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Sandmännchen / Gerhard Friedli / Dankbarkeit

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Also es ist so, Bossi hat mir heute von Gerhard Friedli so schnell erzählt, daß ich nicht nachgekommen bin beim Tippelen, und da habe ich Bossi gesagt bitte Bossi tippele du doch einfach selber, aber gerne lese ich was du da tippelst, weil mir nämlich die Geschichte so gut gefällt.

Ich , TRV, übernehme und sage: Mein Sandmännchen ist das Beste, genau so wie unsere Katzen, Enten, Truthähne und Mäuse und Schnecken und Schlangen im Garten.

Lieber Leser, ich weiß, daß Du lieber Sandmännchens Sprache lauschest denn meiner Angeborenen und Eingeschliffenen. Auch ich höre Sandmännchen soo sehr gerne zu. Doch ist es Sandmännchen und mir grad etwas zu umständelich, wollte ich reden und Sandmännchen würde schreibelen. Sandmännchen und ich wissen, daß Du, guter Leser, das verstehen kannst.

Also.

Ich war aufmückiger Schüler am Leererseminar Wettingen. Weil dort eine Minderheit Lehrer und eine Mehrheit Leerer waren, traute mir die Versammelung von Leerern und Lehrern per Mehrheitsbeschluß, gewonnen von den Leerern, nicht so recht.

Verfügung: „Lehrerpatent für Thomas Voegeli provisorisch ausgestellt. Bewährungsfrist zwei Jahre. Er unterrichtet unter Aufsicht eines Betreuers.“

Heute staune ich, wie es mich damals kalt ließ. Ich nahm dieses Misstrauensvotum, wahrlich! so entgegen als wie wenn Mann im Walde spaziert und es zu schneien beginnt: „Oh, es beginnt zu schneien.“

Und zu recht war ich darob ungerührt, denn…

Mein Betreuer hieß Gerhard Friedli, und das war in Staufen, Aargau. Staufen. Der Staufberg. Sagenhaftes Kirchlein dort oben. Klein, fein, wissend, dies Kirchlein. Auf dem Gottesäckerchen dortens auch mal der Zahn eines Damaligen auftauchen tut.

Lieber Gerhard Friedli. Du bist noch hier inkarniert? Du bist ins Jenseits gegangen? So oder so, ich grüße dich herzlichst. Solltest Du noch hier im Erdenkörper weilen, saumäßig würde es mich freuen, wollte es gelingen, daß diese meine Zeilen Dich erreichten. Im Jenseits eh erreichen sie Dich. Gut so.

Also. Der Gerhard Friedli. Er hatte Frau und Kinder, Kinder viele, nämlich, so ich richtig erinnere, derer sieben. Er fuhr einen steinalten Studebeaker (wie schreibt man die Firma richtig?), der war hässlich wie Sau und war aber keine wirkliche Belastung des Budgets der Familie von Gerhard, denn pro Jahr fuhr er, der Gerhard mit seinem Stutebekker kaum mehr als 1000 Kilo Meter.

Die Schüler des Gerhard, sie achteten und liebten ihn. Das war so. Gerhard sagte seinen Schülern wahrheitsgemäß: „Schaut, dies und das müßt ihr lernen. Seid ihr engagiert und fleißig, damit schnell lernend, dann gehen wir für den Rest des Nachmittags in die Badi.“ (Deutsch Unkundige: Badeanstalt, Schwimmbad)

War zu Fuß, war ein Kilo Meter, zur Badi. Natürlich zu Fuß, wie denn sonst. Seine Schüler waren die ersten des Jahrganges, die schwimmen lernten.

Nun, also dieser Mensch war mein Betreuer.

Frage.

Was muß ein Betreuer machen? Na klar doch, er muß kucken, wie sein Betreuling arbeitet, heißt, Gerhard musste in meinem Schulzimmer immer mal hinten drinne hocken und kucken, was das Voegeli so veranstalten tutet.

Während der gesamten 104 Wochen seiner Aufsicht keine Minute tat er das. Nie hockte er hinten hinein und beobachtete.

Während der 104 Wochen allerdings saß ich oft nach dem Tagewerk in der Stube von Gerhard. Wir tranken Tee und besprachen Gott, die Welt, die Schule, wir besprachen alles, was uns bewegte, mich, den Jungen, ihn, den Erfahrenen.

Gerhard Friedli, ich wünschte sehr, daß Du dieses hier lesen könntest. Ich dankte Dir meines Lebens unausgesprochen 1000 Mal. Tausend Mal!

Ich danke Dir hier und jetzt. Du warst mir als Lehrer Vorbild, Du hast mich auf wundervolle Art damals begleitet.

Thom Ram, im Auftrage vom Sandmännchen, 21.09.NZ9

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Übrigens….Gerhard war vor seiner Lehrertätigkeit Polizist. Seepolizei Zürichsee. Teil der Bewährungsprüfung, bitteschön, schwimmen. Nein, nicht quer. Ja, längs. Am Stück. Sind, geschätzt, 30Kilo Meter. Mach dad ma. Sind im Hallenschwimmpat 25m Becken 1200 Längen.

Mit Wellen, klaro? Bei 3km/h 10 Stunden am Stükk. Solch Mann war mein Berater. Unter anderem darum auch war er Wissender. Hatte geschwommen 10 Stunden am Stück.

Initiation.

Solch Mann pupst nicht mehr rum mit Genderseich und anderem Seich. Solch Mann ist wissend.

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5 Kommentare

  1. petravonhaldem sagt:

    Von Freitag bis Sonntag Abend nahm meiner eine teil an einem „Seminar“.
    Sechs gestandene Weiber.
    Thema: Selbstversorger……………….und das alles in einem kleinen Selbstversorger-Hof

    Jajaja, wir ernteten, wir kochten und wir machten haltbar und setzten aus Pflaumenkernen Amaretto an,
    wir tranken Wasser, tranken Tee und tranken Kaffee,
    wir wurden versorgt mit herrlichem Essen, dreibisfünfmalamtag………..

    Das Wesentliche allerdings war:

    Wir kamen ins Erzählen!
    Erzählen, erzählen und Lauschen, lauschen, lauschen.
    Nahrung pur für die Seele.

    Und gerade so , liebes Sandmännli, erlebe ich das, was Dein Bossi uns hier schenkt.
    Ein wunderschönes Erzählen von Erfahrenem.
    Danke.

    Gefällt 3 Personen

  2. Mujo sagt:

    Der Gerhard Friedli war ein weiser Mann. Solche Lehrer braucht es heute noch viel mehr.

    Gefällt 2 Personen

  3. Stephanus sagt:

    Menschen wie den Gerhard Friedli wünscht man sich als Lehrmeister. Sie transferieren das, was zum Wachsen im Leben nötig ist, oft schon durch ihre bloße Anwesenheit. Übertragung durch Schwingungen in der Aura…
    Hatte auch einen Mathe-Lehrer, der in seinem beruflichen Vorleben Gärtner war und wußte, daß alles seine Zeit braucht.
    Er wußte, daß Spätzünder nicht dümmer sind als die Schnellen, daß der Spätzünder den Eisberg vom Unterwasserteil her aufbaut und erstmal nichts zu sehen ist … für die, die den schwimmenden Styroporklotz mit einem Eisberg verwechseln.
    Ich träume von einem Weltzustand, in dem keiner sich mehr über den Anderen stellt, und wo jeder wieder mehr über den Sinn des Lebens Bescheid weiß…

    Gefällt 3 Personen

  4. Thom Ram sagt:

    Stephanus,

    zum Thema „Spätzünder“ fällt mir mein Enkel Moritz ein. Bis zum dritten Lebensjahr redete der schier gar nicht, und wenn, dann wie „zurückgeblieben“, das heißt mit rudimentärem Wortschatz.

    Mit vier konnte er lesen und schreiben.

    Sozusagen „erst mal das Feld überblicken, über alles Klarheit schaffen, und bei erlangter Übersicht richtig zuschlagen“. Lächel.

    Er hat phantastische Eltern. War da vorausgegangen selbstverständlich allabendlich Büechli luege und d Gschichte verzelle, in langsamer, klarer Sprache.
    Ach ja. Er ist Mathe-sonderbegabt, besucht Spezialkursus für Kinder, welche sich in der Schulmathe zu Tode langweilen.

    Gefällt mir

  5. Stephanus sagt:

    Thom 20:27

    So ist das oft mit den Kindern, die erst mal „das Feld überblicken“ – wir können von Glück sagen, daß Moritz solche Eltern hat!
    Da gibt es eben leider auch Fälle, wo Eltern nicht in der Lage sind zu helfen und solche hilflosen Wichte dann womöglich in einer Sonderschule landen, wo sie „verkommen“.

    Habe da auch ein (positives) Beispiel von einem Freund von mir aus Jugendzeit. War Legastheniker und sein Grundschullehrer wollte ihn in solch eine Sonderschule, die bei uns in DE meist nicht wirklich fördernd sind, „wegräumen“. Seine Mutter hat sich auf die Hinterfüße gestellt, daß er wenigstens die Hauptschule fertig machen konnte. Er hatte in der 9.Klasse dann einen Lehrer wie Gerhard Friedli, der ihm Mut gemacht hat, weiterzumachen. Danach hat er sich selber um sein Weiterkommen gekümmert und am Ende ein Physikstudium cum Laude hingelegt.

    Wir müssen unsere Denkschablonen und kerzengeraden Maßstäbe allesamt in den Mülleimer schmeißen! – Auf in eine neue Welt!

    Gefällt 5 Personen

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