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90. von 144 – Verpackung und Programm – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE

Zugehörigkeit – ein sicherer Hafen

Eckehardnyk, 7. Februar NZ9

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Jedes Kind fühlt sich irgendwo zugehörig. Doch der Grad dieses Gefühls ist stark unterschieden. Es gibt Kinder, die ihre Zugehörigkeit „systematatisch“ selbst aufbauen. Sie gründen eine Clique, einen Club, eine Bande, entwerfen Regelwerke, die in etwa dem entlehnt sind, was sie von ihren Erwachsenen mitbekommen. Da werden Strichlisten geführt, Aufgaben wie Deputate verteilt, Neuaufnahmen und Ausschlüsse und sämtliche Aktivitäten organisiert, ohne dass idealerweise zuviel an Spontaneität geopfert wird. Führung und Stellvertretung können genau festgelegt sein.

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Andere Kinder dagegen haben mit dergleichen nichts im Sinn und bleiben in ihrer eigenen Welt, scheinbar. Denn mehr im Verborgenen suchen sie den Anschluß an eine Sphäre, die sie idealisiert wahrnehmen bei „Helden“ wie Michael Jackson, der Kellyfamilie, Bayern München oder was sonst über Kassetten, Fanclubs oder neuerdings aus dem Internet bezogen werden kann. (Über die Zugehörigkeit zu Familie, Volk und Leuten einer Sprach- oder Religionsgemeinschaft haben wir schon in 78. von 144 „Leute“ gesprochen).

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Doch was drückt sich im Zugehörigkeitsgefühl, das Alfred Adler „Gemeinschaftsgefühl“ nannte, wirklich aus? Nehmen wir die äußere Zugehörigkeit als „Verpackung“, als Hülle, in die sich ein Kind kleidet, dann entsteht die Frage nach dem Inhalt, dem „Programm“, das da hinein gehört. Es bildet ja die eigentliche Kraft, die alles zusammen hält. Welches Programm haben wir? Das Menschsein allgemein, könnte man sagen. Und die oben genannten Zugehörigkeiten sind Modelle dieses Menschseins im Besonderen, Übungsfelder gewissermaßen.

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Was ist die große Kraft des Zusammenhalts? – Ist es nicht erstaunlich, daß unser Körper nicht auseinanderfällt, obgleich ihm so viele „Zerreißproben“ zugemutet werden? Denk nur an die scharfen Verdauungssäfte im Magen, die ein lebloses Gewebe sofort auflösen würden! Die Magenwände aber halten stand, wenn sie gesund erhalten werden.

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Auch über dieses Wunder solltest du dein Kind frühzeitig aufklären. Aber gibt es denn so da viele Geschichten? Eine ist die vom römischen Konsul Menenius Agrippa, der im Jahr 494 vor Christi Geburt dem unzufriedenen Volk der Republik klar gemacht hat, daß der „faule“ Magen – gemeint waren die privilegierten Patrizier – gefüttert werden müsse, da sonst auch die ihm zuliefernden „fleißigen“ Gliedmaßen – das waren die weniger privilegierten Plebejer – verdürben. Das Volk damals muss die Geschichte wohl verstanden haben und ist nach Rom zurückgekehrt. Ein Weltreich ist daraus später geworden, das uns noch heute mit seiner Kultur, (Kriegs-)Technik, Juristerei und Christentum beschäftigt.

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Wir sind alle zusammen mittlerweile ein Weltreich geworden, alle Völker gehören dazu. Wo ist der Kern zu allem? Wo sitzt die Hauptsache, die uns so empfinden läßt, daß alle diese Menschen auf der Erde zusammengehören, so verschieden sie äußerlich auch sein mögen? Und gibt es da ein Ende dieser Welt? Wohin gehören die Ahnen? Wohin die kommenden Generationen? Warum regt sich an so manchen Ecken das Gefühl1, wir müßten heute schon Verantwortung für „die Enkel“ übernehmen und dürften ihnen keine verbrannte Erde hinterlassen? Wer oder was ist federführend für solches Bewußtsein, das sich, zugegeben, nicht in jedem von uns gleich stark bemerkbar macht?2

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„Nun sag‘s schon!“ möchtest du wieder dazwischen rufen, und Recht hast du. So wie wir im vorigen Abschnitt das Über sich Hinauswachsen verursachend erkannt haben für andauernde Gesundheit, so sagen wir diesmal anscheinend das Gegenteil: Das In sich Hineinschauen, das viele genauso scheuen wie das Größer werden, verursacht das Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir haben inzwischen „Techniken“, die öffentlich erlaubt und zugänglich sind. In Selbsterfahrungs- und Therapiegruppen lassen sich dazu gehörige Seins-, Denk- und Verhaltensweisen erlernen3 Das wirkt sich dahingehend aus, daß immer mehr Menschen in sich das finden, was auch der Andere ist.4

©

eah 23. Januar 1999 und 7. Februar 2021


1 Inzwischen schamlos kommerzialisierte

2 Die sich selbst als Geist empfindenden werden denken: Diese „Enkel“, das sind wir selbst!

3 Frag mit Mail hilf@eahilf.de.

4 Ein dazu passender Passus aus R. Steiners Philosophie ist zum Beispiel: „Der Unterschied zwischen mir und meinem Mitmenschen liegt durchaus nicht darin, daß wir in zwei ganz verschiedenen Geisteswelten leben, sondern daß er aus der uns gemeinsamen Ideenwelt andere Intuitionen empfängt als ich. Er will s e i n e Intuitionen ausleben, ich die m e i n i g e n . Wenn wir beide wirklich aus der Idee schöpfen und keinen äußeren (physischen oder geistigen) Antrieben folgen, so können wir uns nur in dem gleichen Streben, in denselben Intentionen begegnen. ein sittliches Mißverstehen, ein Aufeinanderprallen ist bei sittlich freien Mensachen ausgeschlossen. (Seite 171)…Sittlichkeit ist dem Anhänger des Monismus eine spezifisch menschliche Eigenschaft, und F r e i h e i t die menschliche Form sittlich zu sein.“ (Seite 186; Kapitel X. Freiheitsphilosophie und Monismus, Die Philosophie der Freiheit. Grundzüge einer modernen Weltanschauung. Seelische Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlicher Methode. 2.-6. Tausend, Berlin 1918)


2 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    Der Mensch ist ein Rudeltier. Er sucht sich immer und überall Zugehörigkeit. Das sichert und verbessert sein Überleben, ist aber auch der Grund warum er bereit andere Gruppen auszugrenzen die ein anderes interesse Vertreten.
    Der Hauptgrund warum Konflikte überhaupt entstehen.

    Kinder erleben die erste Zugehörigkeit bei seinen Eltern, später folgen weitere bei Verwandte, Freunde, Schule usw. oder interessen die es nach seinen Empfinden für Stimmig hält. Allerlei Manipulationen mit eingeschlossen, das dann Comics Helden oder Musik Stars auch schon mal sein können.

    Kann den Artikel oben nur voll zustimmen, ist auch so mein Eindruck.

    Gefällt 1 Person

  2. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt 1 Person

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