bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN » Erwins Badezimmer / Die Vor-Zeit 1

Erwins Badezimmer / Die Vor-Zeit 1

11RNB08FJFL._SX60_CR,0,0,60,60_

.

Buch
Ein Land steht unter der Diktatur von Sprachüberwachungsbehörden. Nur wenige leisten Widerstand. Erwin ist einer von ihnen. Denn Erwins Badezimmer ist ein Geheimarchiv mit verbotenen Schriften und Büchern in einem nahezu unzugänglichen Hinterhaus.

Von hier aus wird unter Lebensgefahr die Literatur aus der Zeit vor der Großen Nationalen Sprachreinigung weiterverbreitet. Albert S., seines Zeichens Philologe und treuer Beamter der autoritären Regierung, trifft durch Zufall seinen alten Freund Erwin wieder und wird in die Geheimnisse der Bibliothek im Badezimmer eingeweiht. Fasziniert beginnt Albert, Nachforschungen über die Literatur der »Vor-Zeit« anzustellen, ohne zu wissen, auf welches Abenteuer er sich einläßt.
Vom Autor des Weltbestsellers »Stein und Flöte«: Eine phantasievolle, mitreißende Geschichte, vergleichbar nur mit Georg Orwells 1984 und Ray Bradburys Fahrenheit 451.
Autor
Hans Bemmann, Jahrgang 1922, der schon mit »Stein und Flöte« und »Massimo Battisti« Bestseller der phantastischen Literatur geschaffen hat, hat mit diesem poetischen und spannenden Werk wiederum einen Welterfolg gelandet. Hans Bemmann begreift Kunst als ein wichtiges und ernstes Spiel, das dem Menschen hilft, sich selbst und die Welt besser zu verstehen.
Hans Bemmann bei Goldmann
Stein und Flöte. Roman (44717)
Massimo Battisti. Roman (44592)
Stern der Brüder. Roman (44721)

.
Hans Bemmann
Erwins Badezimmer oder Die Gefährlichkeit der Sprache
Roman
Taschenbuchausgabe Mai 2001
Copyright© 1984 by Edition Weitbrecht im K. Thienemanns Verlag, StuttgartWien-Bern Umschlaggestaltung: Design Team München Umschlagfoto: Superstock
Satz: DTP Service Apel, Hannover Druck: Elsnerdruck, Berlin Verlagsnummer: 44548
MD • Herstellung: Heidrun Nawrot
Made in Germany ISBN 3-442-44548-5 http://www.goldmann-verlag.de
1 3 5 7 9 10 8 6 4 2

.
Vorwort des Herausgebers
Vor einiger Zeit überbrachten mir zwei junge Männer, die sich offenbar auf einer Art Bildungsreise per Autostopp befanden, die hier im folgenden publizierten Papiere nebst den Grüßen meiner liebenswerten Cousine Rache!. Sie schrieb mir, ihr sei daran gelegen, daß diese Briefe samt den beigefügten Texten zumindest einem mir vertrauten Personenkreis bekanntgemacht würden.

Ich komme diesem Wunsch um so lieber nach, als sich eine solche Veröffentlichung vorzüglich in die Reihe jener Publikationen fügt, die ich von Zeit zu Zeit und ein wenig außerhalb der Legalität herausgebe, um sie meinen Freunden zugänglich zu machen, ein Hobby, das mir neuerdings sehr erleichtert wird durch eine jener fabelhaften modernen Druckmaschinen, die dermaßen
raumsparend unterzubringen und zudem leicht transportabel sind, daß man sie bequem auf einem Handwägelchen durch die Straßen ziehen könnte (was ich natürlich, um kein Aufsehen zu erregen, lieber vermeide, wenn ich mich wie so oft wieder einmal genötigt sehe, in einer gewissen Eile Wohnung und Produktionsstätte zu wechseln).
Rachels Begleitbrief habe ich ans Ende des Buches gestellt, damit der geneigte Leser die ganze Geschichte schön der Reihe nach zur Kenntnis nehmen kann. Einige Ortsnamen habe ich vorsichtshalber unkenntlich gemacht, im übrigen aber das Manuskript unangetastet gelassen, obwohl mein Taktgefühl mich eigentlich dazu drängte, einige für die gute Rache! kompromittierende Passagen zu streichen. Sie hat mich jedoch ausdrücklich gebeten, dies nicht zu tun, und diesen Wunsch muß ich respektieren. Wie die Dinge liegen, wäre eine solche Diskretion für sie inzwischen sowieso ohne jeden Belang. Ich konnte Rache! schon immer gut leiden, aber jetzt ich gestehe es frei und offenbewundere ich sie. Ihren Freund Albert jedoch, den kennenzulernen ich leider nie das Vergnügen hatte, kann man nur beneiden.
H.

.
Brief am 5. September
Sehr verehrte Frau Doktor,
es ist einige Zeit vergangen seit jenem Morgen im Juni, an dem Sie mit Ihren geschickten Händen meinen verstauchten Fuß eingegipst haben. Ich war damals ziemlich wütend darüber, daß ich den Rest der Tagung in L. (und wohl wie sich dann auch erwiesen hat noch einen beträchtlichen Teil des Sommers)mit einem hinderlichen Klumpfuß würde verbringen müssen; aber Sie haben das alles schon richtig gemacht, denn mittlerweile ist von den Folgen meines Unfalls kaum noch etwas zu spüren. Allerdings trage ich noch immer die elastische Binde, die Sie mir empfohlen haben. Seien Sie also beruhigt: Ich setze Ihren Heilerfolg nicht leichtfertig aufs Spiel.

.
All das hätte ich Ihnen eigentlich schon früher schreiben sollen, aber da war ja noch Ihre Bitte um Aufklärung über die Vorgeschichte der Großen Nationalen Sprachreinigung, der ich nachkommen wollte. In dieser Angelegenheit geeignetes Material beizubringen, erwies sich allerdings als nicht so einfach wie die Stillegung meines verstauchten Fußes (womit ich Ihre Verdienste um mein Wohlergehen keineswegs schmälern will).

Sie meinten damals, daß ein im Dienst seiner Wissenschaft ergrauter Philologe solche Informationen ohne weiteres zur Hand haben müsse, und schienen überrascht, daß ich zu meiner nicht geringen Beschämung statt dessen nur einige vage Vermutungen vorweisen konnte.

.
Ich war wie gesagt beschämt und machte mich nach meiner Rückkehr nach B. trotz meiner Gehbehinderung sofort daran; diese Wissenslücke aufzufüllen, nicht zuletzt mit dem Ziel, Ihnen durch eine ausführliche Darlegung meine Dankbarkeit zu beweisen, und dies nicht nur für die Instandsetzung meines Fußes, sondern vor allem für die liebevolle Behutsamkeit, mit der Sie sich dieser Aufgabe gewidmet haben (ich kenne Ärzte, die dergleichen zu erledigen pflegen wie die Reparatur eines Rasenmähers).

Um es nun gleich zu sagen: Beschämt bin ich heute nicht mehr, nachdem ich erfahren habe, auf was für ein schwieriges Unterfangen ich mich da eingelassen habe. Daß die offiziellen Geschichtsbücher darüber allenfalls einige Andeutungen verlauten lassen (und die Schulbücher nicht einmal dies), hatten Sie ja schon selber festgestellt. Also auf zu den Quellen! sagte ich mir in meiner philologischen Naivität und ahnte dabei nicht, welch dornenvolle Pfade zu beschreiten ich mich anschickte.

.
Im allgemein zugänglichen Bestand Unserer Universitätsbibliothek ließ sich jedenfalls nichts Geeignetes auffinden, und mir wurde bei meinem vergeblichen Fahnden in den schier endlosen Sachkatalogen zum ersten Mal voll bewußt, daß unsere Sprachgeschichte offenbar erst mit dem Zustand nach der Großen Nationalen Sprachreinigung einsetzt. Was vor diesem Zeitpunkt geschehen ist, scheint keinen Menschen zu interessieren. Verrückt, nicht wahr?

.

Fortsetzung hier

.

Das Buch sei vergriffen. Ist es dann Verletzung des sogenannten Copyrightes, wenn man in einem Blöglein ein paar Seiten veröffentlicht? Ich will niemandem ein Geschäft vermiesen. Weil das Geschäft mit dem Buch jedoch von Gestern zu stammen scheint, lasse ich hier Appetizer steigen.

Wer per privat das ganze Buch als Pdf möchte, der wende sich an mich persönlich, gerne schicke ich es. Dass dies unentgeltlich ist, versteht sich von selbst. Um die Verbreitung geht es mir, um nichts Anderes sonst!

Sollte jemand vom Rechtsdienst meinen, ich handele gegen geltendes Gesetz, möge er mir das bitte umgehend melden – und ich streiche das Unterfangen. Ich lege mich nicht mit geltenden Gesetzen an.

thom ram, 24.01.2015


6 Kommentare

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG sagt:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Zensus

    Gefällt mir

  2. […] Hier geht es zum Anfang der Geschichte. […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: