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Sandmännchen / Bossi auf seinem Hochsitz

Heute habe ich zum ersten Male gewagt, mich neben Bossi zu setzen, als er auf seinem Hochsitz sitzte. Das ist ein Barstuhl, und Bossi überblickt das Restorang und das Trottoir. Er sieht also die Leute.

Ich muss noch sagen, dass die Leute mich natürlich nicht sehen, und dass Bossi mich sieht, wenn er an mich denkt. Weil er aber nicht an mich dachte, sah auch mein Bossi mich nicht.

Bossi weiss, dass ich seine Gedanken lesen kann, wenn er in freundlicher Stimmung ist, und heute war er in freundlicher Stimmung, und darum habe ich seine Gedanken lesen können.

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Seine Gedanken waren sehr schnell, und ich kam kaum nach mit Verstehen. Er dachte sehr schnell darüber nach, was er sah. Er sah die Angestellten des Restorangs, und er sah die Turisten, welche auf dem Trottoir gingen.

Die Angestellten versuchten, die Turisten ins Restorang zu bugsieren. Sie zogen natürlich nicht die Turisten an ihren Armen, aber sie lächelten und zeigten auf die guten Angebote auf der Speisekarte und hofften, dass die Turisten ins Restorang kommen.

Und nun erzähle ich von den Gedanken vom Bossi. Ich erinnere mich nur an Wenige, der Bossi dachte noch viel mehr.

Wenn ich in DACH ein Mädchen zwischen 15 und 50 leise freundlich anlächele, dann lässt es ihr Gesicht versteinern und geht auf meilenweiten Abstand von mir. 

Hier habe ich eben geschäkert mit dem Mädchen, es dürfte etwa 28 sein, welches heute am Trottoirrand Wein zum Degustieren kredenzt. Sie trägt Hosen, welche ihre Körperlichkeit vom Bauchnabel bis zur Fessel zeigt. Ich rief sie zu mir her und sagte ihr, dass ihre Hosen sexy seien, weil nämlich ihre Beine vollkommen seien. Sie lächelte mit ihrem hübschen Gesicht und fragte mich, ob ich kosten wolle – also Wein, nicht Bein. Ich sagte angetan zu, und ich war ein 1000stes Mal glücklich, wie ich hierzulande Kompliment machen kann, ohne dass mich ein Mädchen missversteht so, wie Mädchen in DACH es tun. Ich will nichts von der Frau. Ich habe mich ihrer Erscheinung erfreut. Ich habe ihr kundgetan, dass mich ihre Erscheinung freut. Ich habe ein Kompliment gemacht. Die Frau ist innerlich frei, und darum nahm sie das Komplimentchen erfreut entgegen, schnatterte der nahe dabei stehenden Serveuse zu, froh zwitschernd, was eben geschehen.

Wenn ich in DACH einen Jungen zwischen 15 und 50 im Vorbeigehen begrüsse, sagen wir mal im Hauptbahnhof Zürich, nämlich durch kurzen Blick in die Augen und durch leises Heben der Augenbrauen, mit entspannt freundlicher Visage, dann versteinert der innerlich, meint, ich sei oberschwul und ich wolle ihm wohl an die Eier oder und auch mehr. Hier? Die Antwort ist: Offenes Lächeln. Wir sind Menschen. Wir kennen uns nicht, aber wir sind verbunden, weil wir Menschen sind. Ein jedes einzelne Mal, einen jeden Tag, macht mich das hier fröhlich.

Der Barkeeper, ein Junge von vielleicht 22, er hat null Barkeeperdiplom, barkeepert aber so gekonnt wie ein DACHbarkeeper mit Diplomauszeichnung, er fragt mich, wie es mir gehe. Ich sage, es gehe mir gut. Er sagt, er sei ermüdet. Ich frage, wovon denn. Er antwortet, er sei müde einfach so, er könne es sich nicht erklären. 

Ich sagte, er sei müde vielleicht von den Händistrahlungen. Er sagt, er wisse es nicht, aber er wisse, dass diese Strahlungen nicht gut seien. 

Den anderen Barkeeper kenne ich, er ist zugehörig einer meiner befreundeten Familien. Ich sehe, wie die Serveuse ihn anschaut, als sie kurz mit ihm spricht. Kontakt pur. Ich frage ihn, ob sie seine bacar (Freundin) sei, neuerdings. Ja, ist sie. Lieber Leser, du solltest sehen, um zu verstehen. Das sind so kleine feine menschliche Austauschs der guten Art. Wie sich mein junger Freund dabei bewegt, der seiner neuen Bacar leise zulächelt. Männlich gezielt, doch mit Anmut. Mensch Sein so, wie ich mir das vorstelle. 

Kommt ein Trupp Weisser, geschätzt Australier. Erwachsene per Person 100 Kilo, Blick geradeaus, Gang mit Blei in den Beinen, die Kinder plump latschend, reagiert auf die elegante Werbung der kleinen Angestellten mit null nix. 

Kommt ein Horst Gelber, geschätzt Chinesen, noch extremer, sehen nix, hören nix, Jung und Alt mit Händi in der Hand, Gang wie ferngesteuert, und ich frage mich: Sind die nun hier oder sind die nun wo?

Kommen zwei weisse Weiber. Wache Augen, lassen sich verführen, die Kartenspeise eh Speisekarte zu inspizizieren. Schauen die Restaurantangestellte an, schauen ihr in die Augen, wenn sie etwas sagt, lächeln leise. Bedanken sich, sich dabei bemühend, einheimische Geste zu zeigen, ziehen aber weiter, mit einleuchtender Erklärung: Schon gegessen. Aber versprochen, morgen kommen wir zu euch. Und die werden das einhalten, das wette ich. Echte Menschen. Sogar unter den Weissen gibt es das. 

Und dazwischen immer und immer Gedanken an unsere Welt. Ich hocke da, indes 100000de gefoltert werden oder Hungers sterben. Entscheidender und als Folge viel schlimmer: Immer noch setzen Abermillionen ihre Tatkraft ein zum Zwecke von Siechen und Sterben allen guten Lebens auf diesem unseren wunderschönen Planeten, eine Minderheit bewusst, eine Mehrheit unbewusst. Jetzt tun sie es. Obschon sie über Internet verfügen. Wie weit ihr Gewissen lebendig ist?

Ist das nicht erstaunlich? Mich erstaunt es einen jeden Tag, was hiero täglich parallel geschieht. 

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Hobbela, Bossi hat mich beim Schreiben erwischt, eigentlich wollte ich noch viel mehr von seinen Gedanken verzellen, und er hat gelesen, was ich geschrieben habe, und er hat gesagt, gut, mein lieber guter kleiner bester Freund, schick ab, aber du musst wissen, dass solch Zeugs nur ganz Wenige interessiert.

Einfach komisch, der Bossi. Warum hat er das gesagt? Ich will nicht, dass sich jemand interessiert, ich erzähle einfach. Es gibt Kinder, welche nicht schlafen können, die wollen nicht zuhören, und das macht mir nichts aus. Und es gibt Kinder, die horchen genau, und das ist für mich schön, das gebe ich zu, aber es ist schön für mich, weil ich sehe, dass diese Kinder glücklicher sind als die Kinder, welche nicht zuhören.

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Lieber Leser, ich grüsse dich lieb.

Dein Sandmännchen, 26.02.07

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9 Kommentare

  1. Hermann Nilgens sagt:

    Danke.

    Einer der Wenigen im dunklen Wald der Hotzen gleich über dem Rhein
    Wo die Dunklen leider auch schon wirken.

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  2. Mit einem lieben Gruss an Bossi, und sage ihm „Menschen beobachten, Menschen wahrnehmen in ihrem ureigenen Sein“ das macht Freude…..und manchmal erkennt man sogar sich selbst darin wieder……manchmal auch nicht immer angenehm, manchmal erfreut es unsere Seele, manchmal macht es uns traurig.

    Manchmal darf man ruhig neben Bossi sitzen und von dort aus auf die Welt schauen.

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  3. webmax sagt:

    Ach Sandmännchen…,
    hundertmal erlebt als Tourist mit Augen im Kopf.
    Es ist eben wie es ist. Unterschiedliche anerzogene Lebensformen und Kulturen im Auf-und Niedergang (auch Dekadenz genannt). Das Starke setzt sich immer durch, bis es als Schwäche endet.
    Der Taoistenversteher webmax.

    PS: Heute gelesen.
    Im Konfuzianismus sorgte der wohlmeinende Staat für seine Bürger;
    der Taoismus sorgte für den Niedergang Chinas im 19.Jahrhundert.
    Auf und ab, ganz ohne Wildganzrauschen.

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  4. Mujo sagt:

    Länder die von der Sonne und wärme verwöhnt werden, sind die Menschen einfach besser drauf. Vielleicht auch ein Stück Sorgen freier weil sie nicht Vorräte wie Eichörnchen für den Winter scheffeln müssen um zu überleben. Das schafft schon mal eine Grundentspannung die die Nordmänner und Frauen erst üben müssen. Und dann noch auf einer Insel zu Leben ist ja sowas von Speziell.
    Nette Geschichte, kann dir voll nachspüren warum du dich dort so Sauwohl fühlst 😉

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  5. Thom Ram sagt:

    Mujo 04:38

    Wohl wahr, dass Menschen in warmen Regionen so Einiges lockerer haben. Hier kann man einfach immer draussen sein, mit fast nix am Leibe. Tags allerdings ist es an der Sonne schon sehr heiss, man ist im Schatten.

    In meiner Bauphase erlebte ich es. Ich baute mit, schleppte Steine, schub die Karre, machte alles mit … des Tages bei voller Sonne. Da kommsde auf die Welt.

    Und Menschen wissen was sie haben oft zu wenig zu schätzen. Nach 8 Jahren haben wir im Garten Bananen, Moringa sowieso, Papaya, und andere Fruchtbäume sind am Wachsen. Die Nachbarn? Haben ein Riesenstück Land und bauen an was? Nichts. Der Aufwand wäre lächerlich klein. Einfach Samen / Kerne in den Boden geben und danach zukucken, wie die Bäume wachsen. Nö. Sie kaufen Früchte auf dem Markt, wenn überhaupt, die Menschen wissen nicht, wie wichtig Früchte und Gemüse für sie wären. Viele sind oft krank.

    Ja, viel gibt es zu berichten. Da sind auch Schattenseiten. Für mich vor allem das Eine: Das Wort gilt zwischen wenig und nichts. Abmachungen? Morgen vergessen oder alles ist anders. Und…wenns ums Geschäft geht, brauchst du eine feine Nase und viel besser noch einen treuen gescheiten erfahrenen einheimischen Freund.

    Notar? Der Eine, den wir hatten, veruntreute alles, wir zahlten sämtliche Gebühren zweimal. Wir waren beileibe nicht die einzigen Beschissenen, von Einheimischen wurde er verklagt und sitzt heute im Hotel. Wenn Notar, dann unbedingt eine altbewährte, von alten befreundeten Hasen empfohlene Kanzlei wählen.

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  6. webmax sagt:

    Fremde Kulturen zu erleben, führt stets zu einem intensiveren Bewußtsein des Selbst, der eigenen Herkunft, des Status.
    Aber es gibt eben auch die Überfrachtung, das Überrolltwerden. Arme Lander nehmen das in Form von Tourismus in Kauf – schließlich gibt es Geld dafür.
    Das Novum ist in Deutschland, dass der Einheimische dank Merkelpolitik noch dafür zahlen muß. Der Name der meisten Neugeborenen in D ist heute Mohammed,Muhamed, Mustafa etc. Aus der Statistik wurde er rausgenommen, warum wohl…

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  7. Mujo sagt:

    Thom 13:09

    „Nach 8 Jahren haben wir im Garten Bananen, Moringa sowieso, Papaya, und andere Fruchtbäume sind am Wachsen.“

    Der wahre Garten Eden. Muss ein Toller anblick sein.

    War in Thailand in einen kleinen Resort in Strand nähe das nur von Einheimischen geführt wird und kaum einer kennt. Zufällg nannte es sich Bali Resort weil alle Häuser aus Holz und in Bali Design gehalten wird. Der Clou waren aber die Schatten spendenden Bäume dort, bestand nur aus Früchten. Jeder Gast durfte sich bedienen an den 30 verschiedenen. Für Kinder war es ein riesen Spass da zu Pflücken.

    In übrigen ist die Bürokratie und Rafgier einzelne in Thailand auch nicht besser, wenn man sich da nicht gut auskennt und gute Kontakte hat wird man schnell durch den Kakao gezogen. Sind aber nicht nur die Expats dort, auch die Einheimischen Zahlen so manches Lehrgeld.

    Webmax 13:16

    „Fremde Kulturen zu erleben, führt stets zu einem intensiveren Bewußtsein des Selbst, der eigenen Herkunft, des Status.“

    Volle zustimmung. Darum ist es auch Wichtig viel zu Reisen. Wir sind ja nur in einen kleinen Teil der Erde Heimische. Im größten Teil sind wir die Ausländer.

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  8. arnomakari sagt:

    Ich habe 12 Jahre in Kambodia gelebt , und habe öfter gesagt das ist das Paradies aber dei Menschen haben das Paradies mit Füßen getreten ,
    denn Sie brauchten keine Vorräte anzulegen weil es das ganze Jahr alles frisch gibt , aber ich muss sagen das ich immer gut behandelt wurde , obwohl ich die Sprache nur wenig konnte kam ich überall gut durch ,im Jahre 2000 war es nicht so Warm nur bis 33 Grad aber jetzt ist es viel Wärmer geworden ,im Jahr 2012 im März waren es schon 39 Grad , da haben wir Kambodia verlassen , und meine Voraussage ist im Jahr 2025 wird die 40 Grad gut überschreiten .

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  9. Mujo sagt:

    In den Tropen ist es immer gut wenn der Strand nicht allzuweit weg ist. An der Küste geht immer ein windchen egal wie heiß es ist. Das macht es erträglicher 😉

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