. Von jedem Tier sollen sie ein Paar in die Arche führen, um sie vor den Fluten zu retten. Nachdem alle Tiere und Noahs Familie in der Arche waren, verschloss das Höchste die Tür und liess der Natur ihren Lauf.

Eine gewaltige Flut reinigte die Erde von den Menschen und ihren Werken und vernichtete alles, was nicht vom Höchsten erdacht war. Nach vierzig Tagen beruhigte sich alles.

Ein neues Zeitalter hatte begonnen. Als Noah, seine Familie und alle Tiere die Arche verlassen konnten, spannte das Höchste zur Begrüssung einen riesigen Regenbogen über das Firmament.

ES setzte ein ewiges Symbol seiner Liebe, damit sie Seine Absicht nie mehr vergassen. Denn Sein Wille war es seit Anbeginn der Zeit, dass die Menschen mit der Schöpfung in Einheit und Frieden leben und sich gegenseitig Lieben und Achten. Denn ES schuf die Erde für den Menschen und den Menschen für die Erde.

ES versprach, nicht mehr mit Gewalt in die Schöpfung einzugreifen. Und Es wünschte sich, dass der Mensch es IHM gleichtun würde.

Die Menschen vergassen und begannen von neuem, die Schöpfung zu entzweien und trieben es noch ärger als ihre Vorfahren vor der Sintflut.

Da wusste Samuel, wozu seine Bogen dienen sollen. Sie sollten zu einem Werkzeug der Besinnung und Rückgesinnung werden.

„Der Mensch soll lernen, sich auf das Wesentliche und Wichtige zu konzentrieren. Denn wer ein vorgefasstes Ziel treffen will, muss lernen, sein ganzes Wesen und Sein auf dieses zu zentrieren. Wenn er in sich nicht zur Ruhe kommt, wird er das Ziel verfehlen.

Meine Bögen sollen als Hilfsmittel dienen, damit alle, die gewillt sind, zurück in die Einheit zu Allem gelangen können“, sprach Samuel in seinem Herzen.

Von jetzt an nannte er seine Werke zuversichtlich Regen-bogenbögen.

*****

Die Macht der Einheit

Samuel fragte sich oft, warum es so wenige, glückliche Menschen auf der Welt gab.

‚Wer hat eigentlich Interesse an all dem Leid, dem Unglück und Elend auf dieser Erde? War das wirklich der Wille des Höchsten, als ES dieses Universum schuf? Sollte es denn nicht möglich sein, einen Weg der Einheit und des Friedens zu finden‘?

Einheit und Frieden. Die zwei Wörter kreisten lange in Samuels Kopf und irgendwann wurde ihm klar:

Frieden ist nur möglich, wenn Einheit herrscht. Einheit ist nur möglich, wenn Frieden herrscht.

‚So simpel ist die Antwort‘, dachte Samuel.

Er kannte einige Gesetze des Universums und wusste, dass alles auf Wechselwirkung basiert. Das Eine kann nicht ohne das Andere existieren. Energie kann nicht vernichtet werden, nur ihre Form kann sich wandeln. Alles Erschaffene ist wie in eine Kugel eingeschlossen und nichts geht jemals verloren. Das Höchste erdachte sich alles in Einheit und Frieden, dessen war sich Samuel sicher.

Aber die geschaffenen Dinge entzweien, zerbrechen, auseinanderbringen und vermischen, das konnte man, wenn man wollte.

‚Da ist der heutige Mensch sehr stolz drauf, dass er das fertigbringt. Man nennt das sehr treffend Fortschritt‘, dachte Samuel traurig in seinem Herzen.

‚Ja, wir schreiten wirklich immer weiter fort von der Quelle und verlieren uns selbst in unseren elenden Verstrickungen‘.

Wieder tauchte die gleiche Frage in seinem Geist auf. Wer hat Interesse daran, dass Unfrieden und Zerwürfnis in dieser Welt herrschen? Welche Mächte kämpfen da um die Wette?

Diese Gedanken beschäftigten Samuel über Dekaden hinweg immer wieder. Er forschte in allen ihm bekannten Religionen und versuchte, in jeder die Essenz der Wahrheit zu finden und diese in sich aufzunehmen. Er fand immer nur Bruchteile der Wahrheit, aber die Zusammenhänge blieben ihm verschlossen.

Bis ihm eines Tages die weisen Schriften Anastasias aus heiterem Himmel in die Hände fielen.

Eines Nachmittags auf dem Jahrmarkt stand Samuel vor dem Zelt eines Heilers. Obschon er normalerweise Schamanen und Heiler gegenüber skeptisch war, kamen die beiden sofort ins Gespräch. Eine tiefe Verbundenheit entfaltete sich fast augenblicklich.

Sie sprachen über die ewigen Weisheiten und über den traurigen Zustand von Mutter Erde. Der eine verstand sofort, von was der andere sprach und bald wussten sie, sie waren Brüder im Geist.

Da drückte der Schamane Samuel die Schriften Anastasias in die Hände und sprach: „studiere sie und du wirst die Zusammenhänge verstehen“.

Samuel bedankte sich erfreut und alsbald umarmten sie sich zum Abschied herzlich.

Samuel begann die Schriften zu studieren. Bald kam er zur Einsicht, dass die Worte der Wahrheit entsprachen. Wenn er las, wurde er in seinem tiefsten Innern von den Worten berührt und von einem wohligen Gefühl umgeben. Der Wunsch, die Worte in seinem Leben umzusetzen wuchs in ihm.

In Anastasias Schriften wurde genau beschrieben, wie die Schöpfung geschah und warum der Mensch erschaffen wurde. Über den Sinn des Daseins, was des Menschen Aufgabe ist und wie er diese erfüllen konnte.

Samuel wurde bewusst, wie komplex das ganze Gebilde der Schöpfung ist. Es in einfache Worte zu fassen, schien ihm sehr schwierig. Dennoch versuchte er, die Geschichte in eigenen Worten niederzuschreiben.

*****

Die Schöpfung

Am Ur-Anfang, vor der Entstehung des Universums, als alles noch dunkel war, erfüllten kosmische Energiewesen den Raum, welcher das Nichts ist.

Es gab lichte Energien die positives erschufen und Negative finstere, die zerstörten.

Da beschloss ein hohes, lichtes Energiewesen unter ihnen, den ewigen Kreislauf zu erschaffen.

Es lud die anderen ein, mit ihm zusammen das Universum zu erschaffen.

Die positiven, erschaffenden Wesen folgten der Einladung und vereinten sich mit ihm zu EINEM lichten Wesen, dem HÖCHSTEN. Auch der Geist der Liebe schloss sich dem Höchsten an und half Ihm bei der Schöpfung.

Aber die negativen, zerstörenden Energien lehnten das Angebot ab.

So begannen das HÖCHSTE SEIN und die LIEBE die unendliche kosmische Energie zu verdichten und formten sie zu Gedanken.

Die Energie der Gedanken verdichteten Sie zu Worten und diese verdichteten sich zu Bildern.

Und die Energie der Bilder verdichtete sich zur Materie.

So entstanden aus Gedanken Worte und bildeten sich zu Einem Vers, bis sich alles Erdachte Manifestiert hatte.

Nach Samuels Verständnis dauert der Schöpfungsprozess unendlich.

Erst als das Höchste mit der Liebe begann, die Planeten in einem harmonischen Rhythmus zueinander abzustimmen, kam das ganze Universum in Schwingung und die Dimension der Zeit wurde dadurch erschaffen.

Jeden Planeten liessen Sie um sich selbst und gleichzeitig um einen leuchtenden Fixstern drehen.

Sie platzierten mehrere Planeten um diese energiegeladene Sonne und bildeten so das erste Sonnensystem. Das Ganze liessen Sie spiralförmig um sich selbst drehen.

Dann führten Sie viele Sonnensysteme zueinander und liessen sie in einer Spirale um eine schwarze Sonne, das Nichts drehen. Das ganze nannten Sie Galaxie und liessen das System sich wiederum um sich selbst drehen.

Alles unterordneten Sie dem Rhythmus, welcher die Zeit bestimmt:

  • Eine Umdrehung der Galaxie wurde zu einem Zeitalter oder Äon.

  • Eine Drehung des Sonnensystems um sich selbst wurde zu einem Zodiakus.

  • Aus zwölf spiralförmigen Umdrehungen des Sonnensystems ergab sich eine Umdrehung der Galaxie.

  • Dann wählten das Schöpfende und die Liebe den Planeten aus, der für Ihr Vorhaben den optimalsten Abstand und Winkel zur Sonne hatte und nannten den Planeten Erde.

  • Aus einer Umdrehung der Erde ergaben sich Tag und Nacht.

  • Eine Umkreisung der Erde um die Sonne wurde zum Jahr.

  • Um die Erde liessen Sie einen Trabant, den Mond kreisen.

  • Eine Umkreisung des Mondes um die Erde wurde zum Monat.

  • Und zwölf Vollmonde ergaben ein Jahr.

Als die Schöpfer feststellten, dass ihre erste Galaxie funktionierte, begannen sie, das ganze Universum mit Planeten,- Sonnen- und Sternensystemen zu füllen, so dass sich das ganze Weltall erhellte und es überall funkelte.

Als das Schöpfende und die Liebe begannen, die einzelnen Elemente, die Pflanzenwelt und alles Lebendige zu erschaffen, wendeten Sie die gleichen Gesetze an. Jede einzelne Schöpfung und Kreatur erschufen Sie in absoluter Harmonie. Alles war von Allem abhängig und mit Allem verbunden und verwoben.

Alles war hoch komplex und doch einfach ausgedacht, sodass das kleinste Teilchen auch dem Grössten glich. Was im Kleinen ist, ist auch im Grossen. Was im Innen ist, findet sich auch im Aussen. Von der Erbgutspirale bis zur entferntesten Galaxie wurde alles dem gleichen Rhythmus unterstellt.

Damit sich das Universum in einem ewigen Kreislauf bewegen und im Gleichgewicht bleiben konnte, unterstellten Sie Alles den Gesetzen des Stoffwechsels, der Gegensätze und der Reproduktion. Flüssig und Fest, Hart und Weich, Tag und Nacht, Sommer und Winter, Trocken und Nass, Heiss und Kalt, Hell und Dunkel, Keimen und Verwesen, Wachsen und Absterben, Gebären und Sterben.

Alles sich reproduzierbare gliederten Sie in verschiedene Arten und Gattungen. Sie erschufen von allem einen männlichen und einen weiblichen Teil. Vereinten sich beide, entsprang aus ihnen ein ihnen gleiches Wesen. Durch die Komplexität der Schöpfung ergab sich zwar ein gleiches, aber in sich individuelles Geschöpf. So wird aus allem, je sich erschaffende, ein einmaliges Individuum.

Als das Höchste und die Liebe alle Gedanken in Materie umgesetzt hatten und die Erde mit all ihren Pflanzen und Kreaturen einem paradiesischen Garten glich, sahen Sie, wie gut alles geworden ist.

Da beschloss das Höchste, Sich selbst zu verkörpern. Doch ES hatte bereits zu viel Seiner Energie in Seine Schöpfungen investiert.

Da endschieden sich das Höchste und die Liebe, noch ein Wesen zu kreieren.

All seine übriggebliebene Energie legte ES in Seine vollkommenste aller Schöpfung. Nichts sollte dieses Wesen an Schönheit, Weisheit und Fähigkeiten übertreffen. ES erschuf das Wesen so, wie ES sich selbst verkörpert hätte und legte Seine WEISHEIT und Sein SEIN in dessen Seele.

Da das Höchste wollte, dass der Mensch wie ES, selbstständig Handeln und Seinen Schöpfergeist einsetzen konnte, stattete ES ihn mit Seinem FREIEN WILLEN aus.

Da erkannte die Liebe, dass dem Menschen noch etwas fehlte. Das Höchste und sie hatten alles zusammen erschaffen. Der Mensch sollte Ihr gemeinsames Werk vervollständigen und weiterführen. Dazu braucht er neben der Weisheit und dem Willen noch die Liebe.

So beschloss die Liebe, Ihr Wesen in den Geist des Menschen auszugiessen.

Die Liebe schuf so eine ewige Verbindung zwischen dem Höchsten Sein und dem Menschen.

Da erkannten die Erschaffenden, dass Ihre Schöpfung gut war. Sie nannten den Menschen Adam und erweckten in ihm das ewige Leben.

Das Höchste und die Liebe bestaunten Ihr Werk und wussten, alles war so wie es sein soll.

*****

Und sie erkannten sich

Adam nahm Alles wahr, was das Schöpfende kreiert hatte. Er bewunderte und studierte jedes Ding, jede Pflanze und jedes Geschöpf und gab allem einen Namen. Zu allem baute er dadurch eine Beziehung auf. Das ganze Universum war Adam freundlich gesinnt und es kam ihm so vor, als würde alles nur wegen ihm existieren. Jedes Tier war ihm zugetan und erfreute sich seiner Liebe und Aufmerksamkeit. Auch die Pflanzen und Bäume liebkoste Adam und sie beschenkten ihn freudig mit ihren besten Früchten und schönsten Blüten. So verging viel Zeit, bis Adam seine erste Aufgabe erledigt hatte.

Da bemerkte Adam eines Tages, dass er sich nicht vollständig fühlte, irgendetwas fehlte ihm. Während er die Schöpfung erforschte und allem einen Namen gab, erkannte er, dass jedes Geschöpf ein Gegenüber hatte. Zu einem männlichen Geschöpf hatten die Schöpfer ein gleiches, weibliches gesellt.

Adam suchte überall auf der Erde, aber er fand sein Gegenüber nicht. Da resignierte er, legte sich nieder und schlief an einem Bach im Schatten ein.

Das Höchste und die Liebe erkannten die Not Adams und beschlossen, ihm auch ein Gegenüber zu schaffen.

Als Adam nach langem Schlafen erwachte, sah er ein ähnliches Wesen, wie er selbst eines war, am anderen Ufer sitzen. Sie sahen einander an, aber Adam erkannte es nicht.

Adam legte sich wieder nieder und sagte zu sich selbst. „Was soll ich mit einem Geschöpf anfangen, das mir zwar gleicht, aber nicht ist, was ich bin“? und schlief wieder traurig ein.

Da nahm das Schöpfende das Wesen, das ES für Adam erschaffen hatte, wieder von der Erde und begann aus Adam selbst ein zweites Wesen zu erschaffen, eines, das wie er war.

Adam erwachte und erblickte neben sich das schönste Wesen, das er jemals gesehen hatte. Er sah der atemberaubenden Frau in die Augen und sein Herz wurde von einer tiefen Liebe und Zuneigung erfüllt. Er erkannte sich selbst in ihr und sprach zu der Frau.

„Du bist, was ich bin und ich bin, was du bist. Ich will dich Eva nennen, denn du bist die zweite Hälfte meines Selbst. Zusammen sind wir ganz. Mit dir vereint, kann ich endlich einen Garten der Liebe und des Lebens anlegen.“

Eva sah ihn liebevoll an und antwortete Adam: „Ja, das ist auch mein Wunsch. Ich will dich mit meinem ganzen Sein unterstützen.“

Adam nahm Eva bei der Hand und zeigte ihr die ganze Schöpfung. Er nannte alles bei den Namen, die er jedem Ding gegeben hatte. Zusammen machten sie sich auf die Suche nach dem Ort, wo sie ihren gemeinsamen Garten anlegen wollten.

Auf der Lichtung nahe des klaren Baches, wo sie sich das erste Mal in die Augen sahen, fühlten sie sich am heimischsten und beschlossen, hier ihren Garten anzulegen. Die beiden nahmen sich viel Zeit bei der Planung. Sie schritten das Grundstück ab und markierten die Grenzen mit Zweigen. Rings um ihren Garten wollten sie einen lebendigen Zaun aus Bäumen und Sträuchern anlegen. Sie entschieden sich, wo sie den kleinen Wald, ihre ausgewählten Fruchtbäume, Sträucher, das Gemüse und die Blumen anlegen wollten. Als sie wussten, wo alles seinen Platz finden sollte, suchten sie ihren Lieblingsbaum aus.

Diesen Baum wollten sie als erstes gemeinsam in der Mitte ihres Gartens pflanzen. Behutsam gruben sie den jungen Setzling aus der Erde und trugen ihn zur ausgewählten Stelle.

„Dieser soll unser Baum des Lebens sein. Er soll uns und unsere Nachkommen daran erinnern, von wem wir kommen und warum wir hier sind. Er soll Zeuge unserer Liebe zu Allem sein. Und Zeuge unserer Liebe, denn ohne dich Eva, bin ich nur ein halbes Wesen“, sagte Adam ergriffen zu Eva, als sie zusammen den Setzling behutsam in die Erde betteten.

Eva beugte sich zu ihm und küsste ihn.

Nahe dem Baum hatte Adam eine Laubhütte errichtet, die ihnen Schatten und Trockenheit bescherte. Er nahm Eva bei der Hand und führte sie in die Laube. Ergriffen schauten sie einander in die Augen und beide wurden von einer tiefen Zuneigung beseelt.

In beiden keimte plötzlich der Wunsch, gemeinsam ein Wesen nach ihrem Bilde zu erschaffen. Da überwältigte sie die Liebe in gewaltigen Wogen.

Und so erkannten sich Adam und Eva und wurden Eins.

*****

Schluss folgt

.

Zum 23. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten I

Zum 24. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten II

Zum 25. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten III

Zum 26. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten IV

.

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: