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142. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE –

Dauer für den Augenblick

Eckehardnyk, Donnerstag, 15. September NZ 10

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„Menschliche Dauer wird dem geschenkt, der sich den Augenblick zurechtknetet und ihm Gestalt gibt“, soll Jean Cocteau (1889-1963) gesagt haben. Und Goethe hat es ihm im Gedicht „Das Göttliche“ mit dem Satz: „Nur allein der Mensch vermag das Unmögliche: Er unterscheidet, wählet und richtet. Er kann dem Augenblick Dauer verleihen.“ etwas weniger salopp, und wenn schon! – dennoch präziser, vorgesagt. Wenn er das kann, der Mensch, wie wird er dann selbst ein anderes Wesen sein als das zwischen Geburt und Tod? Und wenn, dann von welcher Dauer?

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Aber das sind doch die Fragen, die uns nur die eigenen Kinder zu stellen wagen, und zwar, wenn sie noch kindlich sind, wie zum Beispiel eine Zwölfjährige, die schon konzertreif Geige spielte, doch mit 21 das Instrument sein ließ und was ganz anderes studierte: „Papa, wie alt ist der Mensch?“ (Plausible Antwort? Fehlanzeige). In den Szenen 110 (von 144: Bündnisse) und 124 (von 144: Selbstwert) haben wir uns bereits über Garantien unterhalten und erfahren, daß der Mensch Garantien sowohl für sein Sein als auch für seinen Wert besitze, die sich weit über seine meßbare Lebenszeit hinaus spannen. Woran du das erkennen kannst? An seinem Benehmen! Am klarsten am Benehmen von Kindern und ihrem Verhalten gegenüber der Zeit. Denn ihr manchmal groteskes Hasten bei Vollendung eines ihrer Werke deutet darauf hin, daß sie empfinden, in einem knapp bemessenen Rahmen, in einem „Zeitfenster“ etwas formen zu müssen, was gegenüber dem Zeitablauf immun ist. Denn das Vergänglichste, was wir kennen, ist die Zeit; sie hat nichts anderes zu tun, als zu vergehen. Das Geformte, Erhabene, hingegen kennt keine verstreichende Zeit, sondern nur unbegrenzte, wachsende Dauer.

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Natürlich gehen die Stoffe, aus denen Menschen ihre Werke schaffen, „mit der Zeit“ und ver-gehen. Aber an ihnen ist etwas erkennbar, das den Augenblick im Nu in einem erinnerungsfähigen Menschen aufbewahrt und ihn über die Materie seiner Machart erhaben sein läßt.

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Schau deinen Kindern zu, wenn sie etwas bauen! Sie erleben unendliche Geschichten an Kleinigkeiten, die im Lauf ihres Spiels zu Tage treten. Es ist deshalb auch nicht immer weise, sie „aus Prinzip“ täglich wieder aufräumen zu lassen. Betrachte ihre Werke mit Freude, wenn auch nicht als „Kunst“, da sich darin noch kein Plan für die Ewigkeit findet. Eine hinreichend hübsche Weile sollte so eine Anlage dein Kind jedoch begleiten dürfen, bis es sich daran genug ergötzt hat und Platz für neue Werke braucht. Es wird diese Augenblicke zwar nicht alle behalten im Sinne von bewußter Erinnerung. Aber es kann bei seinen Spielbauten oder Sandburgen Augenblicke spüren, die über den verschwimmenden Alltag hinausreichen und mit den Empfindungen an Material oder Sand Gefühle auslösen, die unauslöschlich sein werden, weil sie einfach alles enthalten. Und dieses Gefühl, das Vollständigsein bedeutet, gehört zu den wichtigsten Bedürfnissen jedes Menschen. Ohne Vollständigkeit, wie auch immer sie beschaffen sein mag, wird keine Seele Glück empfinden.

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Aus diesem Grund ist es auch weder notwendig noch wünschenswert, nach Vollkommenheit oder Perfektion zu streben. Ein vollkommenes Wesen könnte zwar cool sein oder wirken, wie jemand Populäres mal in einer Fernsehtalkshow Gott bezeichnet hat; aber nicht allmächtig. Denn nur Vollständiges ist allmächtig. Macht, aber nicht Gewalt, ist niemals vollkommen, selbst oder gerade weil sie alles kann. Denn sie lässt alles offen; für wen? Es gibt Leute unter uns, die zu größerer Vollständigkeit in ihrem Dasein gelangen als andere. Sie kriegen mehr von alledem mit, was ist: Aus der Unendlichkeit und aus dem Nichts; weil sie auch mehr zu alledem beigetragen haben.

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In deinem Kind liegt also die Chance, soviel wie möglich von dieser Vollständigkeit zu erhaschen und sie vor allem durch seine Handlungen ständig zu bereichern. Es gibt nämlich keinen Stillstand im Vollständigseinwollen; deswegen auch kann Vollkommenheit nicht beglücken,1 da sie immer mit Gewalt abgeschlossen und vergangen (gewesen) sein muss. Was Cocteau und Goethe mit ihren Aussprüchen gesagt haben, trifft bereits vom ersten Atemzug auf jedes Kindchen zu. Doch ist Bewußtsein hierfür bei ihm erst mit seiner Geschlechtsreife anzutreffen. Bis dahin verläuft sein Menschsein spielerisch als Kindsein. Diese Gelegenheit lockt Fähigkeiten hervor, die in jedem Tun, das dein Kind selbständig ausführen darf, gebildet werden.2 Gewähre viel davon, indem du es dazu hin führest und erlaubest, was es, und dass es, alleine schaffen will und kann!

© eah

7. April 1999 und 15. September 2022

1 Weder einen selbst noch Andere

2 In den meisten Fällen verschwinden nach der Pubertät sie dann – leider – wieder, da sie für andere, innere Aufbauten dienen. Nicht jedem ist es bestimmt, sein Leben als Musiker, Dichter oder Bildhauer bis ans Lebensende Kunstwerke zu schaffen


4 Kommentare

  1. palina sagt:

    „Nicht jedem ist es bestimmt, sein Leben als Musiker, Dichter oder Bildhauer bis ans Lebensende Kunstwerke zu schaffen.“

    Lieber Ecky ich weiss nicht ob du das kleine Büchlein von Karl König kennst.

    Er berichtet darin von der Geschwisterfolge.
    Und das es früher üblich war, dass es in den Familien mehr als 3 Geschwister gab.

    Und weil das so war, wurden einfach mehr „Genies“ geboren.“

    Dieses Büchlein kann ich sehr empfehlen.

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  2. eckehardnyk sagt:

    Palina. das Büchlein vielleicht habe ich es gelesen, lang ist’s her. Ich war das Fünfte von fünf mit acht Jahren Abstand inmitten von Krieg (1942) und Umzugsgedöns (von Nord- nach Süddeutschland).
    Das Genie ist heute nicht gefragt, wenn es auch im Einzelfall willkommen ist. Aber staatstragend? Vergessen wir’s. Doch die Tage werden kommen und sie sind schon da, wo sich das Blattl wieder wendet. Da wo halt Kinder noch – trotz Pharma – auf die Welt kommen können. Favela & Co lassen grüßen

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  3. palina sagt:

    @ecky
    danke für deine Nachricht.

    Erinnere mich noch an die ersten Besuche meines Sohnes in Kolumbien.
    Er berichtete mir von der Krankenversicherung und wie da alles in diesem Land gereglt ist.
    Sagte ihm damals schon, wie gut das die Leute kein Geld haben für eine Krankenversicherung. So bleiben sie gesund.

    Die Impfungen dienen nur dazu, dass die Menschen vom Kosmos abgetrennt werden. Vom Geistigen.
    Damit meine ich schon die „KInder-Impfungen.“

    Habe meine 3 Kinder gegen nix impfen lassen. Und sie sind gesund.

    Hoffe auch, dass es Inkarnationen gibt, die diesen „Wahnsinn“ stoppen.

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  4. eckehardnyk sagt:

    Palina: Kolumbien wurde durch Garcia großartig dargestellt (100 Jahre Einsamkeit etc). Er zeigt die Menschen wie sie vollstädnig in ihrer eistenziellen Beschränktheit durch die Umstände emporkommen. Ein hervorragender Mensch, dieser Schriftsteller. Man darf sagen: Ein Deutscher, obwohl er doch in Kolumbien lebte. Das eigentlich Deutsche, das hierzulande mal als Hochkultur nach dem 30-Jährigen erwuchs wird es im geografischen Deutschland anscheinend so rasch nicht mehr geben. Aber das Deutsche als Ich-Auftrag, als Existenz-Ziel ist in die Welt hinaus gedrungen und wird auch immer wieder hier bei uns aufleuchten. Wir werden auf die physische Macht verzichten. Das nicht gekonnt zu haben war und ist der Fehler unserer Politiker (ich nehme Bismarck davon aus, obwohl sein Kaiser-Reich dazu verführt hat. Aber als Staatsmann musste er das Beste, was er konnte, liefern).
    Wir werden Weltmeister im Denken und viele, die sich hier inkarnieren, haben das „von oben her“ gesehen und kommen deshalb hierher. Deutsche werden auch als Mulatten Deutsch werden. Dagegen helfen keine Kallergi, Schwab und Habexen.

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