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Gerald Hüther / Mit Freude lernen

Während 30 Jahren meines Lebens arbeitete ich als Lehrer, gab mein Bestes, fühlte, dass dieses Beste nicht genug ist, und ich litt darunter wie ein eingesperrter Hund, täglich.

 

Die Genialität, eine alternative Schule zu gründen, war mir nicht gegeben. Häufig grübelte ich, wie eine gute Schule denn sein müsste. Es war mir dabei das Grundsätzliche klar: Kinder lernen gerne, jeder Mensch lernt gerne. Was er lernen will, weiss er selber. Wie das nun in die Tat umzusetzen, wie eine Schule zu organisieren, bei diesen Ueberlegungen scheiterte ich. 

Ich hätte mich mit Gleichgesinnten zusammentun müssen. War nicht drin, ich lebte ein Leben als Einzelkämpfer, dummerweise, sage ich heute.

Warum nicht heute es tun? Man kann im kleinen Kreise anfangen. Mein Kind und 7 Nachbarskinder. Jeden Samstag. Es braucht kein spezielles Gebäude. Weltweit ist es…..nicht verboten, mit Kindern zusammenzusein und ihnen Lernräume zu schaffen.

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Nun breitet Gerald Hüther mir und uns Ergebnisse neuerer Forschungen aus. Eine Wohltat ist es für mich. Mit Weitwinkel holt er Zusammenhänge her und mit Tiefbohrung erklärt er, was ich teilweise nur ahnte.

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Danke, Gerald Hüther.

Danke, Ken Jebsen.

Eingereicht von Palina.

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Begleittext zum Video in Youtube

Die hebbsche Lernregel, verkürzt in dem Ausspruch: „What fires together, wires together“, ist die grundlegende Essenz dessen, was die vergangenen Jahrzehnte in der Hirnforschung hervorgebracht haben.

Neuroplastizität nennt sich das dahinter verborgene Phänomen, welches ganz nach seiner inhärenten Logik dafür sorgt, dass wir alle, die wir eine Schule aufgesucht haben, den Lernprozess unweigerlich mit dieser Institution in Verbindung setzen.

Nun würde dies an sich kein Problem darstellen, wenn Schulen tatsächlich Orte wären, in denen die im Menschen verankerte Lernbereitschaft genährt würde und Rücksicht auf die individuellen Voraussetzungen eines jeden Einzelnen genommen würde. Wie wir wissen, ist die Realität jedoch vielerorts eine andere: Die Mehrheit der Menschen musste von der frühen Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter die Erfahrung machen, dass an Schulen genau das Gegenteil dessen passiert, was sich alle Beteiligten – von den Eltern über die Schüler bis zu den Lehrern – von ihr erhoffen.

Bereits wenige Jahre, in denen einem jungen Menschen die Zwangsjacke der Schulpädagogik übergestreift wird, reichen aus, um das innere Feuer der Neugierde – die oft beschworene „Freude am Lernen“ – für immer auszulöschen. Zwar stellt die Gesellschaft eine breite Palette an Ersatzbefriedigungen bereit, um das entstandene Loch irgendwie zu stopfen, doch keine Fast-Food-Orgie und auch kein Konsumrausch werden auf lange Sicht je in der Lage sein, ein wohliges Kohärenzgefühl im Gehirn zu erwirken.

Schulen sind keine Entfaltungsorte, sondern ein wichtiger Seitenarm des Systems zur Wahrung von Konformität gegenüber der herrschenden Ordnung. Dass dies nun schon seit Jahrhunderten so geht, unterstreicht nur wie überfällig ein neues Lernkonzept ist. Denn um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern, bedarf es mehr als einer großen Masse angepasster Ja-Sager, die in die Schule geht, weil man halt muss. Stattdessen muss Schule ein Ort werden, zu dem die Kinder gehen, weil sie Lust haben, etwas Gutes auf diesem Planeten zu tun und wo ihnen als Schlüssel zur Problembewältigung individuelles Denken und Kooperationsbereitschaft mit auf den Weg gegeben werden.

Wer ernsthaft daran interessiert ist, eine solche Entwicklung voranzutreiben, sollte sich einen kompetenten Hirnforscher mit ins Boot holen. Menschen wie Gerald Hüther, die sich seit vielen Jahren mit dem wichtigsten Lernorgan des Menschen beschäftigen, kennen die Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen, um Lernen von einem äußeren Zwang zu einer intrinsischen Motivation zu verwandeln.

Wer Hüther zuhört, erlebt ein sonderbares Wechselbad der Gefühle. Die Begeisterung über den breiten Wissensschatz, den uns die Neurobiologie inzwischen zur Verfügung stellt, paart sich mit einer Wut über die Starrheit des Systems, welches sich partout weigert, das zu machen, was es eigentlich vermitteln sollte: Aus eigenen Fehlern zu lernen. Jeder Einzelne, der nun Empörung über die aktuellen Zustände empfindet, ist dazu aufgefordert, diese Kraft in positive Bahnen zu lenken. Da verhält es sich wie mit einer schlechten Gewohnheit. Andere Personen können einen zwar darauf hinweisen, aber sich zu ändern, das liegt einzig und alleine in den Händen des Betroffenen.

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Inhaltsübersicht:

00:16 Gerald Hüther – „Popstar“ der Neurobiologie

11:10 Historischer Kontext der „Systemmaschinerie Schule“

22:02 Freude am Lernen – Wie funktioniert das?

33:58 Die Fehlerhaftigkeit alter Ordnungssysteme und die Chancen Europas, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen

53:41 Selbstorganisation als Alternative zu heutigen Ordnungssystemen

1:14:12 Die Frage nach der Würde

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Speziell empfehle ich

1:28:21 Erfolgreiche Integration aus Sicht der Hirnforschung

Da werden sich einige Gemüter erhitzen. Bitte abkühlen. Bitte Konkretes denken und allenfalls als Kommentar eingeben. 🙂

Thom Ram, 05.08.06

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7 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

  2. Gabriela Ambrosch sagt:

    Antwort im Anhang! LG

    > WordPress.com bumi bahagia / Glückliche Erde h

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  3. Hat dies auf Leuchtturm Netz rebloggt und kommentierte:
    Vielen Dank für den Impuls sich mal das Gehirn und seine Funktionen aus der Sicht von Gerald Hüther zu betrachten….

    Ich schätze den Herrn Hüter schon lange, vielleicht weil er so eine unaufdringliche Art hat die Dinge zu vermitteln.

    Ich wünsche mir, dass einige seiner Sichtweisen und Vorschläge zum Leben und Lernen Platz in unserer Welt finden.

    Es ist an der Zeit, dass unsere Schulen Plätze der Freude werden, wo Lernen kein Druck bedeutet, keinen Konkurrenzkampf, sondern Förderung der eigenen Potentiale.

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  4. Luxus Lazarz sagt:

    Lieber Thom,

    Danke für den Beitrag. Nach meinem Empfinden sind jedoch – nicht die Schulen das Problem, sondern das Denken der Menschen, welches stets auf den Gedanken Anderer gründet. Kaum einer denkt eigene Gedanken, die auch zumeist erst dann auftauchen – wenn man Gelerntes und tatsächlich Erfahrenes hinterfragt. Meist passiert dies erst in der Pubertät, wenn die Wissensspeicher bereits über Jahre gefüllt wurden, und dies in einer Art, die gar keine Selbstständigkeit fördern kann. Aller Stoff wird in Häppchen gereicht, möglichst jede Stunde ein anderes Fach, sodass man unweigerlich den Anschluss verliert. Folgt die nächste Stunde zum Stoff, ist dazwischen soviel Anderes vermittelt worden, im Alltag allgemein passiert, was das in der gestrigen Stunde gelernte – wie ein Müllberg – überdeckt.

    Der Ansatz, welcher zum Beispiel in der ‚Schetinin-Schule‘ praktiziert wird, nämlich ein Fach am Stück solange zu lernen, bis es verstanden ist und „der Stoff sitzt“, erweist sich mir als die bisher eindrücklichste Erkenntnis – bezüglich eines erneuerten Schulwesens. Allerdings frage ich mich, wem nützt es – wenn ich all das weiß, was mir ein Abiturzeugnis einbringt? Echte Begabungen, brauchen gar nicht beschult zu werden, nur betreut und gefördert, denn diese Kinder lernen – weil sie wissen wollen, mehr wissen wollen, weil es ihnen Freude macht – zu erkennen, zu entdecken und anzuwenden. Und dabei ist es gleichgültig, ob der Wissensdurst eine Kindes der Natur, der kreativen Gestaltung, einer Sprache oder der Mathematik gilt. Sich in ein Gebiet einfühlen zu können, ist stets eine Begabung für das Wesentliche darin. Doch dies braucht Raum und Zeit, um sich zu entfalten, Zeit – die in gewisser Weise in der Schule immer noch nach Protokoll verkleckert wird.

    Den Hinweis von Herrn Hüther, dass in altersmäßig gemischten Lerngruppen alles Vergleichen und der Wettbewerbsgedanke zwangsläufig entfällt – habe ich mit Begeisterung verinnerlicht. 🙂 Denn er ist auch außerhalb der Schule, also im echten Leben – unglaublich wahr und nützlich.

    Sonnige Grüße

    Luxus

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  5. Max Webmax sagt:

    mariettalucia
    06/08/2018 um 04:15
    „Es ist an der Zeit, dass unsere Schulen Plätze der Freude werden, wo Lernen kein Druck bedeutet, keinen Konkurrenzkampf, sondern Förderung der eigenen Potentiale.“

    Edelste Traumtänzerei. Das wird in diesem Jahrhundert nichts mehr. Wenn 60-80% in den Schulklassen keine Lust haben zu lernen (die wollen nicht mal ihren Namen tanzen), ziehen sie den Rest mit runter und die Lehrer lethargisieren nur noch. Jetzt schon Realität in D.

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  6. thom ram sagt:

    Luxus 20:04

    Ich habe mich in deinen Kommentar hineingeschraubt.
    Auftauchende Frage dabei:
    An der Schetininschule gebe es Zeitdruck? Icke nicke folgen kann.

    Nicht die Schulen seien das Problem, sondern das Denken der Menschen, sagst du. Mönnsch, Luxus, klaro ist das so. Die Schulen sind das Produkt der Denke der Menschen, wie anders könnte es sein? Also gängige Schulen sind äh nicht so gut, weil Denke der Menschen irregeleitet. So isses.

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  7. Luxus Lazarz sagt:

    Dankeschön für die Antwort. Das mit der Schetininschule hast du einfach missverstanden. Ich preise diese als vorbildliches Beispiel an, was das nachhaltige Lernen anbelangt. Die vermittelten Stoffe sind dann jedoch auch wieder das alte Brot.

    Fühlbare Grüße

    Luxus

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