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fressen / speisen / bouffer / manger

Berlinaufenthalt. A.D. 1995. Zweck: Das zweite Mal den Berlin Marathon laufen. Das tat ich dann auch. Aufenthalt: An der Moritzstrasse, Name des Hotelchens vergessen, irgend ein ….hof.

Nachtrag. Fiel mir beim dritten Korrekturlesen zu: Sachsenhof.

Frühstück. Reiches, sehr wohlschmeckendes Berliner Frühstück. Am übernächsten Tisch liess sich eine Schwarze nieder (zwecks heute geforderter sozialer Korrektheit zur Auswahl: Reichpigmentierte, Afrikanerin, Negerin, Mohrin, Nichtweisse, Nichtrote, Nichtgelbe). Ich beachtete die Frau nicht weiter, frühstückte mit Genuss. Als ich wieder mal hinüberschaute, war sie im Gehen begriffen. Ich danach auch, warf einen Blick auf ihren Tisch.

Das Eine und das Andere angefressen, die schiere Hälfte neben dem Teller, auch wenn eine Ente dortens rumgemacht hätte, hätte die angerichtete Unappetittlichkeit des zu 90% Verschmähten nicht übertroffen werden können.

Ich dachte: Neureich. Ich dachte: Sau. Ich dachte, gemischt angewidert und traurig: Weiss die wundervollen Gaben nicht zu schätzen.

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Sass im NSCF, deuxième classe, mir gegenüber eine Frau höheren Alters, äusserlich unauffällig und ausgesprochen gepflegt. Sie nahm ihre Tasche, kramte etwas hervor, sorgfältig, vielleicht etwas umständlich. Aha. Ein in ein Tüchelchen gewickeltes, eindeutig selber gebasteltes Eingeklemmtes (Schwiizertüütsch. Unten und oben Brot, dazwischen das Leckere). In ein Tüchelchen gewickelt, nicht in Plastik, nicht in Papier. Sie breitete das Tüchelchen auf ihrem Schoss aus, betrachtete die Speise ruhigen Blickes, führte sie zum Munde und nahm einen sorgfältig bemessenen Bissen. Jeden Bissen kaute sie bedächtig. Nach gehabtem Mahle nahm sie die Brosamen auf dem Tüchelchen auf und auch die führte sie zu ihrem Munde, faltete das Tüchelchen exakt, verstaute es in ihrer Tasche und sagte leise zu sich selber:

„Ce fut bon“. 

Ich war erschlagen, berührt und gerührt. „Ce fut“ steht stellvertretend für das gewöhnliche „C’était“ (dies war), bezeichnet einen in der Vergangenheit liegenden Vorgang, der abgeschlossen ist, ist absolut nicht umgangssprachlich sondern nur in gehobener französischer Literatur zu finden. „Ce fut bon“.

Meine Güte, ich war hingerissen.

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Warum es so ist, weiss ich nicht. Mir wurde das in die Wiege gelegt. Meine Spielzeuge waren mir heilig, da war nie etwas kaputt, und wenn wegen Altersschwäche doch, dann  wurde es repariert, so gut wie immer möglich. Essen? Undenkbar, etwas auf dem Teller zu lassen, geschweige denn, etwas Geniessbares als Abfall zu behandeln. Honig gar, da ich wusste, welch Bienenfleiss ein jeder Tropfen kostet, konnte ich gar nicht sorgfältig genug vom Teller kratzen.

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Die Kinder hier, da bedenkenlos weggeschmissen wird alles, was nicht neu und schön ist, lernen es von mir. Ist Erwachsener als Vorbild akzeptiert, lernen die Kinder von ihm alles. Es ist einer meiner Beiträge für das keimende Neue Zeitalter.

Ich sage das nicht, um gute Tat von mir hervorzustreichen. Ich sage es, um Dich, guter Leser, zu bestärken. Ehre die Schöpfung weiterhin, auch in allen Stürmen. Die dir Zugewandten tun es Dir nach.

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Thom Ram, 06.07.07

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Morgen wird das sagenhafte Datum 07.07.07. sein.

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12 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    So is es, die Wertschätzung was man hat ist vielen im Technikx Zeitalter verloren gegangen.

    Einweg als ideal, nach mir die Sinnflut. Nur was ist wenn die Sinnflut vorher kommt !

    Wahrscheinlich bald auch kein Problem, bei den vielen Plastikmüll im Meer schwimmt man gut oben.

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  2. Wolf sagt:

    Wertschätzung ist hier das Schlüsselwort. Zur korrekten Wertschätzung bedarf es eines gewissen Einschätzungsvermögens. Aufgrund der vielen Mogeleien, die heutzutage bei der Produktion von Eßwaren (die man fälschlicherweise als Lebensmittel deklariert) begangen werden, wird es einem oft schwer gemacht, den richtigen Wert einer Eßware einzuschätzen.

    Ich meine, das aufgeführte Beispiel aus dem Hotel hat eher etwas mit Benimmregeln zu tun – ganz im Sinne des persischen Sprichwortes „Höflichkeit ist ein Kapital, das den reicher macht, der es ausgibt.“ Leider haben sich bei einem beachtlichen Teil der nachwachsenden Bevölkerung inzwischen völlig andere Benimmregeln etabliert.

    Daß man es mit der Etikette auch übertreiben kann, habe ich vor etlichen Jahren schmerzlich am eigenen Leib erfahren müssen. Damals radelte ich mit einer Kollegin von einem feucht-fröhlichen Abend nach Hause. Da wir Hunger hatten und fast alle Geschäfte bereits geschlossen waren, machten wir einen Stop bei einer Snackbar, die warme Imbisse aus dem Automaten anbot. Meine Kollegin riet mir zu einer Rindfleischkrokette. Voller Appetit biß ich etwa ein Viertel der Krokette ab, ohne zu wissen, daß sich im Innern brühend heißes Ragout befand! Da ich den heißen Brocken nicht vor meiner Kollegin auf den Tisch ausspucken wollte, rollte ich in meinem Mund hin und her und verbrannte mir dabei die Zunge und den Gaumen. Als ich es nicht mehr aushielt, schluckte ich ihn kurzerhand hinunter und verbrühte mir dabei auch noch die Speiseröhre und den Magen.

    Fazit:
    Wertschätzung ist wichtig, doch man sollte nicht alles schlucken, was man vorgesetzt bekommt.

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  3. Wolf sagt:

    Tischmanieren kann im Grunde jeder erlernen. Dieser Film beweist es.

    Vielleicht sollte man dem anspruchsvollen Nachwuchs dafür einen Bachelor-Abschluß anbieten.

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  4. Johannes Anunad sagt:

    Ja… WERTschätzung ist ein hilfreicher und nötiger Anfang, besonders in dieser derzeit noch existierenden „westlichen Gesellschaftsform“ und den inzwischen global von ihr beeinflussten anderen Kulturen.
    Wie ich schon öfter erwähnte, habe ich mir darüber hinaus gehende Gedanken gemacht bei der Erkundung von Möglichkeiten, eine wirklich NEUE, nachhaltige Form von Miteinander zu entdecken. Und diese praktiziere ich selber auch, soweit es mir bereits gelingt – gemäß meinem Leitspruch „walk your talk“ – frei übersetzt: „Lebe, was Du predigst“.
    Für MICH stellt es sich daher heute so dar, dass es noch dienlicher und natürlicher ist, wenn wir aus der WERTschätzung, wie sie heute verstanden wird, also den Dingen einen angemessenen WERT beizumessen, eine wertSCHÄTZUNG oder gar eine – gänzlich bedingungslose! – SCHÄTZUNG wird. Darunter verstehe ich, dass ich ALLES, was sich durch mich ausdrücken will, in Ausdruck bringe und mein Umfeld wird dies (und damit auch MICH), als natürliches Ergebnis meines Lebens, mehr und mehr so SCHÄTZEN, wie es sich darstellt, entstanden ist. Unabhängig von seiner materiellen „Brauchbarkeit“, Menge und Güte (=WERT), den Kosten verwendeter Materialien (die gibt es in einer derartigen, bedingungslos SCHÄTZENDEN Gesellschaft und Lebensweise eben gar nicht mehr), dem aufgebrachten Zeitaufwand etc.
    .
    Und wie gelangen wir dahin? Wie es Thom Ram oben so schön sagt: Durch das eigene Handeln! Nennen wir es von mir aus „mit gutem Beispiel voran gehen“. Es schafft immer wieder einen Anfang – und es inspiriert Andere, es ebenfalls auszuprobieren. Ganz ohne Missionieren.

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  5. Der mit dem Hund ist soooooo gut !
    Hab sowas Ähnliches vor vielen Jahren mal gesehen und hab fast unter dem Tisch gelegen !

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  6. Thom Ram sagt:

    Hund.

    Dito.
    Erlebte es auch ma life, mit Zwerchfellriss vor Lachen. Vorliegende Darbietung: Göttlich.

    Wertschätzung.

    Ja, das Wort trifft, worum es geht, und es muss richtig verstanden werden: Es wird kein Wert geschätzt, vielmehr ist die Sache wertvoll, ohne Messlatte, mehr, die Sache ist heilig, ein jedes einzelne Atom.

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  7. Wolf sagt:

    Thom Ram 09:26

    Wertschätzung
    Wenn der Hotelkoch die Bratkartoffeln zum Frühstück in Frittieröl mit Silikon (Schaumverhüter E900) brutzeln ließ und der knusprige Frühstücksspeck mit Phosphat (E450) stabilisiert wurde, dann hält sich meine Wertschätzung für „die wundervollen Gaben“ eines ansonsten liebevoll zubereiteten Büffets in Grenzen. Derartige heimtückische Anschläge auf die Gesundheit der Gäste sind in (den Zulieferbetrieben) der heutigen Gastronomie leider gang und gäbe. Kaum einer fragt danach oder beschwert sich darüber.

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  8. Thom Ram sagt:

    Wolf 10:56

    Hihi, du rettest meinen Tag, du böser Wolf du, lach.

    Habe ich denn gesagt, dass wir alles, was wir wertschätzen, auch essen sollten? Also ich schätze hoch zum Beispiel gesunden Kuhmist, ebenso ehre ich den tödlichen Brecher und ein jedes Bestandteil einer A Bombe.

    Ich führe das nun nicht weiter aus, würde mich freuen, Gedankenstübchen (meines allen voran) anzuregen. Schmunzel.

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  9. Kuhmist ist super, aber nur so welcher von einem echten Misthaufen beim Bauern vor der Tür, nicht der Mist der aus den Massenzuchtanstalten kommt.

    Guter Mist wurde im Frühjahr von Oma bestellt für den Garten.
    Die ganze Familie war damit beschäftig den Mist in grossen Plastikkörben von der oberen Etage (unser Haus hatte Hanglage ) zwei Etagen nach unten zu schleppen wo der Garten lag. Das waren einige Körbe voll.
    Dort wurde dann der Mist unter das frisch umgegrabene Erdreich gemischt, worauf dann später die leckersten Erdbeeren Gurken, Bohnen, Möhren, Rote Bete, Salate und Co. wuchsen……

    Was witzig war: der Mist vom Bauern hatte nicht solch einen unangenehmen Geruch als heute.
    Der Bauer war nämlich ein Kleinbauer und hatte nur maximal 20 Kühe.
    Und jeden Tag kamen sie raus auf die Weide.

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  10. Mujo sagt:

    Laß mir getrockneten Kuhmist Regelmässig zuschicken für mein Agnihotra Feuer, soll von Bio Bauern sein. Brennt gut und riecht nicht.
    In vielen Ländern wo es sehr Trocken ist wird jede Art von Tierischen Mist gesammelt, schont den Wald.

    @Wolf

    Deswegen gehe ich so ungern ins Restaurant. Es gibt kaum noch eins was ohne den Chemischen Beilägen auskommt. Außer reine Bio Küchen. Nur habe ich noch keinen Chinesen, Italiener oder Inder darunter gefunden. Was noch viel schlimmer ist, in den Asiatischen Lebensmittel Läden gibt es kaum Produkte die nicht die 10 Fache Menge gegenüber den Deutschen Lebensmittel an Chemie ist. Da wird Asiatisch Daheim Kochen sehr schwierig.

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  11. eckehardnyk sagt:

    Ce fut bon – Ob dieses Ausdrucks lohnte es mir, den Strang gesehen zu haben. Zur Vorbildfrage sagte
    Paul, der Apostel: Wisst ihr denn nicht, dass sich an uns sogar das Schicksal der Welt und der Engel entscheidet? (siehe 1. Korinther 6,2-3)

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  12. Vollidiot sagt:

    Kultureinflüsse befestigen sich epigenetisch.
    Das haben schon kleine Moslembuben und -mädchen drauf.
    Da ist der Wert schon verankert.
    Wir sollten solche Dinge nicht unterschätzen.
    Da ist einiges an „bereichernder“ Kultur erforderlich um Änderungen zu bewirken.
    Zuvorderst aber die eigene Bereitschaft zur „Bereicherung“.
    Wenn wir hier noch wüßten was bereichern könnte, neben Gutmenschißmus, Gedenken und Gesslerhut griaßn ………………………………

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