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9. von 144 / Was wünschen vermag.

Es ist mir ein Vergnügen, Auszüge aus der Schrift Eckehards veröffentlichen zu dürfen.

Sie erscheinen in loser Folge.

Thom Ram, 10.10.7

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Märchenzeit, Wunderzeit, Kinderzeit. Aber warum?

Von Eckehard.

Was Wünschen ist, haben Märchen und ihre wichtigsten Konsumenten längst begriffen. Der häufige Anfang: „In der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, lebte einmal …“ wird unhinterfragt hingenommen. Ist da etwa eine graue Vorzeit im Spiel, die man nicht mehr ändern kann?

Läßt man Kinder aufschreiben, was sie für Wünsche hegen, dann dämmert einem, daß die Zeit, „wo das Wünschen noch geholfen hat“, mitten unter ihnen ist. Sie wünschen, daß ihr bester Freund zum Geburtstag kommt, daß der Wellensittich wieder lebt, ein Fußballstar wie Maradona zu sein, fliegen zu können, den Weltfrieden oder die Sprache der Tiere zu verstehen. Ein Kind wollte gern selbst ein Hamster sein. „Warum“, fragte ich, „in Hamster?“ – Der sei klein und flink und könne „an der Couch hochklettern“.

Wir wissen schon aus dem Kapitänsbeispiel: Ein Kind ist, was es spielt; und können nun noch weiter gehen: Ein Kind ist bereits, was es sich wünscht.

Fragt man sie weiter, was sie schon gut können, geben sie ähnliche Antworten: Fußballspielen, Klettern, Träumen, Denken, Essen, Rennen, Lachen. Was sie sich wünschen, das glauben sie irgendwie auch schon zu können. Glauben ist in diesem Fall Wissen. Was gibt ihnen diese Gewißheit?

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Die Brücke zwischen Wünschen und Können ist das Sein. Ohne Sein gibt es kein Werden. Ein Kind kann nicht etwas wünschen, was es nicht schon ist. Ein Eichbaum kann nicht aus einer Eichel wachsen, wenn diese nicht schon die ganze Eiche ist. Nur fragen wir uns: in welchem Zustand? Dann wird sich herausstellen: im Zustand des Verpupptseins. Ein Schmetterling entpuppt sich aus einer Raupe. In der Raupe ist die Information für einen schönen Falter. Die Verwandlung geschieht in der Ruhezeit, in der Puppe. So ist es mit den Wünschen, die im Sein des Menschen ruhen. Sie verpuppen sich und kommen dann später als Können im späteren Leben zum Vorschein.

Warum helfen Wünsche? Sie sind das in Zeit gefaßte Glück. Ein Kind geht auf seinen Wünschen, weil diese der Weg zum Glück sind. Wünsche haben, heißt schon glücklich sein. Deshalb werden Sie kaum ein Kind treffen, das für sich allein „Glück“ wünscht. Grund dafür ist der Realitätssinn von Kindern. Sie spüren, daß Wünsche ihr Glück in der Zeit verankern. Glück allein ist zeitlos. Sich Glück wünschen und keine konkreten Wünsche haben, ist ein Paradox, das nur abstrakt denkende Erwachsene fertig bringen. Erwachsene können Dinge ausdenken, die nicht funktionieren. Manche Kinder sind in der Hinsicht viel zu früh „erwachsen“ oder besser gesagt von Erwachsenen „verdorben“ durch ständig abgeblockte Neugierde.

Wir Herangewachsenen verdrängen Wünsche, weil wir ihre Erfüllung für „unrealistisch“ oder für gefährlich halten. Allein das Begehren von „des Nächsten Weib“ ist ja bekanntlich schon Ehebruch, nach christlicher Deutung. Deshalb wird ein solcher Wunsch vor sich selbst verheimlicht. Das Produkt ist eine diffuse Sehnsucht, die niemand stillen kann, und ein chronisches Unglücklichsein, zuweilen Krankheit auslöst. Oder es liegen Wünsche miteinander im Clinch.[2] Dann entsteht ein übergeordneter, meist unterbewußter Wunsch nach (unproduktiver) Ruhe oder dahinter zu kommen, „was ich eigentlich will“. Mancher macht deswegen eine Selbsterfahrung oder eine Psychoanalyse, mancher stürzt sich in Arbeit oder Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

[1] In Abenteuer Erziehung 2013 (http://www.eahilf.de): Wünsche haben, heißt schon glücklich zu sein, im Urtext 1999: Wie heißt die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat?

[2]Zum Beispiel: Einerseits möchte ich viel Geld haben – andererseits möchte ich niemandem etwas wegnehmen.

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2 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    Warum freuen sich Kinder auf Weihnachten, Ostern und Geburtstage ?

    Weil ein Teil ihrer vielen Wünsche in Erfüllung gehen kann, und wieder Platz ist für neue Wünsche.

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  2. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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