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Wie nun weiter?

Wir hatten begonnen, uns darum zu bemühen, die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft etwas herauszufinden; dazu hatten wir versucht, die Vergangenheit zu begreifen (Teil 1), indem wir uns auf dem russischen Block einer „Marketing-Managerin“ umsehen – heute Teil 2 dazu.

© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans Hervorhebungen wie im Original, Anmerkungen von mir. 29. Dezember 2018
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Der Kapitalismus kann nicht ohne Expansion existieren.

Das globale Business braucht neue und aberneue Absatzmärkte. Und diese Märkte wurden gefunden. Nicht so sehr hinter den Meeren (dort gab es schon damals nichts mehr zu fangen), sondern in den Seelen der Menschen. (ein wenig oberflächlich, denn genau die Märkte Rußlands und Osteuropas waren es, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion für den Welt-Kapitalismus geöffnet wurden und diesem in den 90er Jahren nochmals anderthalb Jahrzehnte glanzvoller Profitema­cherei beschert haben – bis 2008 „man“ wieder am Ende des Zinssystems war…)

Der Kapitalismus begann, nicht Bedürfnisse zu befriedigen, sondern immer neue und neuere Bedürfnisse zu erschaffen. Und diese triumphal zu befriedigen.
So wurde von den Anbietern der Funktelefonie (euphemistisch „Mobiltelefon“ genannt“) das Bedürfnis geschaffen, ununterbrochen zu telefonieren (bzw. heute mit dem Flachhirnersatz ständig „online“ sein zu müssen), von den Pharma-Konzernen das Bedürfnis, ständig Tabletten zu schlucken, von den Bekleidungsfabrikanten – mindestens jede Saison, besser noch jeden Tag sich neu einzukleiden.

Man kann auch neue Gefahren erschaffen – und mit Hilfe neuer entsprechender Waren sich davor „schützen“: gegen Schuppen, gegen Mikroben im Toilettenbecken, gegen die Strahlung des Funktelefons. Als Marketing-Fachfrau kann ich sagen, daß auf dem russischen Markt am besten das Modell „Weglaufen vor Gefahren“ wirkt.

So ist das Marketing in den Vordergrund getreten. Was ist Marketing?
Im Wesen ist das die Lehre davon, wie man etwas nicht Benötigtes jemandem aufdrängt.
Das heißt, alles zu tun, daß dieser das nicht Benötigte als benötigt ansieht und kauft.

Warum gab es früher, sagen wir im 19. Jahrhundert, kein Marketing?
Na, weil es daran keinen Bedarf gab. Damals wurden benötigte Waren produziert und reale Bedürfnisse befriedigt. Erst als es erforderlich war, falsche Bedürfnisse zu wecken, erst da wurde das Marketing gebraucht. Genau dieselbe Rolle spielt die totale Werbung.

„Marketologen“ sind professionell stolz darauf: wir befriedigen keine Bedürfnisse – wir erschaffen welche. Und das ist tatsächlich so.

Damit die Leute alles kaufen, egal was, müssen die rationalen Gründe angeschafft werden. Da wir über aufgedrängte und falsche Bedürfnisse sprechen, wird es gefährlich, diese rational zu erörtern. Da kann leicht herauskommen, daß sie falsch sind – daß man über etwas redet, was es in natura gar nicht gibt und daß es aufgrund der Naturgesetze auch gar nicht geben kann.

Das Aufzwingen von Bedürfnissen geschieht streng auf emotionalem Niveau.
Die Werbung appelliert an die Emotionen – das ist eine tiefere, niedrigere Schicht der Psyche als der Geist, die Vernunft.
Weiter unten kommen nur noch die Instinkte. Sie sind es, woran heutzutage die Werbung direkt appelliert.

Damit der ganze Prozeß lebhafter vorangeht, ist es notwendig, das Hindernis in Form des rationalen Bewußtseins, die Gewohnheit des kritischen Denkens und die wissenschaftlichen Kenntnisse in den Massen zu beseitigen.
Sehr gut, daß diese Gewohnheiten und das Wissen schon in der vorherigen Etappe zerrüttet worden waren.
Denn als das stört die globale Expansion des Kapitalismus! Das stört den Verkauf von Bergen unnützer und nicht benötigter Waren.

Überhaupt ist es heute gar nicht mehr nötig, sein kritisches und rationales Denken einzuschalten. Das ist nicht modern, nicht trendy.
S.G. Kara-Musa spricht ständig von der Manipulation des Bewußtseins (eigentlich hat das gleichnamige Buch ihm erst Bekanntheit verschafft). Das ist aber nicht ganz so.
Das globale Kapitalismus stellt sich eine weitaus ambitioniertere Aufgabe als die Manipulation des Bewußtseins. Bewußtseins-Manipulation, das ist eher eine Art präziser Betrug, ein einmaliger Kartentrick.

Heute geht es um die globale Formung des idealen Verbrauchers, der vollständig sein rationales Bewußtsein verloren hat, und seine wissenschaftlichen Kenntnisse von der Welt. Der bekannt Philosoph Alexander Sinowjew hat das richtig aausgedrückt. daß der ideale Verbraucher so etwas wie eine Röhre ist, in die man zum einen Ende die Waren hineinpumpt, und wo sie aus dem anderen Ende pfeifend auf den Müll sausen.

Was ist der ideale Verbraucher?
Das ist ein absolut ungebildeter, lebensfroher Blödkopp, der in seinen elementaren Emotionen lebt und alles Neue haben will.
Man könnte auch delikater sagen: ein sechsjähriges Kind. Aber wenn du mit 30 Jahren die Psyche eines Sechsjährigen hast, dann bist du doch ein Blödmann, egal wie delikat man das ausdrückt.
Er hat ein glattes, nicht durch überflüssige Gedanken verunstaltetes Gesicht, sauber mit „Gilette“ rasiert und ein schneeweißes Gebiß, bearbeitet mit der entsprechenden Zahn­pasta.

Er ist munter, positiv, dynamisch und immer bereit. Zu verbrauchen.
Was genau? Was ihm gesagt wird, das wird er nehmen. Dazu ist er der ideale Verbraucher. Er wird nicht jammern „Wozu brauche ich das neue iPhone, wenn ich das alte noch nicht mal richtig beherrsche? Und überhaupt brauche ich das nicht“.
Ihm wird gesagt, daß er das braucht, und das langt. Wenn er das neue Spielzeug in die Hand bekommt, muß er das alte augenblicklich wegwerfen.

Er muß ständig etwas knabbern und dabei eine „paradiesische Beglückung“ empfinden, gleichzeitig heroisch mit den überflüssigen Pfunden kämpfen. Und dabei nicht mal die Idiotie seiner Benehmens bemerken.
Es muß ständig am Telefon quatschen und dabei rasend bei den Telefontarifen sparen.
Er muß (oder das ist eher „sie“) ununterbrochen seine Nächsten gegen Mikroben verteidigen, was eigentlich gar nicht nötig und sogar schädlich ist.
Und das wichtigste: er muß glauben – an alles glauben, was man ihm sagt, ohne je Beweise zu verlangen.

Überhaupt, das Phänomen des rationalen Beweises, das irgendwann einmal eine großartige Errungenschaft der antiken Zivilisation gewesen ist und seitdem mit der denkenden Menschheit untrennbar verbunden war, erlischt vor unseren Augen und droht zu verschwinden.
Die Leute haben schon keinen Bedarf mehr daran.

(Fortsetzung folgt)


9 Kommentare

  1. Hawey sagt:

    Dieser Kommentar ist nicht gegen den Artikelschreiber gerichtet und ich muss mich bedanken das mir endlich der Kragen geplatzt ist, Sorry und danke luckyhans

    Ich bin es leid diese Themen immer und immer wieder durchzukauen. Warum, wieso, weshalb. Weiß ich doch nicht. In meinen Augen dient das alles nur dazu das System am Laufen zu halten. Sieht man ja an dem was sie uns verkaufen sie versprechen uns mit dem und dem sind wir strahlende Persönlichkeiten. Alles rennt und kauft nur um wenig später festzustellen auch das brachte mir nicht das große Glück. Sie verkaufen uns vergängliche Dinge und pflanzen uns ein, wenn wir sie besitzen wären wie wer. Wie ein Gockel stolzieren wie dann inmitten dieser Dinge und krähen jedem vor wie großartig wir doch sind. Ha Dinge kommen und gehen das Universum bringt jeden Augenblick Milliarden von Dingen hervor die kommen und gehen aber Leben oder Lebensqualität besitzen sie nicht das ist nur Einbildung und Illusion. Damit aber saugen sie uns unsere Energie und Arbeitskraft heraus.

    Nun Mensch ein Ding hat keine Qualität und keine Lebenskraft du bist das alles. Erkenne das ICH BIN wach auf.

    Eines weiß ich unsere Welt unser Leben ist davon nicht abhängig denn wir jetzt wissen oder glauben zu wissen ist alles Illusion und ich finde es gut das die ganze Scheiße endlich sein Ende findet und wir uns endlich auf das Leben selbst besinnen müssen. Sieht man nicht an den unterdrückten Ausgrabungen das wir als Menschheit schon mal wesentlich großartiger waren? Heute sind wie nur noch erbärmlich voller ich Bezogenheit und Egoismus

    Warum, warum, warum das ist die Frage die man sich in den letzten Jahren öfter gestellt hat als sonst. Haben wir eine vernünftige Antwort bekommen? Nein es sind immer nur Andeutungen oder Morgen passiert es, dann stehst du auf und schaust aus dem Fenster und siehst die große Befreiung die Freiheit ist doch nicht gekommen, weil ein galaktischer Strahl die Erde nicht berührt hat. Also, warum? Darum, wäre eine ehrliche Antwort. Stattdessen hat man uns Prognosen und Statistiken um die Ohren das uns das Hirn glüht. Ja dann kommt es ja Morgen oder war es schon gestern oder vorgestern. Wenn dann mal wirklich eine Kleinigkeit passiert dann heißt es siehst ich habe es ja gesagt, Kikeriki.

    Was soll das, von Prognosen und Statistiken kann kein einzig armer Mensch abbeißen. Na gut wir schauen ja auch gar nicht mehr hin was für Leid auf der Welt passiert sind wir doch alle damit beschäftigt unser EGO aufzublasen. Wo ist die Menschlichkeit, wo ist die Freundlichkeit, wo ist das lächeln wo ist das Familienleben. Was sagen die Statistiker und Prognosen da. ….. Ich höre nichts, ach da habt ihr ober schlauen keine Antwort, das was die Menschen belebt und erhellt da habt keine Antworten was habt ihr studiert Gehirn Exitus? Ihr studierten Idioten habt nie was anderes gelernt als Gehirnakrobatik und wie man seine Dr. Arbeiten fälscht und wie ihr anderen Menschen ihre Werte mit Gesetzen die gegen das Leben gerichtet sind stehlt. Man, dass ist Raub, ihr seid gewissenlose Räuber und Mörder. Den Thron und die Krone 🤴 die ihr aufhabt sind gestohlen ist nur Diebesgut. Ich habe genug von euren schönen und verdrehten Worten und euren Statistiken, Prognosen und Versprechungen schert euch zurück in die Hölle aus der ihr gekommen seid.

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  2. webmax sagt:

    „“Der Kapitalismus kann nicht ohne Expansion existieren“
    Diese Aussage halte ich für falsch.
    Expansion = Ausdehnung ist der falsche Begriff für das wahrscheinlich gemeinte, von der Warenmenge völlig losgelöste Geldmengenwachstum, verursacht durch das Zinseszins-Geldsystem, welches wiederum Güternachfrage gleich Neuverschuldung erfordert.
    Es gibt sehr wohl Kapitalismus, der Entlohnung abhängig von der Leistung vorausetzt. Kreditvergabe gegen Zinsen ist dabei keine Leistung.

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  3. makieken sagt:

    BWL -1. Semester:

    Bedürfnis = Mangel/ Mangelerscheinung
    Bedarf = FINANZIELL gedecktes Bedürfnis

    In ceterum censeo, dass die hier lesenden Menschen längst über die Beeinflussung durch Werbung Bescheid wissen und demnach nicht mehr beeinflussbar sind. Wie heißt es so schön? Alles was beworben werden MUSS, ist des Kaufs nicht würdig. Bäng, und ich hab früher mal im Marketing… Aber zum Glück ist ja jetzt Winter…

    War die letzten Tage auch gut in Deutschland unterwegs. Gruselig wars. Hunderte von Konsumtepeln ohne jegliches natürliches Licht, sprich fensterlos. Weiterhin so lustige Werbeplakate wie „Deutschland sucht den Impfpass“ oder „Organspendeausweis – Wie sie ihn tragen, ist egal.“…

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  4. MaryPoppins sagt:

    Ja. Grußelig ist’s. Und ich laufe immer, nur, wenn ich wirklich muss, durch diese massen und merke später, dass ich meinen mund wieder zumachen muss. Auch ist’s gut, dass ich meinen eigenen entsetzt, ungläubigen gesichtsausdruck nicht sehen muss. Grußelig ist’s! Und so wenige merken’s. So wenige… Die allerdings erkennen sich auf den 1. Blick. Ich freu mich immer sehr drüber erkennende augen zu erblicken. Da grüßt man schon mal wildfremde menschen auf offener straße. Einfach so. Und das verrückte: die lächeln und grüßen zurück. Das sollten wir ausbauen. Klar sind’s wenige. Aber so ist das mit der gauß’schen kurve nun mal. In diesem sinne: liebe grüße an meine bb familie und rutscht alle gut rein.

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  5. MaryPoppins sagt:

    Ps um die def. Von bedarf und bedürfnisse zu lernen muss man nicht bwl studieren. Eine 2 jährige schulische ausbildung zur wirtschaftsassistentin behandelt das auch direkt am anfang. Hi hi ich bin bis zur bedürfnispyramide dem eisbergmodell und der geschichte mit den 4 ohren, die eine einfache aussage unterschiedlich hören, gekommen u hab dann schnell das weite gesucht. Reichte mir an mitzunehmendem basiswissen völlig aus in sachen wirtschaft. Hi hi… In sachen produktionstechnologien wird mein wissensdurst mich glaub mein leben lang begleiten. Und das ist auch gut so. Ich arbeite mit zuerst mit dem kopf u dann mit meinen händen. Nicht mit dem mund oder gar schriftlich. Ich nenne solche leute gern akademisch vertrottelt. Auf meiner neuen arbeit hab ich sogar einen ingenieur getroffen, der darüber herzlich lachen konnte. Der kann auch schrecklich schön angewidert zusehen, bei dem was manche menschen arbeiten nennen.

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  6. webmax sagt:

    Der ganze Text hier ist tendenziös bis einseitig zu nennen.
    Natürlich kann z.B. ständige telefonische Erreichbarkeit lästig sein – aber im (Katastrophen-?)Notfall will man nicht darauf verzichten.
    Marketing bedeutet eben nicht nur das Wecken überflüssiger Bedürfnisse, die z. B. aus Eitelkeit resultieren, sondern auch die zielgruppengerechte preis- und nutzenoptimierte Versorgung von Menschen.

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  7. norbert fuchs sagt:

    Sind wir eigentlich erwachsen,da habe ich aber mein Zweifel einschließlich meiner Person.

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  8. eckehardnyk sagt:

    Das System läuft richtig. Wer es braucht, den macht es kramk, und wer es nicht braucht, macht es glücklich.

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  9. webmax sagt:

    @eckehardnyk

    Da schließt sich der Kreis: Sind die am glücklichsten, die keine Ahnung haben?
    Gemäß Volksmund:“Selig sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer mehr“.

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