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Das Erwachen oder die Freude der Enttäuschung / Ein Märchen der neuen Zeit

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Guter Leser, dieses Märchen von jpr65 kann ich dir nicht vorenthalten!

Thom Ram, 24.09.06

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Es ist meine Berufung, solche Märchen zu schreiben. 

Aber erst seit 3 Jahren.

Und ich habe diese Geschichten nicht erfunden. Die kamen zu mir, damit ich sie aufschreibe.

Autor jpr65

——————

— Sie —

Sie wachte auf. Der Hahn hatte seinen Morgengruß an die Sonne gerufen, und das hatte sie geweckt.

Ihre Füße schmerzten, weil sie gestern wieder den ganzen Tag mit mäßigem Erfolg etwas essbares gesucht hatte. Die anderen waren so viel besser zu Fuß als sie! Und sie konnten viel besser einschätzen, wo es sich lohnte zu suchen und wo nicht!

Sie war wie immer hungrig geblieben, weil sie manches, was die anderen mit Lust vertilgten, nur mit Zwang oder gar nicht herunterbekam.

Doris hatte sich gestern wieder über ihre deformierten Füße lustig gemacht.

Kein Wunder, dass sie nicht mitkam, mit solchen Füßen! Die anderen konnten die Zehen weit auseinanderspreizen, breit auf dem Boden aufsetzen und lange auf einem Bein stehen.

Sie musste ihre Zehen krümmen und konnte den Fuß nur seitlich aufsetzen. An auf einem Bein stehen oder gar laufen war überhaupt nicht zu denken. Sie konnte nur seitlich hüpfen und musste die Flügel ausbreiten, um die Balance zu halten.

Die anderen rannten elegant und schnell wie die Hühner, und das waren sie ja auch, Hühner.

„Nur ich bin das schwarze, schwache Huhn im Hühnerstall. Naja, eigentlich eher braun.“ Sie war sehr niedergeschlagen.

Das andere Problem war ihr Schnabel, er war nämlich krumm und eignete sich überhaupt nicht, um Würmer, Körner und anderes Kleintier vom Boden aufzupicken.

Und dann hatte sie auch keinerlei Kopfschmuck wie die anderen Hühner, die sich darüber lustig machten: „Nur Federn auf dem Kopf, wie sieht das denn aus!“

Sie interessierte sich sehr für Gusto, einen aufstrebenden jungen Hahn, der ein aussichtsreicher Kandidat für den nächsten Sippenchef war.

Aber er zeigte ihr die kalte Schulter: „Mit deinen krummen Füßen und deinem krummen Schnabel bist du selbst fast ein Pflegefall, du kannst doch keine Familie versorgen! Und die anderen lachen dich aus, weil du keinen Kopfschmuck trägst. Damit wäre meine Karriere zu Ende bevor sie angefangen hätte!“

Und das wars dann. Ihr blieb nur Rex, ein anderer junger Hahn, der sehr nett war, aber genauso deformiert wie sie und es daher zu gar nichts bringen würde. Sie würde ihr tristes Dasein hier am Rande der Sippe beenden, wenn sie nicht vorher aus der Gemeinschaft ausgeschlossen würde.

„Seht sie euch an, sie gehört nicht hierher, sie ist nur eine Belastung für uns! Und wie sie überhaupt aussieht!“

„Schlag nicht immer so mit den Flügeln, oder glaubst du etwa, du könntest bis auf das Festland fliegen und von der Insel entkommen? Du bist ein Huhn, und Hühner können nicht weit fliegen. Hühner sind Läufer, keine Piloten!“

So ging es meistens und so begann ein weiterer trister Tag für sie unter den Hühnern im Stall auf der Insel des Leuchtturmwärters.

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— Er —

Rex wachte auf. Ein neuer Tag begann, der wie immer hungrig enden sollte.

Wenn Regina sich wenigstens für mich interessieren würde, zusammen wären wir schon viel stärker und könnten den Spott der anderen besser ertragen. Aber sie schwärmt ja nur für Gusto, obwohl er sie hat abblitzen lassen.

Sie ahnt gar nicht, wie sehr er sie liebt. Oder sie will es nicht wissen. Oder sie schämt sich. Oder, oder, oder … So viele Oders! Es ist zum Verzweifeln.

[…]

Weiterlesen 

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9 Kommentare

  1. jpr65 sagt:

    Danke fürs Reposten, Thom!

    Für alle die schon etwas an der Wahrheit gekratzt haben und sich fragen:

    „Wer wem wie wann was sagen darf soll muss oder wann man besser seine Klappe hält!“

    Musste ich in meinem Leben auch sehr schmerzhaft lernen, wann schweigen besser ist als reden—

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  2. Angela sagt:

    (rüberkopiert: Hier gehört es hin)

    Dein Märchen ist sehr schön und tiefsinnig . Darum ist in meinen Augen eine der wichtigsten Aufforderungen, die je geäußert wurde, die Inschrift am Apollotempel in Delphi : „Gnothi seauton“ – „Erkenne dich selbst“.

    Und die Schlussfolgerung daraus lautet dann : Werde, was du bist. Genau so, wie die Adler schon immer Adler waren, aber erst das Bewusstsein darüber erlangen mussten , was sie in Wirklichkeit sind.

    Lg von A n g e l a

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  3. Ein geniales Märchen. Zeigt es doch unser Denken innerhalb des Stalls in den wir hineingepfercht sind. Gleichzeitig ist es eine knalle Ohrfeige für die kruden Influenzen, die behaupten, „jeder ist seines Glückes Schmied“ und „du kannst dich mit deinem eigenen Schopf“ aus dem Sumpf ziehen. Geht eben nicht und nie, wie ich in einem früheren Beitrag beäugte: https://ludwigdertraeumer.wordpress.com/2016/12/27/hindernisse-zur-menschwerdung-maerchen-und-prognosen/
    Es braucht Anstupser von außen (wer oder was ist das Außen?) – manchmal einen gewaltigen Arschtritt um in die Gänge zu kommen. Das bestätigt dieses Märchen. Deswegen zweifle ich auch manchmal, daß das kleine Arschloch aus sich selbst die Welt verändern kann. Sie werden nie die kritische Masse erreichen, die dafür erforderlich ist. Und – so bleibt es bis in aller Zukunft – eine stabile Ordnung der Hierarchien, eine sich selbsbezirkelnde Ordnung, die sich immer wieder im Zirkelbezug selbst bestätigt.

    Dieses Märchen existiert seit langer Zeit in verschiedenen Variationen und Dramaturgien, dessen Herkunft hier behauptet wird:

    http://www.emk-glattbrugg.ch/uploads/media/Vom_Adler__der_vergass__dass_er_ein_Adler_war._Predigt_S._Zolliker_30.10.11.pdf

    Der Autor der Geschichte, James Aggrey stammt aus Ghana, West-Afrika. Er hat sie anfangs des 20. h. verfasst und schreibt dann als Nachsatz zur Geschichte: „Völker Afrikas! Wir sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, aber Menschen haben uns beigebracht, wie Hühner zu denken, und noch denken wir, wir seien wirklich Hühner. Aber wir sind Adler. Drum breitet Eure Schwingen aus und fliegt! Und seid niemals zufrieden mit den hingeworfenen Körnern!“

    Ich bin gottseidank Atheist und habe auch gar nix mit dem Pfaffengeschwurbel am Hut. Aber manchmal kommt von dort sogar Vernünftiges – Klardenkendes, das ich unterstreichen kann. Es lohnt sich also, sich mit dem Gegensätzlichen – dem sich gegen den Strich gehenden auseinanderzusetzen um ein verträgliches Leben zu finden. Will heißen, daß wir mit der alten Schule von These, Antithese und Synthese bestens beraten wären. Das geht jedoch nicht mit hirnverkackten Idioten, die sich zur Zeit in Antifa und Pegida spalten. Vor allem nicht mit der Akzeptanz der Willkommenskultur, die den Marktplatz der „schon länger hier Lebenden“ – also der Nazi-Heimat mit Gebetsteppichen pflastern. Da ist Schluß mit lustig. Da hilft keine Dialektik mehr. Manchmal muß sogar Ludwig seine damalige Kriegsdienstverweigerung neu überdenken. Solche Überfälle im Namen einer „Religion“ waren damals nicht denkbar. Ansonsten hätte er als erster das Gewehr geladen. Es ist fast zu spät zur Umkehr. Mich packt eine unendliche Wut. Ich bin viel in der Welt herumgekommen und habe auch muslimische Kulturen kennengelernt – na ja, zumindest in deren dortigen Gastfreundschaft. Sie mögen für sich dort klar kommen, aber hier haben sie nichts zu suchen. Habt ihr das kapiert, ihr Muselmänner. Es ist eure Privatsache – eurer geraubtes Lebens zu ordnen. Hirnverbrannte Herde. Wen plärrt ihr eigentlich an auf unserem Marktplatz?

    Ich kann es euch sagen: Eine Rundumversorgung, die nichts zur Menschwerdung beiträgt. Verirrte, die nicht selbst Imstande sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Armselige Plärrer. Noch schlimmer als diese Idioten sind unsere „schon länger hier Lebenden“, die solches unterstützen. Die sitzen sogar in den Rathäusern. Ich hab für heute alle. Geh jetzt in den Braukeller.

    Noch‘n Schmankerl:

    Gefällt 1 Person

  4. Pieter sagt:

    Na jetzt bin ich aber mal gespannt was für schlaue Kommentare kommen.
    Im übrigen sprichst Du mir voll aus der Seele.
    Das Schlimme ist die Ohnmächtigkeit mit der ich dem Geschehen gegenüberstehe.

    Gefällt 1 Person

  5. jpr65 sagt:

    Was machen die beiden Adler, als sie erkennen müssen, daß die anderen nicht fliegen wollen? Sich nicht erkennen wollen?

    Sie überlassen die ganze Huhn-Gesellschaft sich selbst und steigen aus. Denn die wollen ja noch weiter schlafen. Die brauchen es noch dicker, bis sie wach werden.

    Kommt uns das irgendwie bekannt vor?

    —>

    Die Adler ziehen sich selbst aus dem Sumpf, ja doch! Sie lernen fliegen und dann fliegen sie davon!

    Sie gehen einfach in ein neues Leben. In einer anderen Welt, die Adler. Und sind glücklich.

    Eso ein:

    Kommt mit auf die „Erde 2.0“ in der vierten bis fünften Dimension. Startet lichtvolle Projekte, statt zu jammern. Dann seid ihr bald da.

    Denn die alte 3D-Erde wird bald geschlossen werden.

    Solange bleibe ich noch ein wenig in beiden Welten, damit ich euch den Weg zur Neuen Erde ausleuchten kann. Laufen müsst ihr schon selber!

    Gefällt 2 Personen

  6. jpr65 sagt:

    Aus meinen eigenen Kommentaren auf jpr65:

    Ja, die Geschichte hat viele Ebenen.

    Eine Botschaft lautet: Bleibt auf Eurem Weg, lasst Euch nicht entmutigen. Aber lasst die anderen auch ihre eigenen Entscheidungen treffen. Auch wenn sie Euch nicht gefallen. Müssen sie ja auch nicht. Kann natürlich manchmal etwas schmerzen, wenn man andere zurücklassen muss.

    Gefällt 2 Personen

  7. Security Scout sagt:

    Speziell die Deutschen haben ein „Hilfe-Syndrom“!

    Hühner sind Hühner und Adler sind Adler und bleiben Adler, AUCH wenn sie als kleine Adler in eine Hühnergruppe gesteckt wurden.
    So ist die Menschheit. JEDER entscheidet für sich ob er aufwachen möchte und als Adler am Himmel kreist, oder als Huhn am Boden, mit dem Kopf nach unten Körner pickt.

    Gefällt 2 Personen

  8. jpr65 sagt:

    Security Scout
    25/09/2018 um 07:31

    Nee eher ein Huhn-Syndrom, aber das wäre noch eine Verbesserung.

    Den Deutschen wurde ein Opfer-Lamm-Syndrom eingehämmert.

    Die Deutschen, die noch tief schlafen, unter anderem die „Gutmenschen“, übernehmen die Schuld für alles.

    Und zahlen die Zeche. In Geld und allen anderen Währungen, die es noch gibt….

    Weil sie sich schuldig fühlen.

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  9. Ishani Diana sagt:

    Danke lieber Rolf für das Märchen 🙂

    Und es passt Massgenau in die heutige Zeitspanne, in Welcher wir uns befinden.
    Im Märchen erkennen die Adler, dass sie Fliegen können. Dann sehen sie die Grösse und Weite, ihres angestammten Lebensraumes, und sind begeistert.
    Sie akzeptieren die vermeintlichen Hühner, als das was ihnen gesagt wurde, und gehen ihres Weges ohne zu URTEILEN.
    Im Gegenteil, sie versuchen den „Hühnern“ zu helfen, was jedoch rigoros abgelehnt wird.

    Da sehe ich die „Verbildung“ der Leute, die durch die Erziehung und Schule, Uni und Kirche, alles Glauben was ihnen vorgesetzt wird.
    Wer fliegen gelernt hat, kann auch mehr Erkennen 🙂

    Wer alles ablehnt und Ver-oder Beurteilt, wird das Fliegen nicht lernen. Weil der, der erkennt, kein Lust drauf hat wieder herunter gezogen zu werden. Deshalb kam das „Huhn“ das erkannt hat, ein Storch zu sein, nicht mehr zurück.
    Fazit… Wenn jemand das Geschriebene nicht akzeptieren kann, weil es nicht verstanden wird, so lasst es einfach sein 🙂
    Jede Aussage hat seine Wichtigkeit, die je nach dem erst später verstanden wird, nachdem die Erfahrung dazu gemacht wurde.

    Ich bin zwar kein Adler, jedoch Fliegen kann ich gut ;-D
    Ich bin ganz bei dir und unterstütze deine Weitsicht voll und ganz ;-D

    Alles Liebe Isahni Diana

    Gefällt 1 Person

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