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Wunder 2 / Das Löchlein

Das Löchlein

Ich bin guter Dinge, Ich habe meiner Schwester  beim Umziehen geholfen, von E nach O, ich war schon immer ihr begehrtester Zügelmann, ich tue es auch gerne, einen Wagen haargenau beladen, Kisten stapeln, Lampen installieren, und Ch ist mir immer heiter bewundernd dankbar, das ist sehr schön für mich.

Ich bin im Pörschchen unterwegs richtung Berlin, ach, ist nur der 4 Zylinder Weiberporsche, aber ich liebe ihn sehr, er passt wie ein Handschuh. Ich fahre immer schrecklich gerne nach Berlin, weg von den unangenehmen Pflichten, hin zu Heimat, zu Freiheit, zu Spiritualität. Ich habe zwei Autostopper eingeladen, es ist sehr eng im Porsche, denn sie haben auch noch viel Gepäck, aber auch sie sind bester Dinge, denn mit mir kommen sie in einem Zuge mit Tempo 200 direkt nach Berlin.

Aerger kündigt sich an. Ich höre das sofort, ich habe ein sehr genaues Gehör für Technik, und es ist nicht zu leugnen, der Auspuff klingt anders, nur ein klein wenig, aber anders schon.

Das Anders wurde sehr rasch sehr anders. Nach 300km war der Lärm infernalisch, ich hielt bei einer Raststätte an und sah die Bescherung: Das Endrohr hing bloss noch an einem Faden. Also diesen Faden auch durchtrennen, Endrohr in den Müll, und was nun? Der Auspuff schleift am Boden, denn er war am Endrohr aufgehängt gewesen.

Ich besann mich auf meine neue Art, zu leben, Probleme anzugehen. Ärger kommt, er darf leise wieder gehen, Ratlosigkeit kommt, sie darf sich verabschieden. Heiter sagte ich meinen zwei wie Fragezeichen dastehenden Begleitern, ich werde jetzt einen Kaffee trinken gehen. Gelassen ging ich ins Restaurant, bestellte das Gewünschte und hörte dem Gespräch zweier Fernfahrer an der Theke zu. Ich fragte sie um Rat, meinen Auspuff betreffend. Sie sagten, ich solle mit Draht eine Colabüchse als Flick benutzen. Sie hatten mein Problem überhaupt nicht begriffen, doch hatte ich sofort einen Gedankenblitz, ausgelöst durch ihren gut gemeinten, aber in der Sache nicht zu gebrauchenden Rat. Mir fiel ein, dass ich meine Lötsachen bei mir hatte, und dabei war auch Kupferdraht. Klar, mit diesem Draht würde ich den Topf raufbinden. Meine Gefährten schauten mir zu wie dem Weihnachtsmann, wir konnten uns schwer verständigen, sie waren Schweden, als ich meinen Alukoffer öffnete, Draht entnahm, etwa einen Meter abisolierte und damit unter dem Auto verschwand.

Die Sache war ebenso einfach wie trotzdem unlösbar. Ich konnte den Topf an das darüberliegende Hitzeisolationsblech binden, indem ich den Draht über dieses Blech schob und unter dem Topf verknotete. Doch hatten Blech und Topf eine Neigung, waren nicht horizontal und durch die Vibration würde der Draht nach kurzer Zeit abgeschüttelt sein.

Was tun?

Intuitiv versuchen.

Ich bog die Drahtspitze ein wenig, und ich führte den Draht mit heiterer Konzentration in den Spalt zwischen Blech und Autokörper.

Ich traute meinen Augen nicht, als der Draht auf der anderen Seite zwischen Blech und Topf, und nicht, wie natürlicherweise erwartet, zwischen Blech und Auto erschien.

Unter grossen Verrenkungen konnte ich mit einem Auge sehen, dass der Draht, geführt vom intuitiven Chefmechaniker meines Wesens, selbständig ein kleines Löchlein im Blech gefunden  und diesen Weg gewählt hatte.

Nun war die Sache geritzt. Der Draht konnte nicht abvibriert werden. Unter dem Topf verknoten, Hände waschen, einsteigen und unter teuflischem Lärm ab nach Berlin. Der Draht hielt.

Jedesmal, wenn mir diese Geschichte einfällt, kann ich bloss ungläubig lächelnd den Kopf schütteln. Hätte ich gewusst, dass es da so ein Löchlein gibt, und hätte ich es mit Tagesbewusstsein angepeilt, so läge ich vielleicht heute noch dort und wäre am vergeblichen Zielen.


1 Kommentar

  1. luckyhans sagt:

    … als kleine Ergänzung der Klassiker schlechthin zum Thema Löcher:
    als Text http://www.textlog.de/tucholsky-psychologie-1931.html oder als Vortrag https://www.youtube.com/watch?v=SXehlp93AkM

    Gefällt mir

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