bumi bahagia / Glückliche Erde

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Zum 23. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten I

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…und wieder ist es mir vergönnt, auf bb Ausserordentliches zu veröffentlichen. Danke, du guter Jasper Hasenbach.

Es braucht Mut, sich so offen zu zeigen in einer Welt, da heute alles in Bewegung gesetzt wird, des Menschen Entwickelung zu bremsen, da alles getan wird, dass eben gerade nicht geschehe, was du lebst, erlebst und sogar mitteilen kannst. Danke für deinen Mut! Die bb Leserschaft wird dein Werk schätzen, wird das sagenhafte Ineinanderfliessen von Realitäten geniessen, dieses Schweben, welches meiner Meinung nach Bestandteil unserer menschlichen Zukunft sein wird und von dem du hier etwas vorweg gibst. Lass mich als Hintergrund deiner Schrift deine eigenen Worte wiedergeben, welche du an mich gerichtet hast:

Vor genau vier Jahren geschah eines Nachts das Unsägliche, ich entschwand, nachdem ich mich im Bett auf die Seite drehte, ich bei vollem Bewusstsein in eine andere Dimension entschlüpfte. Dort erlebte ich das, was wir den Urzustand benennen, absolute Harmonie, absolute Liebe, absolute Freiheit, Friede und Einheit.

Wie lange der Ausflug dauerte, weiss ich nicht, aber die Auswirkungen auf mein Leben im Hier waren frappant und der Glückszustand dauerte über eine Woche lang an.

Während meinem Verweilen in der paradiesischen Dimension sprach eine klare Stimme während gefühlten Stunden zu mir, ich solle meine Erfahrungen, welche ich in meinem jetzigen Leben gewonnen habe zu Papier bringen und mit dem heutigen Erlebnis anfangen. „Und beschönige nichts“, wurde mir geboten.

Als ich am Morgen aufstand, war ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich tun soll. Doch nach einem Morgenkaffe mit Zigi und einer warmen Dusche startete ich das Notizbuch und begann zu schreiben, was da durch meine Finger floss. Ich schrieb einfach was da in mich floss und so mancher Mosaikstein fügte sich an den richtigen Ort ein. Ich fing an zu erahnen, um was es eigentlich geht.

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Guter Leser, lehne dich zurück und lasse einfliessen! Die wundersame Achterbahnfahrt wird dich beglücken!

Thom Ram, 23.12.NZ7 (Jahr 7 des Neuen Zeitalters)

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Ach ja, und der Schalk treibet mich, dir an Hand eines Beispieles zu zeigen, wie frei du alles aufnehmen, verstehen und deuten kannst und darfst. Ich meine die beiden Pferde (in Folge II, welche morgen erscheinen wird), von denen sich die Helden der Geschichte ziehen lassen. Die zwei frischen Pferde? Es waren die zwei Vergaser eines….. Land Rovers. Ist das nicht köstlich?

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Über das Leben

Seine Höhen und Tiefen

Scheitern und Überwinden

Freude und Leid

Suchen und Finden

Sehnsucht und Erfüllung

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Für Alle, die schon so lange

den Lebensweg mit mir teilen,

meine Seele zutiefst berühren,

und in meinem Herzen wohnen.

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Vorbemerkung:

Die vorliegende Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten.

Der Traum, in den die Geschichte eingebettet ist, wurde tatsächlich während einer ganzen Nacht in einer Art Wachzustand geträumt.

Alle anderen Träume, Eingebungen und Visionen wurden ebenfalls erlebt und erfahren.

Die Zeitepoche, in die der Verfasser die Geschichte einpflanzte, soll eine gewisse Zeitlosigkeit darstellen.

Alle Geschehnisse wurden aus der Sicht des Erzählers geschildert und müssen nicht zwingend mit den Wahrnehmungen eventueller Beteiligter übereinstimmen.

Was den Glauben an das Göttliche und die Bezeichnung Gottes betrifft, wollte der Erzähler keine religiösen Begriffe und bekannte Vorstellungen verwenden.

Denn jedes abgenutzte Wort enthält unzählige Interpretationen in sich.

Die schöpfende Macht des Universums ist nach seinem Verständnis

das HÖCHSTE, existierende SEIN.

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Universum bedeutet:

EIN VERS der ALLES enthält

Aus einem Gedanken wurde das ALL erschaffen

Diesen Gedanken fasste das Schöpfende in Worte

Und sprach diese in einem Vers aus

So erschuf das Höchste das UNIVERSUM

ES ist das UNIVERSUM

Und das UNIVERSUM ist ES

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Aus tiefstem Herzen

Für die Wahrheit und die Liebe geschrieben

Möge die Macht der Worte Licht in diese Welt bringen

Und sich in jedem Herzen offenbaren

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Prolog

Samuel tauchte aus dem kühlen Wasser des kleinen Sees auf, prustete laut und strich sich mit beiden Händen das Wasser aus den Haaren.

Ach, wie gut das tut‘, dachte er still bei sich und ein Strahlen erfüllte sein Gesicht. Jung und frisch fühlte er sich, obschon er schon in fortgeschrittenem Alter war.

Gut fühlte er sich.

Er bestaunte seinen wieder schlanken, gutgebauten Körper und lachte laut auf, als er sich daran erinnerte, wie er noch vor einigen Jahren aussah. Klein fühlte er sich damals, pum-melig und irgendwie traurig mit einem unruhigen Blick, als würde er nach einem verlorenen Gegenstand suchen.

Ja, so viele Jahre fühlte ich mich als heimatlos und ungeliebt und irgendwie wie nicht ganz‘, sinnierte er nachdenklich.

Auf der Suche nach der absoluten Wahrheit und der wahrhaftigen Liebe stieg ich in die tiefsten Tiefen und erklomm die höchsten Höhen, bis ich fand was ich suchte. Und heute ist alles so, wie es vom Schöpfer des Universums, dem Höchsten SEIN erdacht wurde. Wie ein zerbrochener Krug wurde ich von IHM wieder zusammengefügt und wurde endlich Ganz. Und dieses Gefäss füllte ES mit SEINEN Gaben‘.

Seither sprudelten Kraft, Liebe, Glück, Fröhlichkeit und Frieden wie eine Quelle des Lebens aus ihm. Samuel fühlte sich sicher und geborgen in der Einheit mit Allem.

Die körperlichen Arbeiten auf seinem beschaulichen Land-sitz hatten seine Muskeln gestärkt und seinen Körper gestrafft. Er liebte die Feld- und Gartenarbeit, auch an der Pflege der Schafe, Ziegen, Hühner und Gänse erfreute er sich. Aber über alles liebte er die Forstarbeiten in seinem kleinen Wald. Dort züchtete er eine Vielzahl besonderer und seltener Bäume und Gehölze für seine Regenbogenbögen.

Sein Blick erhob sich und wanderte über den kleinen See, er nahm die feinen, aufsteigenden Nebelschwaden über dem Wasser wahr und sah in die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne, die durch die noch lichten Birken schien. Saftig grün war es schon in diesem Frühling, alles um ihn herum spriesste und blühte, es summte und zwitscherte aus allen Richtungen und es schien, als hörte er selbst die Pflanzen wachsen und lachen.

Diesen Augenblick des erwachenden Tages genoss er jeden Morgen in vollen Zügen und ein „ich danke Dir, lieber Schöpfer für dieses unsagbare Glück“ kam mit einem Schauer der Dankbarkeit über seine Lippen.

Das Leben ist einfach wunderbar‘, dachte er bei sich und wieder strahlte sein Gesicht in Freuden auf.

Langsam stieg er aus dem Wasser, trocknete sich ab und zog sich an. Gemütlichen Schrittes und vor sich her summend, näherte Samuel sich seinem Haus. Etwa fünfzig Schritte hinter dem See, auf der rechten Seite stieg eine Rauchsäule aus dem Steinkamin des kleinen Hauses auf, das von weitem gesehen eher einem Erdhügel glich. Doch je näher man der Behausung kam, zeichneten sich plötzlich Türen und Fenster ab.

Alles schien irgendwie rundlich, scharfe Ecken und Kanten wie bei gewöhnlichen Häusern gab es nicht. Wer das Haus zum ersten Mal sah dachte, er sei in eine Märchenwelt eingetaucht. Aus Holz, Steinen, Lehm und Erde war es gebaut und schien mit der Erde verbunden zu sein. Ein Erdhaus für Erdenmenschen war es, denn er und seine Frau fühlten sich mit IHR tief verbunden.

Vor dem Garten, der sich vor dem Haus befand, blieb er kurz stehen, schaute über die schon bepflanzten und noch brachliegenden Beete und machte sich erste Gedanken über die heutige Arbeit.

Ja, heute wird es Zeit sein, den Roggen auszusäen“, sagte er halblaut zu sich selbst.

Der Duft von Rührei, frischem Brot und geschmolzenem Ziegenkäse riss ihn aus seinen Gedanken und ein Hungergefühl machte sich in ihm breit.

Oh, Samara ist schon wieder fleissig, ich will sie nicht warten lassen‘!

Hurtig liess Samuel den Garten hinter sich und trat durch die handgeschnitzte, aus Eichenbohlen gefertigte Haustür, schloss sie und blieb wie angewurzelt und überwältigt stehen.

Samara sass auf einem Hocker neben dem Küchentisch. Ihr kastanienbraunes, welliges Haar trug sie wie jeden Morgen offen, die kleine Tochter lag in ihrem Schoss und nuckelte genüsslich an ihrer Brust.

Der ältere Sohn hockte am Küchentisch und spielte vertieft mit einem Schaf und einer Ziege, die ihm sein Vater aus Holz geschnitzt hatte.

Samara blickte zu Samuel auf, erkannte seine Ergriffenheit und musste einfach lächeln. Wie genoss sie doch jedes Mal diesen Augenblick, wenn ihr Liebster durch die Tür schritt, wie vom Blitz getroffen stehen blieb und sie und die Kinder wie ein Weltwunder betrachtete. Ein Glücksschauer durchlief sie.

Samuel sah in die tiefblauen Augen von Samara. Eine tiefe Liebe und Ergriffenheit erfüllten sein ganzes Wesen.

Wie gut, dass ich damals dem Medicus Mordechai geholfen habe, das Heu für seine Schafe einzuholen‘, dachte Samuel versonnen nach und plötzlich sah er die ganze Geschichte vor sich, so wie alles begann.

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Und es begab sich…

Eigentlich wollte ich grad in die Stadt reiten, habe aber das Pferd noch nicht gesattelt und meine Reise kann ja auch bis morgen warten, klar komm ich dir helfen“, sagte Samuel zu Mordechai.

Samuel konnte es einfach nicht ausschlagen, wenn ihn jemand um Hilfe anfragte.

Für was anderes bin ich denn auf dieser Erde, als um den Menschen zu helfen, die mich um meine Unterstützung anfragen‘? war sein Fazit.

Es war ein Teil seiner Eigenart, sein eigenes Vorhaben beiseite zu legen und sich ganz dem Bedürfnis des anderen hinzugeben. Viele erfüllende Erlebnisse zeichneten sich dadurch in seinem Leben ab. Aber des Öftern wurde sein Handeln auch nicht richtig verstanden und er fühlte sich zutiefst verletzt, wenn die Menschen seine Hingabe missverstanden.

Wer aus dem Herzen und mit Herzblut arbeitet, wird auch im Herzen verletzt“, sagte er einmal tröstend einem verzweifelten Kellner im fernen Frankenland, der mit Tränen in den Augen vor ihm stand, nachdem er von seinem Patron gerügt worden war.

Also stieg Samuel auf den Kutscherbock und setzte sich neben den graubärtigen Mordechai, schaute hinter sich und war erstaunt, was ein Medicus so alles mit sich herumchauffiert.

Sogar aufs Feld nimmt er all die Sachen mit. Einen zweiten Wagen fürs Heu muss man deswegen anhängen‘, dachte er lächelnd.

Gemütlich trotteten die beiden Pferde über den Weg hinauf zur Wiese, wo das trockene Heu wartete.

Als die Pferde über die Anhöhe schritten, erblickte Samuel ein junges Mädchen, sicher nicht mehr als fünfundzwanzig Lenze alt. Mit einem Rechen in den Händen rechte sie das Heu zu Schochen.

Ganz erstaunt darüber, dass noch eine Helferin da war, sprang Samuel vom Kutscherbock, als die Pferde zum Stehen kamen.

Das ist Samara, meine Störenmagd und das hier ist Samuel, der Regenbogen-Bogenbauer“, rief Mordechai laut vom Bock herunter und erhob sich gemächlich.

Zu wem gehört diese junge Frau, hat sie ihren Aus-erwählten schon gefunden? ‘ fragte sich Samuel insgeheim.

Wie immer bei einer besonderen Art der Begegnung mit einer bestimmten Art Frau, überkam ihn eine Hoffnung, endlich seine so lang ersehnte und seit langem erwartete, zweite Hälfte seines Selbst gefunden zu haben. Als ob er eine zerbrechliche Kostbarkeit gefunden hätte, näherte er sich dem jungen Mädchen und streckte ihr seine Hand entgegen.

Sei gegrüsst Samara, schön dich kennen zu lernen“, begrüsste Samuel sie, die ihn mit ihren himmelblauen Augen schüchtern und verlegen anschaute, ihm die Hand reichte und sich dann mit dem Arm die Anstrengung von der Stirne wischte. Schön und zierlich war sie, diese Samara, obschon sie ihre Reize sehr geschickt und irgendwie bewusst verbarg.

Zusammen fingen sie an, Heuschochen auf den Wagen zu laden und langsam kamen sie dabei ins Plaudern.

Regenbogenbögen baust du also“, begann Samara das Gespräch. „Ich möchte schon lange einen solchen zu handhaben lernen. Bis jetzt hatte ich nur eine Kugelschleuder, aber du weisst ja selbst, diese Dinger sind nicht ganz ungefährlich“.

Regenbogenbögen können auch gefährlich werden, wenn der Geist desjenigen, der ihn gebraucht, nicht rein ist. Ein solcher Bogen schleudert den Pfeil nicht einfach nur weg, sein Sinn liegt im Zentrieren der Energien des Menschen, damit er sein Lebensziel treffen kann“, begann Samuel zu schwärmen.

Im Philosophieren über das Dasein konnte er sich im Nu vergessen und sein Geist begann in unerreichbare Höhen aufzusteigen. Mit seiner Fantasie begann er dann jeweils die unglaublichsten Gebilde zu erschaffen. So manchem, mit beiden Beinen auf der Erde stehenden Menschen war es unmöglich, diesen Gedanken zu folgen.

Nicht aber Samara, mit einem Strahlen in den Augen antwortete sie:

Ja Recht hast du! Es ist wichtig, dass wir die Kraft in uns für das wahre Leben bündeln. Sag, wann kann ich deine Regenbogenbögen anschauen kommen und handhaben lernen“?

Wann immer du willst“, antwortete Samuel. Ein leiser Funke der Verbundenheit rührte sich erstmals in ihm.

Ah, endlich jemand der weiss, um was es im Leben geht‘, dachte er bei sich selbst.

So verstrich die Zeit seit ihrer ersten Begegnung.

Samuel hatte die Hoffnung, dass Samara doch noch eines Tages vor seinem Haus stehen würde fast schon aufgegeben und sich bereits wieder in seinem Alltag verstrickt. Er baute weiterhin Regenbogenbögen, obschon nur wenige an seinen Geschöpfen Gefallen gefunden haben. Ausser einigen Wenigen, die ihre Besonderheiten erkannten.

Er hatte in diesem Sommer entschieden, sich nicht mehr Sorgen über seine Zukunft zu machen, weil er erkannt hatte, dass da eine höchste Macht war, die über ihm wachte und das Beste für ihn wollte.

Nicht die Abgötter Namens Angst, Vorurteil und Schuld oder die noch schlimmeren, Gier, Machthunger und Willkür. Seit Menschengedenken versuchen diese zusammen mit ihrem Meister der Lüge, der sich Lichtbringer nennt aber die Finsternis verbreitet, die Erde zu beherrschen.

Samuel erkannte, dass nur das HÖCHSTE, das Schöpfende des Universums, das Sagen hat und dass er IHM vorbehaltlos vertrauen konnte.

Noch nicht lange hatte Samuel diese innere Gewissheit, denn bis vor wenigen Jahren dachte er, er selbst mische die Karten und bestimme das Spiel.

Dabei hatte er in jungen Jahren eine direkte Offenbarung und durfte die Worte und Bilder vom Höchsten empfangen.

Das Spiel und das Buch des Lebens

Um seine Beziehung zu seiner Mutter ging es damals. Er fühlte sich von ihr ungerecht behandelt. In den fernen Orient war Samuel in diesen Jahren geflüchtet, weitab von der Heimat, einsam und sich selbst überlassen.

An einem Sonntag war‘s, nach einer Wanderung mit den Obrigkeiten des Hospizes für Stumme und Taube. Seit mehr als einem Jahr arbeitete er dort und unterrichtete die jungen Männer in der Kunst der Eisenbearbeitung.

Eine kleine Meinungsunstimmigkeit mit der Frau des Werkstattmeisters war der Auslöser, dass er in einen nicht mehr ansprechbaren Zustand fiel. Mit offenen Augen sass er da, immer tiefer fiel er in sich hinein, wurde immer trauriger und befand sich schlussendlich in einer unbeschreiblichen Leere.

Plötzlich sah sich Samuel in einem Kreis, am Boden sitzend in ein Kartenspiel vertieft, mit einem überheblichen Lächeln auf den Lippen und mit der Gewissheit, er hätte die besten Trümpfe in der Hand. Er legte sein bestes Blatt in die Mitte des Kreises und war überzeugt davon, alles übertrumpft zu haben.

Erst jetzt viel ihm auf, mit wem er am Spielen war.

Nur eine körperlose Hand nahm er wahr, die eine Karte in die Mitte legte, welche alles übertrumpfte.

Und Samuels ausgelegte Karte wurde von dieser überdeckt.

Da überkam ihn eine schreckliche Angst und Verlorenheit, von oben sah er sich, vollkommen nackt, alles was er vorher auf sich getragen hatte, lag nun auf einem Haufen im Kreis. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte er gerade sein letztes Hemd verspielt und sass nun splitternackt und erbärmlich vor dem Höchsten.

Aber ich wollte mich doch nur rechtfertigen …“ flehte Samuel das Höchste an.

Da erschien ein grosses Buch vor Samuels Augen und das Höchste sprach zu ihm:

Siehe und lies, denn das ist deine Seite im Buch des Lebens. Alles, was du getan hast und noch tun wirst, wird in diesem Buche festgehalten. Es muss festgehalten werden, damit die Fragen, die durch deinen Lebenswandel entstehen, später beantwortet werden können. Schau, du hast die Macht zu entscheiden, was auf deiner Seite steht. Denn ich habe dir den freien Willen gegeben, so zu handeln wie du willst. Du hast die Wahl: willst du lieben oder hassen, schaffen oder zerstören, zeihen oder verzeihen? Du entscheidest“.

Aber du weisst doch, was mir meine Mutter angetan hat, wie ich nicht gerecht behandelt wurde…“.

Da hob das Höchste leicht die Ecke der vorhergehenden Seite des Buches an und sagte:

Schau, aber lesen darfst du nicht, denn dies ist die Seite deiner Mutter. Hier sind ihre Handlungen niedergeschrieben. Sie ist verantwortlich für ihre Taten. Und du bist allein für die Deinigen verantwortlich. Egal, was sie dir angetan hat, du musst dich entscheiden, ob du im Lieben oder Bösen darauf reagieren willst. Du hast die Macht der Entscheidung.

Deine Taten bestimmen dein Leben, zum Guten wie zum Schlechten. Handle gegenüber jedermann so, wie du selber behandelt werden möchtest. Denn was du säst und mit welcher Gesinnung du das tust, genau diese Früchte wirst du auch ernten. Und nun gehe in Frieden“.

Benommen und noch ganz der Welt entfremdet erwachte Samuel aus diesem tranceähnlichen Zustand. Erkenntnisse der Wahrheit wurden ihm bewusst und er entschied sich, nur noch das Richtige tun zu wollen.

Leider wusste er damals noch gar nicht, was das Richtige ist. Erst viele Jahre später begriff er erstmals die folgenden Worte:

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Achte auf deine Gedanken,

denn sie werden zu deinen Worten

Achte auf deine Worte,

denn sie werden zu deinen Taten

Achte auf deine Taten,

denn sie werden zu deinen Gewohnheiten

Achte auf deine Gewohnheiten,

denn sie werden zu deinem Charakter

Achte auf deinen Charakter,

denn er wird zu deinem Schicksal.

*****

Die Läuterung

Gut drei Jahrzehnte später, kurz vor seinem Geburtstag wurde Samuel wieder einmal schmerzlich bewusst, wie tief und verzwickt er sich im Gespinst seines Lebens verirrt hatte. Immer des Öfteren kam er zu der Überzeugung, dass er endlich einen Ausweg aus seiner vertrackten Situation finden musste.

Aber wie kann das geschehen, ohne einen der Beteiligten zu verletzen und dadurch auch sich selbst? ‘ fragte er sich immer wieder.

Auslöser für sein Tief war eines seiner philosophischen Gespräche mit seinem Freund Mattheos. Als sie über das Reich Gottes zu sprechen begannen, wo es sich wohl befinden möge und wie man es erreichen könnte. Sie kamen zum Schluss, dass dies nicht ohne Läuterung gehe.

Beide waren des Schmiedens mächtig und wussten, dass das Läutern von Metallen nur durch dessen Schmelzen und Abschöpfen der an der Oberfläche schwimmenden Schlacke geschehen kann. Und dieser Vorgang musste oft mehr als einmal wiederholt werden.

Oder du kannst dir auch eine Zwiebel vorstellen“, begann Samuel wissend. „Wenn du zum guten Kern vordringen willst, musst du die verdorrten oder verfaulten Schalen entfernen. Und, was denkst du, kann das die Zwiebel selber, oder kann sich Metall selber schmelzen und läutern“?

Natürlich muss da der Meister her, anders geht es nicht“, pflichtete ihm Mattheos bei.

Weisst du Mattheos, bei mir ist das schon eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal von meinem Meister einer Läuterung unterzogen wurde und glaub mir, es ist immer schmerzhaft“, verkündete Samuel mit einem gewissen Stolz in seiner Stimme.

In seinem Innern aber dachte er unruhig: ‚eigentlich wär es wieder einmal an der Zeit‘.

Die nächste Läuterung liess nicht lange auf sich warten und sein so mühsam aufgebautes Kartenhaus fiel wieder einmal in sich zusammen. Seine begangenen Irrtümer nannte Samuel mit Vorliebe Kartenhäuser.

Wenn sie über ihm zusammenkrachten, starb für ihn in der Regel eine kleine Welt. Trotzdem war er im Nachhinein seinem Hüter dankbar, dass er ihn immer rechtzeitig von seinen Irrtümern befreite.

Samuel dachte in all den Tiefs, die er in seinem Leben immer wieder durchwanderte intensiv, aber nicht unbedingt gerne über seine Handlungen nach. Immer wieder kamen ihm neue Situationen in den Sinn. Oft wurden sie von einer, ihm bis anhin unbekannten Perspektive beleuchtet und jedes Mal wurde ihm dabei speiübel, angst und bange, er sah das Unheil unabwendbar auf sich zu kommen. Der einzige Ausweg der ihm blieb war, sich in die Gegenwart des Höchsten zu begeben. IHM sein Versagen zu offenbaren und ES um Verzeihung zu bitten. Jedes Mal wurde sie ihm liebend und verstehend gewährt.

Samuel entschied sich in dieser finsteren Zeit, sich von jetzt an ganz der Wahrheit hinzugeben, alles was ihn am Wachstum behindere, auszumerzen und seine Gedanken und Taten von allem fern zu halten, was ihm schaden könnte.

Keine Handlungen mehr, die mir Angst machen, Schaden und Leid erzeugen. Nicht mehr gegen den Willen des Höchsten, den Meinen und Seiner Geschöpfe verstossen.

Endlich für meine Bestimmung leben, die zweite Hälfte meines Selbst finden und mit ihr vereint sein und bleiben‘,

waren seine Herzenswünsche.

Kurze Zeit später traf er bei der Heuernte das erste Mal auf Samara.

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An einem schwülen Spätsommerabend sass Samuel in seinem Lieblingsstuhl vor seiner Hütte und rauchte seine Friedenspfeife, wie er sie nannte. Denn der mangelnde Frieden in seinem Innern war ihm stets bewusst. Er las in einem seiner geliebten Bücher, als plötzlich die Hausglocke läutete.

Vor ihm stand völlig unerwartet eine junge Frau.

Guten Abend, eh, Samara, stimmt’s“?

Guten Abend Samuel, ja, Samara ist richtig. Endschuldige mein spätes kommen, störe ich dich gerade bei etwas“?

Nein, komm doch rein und sei willkommen. Schau das ist Irma, meine Frau. Irma erhob sich kurz und begrüsste den Gast.

Samuel war jetzt schon dreissig Jahre mit Irma zusammen. Ein allemal gutes Gespann gaben die beiden ab, auch eine gemeinsame Tochter, an der sie sich erfreuten, hatten sie. Aber es gab wesentliche Dinge, die in ihrer Beziehung fehlten. Samuel, ein Philosophikus durch und durch, sinnierte seit drei Jahrzehnten darüber nach, warum ihm seine Frau ihr Herz nicht öffnen, oder anders gesagt, er den Zugang zu ihrem Herzen nicht finden konnte.

Da sich die beiden nicht im Herzen fanden, wollte sich Samuel viele Male von seiner Frau trennen, aber so wie es für Irma unmöglich war, ihrem Mann gegenüber ihr Herz zu öffnen, war es ihm unmöglich sie zu verlassen.

Sie wurde bereits schon so viele Male verlassen, von ihrem Vater, der in ihrer frühen Jugend starb und ihrer Mutter, die die meiste Zeit in der Heilanstalt verbrachte. Völlig auf sich allein gestellt, meisterte sie ihre Jugend- und Lehrzeit zur Schneiderin.

Vielleicht wurde sie dadurch so hart im Nehmen und lässt niemand an sich heran‘, grübelte Samuel oft über ihre Art nach, die er einfach nicht verstehen konnte.

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Zum 24. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten II

Zum 25. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten III

Zum 26. Dezember / Der Traum vom Regenbogengarten IV

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