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D.H.Pritt / Besuch in einem sowjetischen Arbeitslager

Der untenstehende Artikel ist in Sascha’s Welt erschienen.

Gibt es Anlass, dem Bericht zu misstrauen? Handelt es sich beim beschriebenen Lager lediglich um ein Vorzeigeobjekt?

Sollte es -wie ich hoffe – die Zustände durchschnittlicher Lager spiegeln, so gratuliere ich Russen und damaligem russischen Geiste von Herzen.

Inzwischen ist einiges Wasser die Wolga runtergeflossen. Wie sieht es heute aus?

Weiss jemand mehr?

Thom Ram, 05.03.07

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D.H. Pritt: Besuch in einem sowjetischen Arbeitslager

kolonija332Die Lügen und Verleumdungen über die Geschichte der Sowjetunion und insbesondere über die sowjetischen Arbeits- und Erziehungslager, nehmen kein Ende. Es ist klar, daß in den westlichen Massenmedien immer wieder vor allem Horrorgeschichten über die sowjetischen Arbeitslager verbreitet werden, um damit von den Verbrechen des Kapitalismus abzulenken und die eigene Bevölkerung zu betrügen. Die Zahlen der Strafgefangenen in den USA (aber auch in der BRD) haben im Vergleich zur DDR und den anderen sozialistischen Ländern eine astronomische Höhe erreicht. Kriminalität ist ein Wesenmerkmal des Kapitalismus. Und die Brutalität des Polizeiterrors ist nicht nur in den USA, sondern auch in anderen kapitalistischen Ländern besorgniserrregend. Wenn also hier von den Arbeitslagern in der Sowjetunion die Rede ist, so hat das eine besondere Bedeutung. Kein Zweifel, daß ein so weltweit angesehener Jurist wie der britische Kronanwalt Pritt die Tatsachen ebenso ausführlich wie wahrheitsgenmäß beschreibt.

Mahnruf Workuta

(Der bekannte englische Kronanwalt D.N. Pritt gibt hier eine Schilderung der Zustände in einem sowjetischen Arbeitslager, das er vor einem Jahr besichtigte.)

Man sagt uns, es gäbe in der UdSSR zwei, fünf, sieben, neun, ja zwölf Millionen Menschen, die in „Sklavenlagern“ schmachten würden. Jedwede Zahl wird angegeben, und ein reichlich bezahlter englischer Journalist schätzte die Zahl der in den Sklavenlagern lebenden Häftlinge sogar auf 18 Millionen!

Man möchte uns glauben machen, daß diese Lager einen alltäglichen Anblick in der Sowjetunion darstellen. Und trotzdem … kann man in diesem Land die Entwicklung das Unterrichtes, der Kunst und der Wissenschaften, die Anwendung des neuen Konstruktionsprogramms und die Erhöhung des Lebensstandards feststellen!

All dieses Gerede ist unverschämter Unsinn wie alles andere antisowjetische Geschwätz. Ich werde es beweisen.

Die Absurdität der Verleumdungen kommt in voller Klarheit an den Tag, wenn man die Feindschaft; die nach gewissen Legenden zwischen Sklaven und dem Regime bestehen soll, vergleicht mit dem Anblick der Sowjetvölker, die für ihr Land arbeiten und kämpfen, im Frieden wie Im Krieg.

1427297924_i_048In der Tat, nehmen wir an, die antisowjetischen Legenden seien wahr. Wenn es also, so w!e es die antisowjetischen Hetzer zu glauben wissen, zehn Millionen Erwachsene in diesen Lagern gibt und drei Millionen jährlich sterben, müssen alle fünf Jahre fünfzehn Millionen neue Internierte gefunden werden, um den Bestand von zehn Milnonen zu erhalten. Diese ungewöhnlichen Zahlen, welche sich auch auf Frauen und Kinder der „Sklaven“ sowie auf die Reserve der zukünftigen Häftlinge, die das System voraussetzt, beziehen würden, sagen, daß rund die Hälfte der ganzen sowjetischen Bevölkerung dem Regime abhold sei!

Stellen wir uns dann die Frage: Wie haben es die sowjetischen Bürger angefangen, während des Krieges dem Eindringling zu widerstehen, ohne nur von dem Heroismus, der Zähigkeit und dem Mut, der alles Gesehene übertrifft, und von der militärischen sowie industriellen Fähigkeit der UdSSR zu sprechen?

Vergessen Sie nicht, daß die sowjetische Industrie, sogar nachdem die .UdSSR die Wichtigsten industriellen Regionen des europäischen Rußland eingebüßt hatte, 90 Prozent des von den sowjetischen Armeen gebrauchten Kriegsmaterials erzeugt hatte. Die Anleihen an die Sowjetunion waren eine großzügige Tat; sie waren willkommen, und ihre Nützlichkeit kann nicht geleugnet werden, aber sie stellten nur vier Prozent des totalen Kriegsmaterials, das die UdSSR benötigte, dar. Auch erhielt die Sowjetunion, was Tatsache ist, weniger als die Hälfte an Anleihen, die Großbritannien erhielt.

Was ich gesehen habe

Lassen Sie mich jetzt erzählen. Was ich im Jahre 1950 gesehen habe. Ich habe von 1932 bis 1936 sowjetische Gefängnisse und Wiedererziehungsanstalten besucht, und ich habe festgestellt, daß sie mit Humanität und Intelligenz verwaltet wurden. daß man darin die Häftlinge so gut wie möglich sich selbst dirigieren ließ, daß man die kleinlichen Schikanen verhinderte, daß man endlich den Gefangenen eine nützliche Arbeit gab und sie anständig behandelte. Der wichtigste soziale Vorzug des Systems bestand darin, daß nach ihrer Freilassung der Prozentsatz der Rückfälligen sehr klein war.

Aber mein erster Besuch in einem Besserungsarbeitslagers fand im September 1950 statt.

Ich muß zunächst genau angeben, wieso die Leute in ein solches Lager kommen. Es werden dahin nur diejenigen gebracht, die eines Verbrechens von gewöhnlichen Gerichten für schuldig befunden waren und in der Folge eine sehr lange andauernde Strafe erhalten hatten. Dies, damit ihr Aufenthalt im Lager Chancen von befriedigender Wiedererziehung gäbe. So gar in diesem Fall werden die schwersten Verbrechen mit gewöhnlicher Haft bestraft, denn das Gefängnisregime wird als strenger betrachtet als dasjenige der Arbeitslager.

Frauenarbeitslager1Ende September besuchte ich das Lager von Krukowo, Es befindet sich rund 40 Kilometer von Moskau, nahe an der Straße und der nach Leningrad führenden Eisenbahnstrecke, auf dem Punkt, wo sich der deutsche Eindringling im Herbst 1941 Moskau am meisten genähert hatte. Es besteht aus Backsteingebäuden, die in einer Linie stehen. Es sieht gewöhnlich aus, ist mit einem Gitter umgeben und nimmt eine Fläche von rund einer halben Million Quadratmeter ein. Im Innern wohnen 1000 Häftlinge, 700 Männer und 300 Frauen, die meisten vierzigjährig, die Strafen von fünf bis zehn Jahren absitzen.

Das Lager ist in zwel Teile geteilt: das Aufenthaltsquartier und die Fabrik. In der Fabrik arbeiten die Häftlinge: sie haben dort soviel Bewegungsfreiheit wie jeder Fabrikarbeiter, nicht mehr und nicht weniger. In ihrer Freizeit müssen sie im anderen Teil des Lagers sein und selbstverständlich im Abschnitt, der ihrem Geschlecht vorbehalten ist. Aber sie haben jedwede Bewegungsfreiheit in der Kantine, im kleinen Klub, im Lesesaal, im Garten und in der Genossenschaft.

Jeder Sträfling hat 15 Tage Urlaub

Die Schlafsäle besitzen harte, in zwei Reihen aufgestellte Betten. Sie sind sauber, luftig und geruchlos, und man bemerkt Zeichen von Komfort, wie zum Beispiel die mit Vorhängen behangenen Fenster. Die Gefangenen können Bettüberzüge und andere von zu Hause kommende persönliche Gegenstände erhalten. Die Frauen selbstverständlich besitzen deren mehr als die Männer. Die Häftlinge stellen in den Zimmern Marmeladegläser auf, die aus dem Garten stammende Blumensträuße enthalten; es gibt einige Tische sowie einen für die Schachspieler reservierten Platz.

Die qualifizierten Arbeiter und jene, die fünfzehn Tage Ferien haben, auf welche jeder Häftling jährlich Anrecht hat, lebten in bequemeren und werniger gedrängten Schlafsälen. Die Aborte waren sauber, wie es sich geziemt, und ebenfalls geruchlos.
Jeder Arbeiter nimmt ein Bad und wechselt die Wäsche alle zehn Tage oder, wenn er eine schmutzige Arbeit zu verrichten hat, täglich oder alle zwei Tage.

KolonijaFür ihre Zerstreuung gibt es eine Vereinigung für Theaterliebhaber sowie andere Vereinigungen, Zeitungen, Bücher, Rundfunk und Konferenzen; die Vortragenden werden durch das Zentralinstitut von Moskau dort hingeschickt, wie es dieses Zentralinstitut für jedwedes Publikum durchführt.

Die Zelt, die die Häftlinge im Aufenthaltsteil des Lagers verbringen, ist vielleicht ein wenig eintönig, aber nicht unerträglich, und tagsüber gewahrt man nur selten einen Aufseher, außer demjenigen, der die Tür kontrolliert, die das Aufenthaltsquartier vom Fabriksektor trennt.

Es gibt nur 40 Wächter

für tausend Häftlinge. Auch werden einige Gefangene als Hilfswächter gebraucht; man schenkt ihnen Vertrauen, das sie nachdem was man mir gesagt hat, nicht mißbrauchten. Einige der Häftlinge arbeiten außerhalb des Gefängnisses, begeben sich von Zeit zu Zeit zu ihrer Arbeit und kehren unbeaufsichtigt zurück. Aber die meisten unter ihnen verbleiben im Lager, sogar während der Ferien.

Die Fabrik produziert verschiedene Gegenstände aus Aluminium, Autoschilder, Löffel und Gabeln, Becher, kleine Platten, verschiedene Behälter, Siegerpokale usw. Männer und Frauen arbeiten miteinander neun Stunden pro Tag (an Stelle von acht Stunden, wie dies außerhalb des Lagers geschieht) und sechs Tage pro Woche für Löhne, die fast Normallöhnen ebenbürtig sind. Die meisten arbeiten im Stücklohn.

15 Prozent des Verdienstes der Häftlinge werden zurückbehalten, um Ihnen als Ersparnisse bei ihrer Entlassung übergeben zu werden; eine andere Summe wird ihnen monatlich zurückbehalten, um ihre normalen Lebensmittelrationen zu bezahlen. Der Rest, der

wöchentlich zwei Pfund Sterling

beträgt (das sind ungefähr 112 Schilling), steht dem Gefangenen zur Gänze zur Verfügung. Dieses Geld kann er nach Hause schicken; er kann es sparen, weitere Nahrung damit kaufen oder es in der Kantine des Lagers in Schokolade, Zigaretten, Weißbrot oder andere Kleinigkeiten umwandeln.

Die Nahrung ist gut. Dies bezieht sich auf die Menge wie auf die Mannigfaltigkeit der Lebensmittel, die durch die Verordnung festgesetzt werden. Ich konnte es selbst in den Kantinen bei der Verteilung feststellen.

Das Lager besitzt ein kleines Spital, und Aerzte betreuen hier alle Krankheitsfälle, die schwersten ausgenommen (die Aerzte wechseln einander von Zeit zu Zeit ab). Die Gesundhelt der Häftlinge, hat man mir angegeben, sei genau so wie diejenige derer, die außerhalb des Lagers arbeiten.

Die Gefangenen können schreiben sowie Briefe und Besuche, die sie wünschen, erhalten. Sie haben das Recht, ihre Beschwerden dem Direktor persönlich vorzulegen. Sie können ihm auch schriftliche Reklamationen zukommen lassen: die Antwort muß ihnen in den drei darauffolgenden Tagen erteilt werden. Wenn sie sich beim Ministerium, daß sich ihrer annimmt, beklagen wollen, muß der Direktor ihren Brief, ohne daß er vorher geöffnet wurde, dem. Ministerium zuschicken und letzteres muß darauf antworten.

Jeder Fall wird sehr häufig nachgeprüft, um zu sehen, ob das Betragen des Gefangenen zum Beispiel einen sechsmonatigen Nachlaß verdient. Es besteht auch eine Verordnung, nach welcher Gefangene mit guter Führung vorfristig entlassen werden können unter der Bedingung, daß sie eine angegebene Stadt bewohnen und daß sie sich eine bezeichnete Fabrik während einer Zeit, die mit dem Rest ihrer Strafe übereinstimmt, als Arbeitsplatz aussuchen. In letzterem Fall besitzen sie jedwede Freiheit, die Verpflichtung, am bezeichneten Ort zu verbleiben, ausgenommen.

Mein allgemeiner Eindruck war, daß das Lager mit Menschlichkeit und Verständnis verwaltet wurde, daß die Disziplin darin strikt, aber nicht brutal war, daß das Lagerleben eintönig, aber nicht schwer war, daß es vielmehr erträglich und besser als das Leben Millionen „freier Menschen“ in gewissen anderen Ländern war. Schließlich konnte ich feststellen, daß die Sowjetunion die Kriminalität schneller heilte als die meisten der anderen Länder. ·

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Quelle: „Der Neue Mahnruf“ – 4. Jahrgang Nr. 10, Oktober 1951.

Anmerkung:

Denis Nowell Pritt (* 22.September 1887 – † 23.Mai 1972) war britischer Jurist und Politiker. Er war seit 1918 Mitglied der Labour Party. 1927 wurde er Kronanwalt (King’s Counsel). 1935 bis 1940 war er Parlamentsabgeordneter der Labour Party. Pritt wurde 1940 wegen der Befürwortung des Einmarschs der Roten Armee in Finnland aus der Partei ausgeschlossen und war von 1940 bis 1950 parteiloses Parlamentsmitglied. 1933 war Pritt Vorsitzender der „Internationalen Untersuchungskommission zur Aufklärung des Reichstagsbrandes“, des sogenannten „Londoner Gegenprozesses“ zum Leipziger Reichstagsbrandprozeß. Pritt erhielt 1954 den Internationalen Stalin-Friedenspreis und wurde 1957 zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig ernannt. 1965 wurde er mit dem Stern der Völkerfreundschaft in Gold geehrt. Er war Mitglied der Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen und Ehrendoktor der Lomonossow-Universität Moskau (1961)

Schriften:

  • Light on Moscow (1939)
  • Must the War Spread? (1940)
  • Federal Illusion (1940)
  • Choose your Future (1940)
  • The Fall of the French Republic (1940)
  • USSR Our Ally (1941)
  • India Our Ally? (1946)
  • Revolt in Europe (1947)
  • A New World Grows (1947)
  • Star-Spangled Shadow (1947)
  • The State Department and the Cold War (1948)
  • Spies and Informers in the Witness-box (1958)
  • Liberty in Chains (1962)
  • The Labour Government, 1945–1951 (1963)
  • Neo-Nazis, the Danger of War (1966)
  • The autobiography of D.N. Pritt. Lawrence & Wishart, London 1965–1966
    • I. From right to left.
    • II. Brasshats and bureaucrats.
    • III. The defence accuses
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Quelle: Sascha’s Welt

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2 Kommentare

  1. Vollidiot sagt:

    War er Mitglied in der Fabian-Soßeietie?

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  2. Thom Ram sagt:

    Volli

    Aus meiner Sicht wohl berechtichte Frasche.

    Gefällt mir

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