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Lehrer / Schulmeister / Pauker / Ich breche eine Lanze

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Der Schulmeister betrachtet Kind als Gefäss, dem er mittels Trichter Wissen reindrücken muss.

Der Pauker sagt dem Kind, dass es unfähig sei, und dass es nun das, was es eh nie lernen könne, nun lernen müsse.

Der Lehrer lehrt nicht. Er öffnet Felder, in denen Kinder sich entfalten können.

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Ich unterrichtete 5 Jahre Primarschüler. Klassengrösse 42.

Ich unterrichtete 2 Jahre Sekundarschule. Klassengrösse 24.

Ich unterrichtete 20 Jahre an Bezirksschule (Progymnasium) Musik.

Ich unterrichtete 2 Jahre Sonderschule Unterstufe. Sonderschule, dort sind Kinder, welch in Normalschule kognitiv unmöglich folgen können.

Ich unterrichtete noch mehr, aber das ist hier thematisch Nebensache.

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Unke wird kommen und sagen: „Aha. „Lehrer“. Er hat also Kinder gleichgerichtet. Typisches Schulmeisterpaukerarschloch.“

Ich weigere mich, mittels beliebiger Wortdefinitionen Inhalte versauen zu lassen, Unke. Ich stand vor Kindern. Ich war beauftragt, mit diesen Kindern etwas zu unternehmen. Ich fühlte mich beauftragt, diesen Kindern innere Türen zu öffnen, ich fühlte mich durchaus auch beauftragt, ihnen unmittelbar blumenreiche Gärten zu zeigen.

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In bb wird gelegentlich gesagt, Schule sei Indoktrination, sei Behinderung des Kindes, sei Verdummung der Heranwachsenden, sei nicht nur überflüssig sondern schlicht Scheisse. Es wird gesagt, dass jedes Kind, wenn es sich denn frei entwickelen könne, ein Genie werde.

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Ja.  Tausendfach werden Kinder in der Schule gebremst. Sie werden klein gemacht. Sie werden ungerecht behandelt. Sie werden einem unmenschlichen Leistungsdruck ausgesetzt. Sie müssen Zeugs auswendig lernen, statt selber denken zu lernen. Sie werden uniformiert.

Das ist eine der Ursachen unserer heutigen Situation.  Es ist verderblich. Es ist ein Missstand.

Ich will, dass Solches ausfällt.

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Die ganze Wahrheit sieht anders aus. Meine Erfahrung war:

Viele Kinder gehen gerne zu Schule. Sie gehen nicht gerne zur Schule dessentwegen, weil sie so blöd sind, nicht zu merken, dass sie verblödet werden. Bitte reinziehen  und reflektieren das! Kinder spüren genau, sie spüren haargenau, was ihnen in ihrer Tiefe gut tut. Wenn ein Kind gerne zur Schule geht, dann heisst das, dass dieses Kindes Lehrer eine ganze Menge richtig machen.

Ich kannte und kenne viele Kinder, welche sich auf die Schule freuen, gerne hingehen, froh von der Schule nach Hause kamen und kommen.

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Und hier hänge ich ein.

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Vor wenigen Jahren hatte ich eine Stellvertretung, im aagauischen Jura, ich hatte 3./4. Klasse. Die Kindergärtnerin stellte ein Projekt auf die Füsse. Die Kindergärtner schauspielten eine Geschichte, die Klassen 1-5 wirkten mit als Chöre, einzelne daraus als Sprecher. Es waren insgesamt 7 Klassen mit 7 Lehrern involviert. Eine gottbegnadete Kollegin übte mit den einzelnen Chören und mit dem Gesamtchor, das waren rund 150 Kinder. War da anöden? War da berechtigtes blöd Tun? Nö. Da waren von Aufmerksamkeit bis hin zu komplett engagiertem Mitmachen…mit Spass. Die Turnhalle war bei der Aufführung kreti pleti voll. Die Kulissen? Natürlich selber gemacht. Die Stimmung?

Da halte ich ein.

Als älter werdender Lehrer staunte ich immer mehr über die Fähigkeit von Kindern, vor Publikum hinzustehen und ohne jegliche Schüchternheit und ohne jegliche Starallüre, einfach so, klar und klar zu sagen, was der dem Stück geschuldete Text vorgab. Ich hatte damals Gedichte vorgetragen, sicher machte ich das saugut, aber rote Ohren hatte ich. Diese Schüler hatten keine roten Ohren. Das erstaunte mich und freute mich noch mehr.

Weiter.

Ich breche allen Lehrern, welche gute Schule machen, eine Lanze. Ich tue es, indem ich nur

zwei Beispiele,

stellvertretend für die guten Taten von guten Kollegen

aus meinem Lehrerleben wiedergebe.

7. Schuljahr. Sommer. Konzentrationswoche im Sommer.

Meine Vorgaben für einen der Tage:

Schüler in Kleingruppen. Bewaffnet mit gut Schuh, gut Hos‘, Bratwurst, Streichholz, Schlaftuch und Kompass. Start abends um acht, da es dunkel ist.

Aufgabe: Marschiert in Richtung Süden. Wenn da eine Kreuzung ist mit Weg Ost – West, dann ist sehr nahe auch ein Weg, der weiter ungefähr nach Süden führt. Benötigte Aufwand, solch Route zu finden. Es gab sie. Die Distanz beträgt ungefähr fünf Kilometer bis zum Ziel. Also etwa eine Stunde zügigen Marsches.

Am Ziel waren Aufgaben vorbereitet. Eine davon:

Barfuss, mit verbundenen Augen (natürlich hatten wir Lagerfeuer), an der Hand sorgfältig geführt,  über eine Strecke von 5 Metern gehen. Die Strecke hatte verschiedene Unterlagen: Laub. Kies. Lehmerde. Sand.

Ich selber machte den von mir verpassten Test natürlich auch. Es war unglaublich beeindruckend. Selten erlebte ich Sinnlichkeit so allumfassend. 

Gruppenkonkurrenz: Wer hat am schnellesten ein Lagerfeuer entfacht.

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Eine Gruppe fehlte. Sie wurde von der Polizei hergebracht. Ich erzähle keine Märchen. Diese Gruppe hatte sich vertan und landete auf einer Landstrasse, und da „zufällig“ eine Polizeistreife geschlichen kam, wurde sie aufgegriffen. Die guten Polizi, die trauten der Sache verständlicherweise nicht, feletonierten mit mir, brachten die Kids zur Feuerstelle, unterhielt sich mit mir und wechselte von Befremdetsein zu Saugutfinden.

Eine andere Gruppe verlief sich auch, landete bei guten Bauern. Die telefonierten an die Notrufnummer (ich), und ich fuhr mit meiner Yamaha XJ900 (meine damalige Superbraut) zum Gehöft, lud die drei Kids, einen vorne, zweie hinten, drauf und brubbelte sie zum Zielort.

Das Schlafen war für uns alle Waldungewohnten mässig weich. Spät am Morgen, so um die fünfe, machten wir uns gemeinsam auf, um die gewohnten Komfortzonen wieder zu erreichen.

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Das Zweite sage  kürzer.  Klassengemeinschaften der Oberstufe fragte ich gelegentlich, ob sie sich ihrer selbst besinnen wollen und bot ihnen an, die mir mögliche Hilfe zu bieten. Die legten sich auf den Fussboden und wollten. Sie wollten zu sich kommen. So weit ich dazu talentiert war, gab ich ihnen Vorlagen, um in sich hineinzuschauen.

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Chefgeneralunke wird sagen: Typisch. Kinder werden nachts durch den unheimlichen Wald gezwungen. Kinder werden angeleitet, sich hinzugeben, um dann auf Chefs innere Bilder konditioniert zu werden.

Mir egal. Ich fand das Musical der Kindergärtnerin, das Walderlebnis meiner Klasse, die Meditationen mit vielen Klassen gut. Die Reaktionen der Kinder zeigten mir, dass es gut war. Reaktionen von Eltern auch.

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Nochmal. Das war exemplarisch. Solcherlei geschieht tausendfach. Es sind die kleinen Feuer.

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thom ram, Oberlehrer, am Tage 30 des Monats 5 im Jahre des neuen Zeitalters 5.

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3 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. Ja, es gibt sie, die Lehrenden, die es schaffen einen Unterricht ansprechend zu gestalten.
    Ich sehe da vor mir den Kunstlehrer, der lange mit seiner Frau in Indien gelebt hatte.
    Er begann in unserer neu errichteten Gesamtschule (übrigens ein Konzept welches ich heute definitiv nicht unterstütze), aber damals war es der Wechsel von Gymnasium zur Gesamtschule, wo noch nicht alles festgefressen war an linken Lehrprinzipien.
    Dieser Kunstlehrer trug eine Zottelfellweste, hatte lange Haare und, hatte anstatt Lederaktentasche eine gewebte indische Umhängetasche bei sich, die damals gross in Mode war. In dieser Tasche befand sich ein kleiner Zeichenblock, zwei Tuschfederstifte, schwarze Tusche und ein kleiner Aquarell Farbkasten mit sieben oder acht Farben.

    Im Unterricht erfuhren wir dann warum er es mit sich trug.
    Er erklärte uns auf anschauöiche lebendige Weise, wie schön es ist, schneebedeckte Tannen mit der Feder zu zeichnen oder Berge im Frühnebel zu malen mit den Aquarellfarben……es war gar nicht die Technik die er transportierte, denn die bahnte sich automatisch den Weg.
    Nein, es war sein Enthusiasmus, seine Liebe zur Natur und der künstlerischen Umsetzung, die uns motivierte und unsere eigene Kreativität anstupste.
    Ein Jahr war er bei uns.
    Wir durften im Kunstraum die 4 Betonsäulen die den Raum trugen, bunt und kreativ anmalen.
    Das kostete ihm den Job, vielleicht auch die Tatsache, dass er für seine eigene Kreativität ab und an ein Pfeifchen rauchte, wenn ihr wisst was ich meine……
    Das tat er natürlich nicht mit uns, aber es brachte uns auf eine gemeinsame Erfahrungsebene.

    Wir waren alle sehr traurig als er gehen musste.

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  3. Vollidiot sagt:

    Thom

    Kinder merken wenn etwas „kindgerecht“ ist, was ihre Sinne und Kreativität anspricht.
    Hier könnte die Kultusbürokratie viel lernen.
    Die jedoch ist korrumpiert.
    So kommt es wie es kommen muß.
    Und in der BRD sind die Lehrer oft verbeamtet oder unterliegen dem Diktat der Vorgaben der Politik.
    Die Eltern sind wie sie sind, in der BRD vergutmenscht und umerzogen in der Schwiiz vercalvinisiert.
    Soweit das Auge reicht Ödnis.
    Die Kinder sind der schwächste Teil, etliche ihrer Gaben verden abgetötet, sie verden verbogen, gleichgerichtet.
    Die Eltern sind Korrumpiert.
    Die Politiker kann man vergessen.
    Und die Lehrer?
    Bemühen sich, belügen sich – und wer die Fresse aufmacht kriegt eine aufd Gosch – wird aus dem Dienst entfernt – in der BRD und in Helvetia.
    Was ist das für eine Gesellschaft?
    Begrenzte Moral, Ethiksavanne, Geldgötzen an jeder Ecke, Ideenarmut, Schweigekartelle.
    Alle Beteiligte lassen den Karren laufen.
    Die Achsen werden brechen – nur wo ist noch offen – im Hohlweg öder an der Viamala- schaunmermal.

    Gefällt mir

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