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131. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – Selbstvertrauen

Eckehardnyk, Sonntag 15. Mai NZ 10

1.

Zum Führen gehört Selbstvertrauen wie Geradheit zum guten Charakter. In „Wer frägt, der führt“ (53. von 144) sind wir schon einmal der Unsicherheit begegnet, der wir als junge Eltern ausgesetzt sind, wenn wir zum ersten Mal ein Baby in Aussicht haben. Im Hineinhorchen in das, was uns selbst aus unserer inneren, geistigen Quelle zufließt, können wir die Sicherheit erlangen, mit der wir uns und damit auch unser Kind in eine deutlich erkennbare Richtung führen. Und indem wir das tun, gewinnt auch das andere Element, die Freiheit, an Bedeutung. Erst auf der eingeschlagenen Wegstrecke werden wir nämlich frei für das, was dieser Weg uns bietet. Befreien wir uns zunächst von zu vielen weiteren Wegen dadurch, daß wir einen einzig gangbaren als den unsrigen erwählt haben! Dann befreit uns diese Entscheidung, die nur scheinbar eine Beschränkung ist, von allem, was wir nicht tun müssen.

2.

Ein „Beschränkter“ hat oft ein glücklicheres Leben als ein Kluger, weil er nicht über so viele Alternativen verfügt, die selbst den Klügsten handlungsunfähig machen, wenn er sich nicht auf eine Ausführungsmöglichkeit beschränkt. (Daraus wurde ein hierher gehöriges Goethewort: In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.) Deshalb wende bei jeglicher Führung die Weise Auswahl an, die dir dein Gefühl zuflüstert (und dieses bezieht seine Sicherheit aus dem jedem Menschen innewohnenden Wahrhaftigen, das diesem Goethespruch erst die Vollendung gibt: Und das Gesetz nur kann uns die Freiheit geben)! 1)

3.

Zum Beispiel das (inzwischen außer Gebrauch gekommene) Schleifebinden am Schuh: Du willst es deinem Kind von dreieinhalb Jahren zeigen? Nicht nötig: Es probiert schon selbst, dahinter zu kommen. Aber dann fällt dir ein, daß du woanders eine „bessere“ Variante gesehen hast. Du bist davon so eingenommen, daß du, in bester Absicht, den eigenen Weg deines Kindes überstürzest. Aus der Traum von der Selbständigkeit? Wahrscheinlich. Das Kind wird ein, zwei Mal befehlsgemäß bei dir zuschauen und dann sich abwenden. „Kann ich nicht!“ Da hilft auch dein gutes Zureden nicht mehr.

4.

Deshalb gib nächstes Mal genau acht, wie dein Kind etwas anstellt, um heraus zu bekommen, wo sein Weg lang geht. Lass ihm das Schleifebinden (oder welches Kunststück es gerade fabriziert) so lange als Experimentierfeld, bis du selbst siehst, wo sich etwa ein Hindernis vor einer Lösung zeigt. Es wird, behutsam darauf aufmerksam gemacht, daraus dennoch seinen Weg trotz Hilfestellung als den seinen anerkennen und zu dem von ihm gewünschten Ziel bringen. Auf diese Weise und mit deinem „Gut so!“ bestätigt, wird dein Kind weiter erfolgreich sein und Selbstvertrauen entwickeln.

5.

Ähnliches wird sich bei jeder Stufe, wo etwas neu gelernt wird, ereignen. Ob Treppe steigen, Bälle werfen, Bälle fangen, Zählen, Rad fahren oder Schwimmen: Immer wird dein Kind einen eigenen Einstieg in das Gebiet suchen und haben wollen; etwas anders als sein Geschwister oder das Nachbarkind. Das ist sein Bedürfnis! – ein Grundbedürfnis!

6.

Menschliche Rationalität wird beim Unterrichten in Schulen, beim Instrument spielen oder in Schwimmkursen wenig Rücksicht auf all die „Sonderwege“ nehmen können. Doch du hast immer die Möglichkeit, bei jedem deiner Kinder in allen vorschulischen Lernerfolgen seine Eigenständigkeit zum Zug kommen zu lassen, sodaß es genügend Geschicklichkeit zum Charakter entwickelt hat, um einem allgemeineren Unterricht gewachsen zu sein, wo alle nach gleichem Muster üben. Es kommt eben hier schon darauf an, daß ein Kind dann nicht mehr frustriert oder geschädigt wird, wenn es auf schulischen Anforderungsniveaus in der Regel „keine Extrawurst“ mehr gebraten bekommt.

7.

Einen eigenen Charakter bei sittlichem Empfinden werden unsere Kinder schließlich auch in Ausbildung und Beruf an den Tag legen, wenn sie durch unsere Feinfühligkeit in ihren frühsten und elementarsten Bedürfnissen ernst- und wahrgenommen worden sind. Führung ist ein sich entlang Tasten an den Fähigkeiten eines Kindes. Immer „auf der Lauer“, wo es seinen nächsten Entwicklungsschritt selbständig hin lenken kann. Durch unsere Voraussicht, was aus den kleinen, kindlichen Impulsen werden könnte, sind wir am Führen und lassen es frei – in einem Atemzug.

© 🦄 (eah)

25. März 1999 und Sonntag, 15. Mai 2022

1) Sonett ohne Titel. In: Goethe, Poetische Werke (16 Bände, Band 2, Gedichte, Nachlese, Berlin 1960 ff) Seite 89-90, 121-122)


3 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt 1 Person

  2. haluise sagt:

    das einte oder anderte hab ich nach vorgaben oder sölbst gemacht/entdeckt
    eines jedoch war ein himalaya-grosses hindernis:: bruder und ich waren soooo guuut, dass wir alles mit dem erstemmal konnten (zu können hatten) ohne wiederholende übungen… luise

    Gefällt 1 Person

  3. haluise sagt:

    ich sag mal::
    es ist egal, was man macht im LEBEN
    wichtig ist …, wie man s macht
    dabei kann einem der artikel oben den weg weisen …
    und
    das GLÜCK, eltern gehabt zu haben, die die FREIHEIT der SELBSTWERT-ENTWICKLUNG ermöglichten
    ODER
    du SELBST nahmst DIR die FREIHEIT DEINEN SELBSTWERT aus DEINEM INNEREN HERAUS zu MODELLIEREN … luise

    Gefällt 1 Person

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